Wunschanalyse Sandisk Corp.

Sandisk Corp. (WKN 897 826, ISIN US80004C1018, Marktkapitalisierung: ca. 8,80 Mrd. US$, ca. 6,93 Mrd. Euro)

Firmenlogo Sandisk Corp.

WELTMARKTFÜHRER FÜR FLASHSPEICHER

„Herkömmliche“ Speicher haben bewegliche Teile. Die Festplatten in Ihrem PC bauen auf der Schallplattenspielertechnik auf: Eine Magnetplatte wird gedreht und ein Abnehmer (Schreib-Lesekopf) wird über einen Arm zur entsprechenden Position der Platte bewegt, wo die Informationen gelesen oder hingeschrieben werden sollen. Wenn Sie sich nun zehn oder zwanzig solcher Platten übereinander mit jeweils den Schreib-Leseköpfen dazwischen vorstellen, dann wissen Sie grob wie eine Festplatte aussieht.

Der Nachteil dieser Festplatten: es handelt sich um bewegliche Teile und alles was beweglich ist nutzt sich ab und funktioniert irgendwann nicht mehr. Die Platten können nur gelesen und beschrieben werden, wenn sie sich drehen, daher gibt es stets ein leichtes Grundrauschen, also einen kleinen Geräuschpegel. Und wenn die Festplatte mal Pause macht dann dauert der nächste Zugriff um so länger, weil die Rotation erst wieder gestartet werden muss.

Bei Flashspeichern oder auch Solid State Drives (SSD) bewegt sich nichts. Es werden nur noch elektrische Zustände verändert (Plus/Minus). Der besondere Kniff an den Flashspeichern war es, den Zustand nach dem Abschalten der Stromversorgung beizubehalten. Doch dieses Problem wurde vor dreißig Jahren gelöst. Dadurch sind Flashspeicher leichter, schneller und verbrauchen weniger Strom. Sie sind lediglich viel teurer als die herkömmlichen Festplatten.

Dr. Eri Harari hat 1989 das Unternehmen Sandisk im amerikanischen Kalifornien gegründet. Seither ist das Unternehmen zum Weltmarktführer für Flashspeicher aufgestiegen. Smartphones, Digitalkameras, Camcorder, USB-Speichersticks und MP3-Player nutzen Flashspeicher und jährlich wird die Speicherkapazität größer, die Schreib-Lesegeschwindigkeit schneller und der Preis niedriger.

SIEGESZUG DER FLASHSPEICHER

Begonnen hat der Siegeszug mit dem Einsatz in Digitalkameras. Seit über zehn Jahren werden standardmäßig Flashspeicher für Digitalkameras verwendet. Es folgten sehr bald MP3-Musikplayer sowie USB-Speichersticks.

Für den Bereich der Camcorder fehlte den Flashspeichern zum einen die notwendige Kapazität, um mehr als nur fünf Minuten aufzeichnen zu können, sowie auch die notwendige Schreib-Lesegeschwindigkeit, um eine ausreichende Qualität schnell genug abzuspeichern. Daher wurden dort noch lange Magnetbänder oder eben die herkömmlichen Festplatten verwendet. Erst seit Flashspeicher mit 16, 32 oder 64 GB Kapazität zu vertretbaren Preisen angeboten werden können schwenken auch immer mehr Camcorderhersteller auf diese Technologie um.

Smartphones gelten derzeit als Statussymbol und der Preis dieser Geräte wird von den potenten Käufern gerne gezahlt. Somit finden sich entsprechend große Flashspeicher in diesen Geräten und völlig neue Anwendungen werden entdeckt. GPS-Navigation, graphikintensive Spiele bis hin zur Nutzung des Smartphones als tragbarer Präsentationscomputer (für Videos und Präsentationen oder einfach zum Lesen von PDFs etc.) eröffnen nicht nur völlig neue Anwendungen sondern schaffen in meinen Augen eine neue Struktur in unserer Arbeitsweise.

