Wunschanalyse Teva Pharmaceuticals Industries Ltd.

Teva Pharmaceuticals Industries Ltd. (WKN 883 035, ISIN US8816242098, Marktkapitalisierung: ca. 42,00 Mrd. Euro, ca. 57,25 Mrd. US$)

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GENERIKA – DIE BILLIGE ALTERNATIVE

Pharmaunternehmen forschen nach neuen Wirkstoffen. Diese werden dann in langwierigen (sprich teuren) Zulassungsverfahren auf den verschiedenen Märkten eingeführt und dank eines Patentschutzes darf dieser Wirkstoff für einige Jahre nicht von Wettbewerbern verwendet werden. Dadurch haben Pharmakonzerne die Möglichkeit, durch hohe Preise für ihre patentierten Wirkstoffe die Forschungs- und Zulassungskosten einzuspielen.

Auf der anderen Seite gibt es den Vorwurf gegen Pharmaunternehmen, wirklich sinnvolle Medikamente durch zu hohe Preise der Allgemeinheit vorzuenthalten. Wenn es ein Medikament gibt, das eine tödliche Krankheit heilen kann, dann darf man doch aus ethischen Gründen dieses Medikament Menschen nicht vorenthalten, die es sich nicht leisten können, oder?

Ein schwieriges Thema, denn mit den Gewinnen aus dem Verkauf der hochpreisigen, patentierten Medikamente wird die Forschung und Zulassung neuer Medikamente finanziert, auf die man ebenfalls nicht verzichten möchte.

Ein Patentschutz läuft nach einer zuvor festgelegten Anzahl von Jahren ab (meist 20 Jahre). Anschließend dürfen auch andere Anbieter den Wirkstoff verwenden. Hier kommen Generikahersteller auf den Plan. Sie haben nicht die hohen Kosten der Forschung und Zulassung und können das Medikament zu den einfachen Herstellungskosten auf den Markt bringen. So kommt es, dass ein Medikament, das zuvor noch über 100 Euro kostete, plötzlich auch für 20 Euro angeboten werden kann.

Das israelische Unternehmen Teva Pharmaceuticals ist in erster Linie ein Generikahersteller. Der überwiegende Teil des Umsatzes wird mit dem Verkauf von Generika, also Medikamenten, deren Wirkstoff keinem Patentschutz mehr unterliegt, erwirtschaftet. Teva Pharmaceuticals gehört zu den weltweit größten Generikaherstellern und hat erst vor wenigen Wochen die Übernahme von Ratiopharm bekannt gegeben, dem zweitgrößten Generikahersteller Deutschlands, der im Rahmen der Unruhen um das Merckle-Imperium einen neuen Eigentümer brauchte.

Die günstigen Preise von Generika sind nicht nur bei Patienten beliebt, auch die Krankenkassen und über ihre Interessenverbände auch die Politik, insbesondere in Deutschland und den USA, verspricht sich durch die stärkere Nutzung von Generika eine Kostensenkung im Gesundheitssystem. Sie dürfen also davon ausgehen, dass Generikahersteller derzeit die Politik auf ihrer Seite haben.

KEIN MAUERBLÜMCHEN: 38.000 MITARBEITER SETZEN 16 MRD. US$ UM

Teva Pharmaceuticals gilt gemessen am Jahresumsatz als das weltweit größtes Generikaunternehmen, gefolgt von der schweizer Sandoz (Tochter von Novartis) sowie von Watson (USA). Anschließend folgt schon das deutsche Unternehmen Stada. Anders als bei Pharmaunternehmen, die einen besondere Schwerpunkt auf die Forschung und Entwicklung legen müssen, ist für den Generikahersteller absolute Größe wichtig: Mit steigender Produktionsgröße sinken die Stückkosten, die Medikamente können günstiger angeboten werden.

In Deutschland wurden Anfang der 80er Jahre rund 30% Generika verschrieben, Anfang 2000 war dieser Anteil auf über 70% gesprungen. Im Jahr 2008 betrug der Anteil sogar 85%, Tendenz weiter steigend. In den USA ist dieser Anteil noch wesentlich geringer und die Gesundheitsreform von Präsident Obama zielte unter anderem darauf ab, den Anteil an Generika zu erhöhen. Er kann natürlich nicht bestehende Patente aushebeln, jedoch kann man das Bewusstsein in der Bevölkerung sowie auch bei den verschreibenden Ärzten hervorrufen, dass günstige Alternativen zu teuren Präparaten mitunter nicht schlechter sind.

SEKULÄRER WACHSTUMSMARKT DURCH AUSLAUFENDE PATENTE

In den nächsten Jahren laufen eine ganze Reihe von Patenten aus. Man schätzt, dass in den nächsten zwei Jahren bereits ein Umsatzvolumen von 40 Mio. US$ für den Generika-Markt zugänglich wird. Bis 2015 soll sich diese Ziffer auf rund 100 Mio. US$ erhöhen. Umsatz mit ehemals patentierten teuren Medikamenten, deren Patienten mitunter ohne große Probleme auf günstige Ersatzmedikamente, Generika eben, umgestellt werden können. Ein riesiger Wachstumsmarkt also.

Wie weiter oben schon aufgezeigt ist steht bei diesem Wachstumsmarkt nicht ein „zusätzlicher“ Umsatz im Raum, sondern es geht hier sehr schnell um das Sparen von Kosten. Je schneller Generika eine Zulassung erhalten, desto schneller können Krankenkassen Geld sparen. Ich rechne also damit, dass Generikaherstellern von der Politik alle Türen geöffnet werden.

