Wunschanalyse Banco Santander

Banco Santander (WKN 858 872, ISIN ES0113900J37, Marktkapitalisierung: ca. 63,4 Mrd. Euro, ca. 76,25 Mrd. US$)

Firmenlogo Banco Santander

EUROPAS SCHULDENKRISE ENTSCHEIDET SICH IN SPANIEN

„PIGS“ rufen die Amerikaner, wenn sie auf die Euro-Krise angesprochen werden. Das sind die Anfangsbuchstaben für die krisengeschüttelten Länder der EU: Portugal, Irland, Griechenland und Spanien. Während die EU die ersten drei Länder vielleicht noch wird auffangen können, wird es im Falle einer Schieflage Spaniens schwer, denn das Land ist zu groß.

Die Erinnerung an die Immobilienkrise 2008 / 2009 ist noch frisch und so fürchten viele Anleger, eine Staatspleite Griechenlands würde ähnlich wie die Lehman-Pleite im Herbst 2007 die gesamte Finanzbranche mit in den Abgrund reißen. Insbesondere die Banken der Länder, die den größten Finanzierungsbedarf haben, wären dann betroffen.

So werden entsprechende Bankaktien auf Teufel komm raus geshortet (leerverkauft). Die Uneinigkeit zwischen Merkel und Sarkozy sorgt immer wieder für Zündstoff, der den Euro tiefer in den Abgrund reißt, die Finanzierungsprobleme der EU-Staaten verschärft und für einen Ausverkauf der Bankaktien von vermeintlich schwachen Ländern sorgt. Schauen wir uns dieses Szenario einmal im Detail an:

Spanien hatte Ende 2009 eine Staatsverschuldung von 59,4% des Bruttoinlandsproduktes. 60% sind gemäß den Maastricht-Kriterien erlaubt, Deutschland liegt bei 77,4%. Allerdings hat Spanien eine Immobilienkrise zu beklagen. Anders als in anderen Ländern der EU nimmt der Immobiliensektor in Spanien eine große Rolle in der Wirtschaft ein. Es wird nicht nur viel gebaut, sondern jeder Europäer, der was auf sich hält, hat ein Häuschen an der Costa Brava (folglich hält Ihr Autor nichts auf sich ;))

SANTANDER – EINE STADT MIT EINER BANK

Ende 2008 war Ihr Autor mit seiner Frau in Santander, dem Hauptsitz der Banco Santander. Es ist eine kleine Stadt im Norden Spaniens, idyllisch gelegen und gut in Schuss. Moderne Architektur finden Sie dort kaum, vielmehr hat die Stadt für mich eher das Flair eines großen Fischerdorfes. Wir hatten vor, für ein Jahr nach Santander auszuwandern. Als Börsenschreibel sitze ich ohnehin von morgens bis abends am Internet, das gibt es auch in Spanien. Und meine Frau findet als Ärztin auf der ganzen Welt leicht einen Job. Wir erwarteten Nachwuchs und wollten noch einmal, bevor uns das spießige Familienleben heimsucht, in die weite Welt hinaus.

Auf eigene Faust und mit Hilfe von Maklern haben wir nach geeigneten Immobilien Ausschau gehalten: Wir wollten ein kleines Häuschen am Meer mieten. Nun, am Ende der 10-tägigen Suche gaben wir auf. Wir hatten festgestellt, dass eine Wohnung (kein Haus) in der Stadt (nicht am Meer) mit einem einigermaßen vertretbaren Komfortstandard etwa soviel kostete, wie unsere Wohnung in Hamburg Eppendorf – eine Gegend, die in der Wirtschaftswoche kürzlich als die teuerste Wohngegend Deutschlands identifiziert wurde.

Ohne nun Marktstudien zu zitieren und ohne die Stadt Santander diskreditieren zu wollen, zeigt diese kleine Eigenerfahrung, dass die Immobilienpreise in Spanien jenseits von gut und böse waren. Ähnlich wie in den USA lebten in Spanien viele Menschen davon, dass die Immobilien immer weiter an Wert gewannen. Eine Spirale, die irgendwann enden musste.