Es ist meiner Einschätzung nach nicht mehr eine Frage „ob“, sondern nur noch „wann“ die herkömmliche Festplatte abgelöst wird. Darunter verstehe ich dann später auch die CD, DVD oder Blue-Ray. Alles, was sich bewegt, frisst mehr Strom, verkürzt dadurch die Batterielaufzeit und ist anfällig für mechanische Abnutzung. Der heute noch hohe Preis der Flashspeicher wird genau wie alle anderen Komponenten der Computertechnologie mit zunehmender Massenfertigung immer günstiger. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, wann auch günstigere Geräte wie Netbooks und eBooks Flashspeicher nutzen.

Und das wird wiederum auch die gegenüberliegende Seite, das High-End, beeinflussen. Schon heute gibt es Laptops mit Flashspeichern. Allerdings sind solche Geräte etwas 1.000 € teurer als vergleichbare Laptops mit herkömmlicher Festplatte und das ist ein Preisschild, das die Massennutzung noch vereitelt. Die Richtung jedoch ist klar: Auch am High-End werden Laptops vermehrt Flashspeicher nutzen. Geringes Gewicht und Energieeffizienz werden mittelfristig den Preisnachteil aufwiegen.

ENTWICKLUNG IST ERST AM ANFANG

Okay, jetzt erst einmal tief durchatmen. Denn eigentlich schreibe ich ungern so reißerisch, wie es hier in diesem Artikel langsam wird. Doch je mehr ich zum Thema Flashspeicher recherchiere, desto offensichtlicher wird es für mich, dass sich hier eine Entwicklung abzeichnet, die erst in den Kinderschuhen steckt und noch ganz andere Branchen mit sich ziehen wird. Haben Sie also bitte noch dieses Kapitel lang Geduld mit mir, bis ich ab dem nächsten Kapitel dann auf die nüchterne Zahlenanalyse von Sandisk Corp. einschwenke.

Ich glaube, dass wir uns am Anfang eines Entwicklungszyklus befinden, wie es ihn zuletzt 1993 bis 2001 gab und davor nur Anfang der 80er Jahre. In den 80ern waren PCs noch viel zu teuer, für das Volk reichte es gerade einmal um Taschenrechner flächendeckend anzubieten. PCs waren teuer und konnten wenig, es war sehr umständlich, mit ihnen zu arbeiten. Der eine oder andere wird sich noch an die Speicherkassetten erinnern, mit denen man Programme auf den Computer lud. Und für die jüngeren unter Ihnen: Speicherkassetten sind normale Musikkassetten gewesen, auf denen man Töne speicherte, deren Abfolge für den Computer Daten darstellte, wie beim heutigen Faxgerät.

IBM und Nixdorf hatten Anfang der 80er ihre besten Zeiten. Die Phantasie war angeheizt, es folgte der Ausbau von Fertigungskapazitäten für diese neue Technologie und Mitte bis Ende der 80er wurden PCs für jeden erschwinglich, die Unternehmen konnten jedoch aufgrund von Überkapazitäten keine ordentlichen Gewinnmargen mehr erzielen.

Es folgte eine Phase der Konsolidierung. Neue Fabriken wurden nicht mehr gebaut, vielmehr wurden die Wettbewerber mit Schwierigkeiten von den gesunden Unternehmen aufgekauft und integriert, bis Mitte der 90er ein neuer Aufschwung begann: Das Internet breitete sich aus.

Plötzlich wurde jedem bewußt, welche Möglichkeiten eine weltweite Vernetzung nach sich ziehen würde: E-Mails kamen auf und Unternehmen präsentierten sich im Internet. Es folgte eine immer intensivere Nutzung der verfügbaren Infrastruktur, Glasfaserleitungen und Rechenzentren schossen wie Pilze aus dem Boden. Sie alle kennen die Jahrhunderthausse, die bis zum März 2000 oder je nach Branche teilweise auch bis Anfang 2001 anhielt.

Wieder waren Überkapazitäten geschaffen worden. Die dicken Internetleitungen und die dicken Rechenzentren verarbeiteten den anfallenden „Traffic“, also Datenverkehr, locker. Unternehmen, die am Ausbau der Infrastruktur beteiligt waren, gingen reihenweise Pleite oder wurden übernommen – bspw. Lucent und Nortel. Es folgte also erneut eine langjährige Durststrecke für Unternehmen der Computer- und Internetbranchen. Die Investitionstätigkeit war in den vergangenen Jahren eher verhalten. Sie werden sich an den Ausbau des UMTS-Netzes in Deutschland erinnern, der nach den teuren Lizenzen, die Anfang des Jahrtausends versteigert wurden, und in Folge des Aktiencrashs 2001-2003 wesentlich langsamer erfolgte als ursprünglich geplant.

