Wunschanalyse ThyssenKrupp – vor schweren Zeiten!

Herzlich Willkommen zur Wunschanalyse von Sharewise in Zusammenarbeit mit Stephan Heibel vom Heibel-Ticker.de Börsenbrief (www.heibel-ticker.de). Für die Chartanalyse haben wir Christian Kämmerer (www.TA4YOU.com) um seine Meinung gebeten. Unsere Mitglieder haben sich diese Woche eine Analyse von ThyssenKrupp gewünscht.

ThyssenKrupp laut Sharewise.com:

  Prognositiertes Kursziel kaufen halten verkaufen
24 Mitglieder Ø 27,26 € 22 2
16 Analysten Ø 19,74 € 5 7 4

ThyssenKrupp (WKN 750 000, ISIN DE0007500001)


Firmenlogo von ThyssenKrupp

ERFOLGREICHE LANDUNG

Mitte des Jahres 2008, als der Ölpreis noch bei ca. 147 US$/Barrel notierte und die rückläufige Stahlnachfrage noch als kurzfristiger Dämpfer bezeichnet wurde, stand die ThyssenKrupp Aktie noch bei 46,63 Euro. Im Dezember fand sie bei 12,11 Euro ihren Boden und seither erfolgte eine freudige Gegenreaktion bis auf 19 Euro, die jedoch nichts weiter als der Erleichterung über das Ende des Rohstoffcrashs zuzuschreiben ist. Von Besserung kann noch keine Rede sein.

Ich würde also sagen, nach einem atemberaubenden Ausflug dorthin, wo die Luft schon ganz dünn ist, landete die Aktie nun wieder auf ihrem Niveau von 1994 bis 2005. Einmal von kurzzeitigen Ausbrüchen abgesehen pendelt die Aktie nämlich stets zwischen 12 und 20 Euro.

Doch schauen wir einmal, was den Kurs bewegt und wie das Unternehmen im Wettbewerb dasteht.

STAHLPREIS FOLGT DEN INDUSTRIEMETALLEN

ThyssenKrupp kauft Rohstoffe wie Eisenerz, Nickel, Zink und Öl, um Stahl herzustellen. Hohe Rohstoffpreise führen zu hohen Produktionskosten. Doch dies erfolgt meistens nur dann, wenn auch die Nachfrage sehr hoch ist, so dass diese gestiegenen Produktionskosten an den Abnehmer des Stahls weitergegeben werden können.

Im Umkehrschluss fallen die Preise der Industriemetalle immer dann, wenn die Nachfrage wegbricht. Und das haben wir im vergangenen Sommer gesehen: Während ThyssenKrupp noch reichlich Rohstoffe für die Produktion gehortet hatte, wurde es plötzlich den Stahl nicht mehr los. Die Preise brachen ein und der produzierte Stahl musste auf Halde gelegt werden.

Der Baltic Dry Index, ein Index, der die Transportaktivitäten auf den Weltmeeren misst, brach von im Hoch 12.000 auf nur noch 600 Punkte ein. Das Verschiffen von Rohstoffen kostete also plötzlich nur noch ein Zwanzigstel dessen, was wenige Monate zuvor noch bezahlt werden musste. Die Schiffe fuhren leer über die Weltmeere, der Welthandel war zum Erliegen gekommen.

Seit Anfang des Jahres 2009 ist der Baltic Dry Index allerdings wieder auf 1.800 Punkte angestiegen. Der Preiseinbruch bei den Rohstoffmärkten ist beendet, die Preise befinden sich wieder auf ihren langfristigen Durchschnittspreisen.

Damit können wir nun zumindest erwarten, dass die Aktie von ThyssenKrupp nicht noch unter 12 Euro rutschen sollte. Doch reichen die Entwicklungen aus, um auf dem Stahlmarkt wieder ein stabiles Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage herzustellen? Oder haben wir Überkapazitäten bei der Stahlproduktion, die erst noch abgebaut werden müssen?

