Wunschanalyse Q-Cells – hochspekulativ und chancenreich

Herzlich Willkommen zur Wunschanalyse von Sharewise in Zusammenarbeit mit Stephan Heibel vom Heibel-Ticker.de Börsenbrief (www.heibel-ticker.de). Für die Chartanalyse haben wir Christian Kämmerer (www.TA4YOU.com) um seine Meinung gebeten. Unsere Mitglieder haben sich diese Woche eine Analyse des Solarunternehmens Q-Cells gewünscht.

Q-Cells laut Sharewise.com:

  Prognositiertes Kursziel kaufen halten verkaufen
26 Mitglieder Ø 28,43 € 23 3
15 Analysten Ø 17,46 € 3 9 3

Q-Cells (WKN 555 866, ISIN DE0005558662)


Firmenlogo Q-Cells


SOLARENERGIE: ERST HUI, DANN PFUI

Ein heiß diskutierter Markt, insbesondere für uns umweltbewusste Deutsche: Der Solarmarkt. Q-Cells ist in den vergangenen 10 Jahren zum weltweit größten Anbieter von Solarzellen aufgestiegen. Der Unternehmenswert betrug vor zwei Jahren noch über 10 Mrd. Euro.

Doch eine ganze Reihe von Problemen und Ungewissheiten haben den Aktienkurs, und damit den Unternehmenswert, gezehntelt! Förderprogramme der Solarbranche wurden in Frage gestellt (Deutschland) oder gekürzt (Spanien). In den USA wurde die Dünnschicht-Technologie groß, die von Q-Cells erst spät aufgegriffen wurde. Es handelt sich dabei um eine extrem kostengünstige Alternative zu den Solarzellen, dafür ist der Wirkungsgrad jedoch nicht so groß.

Da werden eine ganze Reihe von verschiedenen technologischen Ansätzen verfolgt und die Forschungsaufwendungen sind hoch. Große und lang laufende Investitionsprojekte sind notwendig, um die Solarenergie aus Kostensicht in einem vertretbaren Zeitrahmen wettbewerbsfähig zu machen. Doch die Austrocknung der Finanzmärkte, die Liquiditätskrise, hat die Finanzierung der notwendigen Investitionen erschwert und zum Teil unmöglich gemacht.

Und dann ist auch noch der Ölpreis von 147 auf 36 US$/Fass eingebrochen. Durch die weltweite Wirtschaftskrise ging die Nutzung fossiler Brennstoffe zurück und die Suche nach teuren Alternativen wurde aus Sicht der Investoren weniger attraktiv. Die Prognosen über die Abnahmemengen von Solarzellen wurden nach unten revidiert und plötzlich gab es im Solarmarkt große Überkapazitäten.

All das passierte in den vergangenen zwei Jahren. Vor zwei Jahren war der Begriff „Dünnschicht-Technologie“ noch weitgehend unbekannt, Kredite bekam jeder, der schreiben konnte und das deutsche Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) schickte sich an, zum Exportschlager zu werden.

Vor dem Hintergrund dieser plötzlich aufgekommenen Probleme wundert es wenig, dass die zuvor überhitzen Aktienkurse von Solaraktien in den Keller geprügelt wurden: Von 100 auf 10 Euro ist der Kurs von Q-Cells eingebrochen.

Doch inzwischen ist der Ölpreis über 50 US$/Fass gestiegen, die politischen Förderprogramme nehmen Formen an (USA, Spanien und jetzt auch China) und zumindest in Deutschland bleibt alles beim Alten. Der Kurs von Q-Cells steigt wieder, seit Anfang März um immerhin 35%. Schauen wir einmal, ob die schlechten Zeiten überstanden sind, oder ob es sich nur um eine Zwischenerholung handelt.


Q-Cells, Hauptsitz

EIN SCHWERES JAHR 2009 STEHT BEVOR

Wenn Sie sich die vorläufigen Jahresberichte der Solarunternehmen anschauen, dann werden Sie nicht viel Optimismus für das Jahr 2009 finden. Das erste Qaurtal, das in diesen Tagen endet, wird schon als verheerend abgeschrieben. Überkapazitäten, hohe Lagerbestände und eingebrochene Preise verhindern ein ordentliches Geschäft, vielmehr können viele Solarunternehmen glücklich sein, wenn derzeit kein Verlust aus dem operativen Geschäft entsteht.