Nun kam noch erschwerend die Finanzkrise 2007-2008 hinzu, die sich zu einer weltweiten Rezession ausweitete und zu einem Investitionsstopp in vielen Branchen führte. Unternehmen haben seither ihre liquiden Mittel bei sich behalten, um nicht mehr so abhängig von den Banken zu sein. Heute arbeiten viele Technologieunternehmen mit alten Technologien, werfen eine Menge freien Cashflow ab und häufen dadurch in der Bilanz große Reserven an liquiden Mitteln an.

DER NÄCHSTE SCHRITT

So, nach dieser ausführlichen Einleitung fällt es nun leicht, meine Erwartung für die kommenden Jahre zu formulieren. Apples iPad wird neue Anwendungen nach sich ziehen. Google und Apple arbeiten beide an einem eigenen Fernsehangebot. IP-Technologie über das Mobilfunknetz wird völlig neue Anwendungen ermöglichen. Kommunikation, Unterhaltung, Spiele und Arbeiten werden miteinander verknüpft.

In diese Entwicklung können Sie einbinden, dass ein zunehmend großer Teil der Bevölkerung von Schwellenländern wie China, Brasilien, Russland und Indien Zugang zu diesen neuen Mobilfunktechnologien haben wird.

Nach nunmehr fast zehn Jahren geringer Investitionstätigkeit in diesem Bereich gibt es einen aufgestauten Bedarf an Erneuerungsinvestitionen.

Die Branche befindet sich also meines Erachtens ganz am Anfang eines lang anhaltenden Aufwärtstrends. Sandisk Corp. als Marktführer für Flashspeicher wird von diesem Trend kräftig profitieren. Schauen wir einmal, ob sich diese Erwartung bereits im Bewertungsniveau der Aktie zeigt.

BEWERTUNGSNIVEAU VON SANDISK SEHR GÜNSTIG

Nach einem Umsatzeinbruch im Krisenjahr 2009 hat sich der Umsatz im ersten Halbjahr 2010 wieder gut erholt. Die Gewinnmarge liegt bei 24%, bei einem Umsatzwachstum von 61% ist der Gewinn wieder auf 4,29 US$ je Aktie angesprungen. Somit notiert die Aktie auf einem KGV 2010e von 8,8.

Für die nächsten fünf Jahre wird ein durchschnittliches Wachstum von 14% p.a. erwartet, ich halte diese Erwartung für zu niedrig gegriffen. Doch auch mit dieser Erwartung ist das Bewertungsniveau in meinen Augen sensationell günstig. Mit einer Nettoliquidität von 1,5 Mrd. US$ und einem freien Cashflow von knapp einer Mrd. US$ p.a. kann die Bilanz als durch und durch gesund bezeichnet werden.

FINANZIERUNG LANGFRISTIG GESICHERT, VERWÄSSERUNG FÜR ALTAKTIONÄRE

Vor genau einer Woche hat Sandisk Corp. eine Unternehmensanleihe ausgegeben. Das Volumen betrug eine Mrd. US$, fällig im Jahr 2017 mit einer Verzinsung von 1,5% p.a. Es handelt sich um eine Wandelanleihe, deren Wandlung sich ab einem Kurs von 52,37 US$ je Aktie lohnt. Beim aktuellen Kurs von 38,27 US$ ist da noch ein wenig Platz. Doch beim Erreichen dieser Schwelle wirkt sich diese Wandelanleihe verwässernd (delutive) für die Altaktionäre aus, da es sodann mehr Aktionäre gibt, mit denen der Unternehmensgewinn geteilt werden muss.

In Folge dieser Transaktion, die zwar der Bilanz von Sandisk Corp. hilft, jedoch Altaktionäre nicht gerade glücklich macht, ist die Aktie in den vergangenen Tagen von 45 US$ auf 38 US$ eingebrochen. Ich halte das für ein günstiges Einstiegsniveau.

