Wunschanalyse Deutz AG

Deutz AG (WKN 630 500, ISIN DE0006305006, Marktkapitalisierung: ca. 700 Mio. Euro)

 


Firmenlogo Deutz AG

 

DIESELMOTOREN FÜR TREKKER, NUTZFAHRZEUGE UND EISENBAHNEN

Langweilig, die Überschrift, oder? Marketing ist nicht die Stärke der Kölner. Vielmehr konzentriert man sich auf die Qualität der Produkte und so sind viele Dieselmotoren des weltweit ältesten Serienproduzenten von Motoren heute noch im Einsatz. Vielleicht kann ich Sie mit den folgenden reißerischen Aussagen zum Lesen der heutigen Wunschanalyse motivieren, denn die Deutz AG sitzt mit ihren Produkten auf einem Schatz, der im Jahr 2011 gehoben werden könnte:

Deutz-Dieselmotoren für den bommenden Agrarmarkt! Logistikbranche wächst durch Konjunkturaufschwung, greift auf Dieselmotoren zurück! Bauboom in China führt zu Engpässen bei Baumaschinen, volle Auftragsbücher bei Deutz!

Das sind die Themen, die 2011 durch die Börsenforen getrieben werden. Doch nirgends wird die Deutz AG als möglicher Profiteur genannt. Zu unrecht, wie ich Ihnen in dieser Analyse zeigen werde.

STEIGENDE AGRARPREISE FÜHREN ZU INVESTITIONEN DER BAUERN

Getreidepreise unterliegen Schwankungen, ganz ähnlich wie Börsenkurse. Bei Getreidepreisen gibt es jedoch andere Preistreiber wie beispielsweise das Wetter, Umweltkatastrophen und nur zu einem kleinen Teil auch Bevölkerungsentwicklungen sowie Wohlstandsveränderungen bis hin zu technologischen Errungenschaften. Zur Zeit läuft auf den Weltmärkten so ziemlich alles schief, was schief laufen kann und die Getreidepreise steigen kräftig an. Im Verlauf der vergangenen neun Monate hat sich beispielsweise der Weizenpreis verdoppelt, der Preis für Mais stieg um 130%.

Dürren in Australien gefolgt von einem kräftigen Unwetter haben dort starke Schäden angerichtet in deren Folge die Agrarpreise weltweit stark anstiegen. Dieses Ereignis überlagert sich mit dem kontinuierlichen Wohlstandszuwachs in China und vielen anderen Schwellenländern. Der Wohlstand äußert sich darin, dass mehr Fleisch gegessen wird. Für die „Herstellung“ von Fleisch wird wesentlich mehr Getreide verwendet, um letztlich die gleiche Anzahl an Menschen satt zu bekommen als wenn man direkt Brot und Nudeln herstellt.

Die Bauern haben schon ziemlich viel optimiert beim Anbau und konnten durch intelligente Züchtungen die vorhandenen Felder wesentlich ergiebiger machen. Doch die weltweite Nachfrage nach Getreide steigt derzeit schneller an als diese Fortschritte und so hatten Unternehmen wie Monsanto (Brasilien) und Syngenta (Schweiz) Hochkonjunktur: Genmanipulierte Getreidesorten versprachen einen noch effizienteren Ackerbau. Doch googeln Sie mal nach Monsanto, das Unternehmen sieht sich einer Vielzahl von Klagen gegenüber, die zumeist um den angestrebten Patentschutz gehen, immer häufiger jedoch auch eine unkontrollierte und somit rechtswidrige Verbreitung der genmanipulierten Sorten zum Thema haben. So geht der Agrarboom an Monsanto derzeit fast spurlos vorbei.

So entsteht ein Engpass an Agrarstoffen weltweit. Der Preis steigt und Bauern wittern Morgenluft. Die hohen Getreidepreise führen zu vollen Kassen bei Bauern, dies wird wiederum unter anderem in neue Landwirtschaftsmaschinen investiert: Traktoren!

Der Münchener Traktorenbauer Fendt beispielsweise, derzeit unter dem Dach von AGCO, baut Deutz-Dieselmotoren in seine Trekker ein. AGCO ist einer der weltweit größten Anbieter von Landwirtschaftsmaschinen, und so hat Deutz schon einmal eine wichtige Tür offen stehen. Aber schon allein die Partnerschaft mit Fendt sorgt derzeit für eine steigende Nachfrage an Dieselmotoren.

 

WACHSTUM DER LOGISTIKBRANCHE FÜHRT ZU MEHR LKWs & EISENBAHNEN

Die Finanzkrise 2008/2009, die sich zu einer Weltwirtschaftskrise ausweitete, ist überstanden. Weltweit wird kräftiges Konjunkturwachstum verzeichnet. Zur Nutzung günstiger Produktionskosten verteilen immer mehr Unternehmen ihre Fabriken über die Welt, es werden immer mehr Zwischenprodukte bis hin zu Fertigprodukten verschifft, mit der Bahn oder per Lkw transportiert. Dieselmotoren von Schiffen, Eisenbahnen und Lkws kommen häufig von Deutz.

