Wunschanalyse China Mobile

China Mobile (WKN 909 622, ISIN HK0941009539, Marktkapitalisierung: ca. 161,30 Mrd. Euro, ca. 204,30 Mrd. US$)

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DER MOBILFUNKGORILLA AUF DEM WELTGRÖßTEN MOBILFUNKMARKT

Was sollte da eigentlich noch schief gehen, werden Sie sich fragen, wenn Sie die Position von China Mobile betrachten. Das Unternehmen aus Hongkong ist der Marktführer auf dem chinesischen Mobilfunkmarkt. Marktführer im bevölkerungsstärksten Land der Welt zu sein, ist doch fast schon wie eine Lizenz zum Gelddrucken, oder?

Nun, ich sehe das leider kritisch. Es gibt eine ganze Reihe von Entwicklungen, die derzeit gegen China Mobile laufen und diese Entwicklungen kann man nicht einfach mit dem Argument vom Tisch fegen, dass der Marktführer sich durchsetzen werde.

NACHZÜGLER IM MOBILEN INTERNET/3G NETZ

China Mobile ist nicht ohne Vorleistung zum Marktführer in China geworden. Das Unternehmen hatte das 2G Mobilfunknetz am schnellsten flächendeckend ausgebaut und konnte somit eine große Anzahl des Milliardenvolkes erreichen. Inzwischen ist auch die Konkurrenz sehr weit mit dem Ausbau des eigenen 2G-Mobilfunknetzes und es herrscht ein Preiskampf. Die Investitionen in das 2G-Netz zahlen sich aus, aber schneller als geplant sinken die Gewinnmargen aufgrund des Preiswettbewerbs durch die Konkurrenz.

Nun kommt das 3G-Netz schneller als gedacht und neue Wettbewerber investieren mit frischem Risikokapital kräftig in dessen Ausbau. Während China Mobile nun den geordneten Übergang vom 2G- ins 3G-Netz bewerkstelligen muss, können Wettbewerber ohne „Altlasten“ voran preschen. Auch bei China Mobile wächst inzwischen der Kundenstamm an 3G-Kunden schneller als der von 2G-Kunden, doch gegenüber den Haupt-Wettbewerbern China Telecom sowie China Unicom verliert China Mobile insbesondere im 3G-Markt Marktanteile.

VERPATZTER START IM SMARTPHONEMARKT

Wenn es einen neuen Wachstumsmarkt im Mobilfunkgeschäft gibt, dann sind es die Smartphones. Apple hat mit seinem iPhone die Richtung angegeben, Wettbewerber ziehen nun auf Basis des Google-Betriebssystems Android nach. Die Betonung liegt auf „nach“, denn an dem iPhone vorbei kommt keiner und Apple ermöglicht durch sein iPhone nicht nur gute Gewinnmargen für sich selbst, sondern auch neue Mobilfunkverträge mit Datenkomponenten, die von den iPhone-Nutzern schneller akzeptiert werden als von den Wettbewerbern.

Den exklusiven  Vertrag mit Apple zum Vertrieb des iPhones in China hat jedoch China Unicom gewonnen. Das kleine Unternehmen wächst derzeit unter den drei Wettbewerbern am schnellsten, verfügt auch über die modernste Mobilfunk-Infrastruktur. Derzeit steht eine Vertragsverlängerung zwischen Apple und China Unicom an und es zeichnet sich ab, dass China Unicom die Exklusivität weitere 3 Jahre zugesichert bekommt. China Mobile muss sich daher mit Android-Geräten behelfen.

Ja, ich weiß, die HTC-Nutzer, die Blackberry-Fans und die Android-Programmierer haben Listen, die mehrere Seiten lang sind, auf denen bewiesen wird, warum das iPhone von Apple diesen Geräten letztlich unterliegen wird. Fehlende Offenheit des Betriebssystems, großer Datenkonsum bei der Datenübertragung, schlechte Empfangsqualität, Bevormundung durch Apple… ich kenne die Argumente. Doch nicht die technisch Versierten kaufen das iPhone, sondern die modebewussten Menschen mit viel Geld. Das iPhone ist ein einfach zu bedienendes Modeaccessoire. Und bis Android-Systeme mit einer vergleichbaren Gewinnmarge einen vergleichbaren Marktanteil gewinnen, ist noch ein sehr weiter Weg.

China Unicom hat also auf dem Smartphonemarkt in China die Nase vorne, nicht China Mobile.

VERLANGSAMUNG DES WACHSTUMS

Dieses Schlagwort jagt vielen Anlegern den Schrecken in die Glieder: Ja, China hat in den vergangenen Jahren einen fulminanten Wachstumspfad eingeschlagen. Der Wohlstand steigt rasant an und das Handy wird aufgrund der Größe des Landes, das nicht vollständig mit Festnetztelefonen versorgt werden kann, zum wichtigsten Kommunikationsmittel. 99% Chinas werden vom Mobilfunknetz abgedeckt.

Ende 2009 hatten 747 Mio. Chinesen ein Handy. Das entspricht 56,3% der Bevölkerung. Doch allein im Jahr 2009 ist die Kundenzahl um 106 Mio. (16,5%) angestiegen und bei dieser Wachstumsgeschwindigkeit ist das Volk in drei bis vier Jahren vollständig versorgt. Wo soll danach das Wachstum stattfinden?

