Das Dümmste des Tages – Aktienkurse schwanken halt…!

Gestern war es mal wieder soweit. Übermannt von der Ignoranz und offensichtlichen Verblendung einiger Politiker habe ich ernsthaft überlegt eine neue Kategorie hier im Blog aufzumachen. Der Titel sollte dann lauten „Das Dümmste des Tages“ …oder so ähnlich. Spontan gekommen ist mir diese Idee beim Lesen der Aussagen einiger namhafter Politiker zum aktuellen Geschehen an den Börsen. Sinngemäß hieß es dort dass man sich nicht um die fallenden Börsenkurse sorgen würde und diese auch nicht kommentieren will, denn schließlich hätten Aktienkurse ja schon immer geschwankt. Der Grund warum Aktienkurse „schwanken“ ist allerdings bei dieser Betrachtung ganz wesentlich, wie ich finde!  Wohin sie dann „schwanken“ kann auch eine enorme Auswirkung auf die Realwirtschaft haben, liebe Politiker. Und letztlich…schwanken Sie gar zu tief kann es sein dass bald gar nichts mehr schwankt ! Manchmal kann ich nicht glauben was ich lese. Sollte dies allen Ernstes die Meinung der politischen Führung unseres Landes zur aktuellen Situation an den Kapitalmärkten sein? Ich unterstelle mal eher eine taktische Verharmlosung einer extrem gefährlichen Situation, die allerdings plumper nicht sein könnte.

Und wenn die Kurse nun doch nicht nur schwanken sondern auf lange Sicht abstürzen und damit auch das Kapital vieler Kleinanleger vernichten die ihr Geld, in gutem Glauben an einen schönen Lebensabend, in Aktienfonds oder dergleichen gesteckt haben? Menschen, die sich in den „normalen Zeiten“ einmal eine Rente ausgerechnet haben, mit der Sie sich ihren wohlverdienten Ruhestand  versüßen wollten. Menschen die an die Anlageform der sicheren Altersvorsorge mittels einer Lebensversicherung geglaubt haben, und die nun fürchten müssen dass es Ihre Versicherungsgesellschaft bis zum Renteneintritt vielleicht gar nicht mehr geben könnte? …Und da wäre dann noch die Inflation, die den verbleibenden Rest der Rendite – sofern es eine geben wird – noch aufzehrt. All diese Menschen könnten durch weiterhin mangelnden Handlungwillen der Regierungen enttäuscht werden und würden dann später wiederum dem Staat zwangsweise auf der Tasche liegen. Sicher wäre dann wohl auch eine gewisse „Schwankungsbreite“ bei den Renten und anderen Sozialleistungen…

Wut und Angst regieren inzwischen auf Europas Straßen, und nicht nur ich persönlich empfinde die Situation inzwischen als extrem bedrückend. In Griechenland fehlt wohl nur noch ein Funke bis die marodierenden Horden durch die Strassen Athens ziehen werden. In Italien ist von einer drastischen Zunahme der Selbstmordrate die Rede und in Spanien sitzt die Hälfte der arbeitswilligen Bevölkerung  auf der Strasse. Apropos Spanien, die heutigen Aussagen des spanischen Finanzminister Christobal Montoro haben eine neue Qualität. Der Politiker sagte dass ein Rettungspaket für sein Land alleine schon aufgrund der große des Landes gar nicht möglich sei und drängte darauf dass die EU nun rasch in Richtung einer Bankenunion bewegen solle. Bis gestern noch hat er die Meinung vertreten dass sein Land gar kein Rettungspaket brauche. Auch hier haben wir es also offensichtlich mit Schwankungen zu tun – den Gemütsschwankungen von Politikern, die Ihre Worte in diesen Zeiten nach meinem Dafürhalten zunächst einmal einer kritischen Prüfung unterziehen sollten bevor sie ausgesprochen werden. Weiter erklärte Christobal in einem Radiointerview heute  das die Tür für Spanien zu den Finanzmärkten momentan verschlossen sei. Natürlich blieb auch dieser Satz nicht ohne Folgen für die Aktienkurse weltweit…

Ich bin mir somit jetzt nicht mehr sicher welche Aussage den Titel „Das Dümmste des Tages“ verdient hätte, und habe mich entschlossen diese Kategorie nun doch nicht zu starten, da ich sonst befürchten müsste hier künftig meine ganze Energie und Zeit für den ganzen politischen Wahnsinn zu opfern. Und manchmal ist selbst mir nicht klar welchen Sinn das machen sollte überhaupt weiter zu schreiben, wenn in einer solch kritischen Situation wie sie gerade vorliegt so wenig Weitsicht vorhanden ist, und sowieso alles nur noch schwankt! Wir Aktienanleger bleiben weiterhin Spielball der Politik mit ungewissem Ausgang, das ist traurig aber leider nicht zu leugnen. In diesem Sinne, „schwanken“ Sie mit oder lassen Sie es einfach bleiben. Ich persönlich bin in diesen Tagen etwas schwankungsmüde geworden..auch wenn ich grundsätzlich daran glaube dass wir demnächst mal wieder in die Gegenrichtung schwanken könnten.