So hat der eingebrochene Immobilienmarkt nunmehr die verheerende Auswirkung, dass nicht nur die Wirtschaft dadurch ins Stocken geraten ist, sondern auch noch das Bruttosozialprodukt stark beschnitten wurde. Dies wiederum führt zu einer sprunghaft angestiegenen Neuverschuldung (Haushaltsbudgetdefizit).

Nachdem Spanien jahrelang mustergültig das Maastricht-Kriterium von 3% des BIP eingehalten hatte, stieg die Neuverschuldung 2008 auf 4,1% und 2009 auf 11,2%. Das Schlimme daran: Die Staatsschulden sind überwiegend kurzfristig finanziert, sodass noch im laufenden Jahr große Tranchen zur Refinanzierung anstehen.

Achso, der Vollständigkeit halber: Wir wohnen heute noch in unsere alten Wohnung. Unser Spanien-Abenteuer haben wir auf eine spätere Zeit verschoben – vielleicht mit Kindern.

SANTANDER – DIE GRÖßTE SPANISCHE BANK

Insbesondere die kurzfristigen Refinanzierungsverpflichtungen Spaniens sorgen für Sorge bei Anlegern. Und so gibt es eine Reihe von Anlegern, die nach Wegen suchen, am Niedergang (oder auch nur vorübergehenden Vertrauensverlust) Spaniens zu verdienen. Die größte spanische Bank ist die Banco Santander und somit ist genau diese Bank auf dem Radar vieler internationaler Investoren.

Wenn also eine Meldung wie „Schuldenkrise in Europa“ über den Ticker huscht, dann zucken internationale Spekulanten automatisch in Richtung des Verkaufsknopfes für Santander-Aktien. Die Aktie von Santander wird verkauft, der Kurs stürzt ab. Wenn dann anschließend noch die Meldung kommt, dass Spanien vor einer Bankenkrise steht, dann treten auch die Shortseller (Leerverkäufer) auf den Plan und prügeln den Kurs weiter in den Keller.

Doch diese Reaktion ist nicht gerechtfertigt. Es ist eine Kurzschlusshandlung, die in keinem Zusammenhang mit der Realität steht. In Spanien gibt es 46 Cajas (Sparkassen), die den Löwenanteil an Immobilienfinanzierungen durchgeführt haben. Diese Cajas haben ernsthafte Probleme, denn die Ausfallquote bei den Immobilienkrediten ist mit 4,91% extrem hoch. Das Eigenkapitel bzw. die Kernkapitalquote vieler Cajas reicht nicht aus, um diese Verluste zu stemmen und Studien zufolge wird es bis zum Jahresende nur noch halb so viele Cajas geben wie heute. Fusionen, Übernahmen und Abwicklungen werden in den nächsten Monaten zur Tagesordnung des spanischen Bankensektors gehören.

Zusätzlich kommt nun eine weitere zeitliche Komponente auf den Schirm: Spaniens Regierung hat bereits mit 35 Mrd. Euro die Kapitalausstattung des privaten Bankensektors aufgebessert, allerdings läuft diese Unterstützung Ende Juni aus. Es besteht also ein großer Druck für die Branche, in den nächsten Wochen Lösungen zu finden.

SAUBERE BILANZ MIT HOHEN VERPFLICHTUNGEN

Die Ausfallquote der Banco Santander beträgt 3,34%, ist also wesentlich niedriger als beim Durchschnitt der Cajas. Die Kernkapitalquote liegt bei 8,8% und ist damit hoch genug um noch Übernahmen in bar zu bezahlen. Heute erst hat Santander bekannt gegeben, 25% der Anteile an der eigenen mexikanischen Tochter von der Bank of America zurückgekauft zu haben. Der Preis von 2,5 Mrd. Euro wurde in bar bezahlt. Die Kernkapitalquote wird dadurch auf 8,5% vermindert.

