Wunschanalyse Aixtron AG

Herzlich Willkommen zur Wunschanalyse von Sharewise in Zusammenarbeit mit Stephan Heibel vom Heibel-Ticker.de Börsenbrief (www.heibel-ticker.de) und Rainer Hahn von EMFIS.com. Unsere Mitglieder haben sich diese Woche eine Analyse der Aixtron AG gewünscht.

Aixtron AG laut Sharewise.com:

Prognostiziertes Kursziel kaufen halten verkaufen
29 Mitglieder Ø 17,88 € 10 19
9 Analysten Ø 21,32 € 5 2 2

Aixtron AG (WKN A0W MPJ, ISIN DE000A0WMPJ6, Marktkapitalisierung: ca. 2,37 Mrd. Euro)


Firmenlogo Aixtron AG

Diesmal haben sich die Sharewise Mitglieder eine Wunschanalyse der deutschen Aixtron AG gewünscht. Dies ist m.E. eine gute Wahl, denn die Aixtron AG ist ein gutes Beispiel dafür, dass nicht alles schlecht war, was vor mittlerweile mehr als 10 Jahren am Neuen Markt geschah. Insofern plädieren wir auch für die Wiedereinführung eines solchen Segmentes, jedoch mit strengeren Regeln als damals. Denn derzeit gibt es in Deutschland, anders als in den USA (NASDAQ), Großbritannien (Alternative Investment Market, AIM) oder China (die gerade erst gestartete ChiNext), leider kein solches Segment für junge Wachstumsunternehmen mehr, was sicherlich nicht förderlich für die deutsche Wirtschaft ist…

1.) Fundamentale Analyse

Liest man in der Presse über die Aixtron AG, so liest man immer wieder von dem „Aachener Maschinenbauer“, dem „Weltmarktführer in der Produktion von Maschinen für die Herstellung von LEDs“ usw. Doch wie entstand die Aixtron AG eigentlich und was macht das Unternehmen genau? Schauen wir es uns einmal an und beginnen wir zunächst mit der Unternehmensgeschichte.

Unternehmensgeschichte – von der (Aus)Gründung über den Börsengang am Neuen Markt bis heute

Die Aixtron AG wurde im Jahr 1983 als Ausgründung der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen in Aachen gegründet und produziert Anlagen zur Herstellung von Verbindungs-Halbleitern und anderer Multikomponenten-Materialien. Zu Beginn spezialisierte sich die Gesellschaft auf Maschinen zur Herstellung sogenannter III-V-Halbleitern wie Galliumarsenid (GaAs) und Indiumphosphid (InP). Anfang der 90er Jahre erweiterte die Aixtron AG dann ihre Produktpalette um hochtemperaturgeeignete Anlagen zur Herstellung von Gallimnitrid (GaN).

Am 6. November 1997 folgte dann der Börsengang am damaligen Neuen Markt der Frankfurter Wertpapierbörse, womit man eines der ersten Unternehmen am Neuen Markt war, lange vor dem Boom des Segmentes. Begleitet wurde die Emission damals von der Commerzbank AG und der Dresdner Bank AG als Konsortialführer, der comdirect Bank AG als Selling Agent, sowie von M.M Warburg & Co KGaA und der Westfalenbank AG als Konsortiumsmitgliedern. Angeboten zur Zeichnung wurden damals 11 Mio. Aktien (+ Greenshoe von 1 Mio. Aktien) und die Bookbuildingspanne lag (splittbereinigt) zwischen 1,79 Euro und 2,13 Euro. Ausgegeben wurden die Aktien schließlich zu 2,13 Euro und der erste Börsenkurs lag dann mit 3,03 Euro deutlich über dem Ausgabepreis.

Nach erfolgreichem Börsengang folgten dann einige, jedoch stets gut ausgesuchte, Übernahmen. So erwarb die Aixtron AG im Jahr 1999 den britischen Konkurrenten Thomas-Swann-Scientific Equipment sowie die schwedische EPIGRESS AB, 2005 die amerikanische Genus Inc. (für 118 Mio. Euro) sowie 2007 die britische Nanoinstruments Ltd. Durch diese Übernahmen erweiterte die Aixtron AG Ihr Spektrum an Anlagetypen und Materialsystemen, insbesondere um Anlagen für die Siliziumindustrie.

