Wunschanalyse Akamai Technologies Inc.

Akamai Technologies Inc. (WKN 928 906, ISIN US00971T1016, Marktkapitalisierung: ca. 7,15 Mrd. US$, ca. 5,35 Mrd. Euro)

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HD-VIDEOSTREAMING AUF IHREM RECHNER

Wie schafft es die Deutsche Telekom, ein in Südamerika abgelegtes Urlaubsvideo auf den dortigen YouTube-Servern so schnell in Ihr Wohnzimmer zu transportieren, dass Sie fast umgehend mit dem Video schauen beginnen können, sobald Sie eine entsprechende Auswahl getroffen haben? Gar nicht. So mächtig die Deutsche Telekom in Deutschland auch sein mag, sie ist nicht auf der ganzen Welt präsent.

Und sie sucht auch nicht kontinuierlich das weltweite Internet dahingehend ab, was Sie als nächstes aufrufen könnten.

Solche Dinge tut jedoch Akamai. Damit haben wir das derzeit zerstörerischste Gerücht gegen Akamai bereits enttarnt: Weder die Deutsche Telekom, noch AT&T, Verizon oder auch Telefonica haben ein weltweites Netzwerk von Rechenzentren aufgebaut, um einen entsprechend schnellen Abruf großer Datenmengen sicherzustellen. Gerade das wird jedoch derzeit an der Börse als möglicher Killer des Akamai-Erfolges gespielt. Doch mehr dazu weiter unten.

Wenn Sie bei Ihrem Internet-Browser die Statusleiste am unteren Bildrand eingeschaltet haben dann werden Sie beim Aufrufen von Internetseiten nicht selten kurzzeitig die Server von Akamai.com angezeigt bekommen, da diese weltweit einen beachtlichen Teil des Datenverkehrs transportieren. Unter Technikfreaks ist Akamai wohlbekannt, das Unternehmen hat immerhin eine Marktkapitalisierung von 7 Mrd. US$ erreicht, so viel wie unser DAX-Titel Henkel. Und nicht umsonst hat sich eine Mehrheit von Ihnen für die Analyse dieses Titels entschieden. Für die meisten ist Akamai jedoch ein völlig unbekanntes Unternehmen.

Angefangen hat Akamai vor rund 10 Jahren tatsächlich mit der einfachen jedoch kostspieligen Idee, die Daten näher am Nutzer zu speichern. Weltweit baute das Unternehmen Rechenzentren auf und speicherte Internetseiten, die häufig abgerufen wurden, redundant auf den Rechnern, die am nächsten bei den Nutzern standen. Dadurch beschleunigte sich der Seitenaufbau bei Ihnen zu Hause und Sie haben die Seiten, die schnell verfügbar waren, häufiger aufgerufen. Insbesondere bei internationalen Seiten waren die Unterschiede groß.

Heute ist die Internetseite keine große Herausforderung mehr. Heute kümmert sich Akamai um Videostreaming, also das reibungslose Abspielen von Videos über das Internet, um das herunterladen von großen Dateien wie Software, Updates, Dokumentationen etc. und um die Verfügbarkeit von Web Applikationen, also zentral administrierten kleinen Progrämmchen, die dezentral weltweit von verschiedenen Rechnern aufgerufen werden.

CLOUD COMPUTING ODER DER ZENTRALISIERUNGSTREND

Insbesondere für Firmennetzwerke ist letztere Funktion der letzte Schrei, die große Herausforderung. Wenn ein Unternehmen wie Siemens weltweit auf über 100.000 Rechnern das Microsoft Office Paket am laufen hat, dann ist dafür ein sehr großer administrativer Aufwand erforderlich. Wenn nun aber Microsoft Office zentral installiert werden kann und dezentral aufgerufen wird, dann reicht eine Admin-Mannschaft, die sich irgendwo um die stets aktuelle Version kümmert. Voraussetzung dafür ist jedoch ein extrem schnelles Datennetz, so dass der dezentrale Aufruf durch den Mitarbeiter am andern Ende der Welt nicht zu langen Wartezeiten führt.

Irgendwann reichen die dicksten Leitungen und größten Server nicht mehr aus, um die dafür erforderliche Datenmenge hin und her zu schieben. Es sind intelligente Lösungen gefragt, die den Datenaustausch optimieren. Hier hat Akamai 87 Patente, mit denen das Unternehmen sicherstellt, dass redundante Daten nicht zu Inkonsistenzen führen. Daten, die also doppelt an verschiedenen Stellen vorgehalten werden, müssen gleich bleiben, selbst wenn an einer Stelle gerade eine Änderung vorgenommen wird.

