„Der erste harte Indikator dreht“

Nach einem überraschend starken Auftragsplus für die deutsche Industrie steigen die Hoffnungen auf ein Ende der Konjunkturtalfahrt. Im Mai stiegen die Ordereingänge gegenüber dem Vormonat um 4 4 Prozent und damit weit stärker, als Ökonomen erwartet hatten. Nach vorläufigen Zahlen nahmen die Inlands- sowie die Auslandsbestellungen um 3,9 beziehungsweise 5,2 Prozent zu, teilte das Wirtschaftsministerium am Dienstag in Berlin mit. Der Dax legte nach Bekanntgabe der Zahlen zu und stieg bis zum frühen Nachmittag um gut 1 Prozent auf rund 4700 Punkte.

Die Ordereingänge erhöhten sich damit das dritte Mal in Folge. Im April hatten sie um 0,1 Prozent zugenommen. „Die Aussichten auf eine breiter angelegte Stabilisierung der Industrieproduktion haben sich damit gefestigt“, heißt es weiter. Von der Finanznachrichtenagentur dpa-afx befragte Volkswirte hatten für Mai mit einem Orderplus von lediglich 0,8 Prozent gerechnet. Die Auftragseingänge gelten neben der Industrieproduktion – die Zahlen folgen am Mittwoch – als ein wichtiger Frühindikator für den weiteren Konjunkturverlauf. Im Vergleich zum Vorjahresniveau fallen die Auftragseingänge aber noch deutlich niedriger aus. Sie lagen um 33,5 Prozent unter dem Stand von April/Mai 2008.

Das Ministerium verwies darauf, dass der Anteil an Großaufträgen für einen Mai „leicht überdurchschnittlich“ gewesen sei. Bei den Auslandsorders zogen den Angaben zufolge vor allem Bestellungen außerhalb der Euro-Zone an (plus 8,2 Prozent). Mehr Aufträge verbuchten insbesondere Hersteller von Investitionsgütern, und zwar ein Plus von 5,9 Prozent. Hierzu zählt auch die Produktion von Kraftwagen und Kfz-Teilen, wo 9,8 Prozent mehr bestellt wurde. Im aussagekräftigeren Zweimonatsvergleich (April/Mai gegenüber Februar/März) erhöhte sich die Nachfrage nach Industrieprodukten um 4,2 Prozent. Die Inlandsnachfrage stieg um 3,9 Prozent, die aus dem Ausland um 4,5 Prozent.

Analysten zeigten sich überrascht von den guten Zahlen. Stefan Mütze von der Helaba sagte: „Die Daten zum Auftragseingang sind viel stärker als erwartet ausgefallen. Besonders das Plus bei den Investitionsgütern ist ausgesprochen erfreulich. Ich gehe davon aus, dass wir eine Trendwende in der Industriekonjunktur haben. Allerdings wird es in den kommenden Monaten nicht in demselben Tempo nach oben gehen.“

Ralph Solveen von der Commerzbank sagte, mit dem Auftragsplus habe „aus unserer Sicht der erste harte Indikator gedreht. Wir dürften um die Jahresmitte den Tiefpunkt bei der Wirtschaftsleistung gesehen haben, die Wirtschaft könnte sich im zweiten Halbjahr erholen. Wir sehen aber keinen V-förmigen Aufschwung, sondern eine langsame Erholung.“ Laut Lothar Hessler von HSBC Trinkaus unterstreichen die Daten „die Erwartungen, dass wir das Schlimmste hinter uns haben. Trotzdem darf man nicht allzu sehr jubeln:

Wenn wir auf dem jetzigen Niveau blieben, hätten wir bis zum Jahresende immer noch negative Raten. Allerdings dürften wir das erste Quartalsplus seit sechs Quartalen bekommen“. Auch Heinrich Bayer von der Postbank sprach von einer „positive Überraschung“, wollte aber noch nicht von einem Aufwärtstrend sprechen Hier kann es auch wegen der Osterferien eine saisonale Verzerrung gegeben

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