Die Aixtron AG – der Weltmarktführer

Unter anderem dank dieser geschickten Akquisitionen beherrscht die Aixtron AG heute den MOVPE-Anlagenmarkt für Verbindungshalbleiter und hat mit der amerikanischen Veeco Instruments, die die MOVPE-Anlagenproduktion der Firma Emcore im Jahr 2003 erwarb, nur noch einen ernsthaften Konkurrenten. So beträgt der Weltmarktanteil der Aixtron AG mehr als 60% und das Unternehmen kann sich mit Fug und Recht als Weltmarktführer bezeichnen. Und nicht etwas als Weltmarktführer in einer kleinen unbedeutenden Marktnische, sondern als Weltmarkführer in einer Branche, die derzeit boomt und deren großer Boom erst noch bevorsteht. Denn in Zukunft werden lichtemittierden Dioden, auf englisch light emitting diodes oder kurz LEDs genannt, immer wichtiger. So kommen diese heute schon in Mobiltelefonen oder Laptop Computern und Flatscreen-TVs zum Einsatz, in Zukunft aber sollen diese sogar die Glühbirne ablösen. Aber selbst im bisherigen Kernmarkt gibt es noch enormes Potenzial, da die heutigen Flatscreen-TVs oder Laptops noch längst nicht ausgereift sind und in Zukunft durchaus zusammenrollbare Bildschirme denkbar sind.

So ist es wenig verwunderlich, dass die Geschäfte bei Aixtron aktuell brummen. So verzeichnete das Unternehmen im 3. Quartal 2009 einen Ordereingang in Höhe von 118 Mio. Euro, ein Plus von sagenhaften 125% gegenüber dem Vorjahr. Für das Gesamtjahr 2009 peilt CEO Paul Hyland einen Gesamtumsatz in Höhe von 280 Mio. Euro bei einem operativen Gewinn in Höhe von 50 Mio. Euro, einem Plus von 50%, an. Auf Basis dieser bis dato vorliegenden Daten schätzen wir den Umsatz der Aixtron AG in 2010 auf mindestens 500 Mio. Euro bei einem operativen Gewinn in Höhe von 110 Mio. Euro.

Fundamentale Situation – schafft die Aixtron AG schon bald die Umsatzmilliarde?

Vom Potenzial her könnte die Aixtron AG schon in 2012 die Umsatzmilliarde erreichen, allerdings ist fraglich ob das Unternehmen seine Kapazitäten (die derzeit für einen Umsatz von rund 600 Mio. Euro ausgelegt sind) so schnell ausweiten kann. Unter dem Vorbehalt das dies gelingt, rechnen wir in 2011 mit Umsätzen in Höhe von 800 Mio. Euro bei einem operativen Gewinn in Höhe von 180 Mio. Euro und in 2012 mit Umsätzen in Höhe von 1 Mrd. Euro bei einem operativen Gewinn in Höhe von 240 Mio. Euro. Damit würde sich ein aktuelles KUV von 8,5, ein KUV 2010e von ca. 4,7, ein KUV 2011e von ca. 3 und ein KUV 2012e von ca. 2,3 errechnen. Zugleich errechnet sich ein aktuelles KGV von ca. 47, ein KGV 2010e von ca. 21,5, ein KGV 2011e von ca. 13 und ein KGV 2012e von knapp 10.

Das Unternehmen ist schuldenfrei und weist eine Eigenkapitalquote von 70% auf. Dank einer kürzlich durchgeführten Kapitalerhöhung hat die Gesellschaft zudem genügend Cashreserven, um im Falle eines Falles weitere Akquisitionen tätigen zu können. Insofern ist die Aixtron Aktie derzeit sicherlich kein Schnäppchen, die Bewertung ist jedoch auch nicht so exorbitant hoch wie sie auf den ersten Blick erscheinen mag. Dies deutet auch ein Blick auf das sogenannte Price-Earnings-Growth Ratio (PEG Ratio) an, dass derzeit mit 0,6 und damit deutlich unter 1 liegt. Daher vergeben wir aus fundamentaler Sicht eine BUY Empfehlung (für STRONG BUY ist uns das kurzfristige Korrekturpotenzial aufgrund des steilen Kursanstiegs zu groß) für die Aktie der Aixtron AG.

2.) Charttechnische Analyse

Aixtron AG – the sky is the limit?