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17 Comments

  1. Thomas said:

    Lars, feuerten wir seinerzeit Jean-Claude nicht an, noch mehr Portugiesische Anleihen aufzukaufen um sie in der Pfeife zu rauchen?

    Gut, „unser Jean-Claude“ ist nicht Boss der Commerzbank. Aber wo ist der Unterschied, wenn der Staat seine Privatbank (?? was ist das ??) anweißt, Portugiesische Staatsanleihen aufzukaufen, insbesondere, wenn der Staat selbst Portugal ist?

    Eine Alternative zu Eurobonds ist die direkte Finanzierung von Einzelstaatshaushalten durch die EZB, was ihr gegenwärtig untersagt ist. Was hälst Du von dieser Alternative?

    Wenn die Idee nicht so „doll“ ist, halt mal die Chinesische Zentralbank anfragen, ob die nicht Lust auf ein paar Griechische Anleihen hätte – oder die Finanzierung des Griechischen Haushaltes nicht gleich ganz selbst übernehmen möchte (gedruckte Yuans nach Athen schicken). Ich glaube, Tsipras hatte schon so ne Idee.

    Das letzte ist ernst gemeint, da es hier auch um Machtpolitik geht, die ich bei dem ganzen Gejammere um die Eurokrise nicht vernachlässigen möchte.

    • Lars said:

      Was Alexis Tsipras so im Schilde führt bleibt mir noch etwas im Verborgenen, dass seine Wahlversprechen so nicht funktionieren können ist für mich hingegen offensichtlich. Am Ende kann man nur hoffe dass es genügend clevere Griechen gibt die sich nicht auf dieses Wagnis einlassen möchten. Der Preis den Herr Tsipras bereit ist seinen Bürgern aufzudrücken dürfte viel zu hoch sein. Am Ende geht es natürlich nur um Machtspielchen sowohl auf der Griechen als auch auf „unserer“ Seite. Ob die Chinesen hier allerdings irgendwie mitspielen wollen oder werden wage ich doch ernsthaft zu bezweifeln 😉

  2. Thomas said:

    Alles wird gut. Der Dax schwankt heute wieder! Und wegen der Bankenkrise in Spanien hätte man mit Banco Santander seit Montag ca. 10% machen können.

    Die heutige dpa Meldung „EU bittet Banken und Gläubiger zur Kasse“ endet mit dem Satz: „Alle EU-Staaten müssten Krisenfonds für die Abwicklung von Banken aufbauen, die sich aus Abgaben der Institute finanzieren. *In Deutschland gibt es einen solchen Fonds bereits.*“

    • Lars said:

      Ja aber das soll erst ab 2014 gelten und die Haftung der Gläubiger erst ab 2018. Tolle Idee, die bestimmt heute schon hilft. Man fragt sich als geneigter Leser immer ob die Damen und Herren wirklich annehmen dass sie bis 2018 so weiter machen können??? Ich schätze mal wir haben maximal noch 12 Monate Zeit…Sollten sich die Haftungsverhältnisse dann tatsächlich bald ändern bleibt zu hoffen dass im Gegenzug dazu der Staat künftig auch nicht mehr Einfluss auf die Banken beim Ankauf von Staatsanleihen andere Länder nehmen wird.

      Unsere Politiker sind nämlich nicht ganz unschuldig an der ganzen Misere…In der letzten Krise wurden eben genau diese Banken, die jetzt teilweise im Feuer stehen, aufgefordert Anleihen kriselnder Staaten zur Stützung des Systems aufzukaufen. Hat leider irgendwie nicht geklappt! Hier wird versucht den schwarzen Peter jetzt an die bösen Gläubiger weiter zu geben.

  3. Deathproof said:

    Eh klar, Weltuntergangstimmung ist gerade. Die Maya hat doch Recht 😀

    • Lars said:

      Du wirst lachen Deathproof, genau an die musste ich in den letzten Tagen des öfteren denken. Ohne dass Ihr mich jetzt alle für ein Esoteriker oder ähnliches haltet…was wäre wenn mit dem Ende des Zyklus die komplette Neuordnung des Welt-Finanzsystems gemeint war, mit all den Veränderungen die dies mit sich bringen würde…

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  5. Thomas said:

    „..vielleicht mache ich mir heute auch mal ein Fläschchen Rotwein auf“.