VERZEHNFACHUNG IN DEN VERGANGENEN 18 MONATEN

Es ist nicht so, als ob niemand die Chancen von Sandisk Corp. erkennen würde. Der Kurs hat sich seit dem Höhepunkt der Finanzkrise von 5 US$ auf 50 US$ verzehnfacht. Erst war es das iPhone, das die Nachfrage nach Flashspeichern trieb, sodann die anderen Smartphones, die auf den Markt kamen. Doch der Kursanstieg ist nicht aus reiner Phantasie heraus erfolgt, sondern ihm liegt eine entsprechende Geschäftsentwicklung zugrunde, so dass ich das Bewertungsniveau heute noch immer als günstig bezeichnen würde.

Der überraschende Siegeszug und die überraschende Akzeptanz der Smartphones haben diesen Kursanstieg nach sich gezogen. Noch vor zwei Jahren galt es im Freundeskreis als schick, wenn man sein Telefon (Handy) nur zum Telefonieren nutzt und sich von dem ganzen neumodischen Schnickschnack lossagt. Heute hat jeder ein Smartphone zumindest heimlich in der Tasche dabei.

Wie oben aufgezeigt ist das meiner Ansicht nach erst der Anfang einer nachhaltigen Entwicklung, die immer mehr Flashspeicher einsetzen wird. Doch mangels Phantasie höre ich auch heute wieder, dass der ganze Schnickschnack mit Speichern auf Smartphones, mit Fernsehn auf dem Smartphones oder mit Internet-Fernsehen zu Hause völlig übertrieben ist und nicht benötigt wird. So ist niemand bereits, mehr als ein KGV von 8,8 für Sandisk Corp. zu zahlen.

Doch ich denke, hier werden Anleger von der Geschäftsentwicklung des Unternehmens überrascht. Die Nachfrage nach Flashspeichern wird meiner Einschätzung nach kräftiger ansteigen als derzeit in den Prognosen von Sandisk Corp. enthalten. Für das Jahr 2011 erwarten Analysten einen Umsatz- und Gewinnrückgang. Ich habe keine plausible Begründung für diese Erwartung gefunden und kann daher nur vermuten, dass Analysten keine harten Fakten haben, um ihre Erwartung nach oben zu schrauben. Doch dies dürfte sich bald ändern.

FAZIT: LANGFRISTIG AUSSICHTSREICH

Ich habe in dieser Analyse ausschließlich langfristige Trends betrachtet. Kurzfristig scheint mir ein günstiger Einstiegszeitpunkt gegeben, da die Emission der Wandelanleihe einige Aktionäre verschreckt hat. Das Unternehmen verwendet die ca. eine Milliarde US$ zum Rückzahlen von im Jahr 2013 fälligen Schulden, zur Rückführung von Hedgingkosten sowie für weitere Investitionen. In meinen Augen hört sich das sehr gut an.

Die Gewinnmarge von 24% ist bereits sehr hoch und könnte in den kommenden Quartalen eher rückläufig sein. Der Nachfrageschub durch Smartphones war überraschend und hat zu exorbitanten Gewinnmargen geführt, was sich nicht ewig halten lässt. So dürfte in den kommenden Quartalen der Umsatz stärker zulegen als der Gewinn. Dennoch bleibt der Markt attraktiv genug, um auch den Gewinn weiter ansteigen zu lassen, was das Bewertungsniveau eben extrem günstig erscheinen lässt.

Kurzfristiger Margendruck könnte den Aktienkurs also belasten, langfristig sind die Aussichten rosig. Ich würde daher schrittweise einsteigen und nach einem Kauf von Sandisk-Aktien noch genug Pulver trocken halten, um im Falle eines Ausverkaufs nochmals nachzufassen.

Über den Autor

Stephan Heibel ist Autor und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefes, der wöchentlich kostenfrei per E-Mail verschickt wird. Darin werden die Hintergründe zu Kursbewegungen an den Finanzmärkten aufgezeigt und erklärt. Interessante Tradingideen werden daraus abgeleitet.

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