Auch heute habe ich wieder den 3-Jahres-Chart sowie den 1-Jahres-Chart, diesmal natürlich der Aixtron AG, für sie mitgebracht. Wichtiger ist dabei jedoch der 1-Jahres-Chart, wie Sie gleich sehen werden. Denn dort ist die regelrechte Kursexplosion der Aixtron Aktie seit März dieses Jahres noch besser zu erkennen, wenngleich man dies auch in dem längerfristigen 3-Jahres-Chart schon erkennen kann. Sehen Sie selbst!

Aixtron AG, Chart, 3 Jahre

Die Aktie der Aixtron AG stieg bereits seit 2006 von damals im Tief rund 2 Euro auf in der Spitze knapp 11 Euro an, ohne das dies große Aufmerksamkeit am Markt erregt hätte. Im Zuge der seit Mitte 2007 wütenden Finanzkrise wurde die Aktie dann wieder abverkauft und fiel bis auf ca. 3 Euro zurück, womit sie sich jedoch deutlich über dem vorherigen Tief halten konnte. Ab März diesen Jahres begann dann schließlich eine bis heute anhaltende Kursexplosion, die die Aktie von diesem Tief bei ca. 3 Euro auf aktuell über 24 Euro führte. Schauen wir uns diese Kursexplosion daher nun im kurzfristigeren 1-Jahres-Chart einmal genauer an!

Aixtron AG, Chart, 1 Jahr

Wie man hier nun gut erkennen kann, begann das Kursfeuerwerk bei der Aktie der Aixtron AG im März diesen Jahres. In einer ersten Phase stieg die Aktie zwischen März 2009 und August 2009 von ca. 3 Euro auf in der Spitze ca. 15 Euro, bevor eine erste heftigere Korrektur einsetzte. Diese Korrekturbewegung führte die Aktie von ca. 15 Euro um rund 20% auf ca. 12 Euro zurück, bevor sich der Kursanstieg seit Ende August noch beschleunigte. So erreichte die Aktie schon Anfang Oktober ein neues Zwischenhoch bei ca. 24 Euro. Und wieder setzte eine rund 20%ige Korrektur ein, die die Aktie unter die 20 Euro Marke führte. Und erneut wurde die Korrektur gekauft und die Aktie erreichte schon Anfang November das alte Zwischenhoch. Mit den zuletzt gesehenen Kursgewinnen sieht es daher nun nach einer erneuten Ausbruchsbewegung über die 24 Euro Marke hinaus auch, was einem Kaufsignal mit kurzfristigem Kursziel 29 Euro gleich käme.

Aus charttechnischer Sicht ist die Aixtron Aktie daher kurzfristig ein Kaufkandidat mit Kursziel 29 Euro. Und auch das mittel- bis langfristige Chartbild sieht gut aus, wenngleich die Aktie nicht dauerhaft in diesem Tempo weiter explodieren können wird. Bei Schwäche kaufen, wäre daher der charttechnische Ratschlag!

3.) Sentimenttechnische Analyse

Die Sentimentanalyse besteht bei uns immer aus zwei Teilen. Zum Einen schauen wir uns den Kursverlauf der Aktie an, zum Anderen vergleichen wir den Kursverlauf dann mit dem Stimmungsbild. Tut man dies bei der Aktie der Aixtron AG, so erhält man folgendes Bild.

Die Aixtron Aktie konnte sich zwischen März 2009 und heute im Kurs in etwa verachtfachen, womit sie einer der absoluten Outperformer am deutschen Aktienmarkt war und ist. Der Kursverlauf ist also mehr als positiv, wenn man nicht gerade versucht hat die Aktie zu shorten. Doch trotz oder gerade wegen dieses sehr positiven Aktienkursverlaufs ist die Stimmung zur Aixtron Aktie alles andere als euphorisch. So finden wir derzeit in der Sharewise Datenbank 29 Empfehlungen von Mitgliedern, darunter aber nur 10 Kaufempfehlungen bei 19 Verkaufsempfehlungen und einem durchschnittlichen Kursziel von 17,88 Euro. Und selbst bei den Analysten ist das Bild nicht gerade euphorisch, denn von 9 Analysten empfehlen „nur“ fünf die Aktie zum Kauf, jeweils zwei sagen jedoch Halten bzw. Verkaufen. Und das durchschnittliche Kursziel der Analysten von 21,32 Euro liegt auch immer noch unter dem aktuellen Börsenkurs von knapp 24 Euro.