Audi, IBM, Cathay Pacific und nicht zu unterschätzen Apple gehören zu den Kunden von Akamai. Diese Unternehmen haben nicht das Problem einer fehlenden Infrastruktur an weltweiten Serverfarmen, sie haben das Problem der fehlenden Software, wie der weltweite Datenstrom sinnvoll verwaltet und verschoben wird. Akamai nennt den eigenen Dienst „Content Delivery Network CDN“, also Inhalte-Lieferungsnetzwerk.

TRENDS UND IRRTÜMER

Ist Cloud Computing nun eine vorübergehende Erscheinung? Ist das Video-Streaming vielleicht nur eine Mode, die niemals die Satellitenschüssel wird ablösen können? Und ist Apple mit seinem iTunes nun an seinen Grenzen angelangt, so dass ein weiterer Ausbau der Nutzung nicht mehr möglich erscheint? Oder ist der Datenabruf von den Smartphones über das Mobilfunknetz nur ein Gimmick, das über kurz oder lang an der klitzekleinen Fummeligkeit der Geräte scheitern wird?

Nun, meine Antwort auf diese Fragen kennen Sie: Nein! Es handelt sich um Trends, die uns noch über mehrere Jahre begleiten werden. Trends, die Ihnen vielleicht nicht sofort sinnvoll erscheinen, die von Ihren Kindern jedoch bereits intensiv genutzt werden. Und daher können Sie davon ausgehen, dass diese Anwendungen, diese Nutzungsarten in 10 Jahren so alltäglich sein werden wie heute die eMail oder das Handy.

Und das wird dazu führen, dass mehr Daten verschoben werden müssen, dass immer größere Datenmengen immer schneller verfügbar sein müssen. Und das in verschiedenen Netzen: DSL, Kabel, Mobilfunk, etc. Es gibt also noch genug zu tun.

Doch warum sollte Akamai eine Schlüsselrolle spielen? Warum kann das nicht auch von der Deutschen Telekom und von den anderen weltweit vernetzen Telekomanbietern sichergestellt werden? Oder, wenn die Technologie vorhanden ist, dann wird die Geschwindigkeit zum Commodity, zum vergleichbaren Gut, das sich nur noch über den Preis differenzieren kann – und wenn die Deutsche Telekom irgendwann ebenfalls in der Lage ist, den Dienst von Akamai anzubieten, dann purzeln die Preise. Dann macht Akamai keinen Gewinn mehr. Oder?

Das ist der eingangs beschriebene Irrtum, der derzeit als Gerücht über das Börsenparkett gejagt wird. Heute haben die Aktien von Akamai 5% abgegeben, weil dieses Gerücht auf einer populären US-Börsenseite ausgebreitet wurde (Seeking Alpha).

LEICHTES OPFER FÜR GERÜCHTE

Akamai ist aber ein leichtes Opfer für Gerüchte. Denn, Hand aufs Herz, wer kann schon mit Sicherheit beurteilen, wie schwer oder leicht es ist, das Angebot von Akamai zu duplizieren? So wie die Intel-Chips inzwischen nicht mehr zur kriegsentscheidenden Komponente der PC-Bauer gehört, so könnte der von Akamai angebotene Dienst der „Internetbeschleunigung“ irgendwann in der Zukunft ebenfalls zur Selbstverständlichkeit werden, für die kein besonderer Preis gezahlt wird.

Doch wenn wir uns diesen Vergleich näher anschauen, dann werden wir schnell den Unterschied begreifen: Wann haben Sie sich zuletzt über die zu langsame Geschwindigkeit Ihres Rechners aufgeregt? Und wenn es der Fall war, dann haben Sie vielleicht einfach einen RAM-Baustein mehr gekauft statt gleich auf einen neuen Hochleistungsrechner aufzurüsten, oder?

Für die allermeisten Anwender reichen heute sogar die Netbooks aus, die mit Komponenten ausgestattet sind, deren Leistungsfähigkeit den Hochleistungsrechnern von vor fünf Jahren entspricht. Es wird gesurft, Briefe geschrieben, „gemailt“ und vielleicht noch Musik gehört, wenn’s hoch kommt. Bilder werden angezeigt, Chat-Tools breiten sich aus und Kontakte und Termine werden verwaltet. Das alles schaffen die Netbooks locker mit ihren alten Komponenten. Wer Videos bearbeiten möchte, der kauft sich halt einen schnelleren Rechner, doch das brauchen nur wenige.

Laptops werden heute nach Gewicht, nach Farbe und nach Ausstattung Webcam, Mikro, Anschlussmöglichkeiten, usw.) ausgesucht, nicht mehr nach dem schnellsten Chip. Aber das liegt daran, dass die komplexen Anwendungen, die mehr Rechnerleistung erfordern, auch nur noch von Experten ausgeführt werden. Die Anwendungen des Otto-Normalverbrauchers können von Netbooks sichergestellt werden.