Der größte chinesische Lkw-Produzent FAW nutzt Deutz-Dieselmotoren, so auch Volvo aus Schweden. Aber die gesamte Branche der Lkw-Produzenten, von MAN über Wabco, bis hin zu Iveco erlebt derzeit starke Umsatzzuwächse.

Insbesondere Rangierloks werden heute noch überwiegend mit Dieselmotoren betrieben. Und seit Warren Buffets Investment in eine US-Eisenbahnlinie ist der Logistik-Bullenmarkt auch bei den Bahnaktien angekommen.

 

BAUBOOM IN CHINA WIRD SICH FORTSETZEN

Wenn Sie in diesen Tagen immer wieder hören, China bremse durch Zinsanhebungen das Wirtschaftswachstum und steuere frühzeitig Immobilienpreisspekulationen gegen, so wird Ihnen in der Boulevardpresse umgehend untergejubelt, dass jegliche Bauaktivitäten in China bald zum Erliegen kommen werden. Das ist natürlich Quatsch. Die chinesische Regierung ist bemüht um ein gesundes Wirtschaftswachstum im eigenen Land. Immobilienpreisspekulationen sollen verhindert werden, doch gleichzeitig wird extrem viel neuer Wohnraum benötigt. Zig-Millionen Wanderarbeiter ziehen sukzessive in die Städte, in China entstehen in den nächsten zehn Jahren mehr Millionenstädte neu als wir in Deutschland haben.

Der Bedarf an Wohnraum ist also enorm. Gleichzeitig wird die Infrastruktur aufgebaut: Straßen, Brücken, Eisenbahnlinien, etc. In diesen Bereichen wird sich die Bauwut weiter beschleunigen, trotz des Versuchs, Immobilienpreisspekulationen zu unterbinden. Staatliche Programme werden gezielt für diese Aktivitäten aufgelegt, so dass hier möglichst keine Engpässe entstehen.

Baumaschinen wie Bagger, aber insbesondere die beim Abbau der erforderlichen Rohstoffe unter Tage eingesetzten Maschinen, werden mit Dieselmotoren ausgestattet. Deutz hat spezielle Motoren für Untertage-Maschinen. Das über hundert Jahre alte Knowhow des Unternehmens bei wasser- oder luftgekühlten Dieselmotoren wird immer wieder nachgefragt. Unternehmen wie Caterpillar oder Komatsu erfreuen sich über Rekordumsätze. Die Branchen, die Deutz mit Motoren beliefert, befinden sich in einem Aufschwung wie lange nicht mehr.

 

STARK ZYKLISCHES GESCHÄFT SORGT IMMER WIEDER FÜR PROBLEME

Wenn Sie sich die Unternehmensgeschichte durchlesen, müssen Sie zu dem Schluss kommen, dass Deutz häufiger kurz vor der Pleite stand als gute Zeiten hatte. Fusionen, Übernahmen, Unternehmensteilverkäufe, Umstrukturierungen, Partnerschaften etc. gehören zum Tagesgeschäft. Immer wieder findet das Unternehmen neue Namen, wobei sich „Deutz“ erstaunlich gut halten kann. Zuletzt hatte die italienische Agrarfirma SAME 45% von Deutz gekauft, im vergangenen Dezember wurde diese Beteiligung allerdings wieder auf 25,1% verringert.

So wie dem Unternehmen in schlechten Zeiten die Kunden wegbrechen, so erlebt das Unternehmen in guten Zeiten einen Run auf Dieselmotoren. Nachdem das Jahr 2009 wieder einmal fast das Aus bedeutete, wurde ein harter Sanierungskurs gefahren, in dessen Folge das Jahr 2010 vermutlich mit einem nur noch kleinen Minus abgeschlossen werden kann. Im laufenden Jahr wird nun wieder Geld verdient.

 

GESUNDETE BILANZ, DIVIDENDENHOFFNUNG 2012

Trotz der zurückliegenden schweren Zeiten ist die Bilanz gut aufgestellt. Bei etwas über einer Milliarde Euro Umsatz ist die Nettoverschuldung von 100 Mio. Euro verhältnismäßig überschaubar. Im laufenden Jahr soll das USA-Geschäft ausgebaut werden, sogar eine Fabrik soll dort gebaut werden. So steigt die Verschuldung nochmals leicht an. Ab 2012 wird dann ein deutlicher Rückgang der Verschuldung erwartet, was sodann den Weg für eine Dividendenzahlung frei machen würde.

