Wunschanalyse Gildemeister AG

Gildemeister AG (WKN 587 800, ISIN DE0005878003, Marktkapitalisierung: ca. 496,16 Mio. EUR)

 

 

 

Überblick, Entstehung, Konzernentwicklung

Die Gildemeister AG ist einer der größten Werkzeugmaschinenhersteller in Deutschland und auch weltweit ein führender Hersteller von spanenden Werkzeugmaschinen,  in den Technologien Drehen und Fräsen sowie Lasern weltweit führend. Der Konzern bietet innovative Maschinentechnologien, kompetente Serviceleistungen und bedarfsgerechte Softwareprodukte an.

Das Unternehmen wurde im Jahre 1870 gegründet und ist  der Branche des Maschinenbaus zuzuordnen. Im Bereich des Werkzeugmaschinenbaus existieren außerdem Produktlinien in der Ultraschall- sowie Laserbearbeitung von Metallen. Weitere Geschäftsfelder bilden die Automation, das Segment Services und die Solartechnik. Die eben genannten Produktlinien außerhalb des Maschinenbaus, gehen maßgeblich auf folgende Akquisitionen zurück:Im Jahr 1994 übernahm Gildemeister die in Schwierigkeiten geratene Deckel Maho AG und führte deren Fräsmaschinenkonzept weiter. Seit dieser Übernahme der Sauer GmbH bietet DMG daher die genannten zusätzlichen Laser- und Ultraschall-Maschinen an.Seit 2007 hält Gildemeister auch 100 Prozent an der Würzburger a+f GmbH. Die a+f ist mit dem SunCarrier im Solarmarkt tätig. Die Gildemeister AG ist die Konzernmutter von 12 Produktionswerken in Deutschland, Italien, Polen und der VR China sowie der Vertriebsgesellschaft DMG Vertriebs und Service GmbH.  Der Konzern umfasste zum 31. März 2010 einschließlich der Aktiengesellschaft 79 Unternehmen. In der mittelständisch geprägten Branche werden die Produkte zum Großteil über Händler vertrieben. Vertriebs- und Servicestandorte befinden sich in Europa, Amerika und Asien.

 

Die Konzertstruktur gliedert sich wie folgt:

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Fundamentalanalyse, Kennzahlen, Reaktion auf die Wirtschaftskrise

Natürlich konnte sich der Gildemeister-Konzern ebenso wenig wie viele andere Unternehmen  der Wirtschaftskrise 2008 und den damit verbunden ökonomischen Einbußen entziehen. Wie folgenschwer das Unternehmen getroffen worden ist, lässt sich besonders an der Entwicklung von Umsatz und Auftragseingängen ablesen. Obwohl der Einbruch nun fast 2 Jahre her ist, steht auch im Halbjahresbericht 2010, …“dass die Folgen der Wirtschaftskrise auch noch zu Jahresbeginn deutlich spürbar waren und sind„. Dennoch erholt sich die Gesamtwirtschaft von der Krise und die Prognosen verbessern sich. Auch die weltweite Werkzeugmaschinennachfrage hat spürbar angezogen. Alleine Im zweiten Quartal konnte Gildemeister den Auftragseingang im Kernsegment „Werkzeugmaschinen“ (+63%) deutlich steigern. Insgesamt erreicht der Auftragseingang ein Plus von 12% zum Vorjahr. Eine besondere Rolle spielt hier Asien, insbesondere die japanischen Werkzeugmaschinenbestellungen verzeichnen laut dem Unternehmen einen starken Anstieg.Die steigende Nachfrage aus China wird neben Indien mit dem brasilianischen Markt unterstützt (Stichwort: BRIC). Zwar nicht so stark, aber mit einer ebenfalls hohen Dynamik zieht die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie an, während die Bestellungen aus dem Ausland in den ersten 5 Monaten um 66% anstiegen, verzeichneten die Bestellungen aus dem Inland immerhin einen Zuwachs von 40%.  Allerdings rechnet der VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) jedoch mit einem nochmaligen Rückgang der Produktion von 12%.Bedingt durch den geringen Vorlauf sank der Umsatz im Halbjahresvergleich um 14%, jedoch wird seitens des Konzerns eine Steigerung ab dem dritten Quartal erwartet. Das EBIT war mit 1,8 Mio. Euro positiv. Abschließend muss noch ergänzt werden, dass die Ausgaben in Forschung und Entwicklung nicht sonderlich gekürzt worden sind, sondern im Vergleich zum Jahr 2009 stabil blieben. Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung betrugen im ersten Halbjahr 2010 21,5 Mio. Euro und lagen damit nur knapp unter dem Vorjahresniveau von 25,1 Mio.

