Der Escada Zock geht weiter

Die Escada Aktie konnte gestern satte 92 Prozent zulegen. In der Spitze notierte die nun eigentlich wertlose Aktie des Modekonzerns sogar bei 2,06 Euro in Frankfurt. Natürlich kann man dies durchaus als lohnendes Kurzfrist-Investment bezeichnen wenn man zur richtigen zeit ein- und ausgestiegen ist. Und genau hier liegt das Problem. Marktbeobachter reiben sich beim Blick auf die Escada Aktie in den letzten beiden Tagen verwundert die Augen. Hat doch die Nachricht das Megha Mittal,  die Schwiegertochter von Stahl Milliardär Mittal einige Assets des Modekonzerns Escada kaufen möchte und gestern sogar schon dort shoppen war dazu geführt das der Aktienkurs explodiert ist. Inzwischen hat die Escada AG, zumindest auf dem Papier, wieder eine Bewertung erreicht die höher liegt als vor der Ankündigung der Pleite des Unternehmens!

Woher diese Euphorie kommt ist mir etwas schleierhaft, wahrscheinlich ist es die selbe Mischung wie immer nur etwas exzessiver. Die Zocker wittern Ihre Chance und treiben die Sau durchs Dorf (entschuldigte bitte meine Ausdrucksweise, aber das ist in der Börsenwelt durchaus ein gängiger Begriff) Die Gierigen und die Ahnungslosen springen dann noch schnell auf den fahrenden Zug auf in der Hoffnung schnell viel Geld zu machen. Wenn letztere sich dann kurz an Ihrem Erfolg laben können und damit beschäftigt sind sich selber für diesen gelungenen Deal auf die Schulter zu klopfen fangen die Zocker bereits an die nun teuren Stücke kräftig abzuladen. Meistens lassen sie die Aktie dann aber nicht sofort wieder fallen sondern versuchen das Spiel zwei bis dreimal durch zu spielen. Soll heißen zwischendurch wird der Kurs immer wieder hochgekauft um in der Euphorie der anderen dann wieder Pakete abzuladen.

Also nochmal zusammengefasst in Kurzform. Megha Mittal kauft nur die Vermögenswerte der Escada AG, ein so genannter Asset Deal und wird nicht die AG so wie sie ist übernehmen! Das heißt es werden keine Aktienpakete im großen Umfang durch die Familie Mittal erworben, und wenn würde dies wahrscheinlich nicht über die Börse passieren. Die Escada AG ist hoch verschuldet, allein die bis 2012 laufende Escada-Anleihe ist 200 Millionen Euro schwer, und Marktschätzungen besagen das die Mittals nur ca. 30 Millionen Euro für die Vermögenswerte zahlt. Diese werden dann zur Befriedigung der Gläubiger verwendet – erstrangig wohlgemerkt! Selbst wenn es 50 Millionen Euro wären die als Kaufpreis bezahlt werden ist also die Chance das hier für die Aktionäre etwas übrig bleibt gleich null! Für Megha Mittal ist der Kauf dieses Unternehmens leicht aus der Portokasse zu bezahlen, für den Anleger der einen Totalverlust erleiden kann eher nur eine schmerzliche Erfahrung.

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