KONJUNKTURPROGRAMME WERDEN STAHLNACHFRAGE STEIGERN

Der Stahl geht überwiegend in drei Industrien: Auto, Bau und Anlagenbau. Dem Anlagenbau geht es verhältnismäßig gut, denn Infrastrukturinvestitionen sind insbesondere in den Schwellenländern nach wie vor angesagt. Die Baubranche sowie die Automobilbranche brauche ich Ihnen nicht näher zu analysieren: Dort sieht es sehr schlecht aus. Und wenn keine Autos gebaut werden, dann wird eben auch kein Stahl benötigt. In den USA zum Beispiel stehen die drei großen Automobilhersteller Chrysler, Ford und General Motors kurz vor dem Aus. Und in Deutschland hat Daimler erst kürzlich schwache Zahlen gemeldet.

Die Hoffnung stützt sich also auf die Rettung der US-Automobilbranche sowie auf die weltweiten Konjunkturprogramme. In den USA sollen Brücken instand gesetzt, Straßen ausgebessert sowie öffentliche Gebäude modernisiert werden. Die Rallye der Stahlaktien in den vergangenen Wochen, ThyssenKrupp ist immerhin von 12 Euro auf 19 Euro gesprungen, war in meinen Augen aufgrund der Hoffnung auf signifikante Bauinvestitionen im neuen Konjunkturprogramm Obamas zurückzuführen.

Diese Hoffnung hat sich allerdings nicht erfüllt und nur einen Tag nach der Verabschiedung des 787 Mrd. US$ schweren Konjunkturprogramms in den USA wird dieser Betrag von Analysten als zu klein und falsch eingesetzt bezeichnet. Ein Tropfen auf de heißen Stein. In Deutschland versuchen wir mit 50 Mrd. Euro etwas zu reißen, auch hier habe ich so meine Zweifel, ob damit die Wirtschaft bewegt werden kann.

China kleckert nicht, sondern klotzt mit seinem ca. 500 Mrd. US$ schweren Konjunkturprogramm. Dort wird das Geld direkt für neue Brücken und Gebäude verwendet und aufgrund des günstigen Preisniveaus in China einen wesentlich größeren Effekt haben als ein vergleichbarer Betrag in den Industrienationen. Ich führe den Anstieg des Baltic Dry Index auf erste Aktivitäten in China zurück.

WETTLAUF GEGEN DIE ZEIT

Doch wird die Nachfrage aus China schnell genug ansteigen, um die inzwischen aufgehäuften Stahlhalden schnell genug leer zu räumen, bevor die Stahlkonzerne in Liquiditätsprobleme laufen und ihre Vorräte unter ihren Produktionskosten verscherbeln müssen? Sollte dies geschehen, so ist noch mit den für das Ende eines Abschwungs typischen Insolvenzen und Konkursen zu rechnen. In der freien Marktwirtschaft gehören Unternehmenspleiten zum natürlichen Vorgang, der es den überlebenden Unternehmen anschließend ermöglicht, die Stahlpreise wieder kräftig anzuheben und sodann gut zu verdienen.

Gestern brach der DAX um über 3% ein. Salzgitter und ThyssenKrupp gehörten zu den Hauptverlierern. Der Grund lag darin, dass Moodys eine Studie veröffentlicht hat, der zufolge die Ostblockstaaten größere Finanzprobleme, und daraus folgend dann im zweiten Schritt auch Konjunkturprobleme, haben werden, als derzeit angenommen. Und nach der exzessiven Bautätigkeit im Ostblock während der vergangenen Jahren bricht damit ein weiterer Hauptabsatzmarkt für die deutsche Stahlbranche weg.

Kürzlich gab der Stahlhändler Klöckner + Co. seine vorläufigen Geschäftszahlen bekannt und gab dabei auch einen Marktüberblick. Als Stahlhändler befindet sich Klöckner + Co. praktisch zwischen ThyssenKrupp und den Abnehmern. Auch Klöckner + Co. hat zu viel Stahl eingekauft und verkauft derzeit aus seinen Vorräten. Neuer Stahl werde, so Klöckner + Co., kaum nachgefragt. Da kann es also noch eine Weile dauern, bis anziehende Stahlpreise für bessere Geschäfte bei ThyssenKrupp sorgen.