Im Allgemeinen liefert der Halbjahresbericht 2010 des Gildemeisterskonzern eine neutrale Bilanz mit tendenziell positivem Bias. Rechtzeitig wurden Kosten gesenkt, während sich abzeichnete, dass die Aufträge gerade aus dem Ausland wieder ansteigen.

Charttechnische Analyse / Marktbetrachtung

Direkter Performancevergleich: Gildemeister, GEA Group, Heidelberger Druckmaschinen AG, KUKA, LPKF Laser & Electronics.

Auf mittelfristige Sicht (2 Jahreschart) bekommt man einen guten Überblick, wie die 5 großen Aktien der deutschen Maschinen- und Anlagebauer im Vergleich untereinander abschnitten. Abgesehen von LPKF verlaufen die restlichen 4 Aktien relativ parallel, das gilt allerdings nur auf mittelfristiger Sicht. Aufgrund der stetig steigenden Auftragslage bei LPKF Laser & Electronics, konnte sich diese Aktie bereits enorm absetzen. Bedenkt man, dass Gildemeister außerhalb des Maschinenbaus ebenfalls im Laser-Sektor vertreten ist, und bereits ein Konkurrent deutliche Auftragsanstiege verzeichnet, erhöht das die Wahrscheinlichkeit für positive Überraschungen, besonders bei Gildemeister.

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Vergleicht man  die Performance im Jahr 2010, stellt man fest, dass sich ab Mitte März die Aktien deutlich aufgefächert haben. Es stellt sich heraus, dass die Aktie der Gildemeister bisher als schlechteste abschnitt. Aufgrund des mehrjährigen Rückblickes ist davon auszugehen, dass sich die Aktien wieder mehr oder weniger annähern. Jetzt wird es natürlich interessant, ob die Aktien sich eher nach unten in Richtung Gildemeister anpassen, oder Gildemeister eher an die Performance der Konkurrenten. Aktuell laufen Heidelberger Druckmaschinen und die GEA Group Seitwärts, während sich KuKa und Gildemeister in einem Aufwärtstrend an die Performance der 2 Aktien annähern. Es ist damit zu rechnen, dass der Trend zunächst weiter anhält und die Chance  für weitere Annäherungen der Gildemeister Aktie gut stehen.

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Vergleicht man nun die Aktie mit dem MDAX, ergibt sich zunächst kein absolut eindeutige Korrelation. Dennoch kann man die Aussage treffen, dass die Aktie um den MDAX oszilliert. Dabei gilt, dass die Richtungen in der Regel intensiver ausgeprägt sind. Steigt der MDAX, steigt die Aktie der Gildemeister AG meist schneller, fällt oder stagniert der MDAX, fällt die Aktie allerdings auch schneller. Auf Jahressicht hat die Aktie fast wie der Index performt. Man könnte die Aktie auch als „gehebeltes MDAX Zertifikat“ handeln mit allen Vorteilen eines Aktienhandels  und ohne die Nachteile eines Zertifikates.

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Für diejenigen die es interessiert, wäre eine Möglichkeit das so zu machen, in dem man herausfindet, welche Aktie die höchste Korrelation zum MDAX/DAX aufweisen und diese gefilterte Liste anschließen nach der größten Volatilität sortieren. So erhält man ein Aktie, die den MDAX nachbildet und gleichzeitig einen hohen Hebel besitzt, nur ohne Nachteile eines Zertifikats (Emittent stellt Preis, Handelbarkeit, unfaire/schlechte SL oder KO-Schwellen, intransparente Preisbildung des Zertifikats, mögliche hohe Spreads etc.)

