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Der DAX und die nie enden wollende Börsenrally…!

Die letzten Tage an der Börse hatten schon etwas faszinierendes…Nachdem gestern nun auch im DAX ein neues All-Time-High verbucht werden konnte, kannte auch die mediale Berichterstattung nahezu keine Grenzen der Euphorie mehr. Fast auf allen Kanälen gab es Sonderberichterstattungen in denen orakelt wurde warum die Börsen derzeit so stark sind. Selbstverständlich musste dabei in erster Linie die nie enden wollende Flut an frischer Liquidität durch die Notenbanken als Argument Nummer 1 herhalten. Aber auch deutliche Mittelzuflüssen von Pensionsfonds und große institutionellen Adressen wurden als Ursache für den jüngsten Anstieg des deutschen Leitindex immer wieder angeführt…Aktien sind alternativlos weil Anleihen und andere Anlageklassen keine Rendite mehr abwerfen war gestern mehrfach zu hören und zu lesen. Immer wenn an den Finanzmärkten Euphorie auszubrechen droht, sollte man grundsätzlich etwas vorsichtiger werden…

Die Fragen die man sich nun also aufmerksamere Beobachter stellen kann, sind somit aus meiner persönlichen Warte relativ naheliegend … Welchen Grund könnte es haben wenn die Notenbanken diesmal offensichtlich ohne einen triftigen Grund die Zinsen senken und sogar weitere Maßnahmen versprechen, die bis hin zum Negativzins gehen können? Könnte es sein, dass hier im Hintergrund schon wieder die nächste Krise schwelt, erneut große europäische Banken in Schieflage sind oder gar ganze Staaten? Wäre es möglich das diese Maßnahmen im Vorfeld der Bundestagswahlen in Deutschland ergriffen werden um bis dahin die heile Börsenwelt aufrecht zu erhalten? Oder, sind das lediglich klar erkennbare Auswüchse des internationalen Abwertungswettlaufes der namhaften Währungen dieser Welt?

Ich kann Ihnen keine der oben stehenden Fragen beantworten…dennoch ist der Kursanstieg des DAX alles andere als natürlich und sollte mit einer gewissen Skepsis betrachtet werden. Ich kann mich jedenfalls nicht entsinnen so etwas schon einmal zuvor gesehen zu haben während die Konjunktur-Inikatoren gleichzeitig in die entgegengesetzte Richtung weisen. Nun mag es ja sein dass sich hier wirklich große Adresse positionieren, was für mich allerdings alles andere als ein Kaufargument wäre. Genau diese Adressen waren es nämlich die die gesamte Rally zuvor größtenteils verschlafen haben und genau dieselben Adressen haben in den letzten beiden Abwärtsbewegungen einen Großteil ihrer Aktiendepots zu Tiefständen wieder aufgelöst. Über die Qualität dieser Engagements lässt sich also durchaus streiten.

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Für meinen Geschmack fehlt jetzt noch die finale Phase in der wir auf dem Titelblatt der BILD Zeitung o.ä. zum Kaufen von Aktien aufgefordert werden, oder aber irrwitzige DAX Kursziele ausgerufen werden. Spätestens dann sollte man die Karten wieder vom Tisch nehmen und erst einmal abwarten ob diese Rally noch weitere Substanz hat. Im Moment ist der Markt – gerade in Deutschland – gnadenlos überkauft. Dieser ungesunde Zustand muss früher oder später abgebaut werden indem entweder die Aktienkurse wieder anfangen zu fallen, oder aber der Markt entsprechend lange seitwärst läuft, um diese Situation über die Zeitschiene zu korrigieren. Auf der anderen Seite enden Phasen wie diese nicht von heute auf morgen, und es braucht seine Zeit bis sich ein Richtungswechsel einstellt. Dieser kann dann aber letztlich auch sehr heftig ausfallen wenn den Bullen irgendwann die Kraft fehlen sollte den Index noch weiter anzutreiben.

Zu bedenken ist an dieser Stelle vielleicht auch, dass der DAX ein Performance-Index ist in dem die erzielten Dividenden einen großen Teil der Zugewinne ausmachen. Kürzlich habe ich dazu in einem Kommentar hier geschrieben: „Aktuell notiert der DAX bei rund 7.800 Punkten. Wenn man den DAX aufteilt, sind die Aktienkurse für 4.200 Punkte verantwortlich und die Dividenden für 3.600 Punkte. Da die 30 DAX-Unternehmen in diesem Jahr den Rekordwert von 27,6 Mrd. Euro ausschütten, sorgt das für einen deutlichen Kursanstieg. Selbst wenn die Aktienkurse der 30 DAX-Unternehmen stagnieren, würden die Dividenden dafür sorgen, dass der DAX spätestens 2014 ein neues Allzeithoch erreicht.”

Die Berichtssaison nähert sich nun aber bereits wieder ihrem Ende. Da die großen Dividenden-Stars fast alle schon über Ihre Geschäfte berichtet haben dürften somit von dieser Seite keine allzu großen Impulse mehr zu erwarten sein. Somit sollten auch die Dividenden nun allmählich entsprechend ihrer Höhe im DAX Kurs eingepreist sein. Sollte der DAX allerdings nach der Berichtssaison trotzdem weiter ansteigen, muss man dieses Signal wohl sehr ernst nehmen und mit engen Stopps erneut auf den fahrenden Zug aufspringen.