BEWERTUNG AUF VERNÜNFTIGEM NIVEAU

Im Jahr 2009 werden rückläufige Umsätze erwartet, erst 2010 rechnen Analysten wieder mit einem Umsatzanstieg um 7%. Das KGV von 7 ist für diese Entwicklung in meinen Augen angemessen. Die Dividendenrendite von 5,6% ist hoch, ich fürchte zu hoch. Denn der freie CashFlow des Unternehmens ist derzeit negativ, die Schulden steigen in diesem und im nächsten Jahr kräftig an.

Bei den aktuell angespannten Kreditmärkten wird es zunehmend schwerer für ThyssenKrupp, gute Bedingungen für die Refinanzierung zu bekommen. 2,3 Mrd. Euro Schulden bei 46 Mrd. Euro Umsatz ist zwar nicht viel, wenn Sie allerdings die Marktkapitalisierung von nur noch 8,6 Mrd. Euro dagegen halten, dann ist die Kreditsumme schon maßgeblich.

Ansteigender Schuldenberg bei wegbrechenden Umsätzen: Da wäre ich vorsichtig. Ich würde die 12 Euro als Boden sehen für den Fall, dass die Finanzierung gesichert ist, selbst wenn sich das Geschäft noch verschlechtert. Wenn jedoch zusätzlich noch die Refinanzierung der Kredite in Frage gestellt würde, dann wäre auch ein Durchbruch unter 12 Euro möglich.

Doch all dies sind Worst Case Szenarien, die derzeit eher unwahrscheinlich sind. Sie sollen nur über die möglichen Szenarien Bescheid wissen. Denn diese Gefahren lassen sich nicht von heute auf morgen beseitigen, so dass ich nicht davon ausgehe, dass der Kurs in den nächsten Wochen abhebt. Vielmehr erwarte ich noch einige Wochen, in denen sich der Kurs innerhalb der nun beschriebenen Handelsspanne zwischen 12 und 19 Euro bewegt. Doch schauen wir einmal, was die Charttechnik zu genauen Unterstützungen und Widerständen zu sagen hat.

CHARTANALYSE: AUSVERKAUF UNTER ALLE UNTERSTÜTZUNGEN

Die Chartanalyse wird in Zusammenarbeit mit Christian Kämmerer erstellt (www.TA4YOU.com):

Einleitung:
Wie aus den letzten Wunschanalysen bekannt, möchte ich heute wieder mit einem so bezeichneten „Big Picture“ starten. Konkret bedeutet dies, dass ich mir den Chart von ThyssenKrupp aus größerer Entfernung, hier eben in Form eines 10-Jahres-Charts betrachte um mögliche Unterstützungs- und Widerstandszonen definieren zu können. Dem folgend ergänze ich den 10-Jahreschart mit einem 2-Jahres-Chart um Ableitungen zur zukünftigen Entwicklung anhand zweier Szenarien zu skizzieren. Hintergrund der Szenarien ist die Tatsche, dass die Technische Analyse nicht statisch ist und es sich zudem um eine Momentaufnahme handelt. Im Grunde müsste jedes Verhalten der Aktie fortlaufend kommentiert werden, um dies zu vermeiden gebe ich dem Chart die Chance sich zu entwickeln und folglich entsprechende Szenarien abzuarbeiten.
ThyssenKrupp, Chart, 10 Jahre

Der Stahlriese ThyssenKrupp veranschaulicht nicht minder das abgelaufene Korrekturjahr 2008 recht eindrucksvoll. Von in der Spitze bei rund 47 Euro kannte die Aktie seit Mai 2008 nur noch einen Weg und dieser führte steil gen Süden bis zu den Kurstiefs bei ca. 12 Euro vom November 2008. Diese Korrekturbewegung liegt mir einer Abschlagsperformance von knapp 75% im vordersten Bereich der DAX-Unternehmen, gesellt sich jedoch genügsam in die Reihe zahlreicher anderer Rohstoffunternehmen. Mit den erreichten Kurstiefs beförderte sich der Aktiekurs wieder bis in das Jahr 2004 zurück und verweilt seither, trotz jüngster Gegenbewegung, noch immer in einem intakten Abwärtstrend. Es darf daher gespannt beobachtet werden, was die Aktie aus der seit diesen Tiefs erfolgten Erholungsbewegung noch herausholen kann – oder ist diese bereits wieder dem Ende nahe? Diese möchte ich Ihnen anhand der „charttechnischen Lupe“ im Fazit erläutern.
ThyssenKrupp, Chart, 2 Jahre

