Wunschanalyse Fuchs Petrolub Vz.

Fuchs Petrolub Vz. (WKN 579 043, ISIN DE0005790430, Marktkapitalisierung: ca. 1,28 Mrd. Euro)


Firmenlogo Fuchs Petrolub

SCHMIERSTOFFE FÜR AUTOS UND MASCHINEN

Der Mannheimer Automobilzulieferer befindet sich noch zu 51,7% in Familienhand. Selbst der Vorstandsvorsitz wird durch Stefan Fuchs noch aus der eigenen Familie besetzt. Als Diplomvolkswirt weiß ich, dass die beste Regierungsform ein benevolenter (gutmeinender) Diktator ist. Da viele Diktatoren es mit dem Gemeinwohl nicht so ernst nehmen ist die Demokratie wohl der beste Kompromiss. Doch ein Familienunternehmen, das die Mehrzahl der ausstehenden Aktien hält und das operative Geschäft bestimmt hat zumindest gute Voraussetzungen geschaffen, nachhaltig erfolgreich zu sein. Und die Geschäftsentwicklung der vergangenen Jahre gibt der Familie Recht: In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Unternehmenswert verzwanzigfacht, während der DAX auf der Stelle trat.

Fuchs Petrolub bezeichnet sich als weltweit größter unabhängiger Anbieter von speziellen Schmierstoffen. Angefangen beim Schmierfett für die Autotürscharniere bis hin zum Motorenöl werden im Unternehmen Schmierstoffe mit speziellen Eigenschaften für die verschiedensten Anwendungen hergestellt. Grundstoff für die meisten Schmierstoffe ist Erdöl.

Somit ist leicht nachvollziehbar, dass Fuchs Petrolub gerade in den vergangenen zwei Jahren vor dem Hintergrund der für viele überraschenden Konjunkturerholung mit der Autoindustrie und dem Maschinenbau profitierte. Anfang 2009 stand die Aktie noch bei 25 Euro, heute notiert sie deutlich über 100 Euro.

„ÜBERRASCHUNGEN ÜBER ÜBERRASCHUNGEN“

Um die Kursrallye der Aktie zu verstehen müssen Sie sich bitte an die Stimmung in Deutschland von Anfang 2009 zurück erinnern: Die Finanzkrise tobte, der DAX rutschte unter 4.000 Punkte und die freie Marktwirtschaft sowie das Finanzsystem an sich wurden angezweifelt. In die grundlegende Systemverdrossenheit kam die Abwrackprämie und wurde von vielen als Augenwischerei abgetan. Die Empfänger der Abwrackprämie hätten ja nicht umsonst alte Autos, sie könnten sich daher auch mit dieser kleinen staatlichen Unterstützung keine neuen Autos leisten.

Nun, der Erfolg des Programms strafte die Kritiker Lügen. So wurde die Kritik schnell umgewandelt in Mahnungen. Wehe der Automobilbranche, so hörte man in allen Medien, wenn dieses Förderprogramm einmal ausläuft. Dann gebe es niemanden mehr, der noch neue Autos braucht.

Nun, auch diese Mahnung stellte sich als haltlos heraus. Monat für Monat werden uns wieder neue Absatzrekorde von der Automobilindustrie vermeldet.

Vor dem Hintergrund der immer wieder negativen Erwartungen war es für Unternehmen wie Fuchs Petrolub schwer, eine aggressive Investitionspolitik umzusetzen. Finanzmittel waren schwer oder gar nicht zugänglich, optimistische Prognosen wurden von Kreditgebern als Fantasterei abgetan. Das niedrige Zinsniveau kam nicht bei der Industrie an.

Dennoch konnte Fuchs Petrolub kaum die Nachfrage erfüllen, Preiserhöhungen ließen sich wiederholt problemlos durchsetzen. Insbesondere vor dem Hintergrund des steigenden Ölpreises, der einen wesentlichen Kostenfaktor für das Unternehmen ausmacht, ließen sich Preissteigerungen gut argumentieren und die zurückgefahrenen Produktionskapazitäten der Zuliefererindustrie sorgten sogar für einen Zwang unter den Abnehmern, auf höhere Preise einzugehen.

So vermeldete Fuchs Petrolub Quartal für Quartal „überraschend“ gute Umsätze und Gewinne. Und positive Überraschungen sind das, was Anleger, insbesondere spekulative Anleger, lieben. Der Kurs wurde eins ums andere weiter in die Höhe getrieben.

BEWERTUNG INZWISCHEN AUF FAIREM NIVEAU ANGELANGT

Denn jedes Mal, wenn Umsatz und Gewinn höher ausfielen als von Analysten erwartet wurde mussten die Bewertungsmodelle angepasst werden, die Kursziele der Analysten wurden regelmäßig angehoben. Mit der Zeit gewöhnten sich Anleger an dieses Spielchen. Zuverlässig wie ein Uhrwerk hebt Fuchs Petrolub die eigenen Prognosen an, Analysten heben ihre Erwartungen an, das Ergebnis ist sodann noch besser als erwartet und erneut heben Analysten ihre Erwartungen weiter an. In diesem Spielchen steigt der Kurs immer weiter, nicht zuletzt weil das KGV – das Kurs/Gewinn-Verhältnis in diesem Prozess immer wieder nach unten korrigiert wird. Denn ein höherer Gewinn (G) im Nenner drückt die Ziffer nach unten.

Aktuell notiert die Aktie auf einem KGV 2010e von 14. Für ein Umsatzwachstum von erwarteten 22% ist das sehr wenig. Doch schon für das Jahr 2011 wird erwartet, dass der Umsatz nur noch mit 5% anwachsen wird. Vor diesem Hintergrund ist das KGV von 14 schon recht ambitioniert.

