Bwin.party Übernahme unter Dach und Fach- GVC erhält den Zuschlag

Am Beispiel bwin.party kann man erkennen, wie so ein Bieterwettstreit um ein Unternehmen ausarten kann. Beinahe schon eine filmreife, monatelange Zerreißprobe liegt hinter den Beteiligten. Nun kann der Unternehmer und Firmenchef Manfred Teufelberger ein schönes Sümmchen plus Optionsgewinne einstreichen. Dabei sah es vor einem Monat noch so aus, als würde 888 Holdings den Zuschlag bekommen. Medien, wie tt.com berichteten von der zunächst erfreulichen Nachricht.

Da die Synerigen mit 888 Holding für bwin.party vorteilhafter aussahen, stach das Unternehmen den Konkurrenten GVC Holding trotz einer niedrigeren Offerte aus.

„Die Sorge der Geschäftsführung sowie der Aktionäre wurde damit begründet, dass GVC Holding im Verbund mit Amaya Gaming geboten hatte“, sagt Heinz Patzelt von sportwettentest.net gegenüber Investorsinside. Man ging davon aus, dass die einzelnen Sparten von bwin.party untereinander aufgeteilt würden und biwn.party nach einiger Zeit zerschlagen.

Der Zuschlag für 888 Holdings konnte aufgrund vertraglicher Ausgestaltung noch nicht unterzeichnet werden. Währenddessen ging GVC Holding noch einmal in die Offensive, diesmal ohne Amaya Gaming und legte ein deutlich höheres Angebot vor. Auch 888 Holdings machte sich bereit für eine weitere Offerte. Am Ende bekam jedoch GVC Holding den Zuschlag.

Bwin.party geht damit für 1,45 Mrd. Euro über den Ladentisch. Die Aktie von bwin.party legte um 1 % zu. Recht spärlich, erwartungsgemäß stieg die Aktie jedoch bereits in den letzten Monaten deutlich an. Zuletzt um 13 % als die beiden Konkurrenten im Mai ihr Interesse offiziell bekundeten.

In den letzten Tagen gab die Aktie von bwin.party allerdings deutlich nach. Die Übernahme- Spekulation ebbt ab. Aktuell notiert die Aktie (Stand 28.09.2015) bei 1,063 britischen Pfund je Aktie und damit knapp oberhalb der wichtigen Unterstützung von 1 Pfund je Aktie. Sollte dieser Unterstützung nach unten brechen, könnte sich zunächst ein dynamischer Abverkauf ereignen, da Investoren sich nun auf die fundamentalen Fakten fokussieren werden…

Wie alles begann?

Ende 2014 stellt sich das aus der Fusion von bwin. Interactive Entertainment AG und der Party.Gaming plc entstandene Unternehmen zum Verkauf, nachdem auch das Weltmeisterschaftsjahr keine Umsatzsteigerungen hervorbringen konnte. Zwar waren die Umsätze im Jahr 2013 durchaus gewachsen, allerdings handelte es sich um ein Ausnahmejahr, denn auch die Jahre zuvor, brachten keine Umsatzsteigerungen mit sich.

Die Aktie hat in 2014 um die 30 % verloren und damit den Börsenwert unter ein Viertel dessen gebracht, womit das Unternehmen noch nach der Fusion bewertet wurde. Innerhalb der Aktionärsstruktur rumorte es gewaltig, denn CEO Norbert Teufelberger sowie Mitgründer Manfred Bodner, konnten ihre geplanten Ziele nicht erreichen.

Bodner trat 2014 als Aufsichtsrat zurück nachdem der Investor James Ader, der einen Anteil von mehr als 5 % an den Aktien besitzt, eine Umstrukturierung der Führungskräfte durchgesetzt hatte. Weiteren Informationen dazu auch unter wirtschaftsblatt.at.

Bereits Ende Juni 2014 gab es die ersten Gerüchte, dass bwin.party sich eventuell zum Verkauf stellen möchte. Unter den Interessenten soll kein geringeres Unternehmen als Google dabei sein. Dieses Gerücht kam nur ein einziges Mal auf und wurde nicht bestätigt. Die wahren Interessenten waren nämlich die Unternehmen 888 Holding, GVC Holding, Amaya Gaming sowie William Hill. Doch es wurde überwiegend im verborgenen verhandelt. Erst im Mai 2015, entbrannte die Bieterschlacht zwischen 888 Holding und GVC Holding öffentlich. Das Portal wirtschaftsblatt.at berichtete ausführlich.

Eine Wette auf den Gewinner?