Zum 2-Jahres-Chart und Fazit:
Chance/Risiko-Verhältnis: 65/35 – Eindeutig klar ist die derzeitige technische Situation nicht. Fakt ist jedoch, dass der Primärtrend weiterhin abwärts gerichtet ist und dennoch die Möglichkeit einer Chance auf weitere Kursgewinne besteht. Entscheidend hierbei ist das Verteidigen der jüngsten Aufwärtstrendlinie – spekulative Abstauberkäufe erscheinen daher im Bereich von 15 bis 16 Euro angebracht. Stoppkurs aber dann bei 13,95 Euro (je nach persönlicher Risikoaversion sowie unter dem Gesichtspunkt der derzeitigen Volatilität bei spätestens 12 Euro)!

LONG Szenario:
Die Aktie von Thyssen Krupp verweilt weiterhin oberhalb der jüngsten Aufwärtstrendlinie (aktuell bei rund 15,60 Euro) und bestätigt aufgrund der höheren Bewegungstiefs die Fortsetzung der begonnenen Erholungsbewegung. Mit dem Bruch der seit Mai 2005 bestehenden und primären Abwärtstrendlinie im Kursbereich von aktuell etwa 21 Euro sowie der Überwindung des Widerstandsbereich von 22,50 Euro, generiert Thyssen das eigentliche Kaufsignal mit Preisen jenseits von 30 Euro. Bedingung hierfür ist abschließend die nachhaltige Stabilisierung oberhalb des GD200 (Gleitender Durchschnitt der letzten 200 Tage) im Bereich von 26 Euro.

SHORT Szenario:
Die seit den Kurstiefs vom November 2008 etablierte Aufwärtstrendlinie kann nicht gehalten werden und somit generiert ThyssenKrupp mit Kursen unterhalb von 15 Euro in der Folge weiteres Abwärtspotenzial in Richtung 12 Euro. Bildet die Aktie hierbei zudem neue Tiefs aus, so entscheidet sich im Bereich von 10,90 Euro, ob die Talfahrt erst richtig begonnen hat. Kurse unter 10,50 Euro lassen daher nichts Gutes erahnen und weitere 30% Abschlag sollten dann die unmittelbare Folge sein. Bei den Allzeittiefs des Jahres 2003 wäre zwar prinzipiell eine Bodenbildung möglich, doch das Setup bleibt bei Kursen unter 10 Euro ersteinmal äußerst negativ.

© Christian Kämmerer

Die dargestellten Charts wurden mit TradeSignal -Webedition- erstellt.

Technische Analyse für Ihre gewünschten Werte unter: www.TA4YOU.com
TA4YOU bietet individuelle und exklusive Chartanalyse für Ihre Wunschwerte.

Haftungssauschluss:
Die vorgestellten Szenarien dienen lediglich der Information und stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf dar. Jedes Geschäft mit Derivaten und sonstigen Finanzprodukten ist mit entsprechenden Risiken behaftet. Eine Haftung für Vermögensschaden wird nicht übernommen. Jeder Anleger handelt auf eigenes Risiko.

Soweit die Charttechnik von Christian Kämmerer (www.TA4YOU.com).

FAZIT

Die Stahlbranche steckt noch mitten in der Krise und bevor ein Lichtstreif am Horizont zu erkennen sein könnte erwarte ich noch schlechtere Zeiten. Die erste Euphorie über das Ende des Rohstoffpreiscrashs hat zu einem Kursanstieg von 50% geführt, das sollte vorerst genügen. Nun erwarte ich eine Seitwärtsbewegung bei der Aktie, sowie eine Kürzung der Dividende bei der Gesellschaft und sehe das Risiko einer weiteren Verschlechterung der Situation. Mit anderen Worten: Lassen Sie die Finger von ThyssenKrupp!

Kommentar verfassen

Top