Wunschanalyse Siemens AG

Siemens AG (WKN 723 610, ISIN DE0007236101, Marktkapitalisierung: ca. 64,76 Mrd. Euro)

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BREITES SPEKTRUM AN PRODUKTEN, PRODUKTION & EIGNERN

Siemens ist eines der größten Unternehmen in Deutschland. Mit einem Marktwert von 65 Mrd. Euro und einem Streubesitz von 83% befinden sich die Siemens Aktien in fast jedem Depot deutscher Anleger. So breit wie die Aktionärsstruktur, so breit ist auch die Produktpalette. Von Kühlschränken über Eisenbahnsysteme bis hin zu Stromkraftwerken bietet Siemens alles, was mit Strom betrieben werden kann. Nicht zu vergessen der Gesundheitsbereich, in dem spezielle Produkte für die Gesundheitsbranche entwickelt werden.

Siemens unterteilt seine Geschäftsaktivitäten in drei Sparten: Industrie (ca. 40% Umsatz), Energie (ca. 40% Umsatz) und Gesundheit (ca. 20% Umsatz).

Wem das noch nicht genug Diversifizierung ist, der kann sich noch die Absatzmärkte von Siemens anschauen. Europa, in Afrika und dem Nahen Osten, in den GUS-Staaten sowie in den USA und Australien ist Siemens stark vertreten. Die Schwellenländer China, Indien und Brasilien könnten in den kommenden Jahren stärker anwachsen, denn dort ist Siemens noch nicht so stark.

Soweit ein kleiner Überblick über eines der größten Unternehmen in Deutschland. Bitte entschuldigen Sie die grob vereinfachte Darstellung, aber eine detaillierte Beschreibung würde hier den Rahmen sprengen. Wichtig für unsere Fragestellung nach dem Effekt des schwachen Euros ist die Betrachtung der wesentlichen Geschäftsaktivitäten.

JE LÄNGER DIE VERTRAGSLAUFZEITEN, DESTO GRÖßER DER WÄHRUNGSEFFEKT

Wir sind auf der Suche nach einem deutschen Unternehmen mit einem großem Absatzmarkt im außereuropäischen Ausland sowie mit langen Vertragslaufzeiten. Siemens erfüllt diese Bedingungen. Wenngleich der Heimatmarkt noch immer der stärkste Markt für Siemens ist, so ist doch der Anteil mit über 60% außerhalb Europas groß genug, um einen maßgeblichen Effekt auf das Ergebnis zu haben.

Zum Verständnis: Euro/US$ ist in den vergangenen Monaten von 1,50 auf 1,25 gefallen, oder besser gesagt um 22% eingebrochen. Wenn, vereinfacht gesagt, Siemens im vergangenen Jahr eine Lokomotive zu festem Preis in US-Dollar verkauft hat, die Produktion allerdings jetzt erst anläuft und die Lieferung erst in ein paar Monaten erfolgt, dann wird Siemens nach der Lieferung dennoch den ursprünglich vertraglich vereinbarten Verkaufspreis in US-Dollar erhalten – auch wenn dies dann in Euro umgerechnet um ca. 20% mehr ist als Siemens ursprünglich erwartet hat.

Das sind Währungsgewinne, die einigen deutschen Unternehmen in den kommenden Quartalen zu „überraschend“ hohen Gewinnen verhelfen werden. Ich habe also versucht, aus Bilanzen und Veröffentlichungen herauszufiltern, wie groß ein solcher Effekt für Siemens sein könnte. Wie groß ist der Anteil von lang laufenden Verträgen mit festen Preisen in anderen Währungen als dem Euro?

Doch so einfach ist dies auch noch nicht. Wir müssen hier noch einen weiteren Bereich betrachten, in dem sich Siemens hervorragend Diversifiziert hat: die Produktion. So wie Siemens weltweit verkauft, so produziert Siemens mit Standorten in aller Welt. Häufig werden lokale Märkte mit lokalen Produkten beliefert. Dies bedeutet für unsere Überlegung: Der vermeintliche Währungsgewinn würde nur dann erfolgen, wenn die verkauften Produkte im Inland zu günstigen Preisen produziert werden konnten. Wenn der Stahl für die Lokomotive, die in Shanghai fahren soll, auch in China gekauft wird, dann wird der positive Währungseffekt auf der Produktionsseite wieder verspielt. Unterm Strich bleibt kein Währungseffekt übrig.

Siemens produziert global, in Deutschland wird überwiegend geforscht. So ist ein möglicher positiver Währungseffekt in Folge des schwachen Euros sehr gering. Was in Zeiten eines steigenden Euros negative Effekte aushebelt führt in Zeiten eines fallenden Euros dazu, dass Sondergewinne nicht erzielt werden.

Als deutsches Unternehmen findet dennoch ein größerer Teil der Produktion in Deutschland statt. So wäre also mit einem kleinen Währungseffekt zu rechnen, wenn nicht das Unternehmen bereits alles getan hätte, um selbst dies zu verhindern. In den Unternehmensveröffentlichungen finden sich Kommentare, dass die Währungsrisiken vollständig abgesichert sind. Das heißt auf Deutsch: Egal wie der Euro steht, in den nächsten Quartalen wird das erwartete Ergebnis von Siemens unabhängig von den Wechselkursschwankungen ausfallen.

RESTRUKTURIERUNG & KOSTENEINSPARUNGEN

Unsere ursprüngliche Idee, dass Siemens ein überraschend positives Ergebnis aufgrund von Währungsgewinnen ausweisen könnte, ist somit hinfällig. Schauen wir uns Siemens einmal ohne diese Idee an: Wie steht Siemens im Wettbewerb?