Nun, meiner Einschätzung nach im 3G-Netz. Das datenintensive mobile Internet wird künftig den Menschen wesentlich mehr wert sein als zur Zeit. Noch werden die Anwendungen entwickelt, ohne die wir uns in fünf Jahren nicht mehr vorstellen können zu leben. Doch im mobilen Internet hat China Unicom die Nase vorn.

China Mobile hat eine andere Strategie ausgerufen: Expansion in andere Schwellenländer. So wird derzeit ohne bestimmtes Ziel nach Ländern gesucht, die in ihrer Entwicklung hinter China zurück liegen und in denen China Mobile das in China angesammelte Know-how gewinnbringend einsetzen kann. Analysten handeln einige südamerikanische Länder, doch China Mobile will sich dazu nicht äußern.

Ich halte das für eine gewagte Strategie. Nicht nur China Mobile ist gut auf solche Märkte vorbereitet, sondern auch eine ganze Reihe anderer Telco-Giganten wie beispielsweise Telefonica, Vodafone, America Movil und viele mehr. Da wird der Wachstumsmarkt des mobilen Internets in der Heimat dem Wettbewerb überlassen, während man sich in der Weltmanege neue, mächtige Gegner sucht.

STRUKTURÄNDERUNGEN AUF DEM CHINESISCHEN MOBILFUNKMARKT

Noch in weiter Ferne aber irgendwann wird es zuschlagen: In China werden derzeit noch sowohl vom Anrufer, als auch vom Empfänger von Gesprächen Gebühren kassiert. Ich kenne das noch aus meiner Zeit in den USA. Das System ist in der Entstehung verständlich, da ja auch der Empfänger die Mobilfunkantennen nutzt. Doch Kritiker wollen dieses System mit dem Argument abschaffen, dass Erreichbarkeit nicht schon kosten darf. Ich halte das Argument für nachvollziehbar und denke, dass eine Umstellung der Abrechnungssysteme auf unsere Methode nur eine Frage der Zeit ist.

Somit wird ein Damoklesschwert über China Mobile sowie die beiden Wettbewerber geschwungen, das laut Analysten zu einem Einnahmeausfall führen könnte. Ich bin da anderer Ansicht: Meiner Einschätzung nach würde eine Umstellung die Einnahmen eher erhöhen, da sich normalerweise der Anrufer überlegt, ob er anrufen möchte und ob es ihm das Gespräch wert ist. Beim heutigen System in China wird der Angerufene häufig schnell das Gesprächsende herbeiführen, um nicht ungewollt hohe Gebühren zahlen zu müssen.

Die Gespräche würden also länger. Und der verbleibende Einnahmeausfall wird durch eine Gebührenanpassung aufgefangen werden können. Dieses Argument sehe ich also im Unterschied zu anderen eher als ein positives Argument an.

BEWERTUNGSNIVEAU, BILANZ

Während der Umsatz für China Mobile im Jahr 2010 noch mit immerhin 6% anwachsen soll, bleibt der Gewinn konstant. Im Jahr 2011 verringert sich das Umsatzwachstum auf 5% und der Gewinn bleibt erneut konstant. Im Rahmen des Preiskampfes sollen neue Handys künftig höher subventioniert werden, um Marktanteile zu halten.

Die Zahlen spiegeln also meine Markteinschätzung wider: China Mobile muss immer mehr Geld ausgeben, um zumindest ein Schrumpfen zu verhindern. Mit 5-6% Umsatzwachstum ist das Unternehmen sicherlich kein Wachstumsunternehmen mehr.

Entsprechend ist das Bewertungsniveau mit einem KGV von 11 niedrig. Gepaart mit der erwarteten Dividendenrendite von 3,7% ist die Aktie aus dieser Perspektive sogar attraktiv. Ein gesicherter Cashflow sorgt für Dividendenstabilität.

KURSVERLAUF

Das Hoch erreichte die Aktie Ende 2007, also kurz vor der Finanzmarktkrise, bei 14 Euro. Seither ging es bis auf 6 Euro zurück und aktuell steht die Aktie kurz unter 8 Euro. Seit dem Jahreswechsel befindet sich die Aktie in einem Aufwärtstrend, der weder von den Unruhen in Europa noch von den Sparmaßnahmen in China beeinträchtigt wurde.

FAZIT

Aus Bewertungssicht ist das Kursniveau abgesichert und für sicherheitsorientierte Anleger bietet die gute Dividendenrendite einen guten Puffer. Für Wachstumschancen und dadurch entstehende überproportionale Kurschancen der Aktie würde ich jedoch China Unicom vorziehen. Das Unternehmen ist wesentlich besser aufgestellt.

Über den Autor

Stephan Heibel ist Autor und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefes, der wöchentlich kostenfrei per E-Mail verschickt wird. Darin werden die Hintergründe zu Kursbewegungen an den Finanzmärkten aufgezeigt und erklärt. Interessante Tradingideen werden daraus abgeleitet.

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