Langfristig, Wochenchart, Stand der Analyse: 09-10.08.2010

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Ausgehend von dem heftigen Einbruch im Jahr 2008 von den Höchstkursen rund um 24 Euro auf 4,5 Euro konnte sich die Aktie bis auf 13 Euro erholen und dabei sogar die wöchentlichen SMA50,100 und 200 mit einem dynamischen Ausbruch brechen. Ab 13,5 Euro setzten starke Verkaufsimpulse ein und schickten die Aktie in einen neuen Abwärtstrend. Die momentane Situation hat zwar einen positiven Bias, dennoch steht eine Entscheidung an.

Der eben angesprochene Abwärtstrend wurde gebrochen, auch die große langfristige Abwärtstrendlinie wurde gebrochen, was als positiv zu bewerten ist. Allerdings zeigt die Stochastik auf Wochenbasis einen überkauften Status an, zusätzlich zeichnet sich 2 aufeinanderfolgende Shooting-Star-Formationen direkt am 61,8% Retracement des Abwärtstrends ab. Nun, was hat das konkret zu bedeuten:

Die Shootingstars zeigen, dass die Käufer den Kurs zwar hochkaufen können, ab einem gewissen Niveau aber die Mehrheit bereit ist zu verkaufen, daher der lange Schatten nach oben, das ist bärisch. In Kombination mit dem Widerstand vom April 2010 und dem 62er Retracement könnt dies auf eine Korrektur hinweisen, jedenfalls sind momentan alle Long-Einstiege tabu, da ein erhöhtes Rückschlagsrisiko besteht. Zustätzlich befinden sich sämtliche große Indices vor dynamischen Ausbrüchen, deren Richtung UNKLAR ist. Long kommt erst in Frage, wenn die Aktie signifkant über 12,5 Euro ansteigen und sich auf Wochenschluss auch dort halten kann, dann nämlich wurde das 62% & 76,4% , sowie die weekly SMA200 dynamisch gebrochen, was ein klares Kaufsignal darstellt. Derzeit ist es nicht möglich zu sagen, wo der Ausbruch erfolgen wird. Aktuell steht die Aktie bei 10,80 und ich tendiere zu einem Rückfall zunächst auf die 10,00 Euro Marke (Stand: 09-10.08.2010).

Kurzum ist auf Wochenbasis die Rückschlagsgefahr hoch und kein Longsignal zu erkennen, zwar können Divergenzen länger anhalten, als man liquide bleiben kann, weshalb man sich nicht NUR auf Divergenzen stürzen sollte, aber am Rande soll erwähnt sein, dass die Stochastik bärische Divergenzen ausbildet. Sollte der Markt samt Aktie korrigieren, wären Einstiegskurse rund um 9 Euro zu favorisieren, weil dort mehrere starke Unterstützungen liegen, die wohl viele Käufer anlocken könnten. Bricht die Aktie aus, würde ich beim Halten des Niveaus auf Wochenbasis 12,50 als Einstiegs anvisieren.

Mittelfristig, Tageschart, Stand der Analyse: 09-10.08.2010

Auf dem Tageschart kann man das nochmal detaillierter nachvollziehen und sehen, warum das Rückschlagsrisiko momentan enorm hoch ist und ein Kauf nur beim Bruch dieser Widerstände in Frage kommt. Einstiegsmarken darüber hinaus: 10,40 – 9,90 – 8,85.