Wie die ARD berichtete verkündete GVC Holding im Mai 2015, dass es eine Offerte geben wird. Wie hoch die Summe ist, wurde noch nicht bekanntgegeben. 888 Holding ging zunächst etwas weiter und versicherte, dass die Offerte aus einer Barkomponente und einem Aktienanteil bestehen wird. Der Aktienkurs stieg in Folge der Veröffentlichung der News um satte 13 % an. Analysten haben jedoch keine großen Aufschläge mehr auf den Börsenwert erwartet. Immerhin aber damit gerechnet, dass der Bieterstreit den Aktienkurs noch eine Weile treiben könnte. Der damalige Börsenwert bemisst sich auf 1,25 Mrd. Euro.

Kurze Zeit später wurde bekannt, dass das Angebot von GVC im Joint Venture mit Amaya Gaming erfolgt. Zu dem Zeitpunkt hat 888 Holdings noch keine Offerte vorgelegt. Diese wird jedoch um einiges geringer sein, da 888 Holdings sich im Vorteil sieht. Das Unternehmen ist zwar gemessen an der Marktkapitalisierung deutlich kleiner als bwin.party, jedoch größer als GVC Holding.

Darüber hinaus wurde bekannt, dass bei der Übernahme durch das Joint Venture GVC Holding und Amaya Gaming, der Geschäftsbereich Poker sofort an Amaya Gaming verkauft würde und der Rest über eine gemeinsame Plattform verwaltet. Einige Analysten sehen darin die geringe Chance begründet sich gegen 888 Holdings durchzusetzen, auch weil durch den Deal mit 888 Holding mehr Einsparungen erzielt werden könnten.

Die erste Offerte von 888 Holdings betrug laut reuters.com sowie mehreren anderen Medien, zum damaligen Zeitpunkt 1,29 Mrd. Euro und damit bot das Unternehmen etwa 16 % Aufschlag im Vergleich zu Beginn des Bieterstreits im Mai. Das Angebot der GVC Holding betrug daraufhin etwas mehr, nämlich umgerechnet 1,3 Mrd. Euro. Dennoch, 888 Holding bekam, wie oben bereits erwähnt zunächst den symbolischen Zuschlag. Uneinigkeiten über vertragliche Regelungen hinsichtlich Sponsorenverträge verzögerten jedoch die Unterzeichnung.

Währenddessen verkündete GVC Holding, dass es eine weitere Offerte geben wird, diesmal ohne das Joint Venture mit Amaya Gaming, wie das handelsblatt.com berichtete. Das Angebot wurde schlussendlich auf 1,45 Mrd. Euro festgesetzt und lag diesmal deutlich höher als das von 888 Holdings. Anfang September wurde bekannt, dass 888 Holdings ein weiteres, überarbeitetes Angebot abgegeben hatte. Dennoch bekam GVC Holding den Zuschlag für die Fusion. Man erhofft sich durch den Zusammenschluss bis 2017 Einsparungen von bis zu 125 Mio. Euro.

Fazit- Manfred Teufelberger gewinnt

Langes Pokern zahlt sich doch aus. Zumindest für den CEO von bwin.party Manfred Teufelberger. Laut Berechnungen des übernehmenden Unternehmens, kassiert Teufelberger 24 Mio. Euro an Aktiengewinnen plus Aktienoptionen. Der Bestand der Optionen wird auf 9,2 Mio. geschätzt. Die Geschäftsführung übernimmt der CEO von GVC Holding Kenneth Alexander.

Damit sind Übernahmespekulationen erst mal vom Tisch und es kommen fundamentale Aspekte bei der weiteren Entwicklung auf die Agenda. Diese hängen jedoch zum Großteil nicht nur davon ab, wie sich Einsparungen durch die Fusion auf das Wachstum auszahlen, sondern ob die gesamte Branche wieder auf Wachstumskurs gerät.

Mit einer Übernahme durch die 888 Holding, hatte bwin.party damit gerechnet, dass einige Sparten zur Auflösung kommen würden. Mit der GVC Holding Fusion soll eine Ausdünnung am Markt zunächst verhindert werden, denn hier liegt der Fokus auf Einsparungen und Beibehaltung der einzelnen Sparten.

Die gesamte Glücksspielbranche ist in den letzten Jahren aufgrund neuer Reglementierungen und Besteuerungen einem enormen Konkurrenzkampf um neue Kunden ausgesetzt. Wege neue Kunden zu akquirieren, sind jedoch größtenteils ausgeschöpft. Eine Übernahme stellt dabei eine der effektivsten Möglichkeiten, um an einen neuen Kundenstamm zu gelangen. Am Ende werden sich nur die Anbieter mit dem größten Kundenstamm durchsetzen können.

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  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 30. September 2015 | Die Börsenblogger

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