Aktuell wird erwartet, dass für das Jahr 2010 eine Dividende von 0,60 Euro ausgeschüttet wird. Das entspricht einer Dividendenrendite von 8%.

Die Finanzkrise 2008/2009 hat Santander besser durchgestanden als viele Wettbewerber. Das Unternehmen hat niemals aggressiv Immobilienkredite vertrieben und hält sich auch im Bereich der strukturierten Produkte vornehm zurück. So konnte Santander in der Krise damals bereits Teile von ABN Amro zukaufen und das Geschäft in England stärken. Es scheint, dass Santander auch heute wieder selbstsicher genug ist, um die Krise für die eigene Expansion zu nutzen.

Wie hoch jedoch das Engagement von Santander an spanischen Staatsanleihen ist, wird immer wieder diskutiert und sorgt für Druck auf der Aktie.

INTERNATIONAL AUSGERICHTET

Doch wenn Sie sich die regionale Aufteilung der Bank anschauen, dann dürften diese Risiken überschaubar sein. Der größte Teil des Geschäfts wird bereits in Brasilien gemacht, mit 29% vom Konzernumsatz liefert dieser Markt 37% des Gewinns für Santander. Spanien selbst macht nur noch 17% aus.

Das Geschäft von Santander ist ein Massengeschäft. Das Unternehmen ist nicht dafür bekannt, dass es der schnellen Mark mit Hilfe von abenteuerlichen Finanzprodukten nachjagt. Vielmehr konzentriert man sich auf das angestammte Einlagen- und Kreditgeschäft, was sich insbesondere in Krisenzeiten stabilisierend auswirkt.

33% KURSVERLUST IM JAHR 2010

Zum Jahresbeginn stand die Aktie noch bei 12,00 Euro, heute notiert sie knapp über 7,50 Euro. Ich halte einen Großteil des Kursverlustes für spekulativ bedingt. Die fundamentalen Probleme Europas haben einen negativen Einfluss auf Santander, doch der Ausverkauf ist in meinen Augen bereits übertrieben. Da wird auf einen Zusammenbruch der Euro-Zone spekuliert.

Dieser wird jedoch in absehbarer Zeit (3 Jahre) meiner Einschätzung nach nicht erfolgen. Und so wird man sich auf das Geschäft von Santander konzentrieren und das läuft nicht schlecht. Analysten haben Kursziele zwischen 12,00 und 14,00 Euro errechnet. Dies dürfte bald wieder in den Fokus rücken, wenn nicht tatsächlich die EU auseinanderbricht.

CHARTTECHNIK

Die Chartanalyse wird in Zusammenarbeit mit Christian Kämmerer, Technischer Analyst (www.TA4YOU.com), erstellt:

Banco Santander – steckt im Korrekturmodus!

Einleitung:
Beginnen  möchte ich auch heute wieder mit einer so bezeichneten „Big Picture Analyse“. Im Fall der heutigen Banco Santander nutze ich dazu den 10-Jahres-Chart auf Candlestick-Wochenbasis (eine Kerze stellt hierbei eine komplette Handelswoche dar) in Euro um mögliche Unterstützungs- und Widerstandszonen definieren zu können. Diesem 10-Jahres-Chart folgend ergänze ich die Analyse um einem 2-Jahres-Chart, um so Ableitungen zur zukünftigen Entwicklung anhand möglicher Szenarien zu skizzieren. Hintergrund der Szenarien ist die Tatsache, dass die Technische Analyse nicht statisch ist und es sich zudem um eine Momentaufnahme der Aktie handelt. Im Grunde müsste daher jedes Verhalten der Aktie fortlaufend kommentiert und analysiert werden. Um dies zu vermeiden gebe ich dem Chart selbst die Chance sich zu entwickeln und folglich entsprechende Szenarien abzuarbeiten.