    Tue das.

    Und alles wird gut.

    90% Bären 10% Bullen —> Kaufen.

  6. Hari Seldon said:

    Lars, zu der erstaunlichen Feststellung, dass Aktienkurse schwanken, fällt mir nur das „ACH WAS ?“ von Loriot ein. 😉

    Schau Dir zum Thema „Ach was“ mal das folgende Video an:
    http://www.youtube.com/watch?v=bHzI5njcO14

    Glaub mir, die 10 Minuten sorgen für bessere Laune, so kleine Fluchten müssen einfach mal sein 😉

    • Lars said:

      🙂 sehr schön, „Ach was“ vielleicht mache ich mir heute auch mal ein Fläschchen Rotwein auf…Danke für den Link Hari 🙂

  7. Hans said:

    Ruhig Blut, es kommt sowieso wie es kommen muss. Ich glaube mittlerweile nicht mehr, dass die regierende Kaste noch einen grossen Einfluss auf den makrooekonomischen Verlauf der naechsten Jahre haben wird. Er, der m. Verlauf, wird sich eher an den Sachzwaengen orientieren, welche sich mittlerweile ergeben haben. Wie dieses komplexe Geflecht aus Zwaengen sich letztendlich auswirken wird, kann meiner Meinung nach kaum jemand zuverlaessig beurteilen und demnach auch nicht sinnvoll beeinflussen. Damit ist das, was die Politiker von sich geben, fuer mich nur noch das Rauschen im Blaetterwald …

    • Lars said:

      Hallo Hans, ja das ist sicherlich richtig und weltwirtschaftlich betrachtet von keiner Bedeutung, fördert aber die Angst der Menschen und könnte in der Summe dann auch irgendwann zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden, wenn die Stimmung endgültig kippt. Ich kann ebenfalls schon lange nicht mehr beurteilen welcher der beste Weg aus diesem Schlamassel wäre, aber ich fürchte die teuer erkaufte Zeit wird am Ende nichts gebracht haben. Das Projekt Euro ist dann vielleicht gestorben aber die Schulden für meine Kinder bleiben…

  8. Ramsi said:

    Du fängst jetzt an, dich über mangelnde Kompetenz in der Bundespolitik aufzuregen? 😀

    „Es bedarf dringend eines Zeichens an die europäischen Bürgerinnen und Bürger, dass bei der Lastenverteilung die wesentlichen Verursacher der Finanzmarktkrise angemessen beteiligt werden.“
    Quelle: http://www.spd.de/aktuelles/News/70626/20120401_fiskalunion_troika.html

    Und daneben die lachenden Gesichter unserer Muster-Vollchecker 🙂 Da kommen Emotionen in Wallung, die ich so nicht beschreiben kann. Es haben eben alle Menschen unterschiedliche Vorstellungen von der Definition eines „Verursachers“. Ich sage an dieser Stelle nur mal Stichwort: Finanzmarktliberalisierung unter Rot-Grün 2004

  9. Jan said:

    Hallo Lars,

    hoffentlich geht es Dir jetzt wieder den Umständen entsprechend …
    … der Dampf, deutlich zwischen den Zeilen erkennbar, ist nun, wenn
    auch, das kann man „rauslesen“, nicht vollständig, abgelassen, und dieses auch völlig zu recht. (Ich liebe Schachtelsätze)
    In der Hoffnung auf bessere (ruhigere) Börsenzeiten,

    Grüße Jan

    • Lars said:

      Hallo Jan, hallo Ramsi,

      ja das musste einfach mal raus es ist teilweise unglaublich was hier politisch los ist, oder eben auch nicht los ist. Die drei Herren auf dem Foto waren doch die denen die Einführung der Eurobonds nicht schnell genug gehen konnten, oder? Das wäre dann nach 2004 wohl der endgültige Todesstoß für ganze Generationen von deutschen Bürgern. Mal sehen ob es auch dazu noch kommen wird. Das Problem der Schuldzuweisung wird wohl ein ewiger Begleiter sein den wir lernen müssen zu ertragen. Ich frage mich aber ernsthaft ob die Väter der Demokratie gewollt hätte das Parteien oder Volksvertreter nur noch im Sinne ihrer Partei agieren und nicht mehr im Sinne des Volkes. In erster Linie rede ich hier von dem deutschen Volk und ausdrücklich nicht von Europäern.

      Faszinieren an Tagen wie diesen ist das meine Seite nach der Veröffentlichung des Artikels mal wieder down war. Haltet mich für verrückt, aber das passiert immer dann wenn ich mal etwas energischer meinem Unmut über politische Handlungen freien Lauf lasse…Big brother is watching you! 😉 viele Grüße, Lars

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