Hinzu kommen dann noch Übernahmen und Investitionen aus den vergangenen zwei Jahren, die aus heutiger Sicht viel zu teuer bezahlt wurden. Da sind Abschreibungen notwendig. Wenngleich also im Tagesgeschäft eine schwarze Null erzielt wurde, so verhageln Abschreibungen die Bilanz.

Für den weiteren Verlauf des Jahres 2009 wir ein Lagerabbau in Aussicht gestellt. Q-Cells ist mutig und prognostiziert sogar einen Umsatzanstieg von mindestens 35%, denn die getätigten Investitionen in den Ausbau der Produktionskapazitäten müssen genutzt werden. Es muss mehr verkauft werden, sonst rechnen sich die Investitionen nicht. So will Q-Cells im Jahr 2009 insgesamt 1,7 Mrd. Euro umsetzen.

Der Gewinn von Q-Cells ist aufgrund des gestiegenen Margendrucks (harter Preiskampf!) rückläufig und sinkt auf voraussichtlich 1,42 Euro pro Aktie, im Jahr 2008 waren es noch 1,68 Euro je Aktie. In der Solarbranche gibt es nur eins: die Flucht nach vorne. Steigende Skalenerträge durch Ausweitung der Produktionskapazitäten, günstigere Produktionskosten durch Wachstum und irgendwann einmal hoffentlich der Break-Even zu den fossilen Brennstoffen wie Kohle und Öl. Erst wenn der Break-Even gelingt, ohne das Fördermittel verbraten werden, kann man von einem funktionierenden Wirtschaftszweig sprechen. Bis dahin ist die Solarbranche eine „Zukunftstechnologie am Tropf der Politik“.

In Kalifornien und Italien sind nun die ersten „Break-Even“-Projekte gemeldet worden. Dort wurden mit Hilfe der Dünnschicht-Technologie Kraftwerke gebaut, die von den kalkulatorischen Kosten mit einem Kohlekraftwerk mithalten können, wenn man die Kosten je produzierter Kilowattstunde Strom betrachtet. Die Meldung kam Anfang dieses Jahres heraus und hat für neue Zuversicht in der Solarbranche gesorgt.

Es gibt also auf der technologischen Seite durchaus positive Entwicklungen. Wirtschaftlich hingegen muss die Branche noch einige Monate ausharren, bis Überkapazitäten und Lagerbestände abgebaut sind und bis die politischen Konjunkturpakete ihre Wirkung entfalten. Schauen wir uns an, ob die Bilanz von Q-Cells gesund genug ist, um diese Durststrecke zu durchstehen. Denn nur dann kann das Unternehmen anschließend von einem eventuellen Aufschwung profitieren.

ANGESCHLAGENE BILANZ ABER GÜNSTIGES BEWERTUNGSNIVEAU

771 Mio. Euro Schulden schiebt das Unternehmen in der Bilanz vor sich her. Bei einem Jahresumsatz von 1,7 Mrd. Euro ist das schon ein ganz schön beachtlicher Brocken, der erst einmal durch Gewinne bedient werden muss.

Doch wenn Sie sich die Bilanzstruktur des Unternehmens anschauen, kehrt das Vertrauen schnell zurück: Die Eigenkapitalquote beträgt 65%. Den hohen Schulden steht ein sehr hohes Eigenkapital gegenüber. Im laufenden Jahr möchte Q-Cells weiter investieren und gleichzeitig die Schulden umstrukturieren. Es wurde ein Überbrückungskreditrahmen in Höhe von 500 Mio. Euro vereinbart, der für das laufende Jahr ausreichend finanziellen Handlungsspielraum gewähren dürfte, um sowohl laufende Investitionen zu finanzieren, als auch eine Umschuldung zu gewährleisten.

Dennoch: Wenn auch der Umsatz steigt, so ist doch der Gewinn rückläufig. Und das führt zu einem steigenden KGV, derzeit steht das KGV bei 10. Zusätzlich zu dieser belastenden Entwicklung dürfte in den nächsten Quartalen noch erhöhter Abschreibungsbedarf zu Buche schlagen, der die heute noch sehr gute Eigenkapitalquote verringern wird. Aber dieser Effekt ist nun seit langem bekannt und dürfte meiner Einschätzung nach im Kursniveau enthalten sein.