SOLIDE BILANZ MIT BARRESERVEN

Der freie Cashflow je Aktie beträgt 8,20 Euro. Als Dividende sollen 2,10 Euro vorgeschlagen werden. Die Dividende kann somit als durch das Geschäft abgesichert betrachtet werden, die Dividendenrendite ist mit 2% nicht berühmt aber immerhin etwas.

70 Mio. Euro Nettoliquidität schlummern in der Bilanz, das ist vor dem Hintergrund der jüngsten Kreditklemme vertrauenserweckend. Hier ist auch die Basis für den aktuellen Erfolg zu finden: Während überschuldete Wettbewerber während der Finanzkrise kaum investieren konnten konnte Fuchs Petrolub das depressive Preisniveau für Investitionen aus Eigenmitteln nutzen und ist somit nunmehr bestens gerüstet für den Nachfrageansturm.

WÄHRUNGSEFFEKTE UND ROHSTOFFPREISE

Die Produktionskosten setzen sich zu einem großen Teil aus Rohstoffkosten zusammen. Daher wirkt ein hoher Euro-Kurs zwar preistreibend durch die vergleichsweise hohen inländische Kosten, doch auf der anderen Seite können für einen teuren Euro Rohstoffe wie das Öl verhältnismäßig billig eingekauft werden. Gleichzeitig kann ein in US-Dollar gemessen steigender Ölpreis gut als Argument für notwendige Preiserhöhungen bei den Schmierstoffen des Unternehmens herhalten.

Ein Drittel des Umsatzes erzielt Fuchs Petrolub in Europa. In den Schwellenländern, insbesondere in Brasilien und China, fasst das Unternehmen derzeit Fuß. Dort werden Wachstumsraten von 30% und mehr erzielt. Mit einem Zehntel des Gesamtumsatzes wird es nicht mehr lange dauern, bis das Geschäft von Fuchs Petrolub stärker an der Konjunktur der Schwellenländer als an der von Europa hängen wird.

Damit wird der Währungseffekt auch an Bedeutung zunehmen. Um den zunehmend hohen Wechselkursschwankungen entgegenzusteuern eröffnet das Unternehmen Produktionsstätten vor Ort, also in China und Brasilien.

EINSCHÄTZUNG: VERSCHNAUFPAUSE IN SICHT

Mit 30% Wachstum bei 10% des Umsatzes würden im nächsten Jahr aus den Schwellenländern gegebenenfalls 40 Mio. Euro an Umsatzzuwachs beigesteuert werden. Gehen wir von einem extrem positiven Verlauf aus so sind es noch immer nur 60 Mio. Euro, was sich derzeit noch vor dem Hintergrund des Konzernumsatzes von 1,4 Mrd. Euro prozentual nur sehr gering auswirken wird.

Die wiederholten positiven Überraschungen aus dem Hause Fuchs Petrolub dürften meines Erachtens im nächsten Jahr schwer zu wiederholen sein. Inzwischen ist der Konjunkturoptimismus zumindest in Deutschland zurück gekehrt und die Messlatte für das Unternehmen liegt nun deutlich höher als noch vor zwei Jahren.

Das anhaltend hohe Wachstum der vergangenen zwei Jahre hat eine Reihe von sehr spekulativ eingestellten Anlegern auf den Plan gerufen. Sollten die positiven Überraschungen abreißen, werden diese sich als erstes von der Aktie verabschieden, was zu einer Verschnaufpause bei der rasanten Kursentwicklung führen könnte.

Schon das letzte Quartalergebnis, das Anfang November bekannt gegeben wurde, überraschte überwiegend aufgrund eines strikten Kostenmanagements, das zu einem überproportionalen Gewinnanstieg führte. Man kann aber nicht unendlich viel sparen, dieser Effekt läßt sich also nicht beliebig oft wiederholen. In Sachen Wachstum sind die Erwartungen bereits sehr hoch, davon abgeleitet ist auch die Gewinnerwartung schon recht ambitioniert. Wo soll da weiterhin die positive Überraschung herkommen?

Mittel- und langfristig ist das Unternehmen extrem gut aufgestellt, verfügt über eine sehr gesunde Bilanz und ein fähiges Management. Einen Kurseinbruch würde ich vor diesem Hintergrund nicht fürchten, sondern ich würde erwarten, dass im Falle von Kursrückgängen interessierte Langfristanleger einen Kursrutsch frühzeitig stoppen würden.

CHARTTECHNIK

Hier finden Sie eine ausführliche charttechnische Analyse der Aktie von Fuchs Petrolub Vz. von unserem Kooperationspartner in Sachen Charttechnik, LRT-Finanzresearch.de.

FAZIT: LANGFRISTINVESTOREN SOLLTEN AUF BESSERES KAUFNIVEAU WARTEN

Aktuell scheint das Kursniveau bereits recht ambitioniert und die Gefahr von ausbleibenden positiven Überraschungen (was in diesem Fall bereits einer negativen Überraschung sehr nahe kommen würde) könnte zu einem vorübergehenden Kursrückgang führen. Bestehende Positionen würde ich laufen lassen. Wer spekulativ eingestellt ist sollte seine Position mit einem engen Stopp Loss absichern. Für ein Neuengagement ist meines Erachtens derzeit nicht die richtige Zeit.

Über den Autor

Stephan Heibel ist Autor und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefes, der wöchentlich kostenfrei per E-Mail verschickt wird. Darin werden die Hintergründe zu Kursbewegungen an den Finanzmärkten aufgezeigt und erklärt. Interessante Tradingideen werden daraus abgeleitet.

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