Anders kann ich mir übrigens auch nicht die reibungslos an den Kartellbehörden vorbeigegangene Übernahme des ehemals weltweit viertgrößten Generikaherstellers – Ratiopharm – durch den größten – Teva Pharmaceuticals – nicht erklären. Hier wird dem Wettbewerbsnachteil innerhalb der Generikabranche der Wettbewerbsvorteil gegenüber der Pharmaindustrie vorgezogen. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir in den nächsten Monaten weitere „Konsolidierungen“, also Übernahmen, im Generikamarkt sehen werden. Stada ist als einzig nennenswertes deutsches Unternehmen wohl zu klein, um in der oberen Liga dieser Konsolidierung mitzuspielen. Da muss sich das Unternehmen wohl eher gegen Übernahmen wappnen.

BEWERTUNGSNIVEAU GÜNSTIG IM HISTORISCHEN VERGLEICH

Mit einem aktuellen KGV von 28 kann Teva Pharmaceuticals keinen Blumentopf gewinnen. Doch das hohe KGV ist teuren Restrukturierungsmaßnahmen geschuldet, die inzwischen abgeschlossen sind. Für das Jahr 2011 wird ein KGV 11e von 12 erwartet. Historisch hatte das Unternehmen ein durchschnittliches KGV von 18. Somit ist Teva Pharmaceuticals derzeit günstig bewertet.

Eine günstige Bewertung kann mehrere Gründe haben: Schlechte Finanzsituation, schlechte Geschäftsaussichten oder ähnliches. Für Teva Pharmaceuticals sehe ich die niedrige Bewertung in der Vergangenheit, das Unternehmen befindet sich derzeit auf der Suche nach einem neuen Bewertungsniveau. Als Marktführer der Generikabranche wird Teva Pharmaceuticals seinen Umsatz in den nächsten Jahren mit 10-12% p.a. seigern können, denn eine solche Entwicklung wird für den Generikamarkt erwartet. Ich würde dem Marktführer stets einen Bewertungsaufschlag zukommen lassen und hätte kein Problem, wieder ein KGV von 18 im Laufe des nächsten Jahres für Teva Pharmaceuticals anzusetzen. Das entspricht einem Kurspotential von immerhin 50% in 15 Monaten.

Bei 16 Mrd. US$ erwartetem Umsatz für 2011 ist die Verschuldung von 5,6 Mrd. US$ vertretbar, insbesondere da diese durch die Übernahme von Ratiopharm aktuell in die Höhe geschnellt ist. Durch den freien Cashflow von 2,.5 Mrd. US$ wird diese Verschuldung schnell zurückgeführt werden.

Synergien zwischen Ratiopharm und Teva Pharmaceuticals sollen sogar darüber hinaus weitere 400 Mio. US$ an Einsparungen pro Jahr erzeugen.

WACHSTUMSAUSSICHTEN ÜBERAUS ROSIG

Durch die Gesundheitsreform von Präsident Obama werden künftig in den USA 32 Mio. mehr Menschen krankenversichert sein. Diese werden über ihre Krankenversicherung Medikamente beziehen, das wird dem Pharma- du Generikamarkt gleichermaßen zugute kommen.

Der Zwang zum Sparen, insbesondere bei den ausufernden Gesundheitskosten in unserer zivilisierten Welt ebnet den Generikaherstellern den Weg auf weitere Märkte. Es ist in meinen Augen daher nicht zu fürchten, dass die Politik durch neue Steuern, Zulassungshürden oder ähnliche Schikanen das Geschäftsmodell dieser Branche stört.

Noch nie sind so viele Patente ausgelaufen wie in den nächsten fünf Jahren. Den Generikaherstellern eröffnet sich ein neues Markt- und somit Wachstumspotential von bis zu 100 Mrd. US$.

Teva Pharmaceuticals hat ein niedriges Beta – der Kursverlauf von Teva Pharmaceuticals korreliert kaum mit dem der entsprechenden Indizes. Nach einer Phase der Kursrallye an den Weltbörsen werden Institutionelle Anleger nun vermehrt nach defensiven Aktien Ausschau halten, Aktien also, die möglichst unabhängig von den Konjunkturschwankungen langfristig gute Wachstumschancen haben. Teva Pharmaceuticals passt in diese Schublade.

FAZIT

Die Aktie ist seit vergangenem November von 35 Euro auf 48 Euro angesprungen. Insbesondere die Übernahme von Ratiopharm hat dem Kurs nochmals einen Schub versetzt. Nun folgen Gewinnmitnahmen und die Aktie konsolidiert in diesen Tagen bis auf 45 Euro. Ich halte das für ein gutes Niveau, um eine erste Position aufzubauen.

Als langfristige und defensive Komponente halte ich Teva Pharmaceuticals für einen guten Kandidaten für ein diversifiziertes Portfolio. Als Kursziel bis zum Sommer 2011 kann ich mir Kurse um 55 Euro vorstellen.

Über den Autor

Stephan Heibel ist Autor und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefes, der wöchentlich kostenfrei per E-Mail verschickt wird. Darin werden die Hintergründe zu Kursbewegungen an den Finanzmärkten aufgezeigt und erklärt. Interessante Tradingideen werden daraus abgeleitet.

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