Banco Santander, Chart, 10 Jahre

(Quelle: Der dargestellte Chart wurde mit TradeSignal -Webedition- erstellt.)

Zum 10-Jahres-Chart:
Wenig überraschend markierte die spanische Banco Santander ihre Höchstkurse zum Ende des Jahres 2007 – vor Beginn der Finanzkrise. Es folgte eine scharfe Korrekturbewegung, welche die Aktie von den Höchstkursen im November 2007 bei rund 15,00 Euro bis zu Kursen knapp unterhalb von 4,00 Euro führte. Im März 2009 startete die Aktie eine ebenso rasante Aufwärtsbewegung welche bis zu Kursniveaus von 12,12 Euro führte. Seither, ab Mitte Januar, korrigiert die Aktie diese Aufwärts- bzw. Gegenbewegung innerhalb eines abwärtsgerichteten Trendkanals. Unterhalb von 7,90 Euro steht einer weiteren Korrekturausdehnung nichts im Wege – weitere Details dazu nach dem Blick auf den nun folgenden 2-Jahres-Chart.

Banco Santander, Chart, 2 Jahre

(Quelle: Der dargestellte Chart wurde mit TradeSignal -Webedition- erstellt.)

Zum 2-Jahres-Chart:
Chance-Risiko-Verhältnis: 30/70 – es liegt auf der Hand, dass die fiskalischen Rahmendaten das charttechnische Bild der Banco Santander Aktie entsprechend beeinflussen. Folglich dominiert ganz klar das Risiko weiterer Kursrückschläge bis wenigstens in den Bereich von 5,40 Euro. Ob es in diesem Unterstützungsbereich tatsächlich zu einer Stabilisierung kommt, muss dann zweifelsohne abgewartet werden, der Weg in Richtung der letzten Tiefs bei rund 3,95 Euro wäre sodann ja offensichtlich nicht mehr fern. Eine nachhaltige Erholungsbewegung käme ohnehin erst bei Kursen über 9,10 Euro bzw. speziell oberhalb 11,50 Euro per Wochenschlusskurs in Frage. Wer es spekulativ mag, kann jedoch in Kürze bei einer Stabilisierung des Kurses über 7,30 Euro auf eine temporäre Gegenbewegung in Richtung 8,90 Euro setzen.

Soweit die Charttechnik von Christian Kämmerer, Technischer Analyst (www.TA4YOU.com).

FAZIT

Entweder das Management von Santander verhält sich unverantwortlich und ist größenwahnsinnig, oder aber der Markt beurteilt Santander falsch. Ich halte Letzteres für wahrscheinlicher, denn das Management von Santander ist bekannt für besonnene Entscheidungen. Wenn derzeit 2,5 Mrd. EUR für eine mexikanische Tochter bar auf den Tisch gelegt werden können, dann sind offensichtlich keine Liquiditätsnöte in Sicht. Und wenn die Dividendenrendite von 8% als Ziel aufrechtgehalten wird, dann bleibt dem Unternehmen noch eine Menge Spielraum, um im Falle einer Verschlimmerung der Situation die Kapitalbasis aufzubessern (Streichung der Dividende).

Ich möchte hier keine Prognose über die Zukunft Europas machen, denn ich kann mir durchaus vorstellen, dass es in den nächsten Wochen erst nochmals schlimmer wird, bevor es dann besser wird. Mittelfristig jedoch erwarte ich keinen Zusammenbruch der EU.

Und wer auf eine Gesundung der EU setzen möchte, der hat in der Banco Santander ein solides Finanzinstitut, dessen Kurs überproportional in den Keller gepeitscht wurde und nunmehr eine Kurschance von deutlich über 50% bietet.

Stephan Heibel ist Autor und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefes, der wöchentlich kostenfrei per E-Mail verschickt wird. Darin werden die Hintergründe zu Kursbewegungen an den Finanzmärkten aufgezeigt und erklärt. Interessante Tradingideen werden daraus abgeleitet.

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