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Zusammenfassung

Nach dem Absturz der Weltwirtschaft Ende 2008 hat sich das Geschäft der Gildemeister AG im Jahresverlauf auf niedrigem Niveau stabilisiert. Positive Impulse kommen aus Asien, insbesondere aus China, sowie aus Teilen Südamerikas. Gerade bei der Auslandsaufträgen zeichnet sich eine deutliche Erholung ab, allerdings ist der Nachteil daran, dass damit auch die Auslandsabhängigkeit steigt. Da die Inlandsnachfrage noch bei moderat niedrigen Werten stagniert bzw. gerade erst jetzt anzieht, erhöht  eine Überhitzung vor allem innerhalb der BRIC-Staaten die Gefahr eines erneuten Einbruches. Für das zweite Halbjahr 2010 wird laut dem Halbjahresbericht 2010 ein Anstieg des Umsatzes, EBITDA und ein positiver Free Cashflow erwartet. Die Weltwirtschaft befindet sich den aktuellen Prognosen zufolge im Jahr 2010 auf Erholungskurs, ist aber nach wie vor mit Risiken behaftet. Der weltweite Markt für Werkzeugmaschinen wird sich nach meiner Einschätzung im Jahr 2010 positiv entwickeln; die Nachfrage gewinnt an Dynamik. Starke Antriebskräfte gehen nach wie vor von China aus. In der japanischen Wirtschaf zeigen sich zunehmend Belebungstendenzen. Der Trend in Europa zieht ebenfalls nach oben. Allerdings rechnet der VDW jedoch mit einem nochmaligen Rückgang der Produktion von 12%, was das Bild leicht eintrübt. Die Gefahr eine Double-Dips oder einer Deflation ist schwer einzuschätzen und beruht auf so vielen Faktoren, dass es aus meiner Sicht sinnvoller ist, die Marktbreiten Indices näher im Auge zu behalten, sowie die Aktie nach technischen Aspekten zu handeln, wie zum Beispiel nach Charttechnik, Volumen oder Elliott Wave Methode. Wie bereits erwähnt, oszilliert die Aktie der Gildemeister AG stark um den MDAX, und weißt somit auch eine positive Korrelation auf. Die marktbreiten Indices wie SPX, Russell2000 oder Dow Jones stehen vor wichtigen Entscheidungen, die über Rallye oder weitere Korrektur entscheiden.

Das spiegelt sich natürlich auch in der Einzelaktie wieder, die auf Wochenbasis schon überkauft ist, was an sich und für sich alleine stehend noch keine starke Aussagekraft besitzt, da Aktien häufiger bei ausgeprägten Trendphasen im überkauften bzw. überverkauften Terrain notieren. Allerdings befindet sich die Aktie vor dem wichtigen 62% Retracement der letzten Abwärtsbewegung. In Kombination mit mehreren Starken widerständen, kommen Longsignal nur dann auf, wenn diese Widerstände gebrochen werden. Die aktuellen Candlestick-Formationen auf Wochenbasis deuten zunächst darauf hin, dass es einen gewissen Abgabedruck rund um die Marke von 11,50 gibt, wodurch eine Korrekturwahrscheinlichkeit erhöht wird. Klare Kaufkurse ergäben sich bei Notierungen von 8,75 bis 9,50. (Zeitpunkt der Charttechnischen Analyse 10.08.10)

Aktuell lautet die Devise nur klare Signale zu handeln, sich nicht von dem Hin- und Hergeschiebe der Indices, Devisen oder Rohstoffe verrückt machen zu lassen, denn auch hier gilt: Hin und Her macht nicht nur die Taschen leer, sondern endet letztlich im „Overtrading“. Wenn man klare Signale und auf die Impulsbewegungen wartet, setzt man sich erstens nicht unter Druck, da  man keine unnötige Risiken eingeht und zweitens muss man gar nicht wissen, wohin der Markt läuft. Ebenfalls lohnt es sich ,nicht unbedingt „vor dem breiten Markt“ der schnellste zu sein, da so ein Verhalten die Fehlerwahrscheinlichkeit des Trades deutlich erhöht

Anvisieren, warten und dann so gut es geht in der „optimalen“ Situationzuschlagen , denn langsam ist genau und genau ist schnell.

Herzliche Grüße,

Dennis Gürtler.

Über den Autor

Dennis Gürtler ist Betreiber des Börsen- & Forexblogs http://www.tradevestment.com. Dort werden kostenlose Tradingideen, Intermarketkorrelationen und anderweitige Analysen aufgzeigt und erklärt.

 

 

 

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