Otto-Normalverbraucher möchte aber heute schon zunehmend Videos auf sein Smartphone streamen. Das wollen nicht nur Experten, sondern das will die breite Bevölkerung… sofern sie zumindest unter 25 Jahre alt ist. Und somit will das in 10 Jahren die breite Bevölkerung, die unter 35 Jahre alt ist. Und wir sind noch weit davon entfernt, die dazu erforderliche Infrastruktur aufgebaut zu haben. Hier geht es eben heute weniger um die Verlegung dicker Kabel, wie es in der ersten Stufe des Internetbooms zur Jahrtausendwende der Fall war, hier geht es um die logische Verwaltung und physische Lagerung der angeforderten Daten, seien es Videos, Dateien oder Software.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Deutsche Telekom den gleichen Aufwand wie Akamai betreibt, um den eigenen Kunden die in den USA zur Verfügung gestellten NFL-Live-Übertragungen anzubieten. Wenn jemand ein Interesse daran hat, dass der deutsche Internetnutzer diesen Live-Stream schauen kann, dann die amerikanische NFL selbst. Und die werden nicht mit der Telekom, mit Alice, mit Versatel, mit QSC, mit Kabel Deutschland, mit 1&1 etc. entsprechende Technologien entwickeln, sondern sie werden sich an jemanden wenden, der einfach vor Ort diesen Dienst für alle anbietet: Akamai.

Doch schauen Sie einmal, wie schwer es ist, Ihnen diesen Sachverhalt darzulegen. Da ist es leicht, ein Gerücht zu streuen, dass sich die Deutsche Telekom nun selbst um die Geschwindigkeit im Internet kümmert. Weitere Fakten werden in solchen Gerüchten nicht genannt und Sie können sich darauf verlassen, dass viele Anleger nach einer solchen Schlagzeile sofort ihre Akamai-Aktien verkaufen – der Kurs fällt.

Da das Geschäft von Akamai so schwer verständlich und die Aktie gleichzeitig sehr hoch bewertet ist wird Akamai auch in Zukunft immer wieder heftigen Kursschwankungen ausgesetzt sein.

BEWERTUNGSNIVEAU SEHR HOCH

Derzeit geht Akamai von einem Umsatzwachstum von rund 15% p.a. in den nächsten fünf Jahren aus. Demzufolge würde ich ein KGV von 15 für angemessen halten, da es jedoch ein Marktführer mit einer in meinen Augen gesicherten Marktposition ist würde ich sogar bis zu dem doppelten KGV, also bis zu einem KGV von 30, dafür zahlen. Aktuell steht das KGV von Akamai bei 62.

Viele Anleger schielen schon auf das erwartete Ergebnis für das Jahr 2011, das KGV auf dieser Basis (also das KGV 2011e) steht bei 31. Das Bewertungsniveau ist also schon ziemlich ausgereizt. Wer diese Aktie kauft, der kauft sie nicht aus Bewertungsgründen, sondern weil er daran glaubt, dass sich das Geschäft besser entwickeln wird als derzeit erwartet.

Und das denke ich auch. Ich nehme an, dass sich die Smartphones weiterhin schneller ausbreiten als dies von irgendwelchen Marktforschern prognostiziert wurde. Ich denke auch, dass das Video-Streaming wesentlich schneller in den Haushalten bei uns landen wird als wir uns dies derzeit ausmalen. Und anders als bei den Intel-Chips ist die schnelle Verfügbarkeit von großen Datenmengen für viele Unternehmen ein zunehmend erfolgskritischer Faktor, so dass Akamai meines Erachtens in den nächsten Monaten und Jahren einen kräftigen Kundenzuwachs erleben wird.

Es geht auch ohne Akamai und daher ist Akamai während der Finanzkrise von 60 US$ auf 15 US$ gefallen. Doch die Krise ist überstanden, wir stehen am Beginn eines neuen Aufschwungs und Unternehmen, die ihre Kunden begeistern wollen, investieren in die Infrastruktur. Daher erwarte ich tatsächlich einen über den Erwartungen liegenden Umsatzanstieg bei Akamai.

Diese Woche hat Bernanke seine Sorge über die US-Konjunktur kund getan und angekündigt, weiterhin eine sehr lasche Geldpolitik zu fahren. Investitionskapital wird für Unternehmen also weiterhin günstig und reichlich verfügbar sein. Auch das spielt also in die Hände von Akamai.

