Werden wir alle heute noch gerettet?

Verrückte Welt an Wall Street. Nach erdrutschartigen Verlusten zum Wochenauftakt verbuchen die US-Indizes gestern deutliche Gewinne. So verzeichnet der S&P 500 Index seinen größten Tagesgewinn seit sechs Jahren, nachdem der Index am Montag noch den höchsten Tagesverlust in den letzten 21 Jahren beklagte. Grund für die positive Stimmung an den US-Börsen ist die Hoffnung der Marktteilnehmer, dass doch noch in dieser Woche ein Rettungsplan zur Stützung der Banken verabschiedet wird. Experten gehen nicht davon aus, dass das gestern vor dem Repräsentantenhaus gescheiterte Rettungspaket völlig über den Haufen geworfen wird. Man erwartet kleine Korrekturen, einige kosmetische Änderungen sollten ausreichen, um die zuletzt fehlenden 12 Stimmen zu einer Verabschiedung zu gewinnen. Es wird damit gerechnet, dass konservative Republikaner an ihrem Vorschlag festhalten werden, dass der Staat die faulen Kredite nur versichert statt sie zu kaufen. Weiter plädieren die Republikaner für eine stärkere Mitwirkung des US-Einlagensicherungsfonds (FDIC), die Finanzkrise zu bewältigen.

Für Beifall bei den Börsianern sorgte der Vorschlag des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama für eine Anhebung der staatlich zugesicherten Einlagenversicherung auf Sparkonten von 100.000 Dollar auf 250.000 Dollar. Ähnliche Worte kommen auch von der Chefin der US-Einlagensicherung Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC), Sheila Bair, die zum besseren Schutz der US-Sparer die Obergrenze für die Einlagensicherung von Banken erhöhen will. Gleichzeitig arbeitet die US-Börsenaufsicht SEC an neuen Bilanzierungsstandards für die Zeitwertbilanzierung (Mark-to-Market-Bilanzierung) illiquider Anlagen. Nach den bisherigen Regeln müssen die US-Finanzinstitute faule Hypotheken für Wohn- und Geschäftsimmobilien sowie mit Hypotheken besicherte Wertpapiere nach ihrem aktuellen Marktwert bilanzieren, was zu erheblichen Abschreibungen geführt hat.

Für den Präsidenten der Federal Reserve von Atlanta, Dennis Lockhart, stellt das Abwärtsrisiko für die US-Wirtschaft die aktuell größte Bedrohung dar. Laut Lockhart ist gegenwärtig das Abwärtsrisiko für die US-Konjunktur deutlich höher einzuschätzen als das Inflationsrisiko. „Während sich die Wachstumsaussichten für die US-Wirtschaft verschlechtert haben, haben sich die Inflationstendenzen abgeschwächt“, so Lockhart. Die Aussagen von Lockhart interpretieren einige Marktteilnehmer als mögliches Indiz einer weiteren Zinssenkung der US-Notenbank Fed. Der Finanzsektor legt um 13,1 Prozent zu. Gewinner sind hier die Geschäftsbank Wells Fargo nach einem Analysten Upgrade mit 12,87 Prozent auf 37,53 Dollar, Bank of America mit einem Plus von 15,07 Prozent auf 35,00 Dollar oder Citigroup mit einem Anstieg von 15,55 Prozent auf 20,51 Dollar.

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