Sehr positive Kursentwicklung, überwiegend jedoch sehr skeptische Einschätzungen und zwar sowohl von Seiten der Sharewise Mitglieder als auch der Analysten, viel schöner könnte ein Sentiment nicht sein. Denn die eher verhaltene Stimmung passt ja überhaupt nicht zum sehr positiven Kursverlauf, was kontraindikativ positiv zu werten ist, da es ein klares Indiz dafür ist, dass viele Marktteilnehmer noch nicht in die Aktie der Aixtron AG investiert sind. Und das dem so ist beweist ja auch die Tatsache, dass bisher jede Korrektur sofort gekauft wurde…

4.) Zusammenfassung

Fundamental gesehen ist die Aktie der Aixtron AG zwar sicherlich kein unentdecktes Schnäppchen mehr, sie ist jedoch auch längst nicht so „teuer“ wie es auf den ersten Blick (Umsatz 280 Mio. Euro, Marktkapitalisierung 2,37 Mrd. Euro) scheinen mag. Denn das Unternehmen ist einer der wenigen deutschen Weltmarktführer und das nicht etwa in einem Nischenmarkt, sondern als Lieferant von Maschinen die zur Herstellung von LEDs benötigt werden. Daher ist das Wachstum der Gesellschaft trotz der bereits erreichten Unternehmensgröße exorbitant hoch und dürfte sich gerade in den nächsten drei bis fünf Jahren noch weiter beschleunigen. So halten wir schon im Jahr 2012 die Umsatzmilliarde für möglich. Da die Aixtron AG zudem nahezu konkurrenzlos ist, dürfte die operative Gewinnmarge laut Einschätzung des Managements bei 22% liegen, wir glauben hier sogar an einen Tick mehr. Dank einer erst kürzlich durchgeführten Kapitalerhöhung schwimmt die Aixtron AG im Geld, denn man ist schuldenfrei und weist eine Eigenkapitalquote von 70% auf.

Auf Basis unserer Umsatz- und Gewinnschätzungen, die jedoch unter dem Vorbehalt stehen, dass das Unternehmen in der Lage ist die dazu benötigten Kapazitäten auch aufzubauen, errechnet sich ein Kursziel von 36 Euro auf Sicht eines Jahres und von 50 Euro auf Sicht von zwei Jahren. Eigentlich wäre daher die Empfehlung STRONG BUY angebracht, wir vergeben jedoch nur eine BUY Empfehlung aufgrund des Rückschlagsrisikos wegen des zuletzt steilen Kursanstiegs.

Aus charttechnischer Sicht sieht es ähnlich aus. Mit Bruch der 24 Euro ergebe sich kurzfristig ein Kaufsignal mit Kursziel 29 Euro, mittel- bis langfristig sollte die Aktie ihren Aufwärtstrend weiter fortsetzen. Bei Schwäche kaufen war hier daher das Fazit.

Und das Sentiment – nämlich eine hervorragende Kursentwicklung, aber überwiegend skeptische Börsianer – spricht ebenfalls nicht gerade gegen die Aktie der Aixtron AG, ganz im Gegenteil!

Zusammenfassend raten wir daher dazu, die Aktie der Aixtron AG zu kaufen und sehen ein Kursziel von 29 Euro auf Sicht der nächsten Wochen, von 36 Euro auf Sicht eines Jahres und von 50 Euro auf Sicht von 24 Monaten. Es wird in Zukunft wohl nicht ganz so explosiv aufwärts gehen, aber Luft genug nach oben ist noch vorhanden…

Über den Autor

Sascha Huber, Jahrgang 1978 und wohnhaft in Trier, ist schon seit Zeiten des damaligen Neuen Marktes als intimer Kenner der Hightechbranche bekannt. Er betrieb in den Jahren 1998 bis 2001 zusammen mit einem Partner eine der damals führenden Börsenhotlines sowie eines der damals führenden Börsenportale und gehörte damit zu den Ersten, die das Potential von Aktien wie Amazon.com, eBay oder Intershop Communications erkannten. Im Gegensatz zu vielen anderen Experten riet er allerdings rechtzeitig im März 2000 zum Ausstieg aus dem Neuen Markt und warnte sehr frühzeitig vor Luftnummern wie ComROAD, Gigabell oder Infomatec. Mittlerweile gehört er zu den aktivsten Sharewise Mitgliedern und zeichnet sich dabei durch exzellentes Börsen Know How aus. Dabei liegt seine Spezialität unverändert im Hightechsektor, den er aufgrund eines Informatikstudiums auch bestens einschätzen kann.

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