Unterm Strich bleibt also festzuhalten, dass Q-Cells trotz Preiskampf weiter Marktanteile gewinnt, den Umsatz kräftig (um 35%) steigert und die Finanzierung für das laufende Jahr gesichert ist. Damit sind die Voraussetzungen gegeben, an einem von mir für das kommende Jahr erwarteten wirtschaftlichen Aufschwung überproportional partizipieren zu können. Da der Aktienkurs dies in der Regel um 6-9 Monate vorweg nimmt ist der aktuelle Kursanstieg schon als Zeichen zu sehen, dass Q-Cells gut durch die Krise segeln wird.

Schauen wir uns also einmal an, wo gute Einstiegsmarken zu finden sind:

CHARTANALYSE: AUSVERKAUF UNTER ALLE UNTERSTÜTZUNGEN

Die Chartanalyse wird in Zusammenarbeit mit Christian Kämmerer erstellt (www.TA4YOU.com):

Einleitung:

Wie aus den letzten Analysen bekannt, möchte ich auch heute wieder mit einem so bezeichneten „Big Picture“ starten. Auch wenn die Kurshistorie von Q-Cells zweifelsohne noch recht jung ist – die Erstnotiz erfolgte am 5. Oktober 2005 mit einem Kurs von 23,30 Euro – so ist der Blick vom Großen ins Kleine für die Technische Analyse unverzichtbar. Daher betrachte ich zu Beginn den 3-Jahres-Chart um mögliche Unterstützungs- und Widerstandszonen definieren zu können. Dem folgend ergänze ich den 3-Jahres-Chart mit einem 1-Jahres-Chart um Ableitungen zur zukünftigen Entwicklung anhand zweier Szenarien zu skizzieren. Hintergrund der Szenarien ist die Tatsache, dass die Technische Analyse nicht statisch ist und es sich zudem um eine Momentaufnahme der Aktie handelt. Im Grunde müsste jedes Verhalten fortlaufend kommentiert und analysiert werden. Um dies zu vermeiden gebe ich dem Chart selbst die Chance sich zu entwickeln und folglich entsprechende Szenarien abzuarbeiten.
Q-Cells, Chart, 3 Jahre

Die Aktie der Q-Cells SE zeichnete sich seit der Emission durch eine tendenziell starke Performance aus. Dementsprechend überstieg die Aktie innerhalb von „nur“ zwei Jahren gar das Niveau eine Vervierfachung mit einem Intraday-Kurshoch am 9. November 2007 bei exakt 102,85 Euro. Seither korrigierte die Aktie mehr oder weniger stark bis Oktober 2008, um dann aus charttechnischer Betrachtung mit dem Bruch der Kursmarke von 50 Euro in den freien Fall überzugehen.

Dieser Kursverfall hält, abgesehen von zwischenzeitlichen Gegenbewegungen, derzeit noch immer an und führte die Aktie zuletzt bis an das „vorläufig“ historische Allzeittief bei 9,52 Euro während des Intraday-Handels vom 9. März 2009. Aufgrund der anhaltenden Kursschwäche etablierten sich bei der Q-Cells SE bereits drei unterschiedlich gestaffelte Abwärtstrendlinien. Die seit September 2008 äußerst steil verlaufende tertiäre Abwärtstrendlinie verläuft aktuell bei rund 13,30 Euro und wird während dieser Woche bereits touchiert bzw. angegriffen.

Gelingt der Aktie kein Ausbruch über diese Trendlinie, so skizziert sich der weitere Kursverlauf entsprechend dieser Trendlinie. Abermalige Kurse unter 10 bzw. speziell 9,50 Euro sollten folglich weitere Abschläge bis mindestens rund 8 Euro zur Folge haben. Hingegen bei einem nachhaltigen Bruch (mindestens drei Tage per Schlusskurs darüber) der Abwärtstrendlinie eine mögliche Bodenbildung vollzogen werden kann.
Q-Cells, Chart, 1 Jahr

Chance-Risiko-Verhältnis: 45/55 – auch wenn die aktuellen Kursniveaus aus rein optischer Betrachtung sicherlich einladend erscheinen, so besteht aus Sicht der Technischen Analyse ein klarer Abwärtstrend, welcher seinen Boden noch immer sucht. Gelingt jedoch eine Stabilisierung oberhalb von 9,50 Euro mitsamt nachhaltigem Bruch der tertiären Abwärtstrendlinie können mutige Anleger auf derzeitigem Niveau auf eine Bodenbildung mit anschließendem mittelfristigen Erholungspotenzial von mindestens 75% bis 150% setzten. Für den Fall eines Investments sollte der Stoppkurs zwingend bei 9,40 Euro liegen.

