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Angst vor der eigenen Courage…

Im ersten Anlauf wurde eine weitergehende Erholung der Börsen einmal mehr ausgebremst. Dies lag zum einen an den etwas schwächeren Konjunkturdaten aus den USA aber wohl hauptsächlich an den erneuten, sehr unbedachten Äußerungen einiger Politiker, dass am kommenden Wochenende nicht mit einer endgültigen Lösung zu rechnen ist. Natürlich ist damit nicht zu rechnen! Jahrzehnte lange Misswirtschaft lässt sich nicht mal schnell an einem Wochenende lösen. Ich denke auch nicht das der Markt dies erwartet hatte. Aber bereits im Vorfeld der eigentlichen Veranstaltung jegliche Hoffnung auf Besserung im Keime zu ersticken halte ich persönlich für das mit Abstand ungeschicktest Vorgehen dass man in einer solchen Situation an den Tag legen kann.

Es dürfte uns und den Politikern klar sein, dass das Ausbleiben einer Lösung, oder zumindest eines vernünftigen Ansatzes, der von allen Mitgliedsstaaten gleichermaßen getragen wird, auch an den Börsen für eine große Enttäuschung sorgen würde. Das allerdings bereits im Vorfeld versucht wird die Erwartungen zu senken stimmt nachdenklich. Letztlich hat Herr Schäuble damit eigentlich nur erreicht, dass gestern die Kurse massiv gefallen sind, und noch einmal fallen werden wenn er und seine Kollegen nicht liefern sollten was sie vollmundig angekündigt haben. Und das wiederum kostete, bereits gestern und nicht erst nach dem Wochenende, nahezu alle großen und mittleren Konzerne in Deutschland Marktkapitalisierung in ordentlicher Milliardenhöhe, und Anleger ebenfalls viel Geld. Herzlichen Glückwunsch!

Auch die Amerikaner zeigten sich somit „not amused“ und schickten die Indizes um durchschnittlich zwei Prozent nach unten. Auffällig war aber dass beispielsweise die Bankenwerte in den USA sich deutlich stärker präsentierten als in Europa. Was natürlich anhand der erneut grottenschlechten Performance der Commerzbank und Deutschen Bank Aktie auch nicht weiter schwer war. Dennoch lief der gesamte Rücksetzer bei den Amerikanern sehr kontrolliert ab, und führte den S&P 500 letztlich nur soweit die Tiefe um das Gap vom letzten Freitag zu schließen. Der Index schloss im Anschluss minimal über der wichtigen Marke von 1.200 Punkten. Aus charttechnischer Sicht ist hier also noch alles drin, und bislang kein Trendwechsel erkennbar.

Heute morgen lese ich schon wieder neue Schreckensnachrichten aus China (Achtung Ironie!) Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft hat sich im dritten Quartal 2011 verlangsamt. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum „nur“ um 9,1%. Volkswirte hatten im Mittel ein Plus von 9,2% erwartet. Das Wachstum der chinesischen Industrieproduktion hat sich hingegen überraschend beschleunigt. Die Produktion stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat um 13,8%, Volkswirte hatten im Mittel für September ein Jahreswachstum von 13,3% prognostiziert. Ich bin mal gespannt wie viele Artikel es demnächst wieder zum Thema drohende Rezession gibt…Die asiatischen Märkte befinden sich, nach den schlechten Vorgaben aus Europa und den USA,  allesamt im Minus. Dementsprechend wird auch der DAX heute erneut leichter erwartet.

Das Wohl und Wehe der Welt hängt im Moment an der Entwicklung in Europa. Und wenn alles auf Europa ankommt, dann spielt Deutschland bzw. deutsche Politiker derzeit eine geradezu weltbewegende Rolle. Ob das ein Grund zur Beruhigung darstellt, und ob sich die Damen und Herren dessen bewusst sind, lassen wir einmal dahingestellt, aber eines ist klar, es fehlt in der Bundesregierung Personal mit ökonomischem Sachverstand, und dem nötigen Feingefühl, und ich fürchte genau das werden wir dann auch in den Beschlüssen am Wochenende widergespiegelt sehen…

HeidelCement, Porsche, Klöckner& Co sowie der Deutschen Bank unverändert..

Gestern im späten US Börsenhandel kam es mal wieder zu einem etwas deutlicheren Rücksetzer, nachdem der Handel im sonstigen Tagesverlauf eigentlich ganz gesittet abgelaufen ist. Erstaunlich war zunächst die Stärke der Indizes nach einem solchen Handelstag wie am Freitag. Man hätte zunächst einmal stärkere Gewinnmitnahmen erwarten können, zumal wir uns nun wieder eher am oberen Ende der seit Wochen existenten Trading-Range befinden. Einen wirklichen Grund für den negativen Handelsverlauf in den USA konnte man eigentlich nicht finden, außer vielleicht die Angst der Anleger vor weiteren schlechten Konjunkturdaten. In dieser Woche, vor dem Beginn der US Berichtssaison, stehen noch einige spannende Termine auf der Agenda die durchaus kursbewegendes Potenzial haben. Danach dürften dann eher wieder die Nachrichten aus den Unternehmen die Führung bei der Stimmungsmache an den Börsen übernehmen.

Der Dax hat es immer noch nicht geschafft die so wichtige Marke von 6.335 Punkten wieder zu überwinden, somit bleibt der Deutsche Leitindex zunächst in der Seitwärtsbewegung. Die etwas schlechteren Vorgaben aus den USA könnten heute in den frühen Handelsstunden durch den deutlich besser als erwartet ausgefallenen GfK Konsumklimaindex aufgefangen werden. Auch die Vorgaben aus Asien sind nicht so schlecht wie man dies eigentlich hätte erwarten können. Die Entscheidung über die weitere Richtung des Dax steht also noch aus. Sowohl das Überwinden der 6.335 Punkte Marke, mit einem anschließenden Kursziel von ca 6.600 Punkten, als auch ein erneutes Abtauchen in Richtung 5.900 Punkte ist weiterhin möglich….wobei ich nicht glaube, dass es in diesem Falle deutlich unter 5.850 Punkte gehen wird.

Wir lassen unsere Positionen bei HeidelCement, Porsche, Klöckner& Co sowie der Deutschen Bank zunächst unverändert im Depot und warten den heutigen Handelstag ab. Heute Nachmittag werden wir dann ggf. über Nachkäufe bzw. Neuengagements nachdenken, worüber wir Sie natürlich rechtzeitig über den Newsletter informieren werden. An Tage wie diesen lohnt es sich weiterhin gezielt nach günstigen Titeln Ausschau zu halten und ggf. zu kaufen, wenn man wie wir davon ausgeht, dass sich die aktuelle Chartsituation demnächst nach oben auflösen wird.  Wie bereits erwähnt dürfte gegen Ende der Woche neue Volatilität in die Märkte kommen, dies kann aber natürlich in beide Richtungen passieren…

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