Chinesen sind eben doch nur Zocker

Die Ereignisse an Chinas Börsen in den vergangenen Tagen sollten einen aufhorchen lassen. Da China zum wirtschaftlichen Weltenretter auserkoren ist, könnten Konjunkturoptimisten angesichts des Kursrutsches des Shanghai Composite weiche Knie bekommen – 17 Prozent in zehn Tagen. Doch ist es alles letztendlich mal wieder nur eine Frage der Realtionen. Seit November letzten Jahres hat sich der chinesische Börsenindex glatt verdoppelt. Was macht da schon eine leichte Korrektur um 17 Prozent? Allen voran mit deutlichem Abstand war es hier der Immobiliensektor der die Kurse befeuerte. Mit einer doppelt so guten Performance wir die anderen Sektorenliegen Immobilieninvestments im Land der aufgehenden Sonne  ganz vorne.

Es hat schon etwas leicht perverses, während der Rest der Welt unter der Immobilienkrise in Amerika, England und anderen europäischen Staaten leidet sind es genau diese Immobilien die in Shanghai den Börsen zu einem nie dagewesenen Höhenflug verhelfen. Es erinnert ein wenig an den Neuen Markt als das breite Volk der Anleger die lukrative Anlage in Aktien entdeckt hat und jeder nur dabei sein wollt – ja musste! Diese Entwicklung hat als eine Art selbst erfüllende Prophezeiung dann die Aktienkurse in immer neue Höhen getrieben. Was am Ende passiert ist wissen wir ja alle…

So darf die aktuelle Situation dem kritischen Beobachter durchaus Angst machen. Wie immer wenn ein Land ein Sektor oder eine einzelne Aktie aus der Reihe tanzt ist es so sicher wie das Amen im Gebet das dieser Zustand früher oder später korrigiert wird. Jüngste Beispiele wie Dubai haben dies mal wieder eindrucksvoll bewiesen. Andre Kostolani sagte bereits das die Börse wie ein Hund ist der mal voraus läuft, und mal hinterher trottet, aber letztendlich kommt er immer wieder zu seinem Herrchen zurück. Wie recht er damit hatte kann man fast täglich irgendwo auf dieser Welt beobachten.

Der wirklich besorgniserregende Faktor bei der Chinarally ist aber das die Chinesen schon seit jeher als Volk der Zocker bekannt waren. Nicht umsonst eröffnen alle Spielkasinogrößen gerade Dependancen in Macao. Ebenso wie der Umstand, dass in den vier Wochen bis Anfang August mit 2,4 Millionen so viele private Wertpapierkonten eröffnet wurden wie seit Ende 2007 nicht mehr. Das schlägt sich auch im Handelsvolumen nieder. Im Juli wurden rund ein Drittel mehr Aktien gehandelt als in den bisherigen Rekordmonaten Mitte 2007. Und neue Aktien aus Börsengängen laufen wie in vergangenen Hype-Tagen, eine Verdopplung am ersten Handelstag gehört sich wieder.

Selbst bei einem Mammut-Börsengang wie dem von China State Construction – 7,3 Mrd. $ schwer – zeichneten Privatanleger 48-mal mehr Aktien, als sie zugeteilt bekamen. Ist also auch die Kurskorrektur irreal? Hängt davon ab, für wie real man Chinas tolles BIP-Wachstum hält, das heuer auf staatlichen Investitionsprogrammen und losem Kredit beruht. Auch hier darf man sicherlich nicht alles glauben was so von Seiten der chinesischen Regierung propagiert wird. Irgendwann wird auch in China die Realität wieder Einzug halten und dann ist der Rest der Welt hoffentlich aus dem Gröbsten raus, denn wenn dies nicht der Fall sein sollte wird der Fall an den Börsen extrem tief werde…aber das kann noch eine ganze Weile dauern.

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