 

BEWERTUNGSNIVEAU GÜNSTIG

Das KGV 2011e liegt bei 14. Der Umsatz soll im laufenden Jahr um 22% anwachsen, im Jahr 2012 nochmals um 9%. So erreicht das Unternehmen wieder das Umsatzniveau der Vorkrisenzeit von 2007. Viel bedeutender als diese Umsatzentwicklung ist jedoch die Ertragsentwicklung. Das EBIT soll sich Analystenschätzungen zufolge im laufenden Jahr auf 82 Mio. Euro verdoppeln. 2012 wird nochmals ein Anstieg um 25% erwartet. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung erscheint das KGV von 14 günstig.

 

POLITISCHE WIRREN DER ARABISCHEN WELT KÖNNTEN GUTE EINSTIEGSGELEGENHEIT ERÖFFNEN

Fast wöchentlich erreicht uns derzeit die Meldung über ein weiteres Regime der arabischen Welt, dessen Bevölkerung den Aufstand probt. Da wir aus dieser Region sehr viel Öl beziehen ist der Ölpreis durch die Decke gegangen (Decke = 100 USD/Fass). Nun fürchtet man, dass der hohe Ölpreis die Konjunktur bremsen könnte und so befinden sich die Aktienmärkte weltweit in Warteposition mit der Tendenz, bei der nächsten Hiobsbotschaft auszuverkaufen.

Zu Recht, wie ich meine, denn die Auswirkungen der politischen Wirren kann man derzeit bei weitem noch nicht abschätzen. Und so tut der Ölpreis das, was er tun sollte: Er reagiert über. Er steigt durch die Decke, bis die Unruhen sich beruhigen. Sodann wird der Ölpreis meines Erachtens wieder unter 100 USD/Fass sinken.

Doch bis dahin kann auch der Aktienmarkt weiter in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Aktie von Deutz ist seit Anfang Februar von 6,35 Euro auf nunmehr 5,81 Euro gefallen (-8,5%). Ich kann mir gut vorstellen, dass der Kurs ohne eine weitere Dramatisierung der Unruhen das Minus noch auf 10-15% ausbaut. Ich würde mir daher ggfs. mit einem Kauf noch ein wenig Zeit lassen.

Doch sollte sich eine Beruhigung abzeichnen, eine Lösung, die zu einer stabilen Ölversorgung führt – egal zu welchem Preis – dann würde ich einsteigen. Aus heutiger Sicht ist das Unternehmen vielleicht günstig bis fair bewertet. Doch die Entwicklungen, die ich oben aufgezeigt habe, werden meines Erachtens dazu führen, dass sich in den kommenden Monaten sowohl die Umsatz- als auch Gewinnprognosen als zu konservativ herausstellen werden und somit ein deutlich höheres Kursniveau gerechtfertigt werden kann. Diese für Deutz günstigen Entwicklungen werden durch die Unruhen zwar verzögert, aber nicht umgekehrt, sofern das arabische Pulverfass nicht völlig unkontrolliert detoniert.

Es lohnt sich also, ein Auge auf die politischen Entwicklungen zu haben. Doch für die Zeit danach ist Deutz in meinen Augen eine gute Spekulation auf den anhaltenden weltweiten Wirtschaftsaufschwung.

 

CHARTTECHNIK

Hier finden Sie eine ausführliche charttechnische Analyse der Aktie der Deutz AG von unserem Kooperationspartner in Sachen Charttechnik, LRT-Finanzresearch.de.

 

FAZIT: SCHRITTWEISE KAUFEN UNTER 5,70 EURO

Dieselmotoren werden in der Agrarindustrie, in der Logistikbranche sowie in der Bauindustrie eingesetzt. Drei Branchen, die sich derzeit in einem Aufschwung befinden.

 

Die Deutz AG ist ein stark konjunkturabhängiges Unternehmen. Sofern der aktuelle Aufschwung durch die Entwicklungen in der arabischen Welt nicht zum Erliegen gebracht wird dürfte das Unternehmen in den kommenden Monaten einen kräftigen Nachfrageschub erfahren, was zu einem „überraschenden“ Gewinnanstieg führen sollte.

 

Als zyklische Aktie halte ich ein KGV von 17 für gerechtfertigt. Bis Ende 2011 würde das einem Kurs von 7 Euro entsprechen. Bis Ende 2012 würde ich sogar einen Kurs über 9 Euro für realistisch halten. Zusätzlich könnte die Aussicht auf eine Dividende bereits früher für einen Kursanstieg sorgen.

Über den Autor

Stephan Heibel ist Autor und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefes, der wöchentlich kostenfrei per E-Mail verschickt wird. Darin werden die Hintergründe zu Kursbewegungen an den Finanzmärkten aufgezeigt und erklärt. Interessante Tradingideen werden daraus abgeleitet.

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