LONG-Szenario:
Wie im 1-Jahreschart ersichtlich, kämpft Q-Cells aktuell mit der tertiären Abwärtstrendlinie im Bereich um 13,30 Euro. Gelingt der – bereits erwähnte – nachhaltige Ausbruch, so könnte sich eine Bodenbildung ergeben, sofern die Aktie in diesem Zusammenhang keine neuen Tiefstkurse markiert. Mittelfristig ergibt sich sodann Erholungspotenzial bis in die Kurszone von 17 bis 24 Euro. Doch Obacht, die primäre wie sekundäre Abwärtstrendlinien sind weiterhin intakt und somit ergibt sich erst mit dem Überwinden der Marke von aktuell 43 Euro per Wochenschlusskurs ein klares und langfristiges Kaufsignal.

SHORT-Szenario:
Die seit Oktober 2008 an Dynamik zugenommene Kursschwäche hält weiterhin an und dementsprechend besitzt die Aktie noch immer keine Chance zur Umsetzung einer nachhaltigen Bodenbildung. Mit dem Unterschreiten der letzten Tiefstkurse vom 9. März bei rund 9,50 Euro generiert die Aktie weiteres Rückschlagspotenzial bis zunächst rund 8 und anschließend rund 5 Euro. Sämtliche Trendfolgeindikatoren weisen weiterhin den Weg in Richtung Süden und insofern muss mittel- bis langfristig abgewartet werden wo die Aktie letztlich mit einer Bodenbildung beginnt.

Soweit die Charttechnik von Christian Kämmerer (www.TA4YOU.com).

FAZIT

Q-Cells ist ein Marktführer in einem noch jungen Markt. Marktführer in einem jungen Markt haben hohe Investitionskosten und müssen in Sachen Innovation stets auf das richtige Pferd setzen. Andernfalls erfolgt schnell einmal eine Ablösung eines Marktführers. Dieser Gefahr ist also auch Q-Cells ausgesetzt: Das Unternehmen muss in den Ausbau der Produktionskapazitäten investieren, um günstigere Solarzellen anbieten zu können. Q-Cells muss ebenfalls in Innovation investieren, um im Bereich der Dünnschichttechnologie nicht überrollt zu werden. Dafür hat Q-Cells derzeit ausreichend liquide Mittel zur Verfügung und kann auch auf eine solide Eigenkapitalquote blicken.

Diese Flucht nach vorne wird Q-Cells in einem kommenden Aufschwung, und irgendwann kommt immer ein Aufschwung, in eine Führungsposition setzen. Doch sollte der Aufschwung zu lange auf sich warten lassen, werden Abschreibungen die Eigenkapitalquote aufzehren, die Finanzierungen in Frage stellen und Q-Cells zu einem Pleitegeier transformieren.

Ich halte dieses Horrorszenario für unwahrscheinlich, da ich, wie ich in meinem Börsenbrief Heibel-Ticker ausgeführt habe, von eine wirtschaftlichen Aufschwung noch in diesem Jahr ausgehe. Der Ölpreis notiert bereits wieder deutlich über 50 US$/Fass, die Regierungsprogramme gewinnen an Profil und die Aktienbörse hat ihr Baissetief bereits Ende Februar gesehen.

Ich würde daher Q-Cells als hochspekulativ zu Kursen unter 15 Euro kaufen. Als Ziel auf Sicht von 6 Wochen sehe ich Kurse über 18 Euro als möglich an. Mit einem Horizont von 18 Monaten erwarte ich sogar einen Anstieg in Richtung 40 Euro. Als Stoppkurs würde ich mich auf das Unterschreiten des bisherigen Tiefs bei 9,52 Euro stützen.

Die dargestellten Charts wurden mit TradeSignal -Webedition- erstellt.

Über den Autor

Stephan Heibel ist Autor und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefes, der wöchentlich kostenfrei per E-Mail verschickt wird. Darin werden die Hintergründe zu Kursbewegungen an den Finanzmärkten aufgezeigt und erklärt. Interessante Tradingideen werden daraus abgeleitet. Sie können sich unter http://www.heibel-ticker.de unverbindlich eintragen.

Take Share,
Stephan Heibel

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