Nun, Ihnen werden sicherlich noch die Korruptionsskandale in Erinnerung sein. ABB hatte Siemens beschuldigt, bei der Auftragsvergabe mit Bestechungsgeldern zu arbeiten und in Folge dieser Vorwürfe wurde das Management kräftig durchgeschüttelt.

Als Peter Löscher schließlich den Vorstandsvorsitz übernahm waren die Führungsebenen bei Siemens „sturmreif“ geschossen. Löscher konnte glaubhaft zeigen, dass Korruption bei Siemens nun der Vergangenheit angehört. Darüber hinaus führte er schon sehr für ein Kosteneinsparprogramm ein, indem bereits 2008 eine Reihe von Stellen abgebaut wurden. Die Früchte seiner frühzeitigen Sparanstrengungen erntete Löscher in den Krisenjahren 2008 und 2009, als Siemens weiterhin profitabel wirtschaftete und sogar an der Dividende festhalten konnte.

BEWERTUNGSNIVEAU IN ORDNUNG

So notiert die Aktie derzeit auf einem KGV 2010e von 13,5. Nach einem Umsatzeinbruch im laufenden Jahr, der den Umstrukturierungen und noch den Folgen der Finanzkrise geschuldet ist, dürfte der Umsatz im kommenden Jahr wieder um 5% anziehen. Die Gewinnentwicklung verläuft relativ konstant. Für ein reifes Unternehmen ohne besondere Wachstumsaussichten finde ich ein KGV von 13,5 schon recht hoch.

Auch die Bruttorendite von 5,2% ist nicht besonders hoch, so dass auch von dieser Seite her die hohe Bewertung kaum gerechtfertigt werden kann. Die Dividendenrendite von 2,4% ist in Ordnung, es gibt aber bessere Dividendentitel. Positiv hingegen ist die rückläufige und ohnehin schon niedrige Verschuldung.

Alles in allem löst das Bewertungsniveau bei mir keinen Sturm der Begeisterung aus. Vielmehr wird hier ein sehr stabiles Unternehmen mit großartiger Diversifikation auf allen Ebenen mit einem durchschnittlichen Bewertungsniveau belegt.

KURSVERLAUF  WIE WELTWEITE KONJUNKTURENTWICKLUNG

Siemens AG, Chart, 10 Jahre

Siemens AG, Chart, 1 Jahr

Von 110 Euro Ende 2007 auf 37 Euro im März 2009 ist die Aktie im Rahmen der Finanzkrise gefallen. Inzwischen erfolgte eine Erholung bis auf 78 Euro, bevor die jüngsten Verwerfungen erneut zu einer kleinen Konsolidierung auf nunmehr 71 Euro führten. Seit März bereits pendelt die Aktie zwischen 68 und 78 Euro. Ich halte das Niveau, wie im vorigen Kapitel gezeigt, für angemessen.

Dem Chartverlauf ist zu entnehmen, dass die Siemens Aktie mit der Entwicklung der Weltkonjunktur läuft. Derzeit stellen die EU-Staatsverschuldungen, die restriktive Geldpolitik in China, das Kriegsgerassel Nord Koreas sowie die weltweite Diskussion um neue Finanzmarktregeln eine Fortsetzung des weltweiten Konjunkturaufschwungs in Frage. Je länger diese Themen ungelöst schwelen, desto fraglicher wird eine Fortsetzung des weltweiten Konjunkturaufschwungs.

Auf der anderen Seite sind die Turbulenzen derzeit schon sehr groß und jegliche Lösungsansätze dürften an der Börse als Schritt in die richtige Richtung gewertet werden. China, der maßgebliche Treiber des weltweiten Aufschwungs, hat in der Finanzkrise großes Geschick bewiesen und so traue ich dem Land durchaus zu, den eigenen Immobilienmarkt im Zaum zu halten, ohne das Wirtschaftswachstum des Landes unter 6% zu drücken.

In der EU hat Deutschland nun eine Führungsrolle übernommen und ich erwarte, dass die anderen Länder mit einiger zeitlicher Verzögerung klein bei geben werden. Leider heißt die Richtung „Sparen zu Lasten des Wirtschaftswachstums“ und nur ein Verlust der Eigenständigkeit der EZB würde dank einer lockeren Geldpolitik weiteres Konjunkturwachstum ermöglichen.

Das Säbelrasseln in Nordkorea halte ich für eine Provokation, die jedoch nicht in einen Krieg münden wird.

FAZIT

Siemens hat in vielen Portfolios deutscher Anleger seinen festen Platz, weil mit dieser Aktie die Entwicklung der Weltkonjunktur abgebildet werden kann. In meinen Augen ist die Aktie weder unterbewertet noch überbewertet. Wer die Aktie langfristig hat, der kann sie in meinen Augen gerne langfristig behalten. Ich sehe aber kurz und mittelfristig keinen besonderen Grund, diese Aktie ins eigenen Portfolio zu nehmen.

Es gibt bessere Dividendentitel (Deutsche Post), bessere Wachstumstitel (Apple) und bessere spekulative Titel (Teleplan). Selbst für sicherheitsbewusste Anleger gibt es bessere defensive Titel (Teva). Wer sich nicht entscheiden kann, was ihm wichtig ist, der kann gerne Siemens nehmen. Da hat er dann von allem etwas.

Über den Autor

Stephan Heibel ist Autor und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefes, der wöchentlich kostenfrei per E-Mail verschickt wird. Darin werden die Hintergründe zu Kursbewegungen an den Finanzmärkten aufgezeigt und erklärt. Interessante Tradingideen werden daraus abgeleitet.

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