Seit heute gewinne ich nun aber eher den Eindruck, dass es das nun bald gewesen sein könnte, da auch die Kurstreiber der letzten Tage den heutigen Anstieg nicht mehr wirklich nachvollziehen. An der Wallstreet haben genau diese Aktien die teilweise kräftigen Kursgewinne des Vortages bereits wieder abgegeben! Andere Unternehmen wiederum, die schlechte Zahlen abgeliefert haben, fallen noch nicht entsprechend, was wohl eher dem starken Marktumfeld geschuldet ist und am ersten wirklich schlechten Börsentag in naher Zukunft wohl eingepreist werden dürfte. Die Risiken einer Korrektur nehmen also  aus meiner Sicht wieder deutlich zu…

Aus charttechnischer Sicht wäre zumindest eine Abwärtsbewegung bis in den Bereich des alten Alltime-Highs bei DAX wünschenswert und gesund. Geht es dann noch einmal deutlich darunter, muss die Situation wohl völlig neu bewertet werden, denn dann würde mit dieser Kursbewegung auch der aktuelle Aufwärtstrend unterschritten..!

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  • liquiditätsgetriebene Hausse

Irland, Portugal, Griechenland, Japan, Libyen, Nahost. Ölpreis, Zinsanhebung…

Stresstest für Irlands Banken, Portugal, Griechenland in der Krise, Atomkatastrophe in Japan, unterbrochene Lieferketten, etc. Krieg in Libyen, Unruhen in Nahost, Ölpreisanstieg, baldige Zinsanhebung der FED und der EZB etc. – das ist normalerweise alles reines Gift für die Börsen und jede Nachricht für sich schon kursbewegend in Richtung Süden. Ich behaupte mal, dass ich im Normalfall ein ganz gutes Verständnis für die Börse habe, und ich muss offen zugeben das die momentane Stärke des Marktes etwas „unheimlich“ ist. Spätestens heute nach dem nun das  sogenannten „Window Dressing“ der Fonds und großen Investoren vorerst abgeschlossen sein dürfte sollte sich der Markt so langsam wieder etwas mehr den fundamentalen Daten anpassen. Bislang sieht es aber auch heute allerdings nicht danach aus!

Insbesondere die Entwicklung im Nahen Osten macht zunehmend Sorgen. Der Konflikt in Libyen dürfte sich wohl nicht so schnell in Wohlgefallen auflösen wie es so mancher Stratege prognostiziert hat. Der Ölpreis klettert weiter und dürfte wohl bald neue Höchststände markieren. Alleine dieser Faktor für sich genommen belastet die Weltwirtschaft überproportional und hätte früher unter normalen Bedingungen wohl für eine Korrektur der Aktienmärkte von mindestens zehn Prozent gesorgt. Die Auswirkungen dieser, und anderer Krisen werden sich in den kommenden Quartalen auch in den Bilanzen einzelner Konzerne wiederfinden, sei es durch deutlich gestiegene Energiekosten oder durch unterbrochene Lieferketten. Ich rechne bereits in der nächsten Berichtssaison, die in wenigen Tagen startet mit entsprechenden Belastungsfaktoren. Spätestens dann wird die momentan schon fast grenzenlose Euphorie an den Märkten wohl auch ihr Ende finden.

Die Frage dürfte somit sein, wird es ein schleichender Prozess in dem nun allmählich alle oben genannten Faktoren und deren direkte und indirekte Auswirkungen eingepreist werden, oder passiert dies mit einem großen Knall? Davon das noch einmal eine größere Korrektur kommen MUSS bin ich überzeugt, nur ob tatsächlich und wann kann ich natürlich nicht beantworten. Gesund wäre es für die weitere Entwicklung der Indizes allemal. Wahrscheinlich hängt auch die heutige Ankündigung der FED die Zinsen noch in diesem Jahr zu erhöhen damit zusammen, weil man gesehen hat, dass die übermäßige Liquidität die sich im Markt befindet und die Kurse treibt, langsam für ungesunde Entwicklungen an den Finanzmärkten sorgt und vorsichtig wieder abgezogen werden sollte. Die EZB hat ja bereits für April einen Zinsschritt angekündigt um ein wenig Dampf abzulassen.

Heute gegen 14:30 erwartet der Markt die Arbeitsmarktdaten aus den USA. Nach den vorab gelieferten Zahlen dürften diese nicht allzu gut ausfallen, eine Katastrophe ist aber ebenso nicht zu erwarten. Dennoch könnte dieses Ereignis eventuell die Wende einleiten, und den Markt zunächst einmal in eine Art „Beruhigungsphase“ schicken, denn letztlich waren insbesondere die amerikanischen Börsen mal wieder der Grund für die Stabilität der letzten Wochen. Der S&P 500 scheitert bereits seit Tagen an der Marke von 1.325 Punkten. Achten Sie auf die 1.330 Punkte Marke als mögliches weiteres Ausbruchssignal nach oben, und die 1.316 Punkte Marke als Startschuss zu einer Konsolidierung in Richtung der 1.274 Punkte Marke. Der April wird mal wieder ein sehr interessanter Börsenmonat in dem ich mit starken Turbulenzen rechne. Schönes Wochenende!

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