Allerdings wird das erste Hüsteln von Bernanke den himmelsstürmenden Akamai Aktien ein vorläufiges Ende setzen. Wie oben erwähnt wird auch dies dazu beitragen, den Kurs weiterhin volatil zu halten.

SAUBERE BILANZ

Nun, der Vollständigkeit halber noch ein abschließender Blick auf die Bilanz. Die sieht recht gut aus, denn das Unternehmen hat eine halbe Milliarde US$ Barreserven und jährlich kommen rund 90 Mio. US$ hinzu. Nennenswerte Schulden bestehen nicht, damit ist Akamai weiterhin in der Lage, notwendige Investitionen zu tätigen, selbst wenn der Kreditmarkt nochmals wie während der Finanzkrise austrocknen sollte. Schauen wir vor dem Fazit noch kurz auf die derzeitige charttechnische Verfassung der Aktie!

CHARTTECHNIK

Akamai Technologies Inc. (NASDAQ: AKAM), Tageschart, November 2009 bis heute

Die Aktie von Akamai steigt seit Anfang 2010 stetig, insbesondere in den letzten Wochen konnte die Aktie sehr stark profitieren.

Die Aktie ist insgesamt stärker als der Markt, bewegt sich überwiegend positiv und konnte im Vergleich zum S&P 500 auch prozentual deutlich zulegen.

Akamai Technologies Inc. (NASDAQ: AKAM), Wochenchart, Mai 2008 bis heute

Auffällig ist, dass die Akamai Aktie nicht von der positiven Dynamik im Frühjahr 2009 profitieren konnte. Die Aktie lief im Frühjahr 2009 seitwärts und zu dem Zeitpunkt, als dem Markt die Dynamik fehlte und dieser seitwärts konsolidierte, stieg die Akamai Aktie deutlich an. Die Aktie ist in den letzten beiden Jahren konträr zum Gesamtmarkt gelaufen. Die Aufwärtsdynamik hat in den vergangenen Wochen zugenommen.

Akamai Technologies Inc. (NASDAQ: AKAM), Monatschart, Jahr 2000 bis heute

Die Akamai Aktie fiel im Jahr 2000 von einem Hoch von knapp 350 US$ auf beinahe Null – sie ist ein klassisches Opfer der Tech- bzw. Dotcomblase. In den vergangenen Jahren war – im Vergleich zum vorangegangenen Preisniveau – wenig Bewegung in der Aktie, die Relation der Aktie zum Markt hat sich verändert. Aktuell notiert der Wert in der Nähe des höchsten Punktes seit 10 Jahren (ca. 60US$). Dieser Wert stellt einen Widerstand dar und eine Konsolidierung auf diesem Niveau bzw. eine Abschwächung des bisherigen Trends ist denkbar.

Ausblick & Einschätzung

Langfristig besitzt die Akamai Aktie weiter Potenzial, die Aktie war zuletzt im Vergleich zu den Peers stark und im Vergleich zum Markt noch stärker.

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FAZIT: GUT GEEIGNET ZUM SPEKULIEREN

Gute Aktien sind immer hoch bewertet. Einmal abgesehen von einer Finanzkrise wie 2008, während der Sie Akamai vermutlich nicht mit der Pinzette angefasst hätten, erhält man so gute Aktien einfach nicht zu Schnäppchenpreisen.

In den vergangenen sechs Wochen ist der Kurs von Akamai um 30% nach oben gejubelt worden. Das macht die Aktie nun anfällig für einen Rückschlag, wie wir heute bereits sehen konnten. Grundsätzlich würde ich bei dieser Aktie erst dann zuschlagen, wenn der Kurs um mindestens 12% unter dem jüngsten Höchstkurs liegt. Für die aktuelle Korrektur wäre das ein Abschlag von 12% vom Höchstkurs bei 40,50 Euro, also 40,50 Euro – 5,06 Euro = 35,44 Euro. Aktuell notiert die Aktie bei 37,13 Euro, da kann der Kurs also noch ein wenig weiter korrigieren.

Sodann würde ich diese Aktie als spekulativen Anteil nicht durch dick und dünn im Depot belassen sondern vielmehr bei ersten Anzeichen von einer weltweit anziehenden Geldpolitik verkaufen. Denn wenn das investitionsfreundliche Klima seitens der Notenbanken in Europa und den USA beendet wird, dann sollte auch ein eventueller Run auf die Dienste von Akamai abebben.

Über den Autor

Stephan Heibel ist Autor und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefes, der wöchentlich kostenfrei per E-Mail verschickt wird. Darin werden die Hintergründe zu Kursbewegungen an den Finanzmärkten aufgezeigt und erklärt. Interessante Tradingideen werden daraus abgeleitet.

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