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K+S – Jetzt werden die Shorties gegrillt

Ich glaube ich war einer der wenigen, wenn nicht gar der einzigste, der seinen Lesern in den vergangenen Wochen geraten hat bei der Aktie des Düngemittel-Konzerns nicht gleich die Flinte und Korn zu werfen, und zunächst eine Beruhigung der Nachrichtenlage abzuwarten. Das ging sogar soweit, dass ich zwischendurch etwas genervt und gereizt auf die Berichterstattung und wilden Spekulationen anderer Medien reagiert habe, da diese aus meiner Warte nicht unbedingt faktisch solide hinterlegt waren. Selbstverständlich hatte ich zum damaligen Zeitpunkt auch keinen anderen Kenntnisstand als denjenigen den man über diverse Nachrichtenportale zusammensammeln konnte, Kursziele von weit unter 15,- Euro, oder gar deutlich im einstelligen Bereich, konnte ich aber anhand meiner eigenen Recherchen schlichtweg nicht nachvollziehen.

Auch der ausgemachte Kali-Preis-Absturz über eine für K+S nicht mehr erträgliche Schmerzgrenze hinaus schien bereits ausgemachte Sache zu sein, was ich ebenfalls bereits am 01.08 in dem Artikel „K+S – Die Börse ist ein Spielkasino“ bezweifelt habe. Insgesamt betrachtet ergaben die Ereignisse Ende Juli für mich keinen vernünftigen Sinn, zumal ich nicht nachvollziehen konnte warum ein Unternehmen wie Uralkali sich dauerhaft selbst Schaden zufügen sollte. Rückblicken betrachtet fügt sich nun ein Baustein zu dem anderen…

Heute möchte ich mich aus gegebenem Anlass mal wieder bei Ihnen zu der Kali und Salz Aktie melden, denn nun kommt offenbar kräftig Bewegung in den Kali-Markt. Vladimir Putin hat sich nun, diversen Medienberichten zufolge, persönlich in den russischen Kali-Zwist eingeschaltet und die Machtverhältnisse zu seinen Gunsten geändert. Bereits nachdem ich das Interview mit dem ehemalige Uralkali Chef Baumgertner, der  ja bereits seit einigen Tagen sein Dasein im Gefängnis fristen darf (…das hämische Grinsen dürfte Ihm inzwischen vergangen sein…) Ende Juli gesehen hatte, lag die Vermutung dass es sich hier um eine fast schon private Fehde zwischen dem beiden CEOs von Uralkali und Belaruskali handeln könnte, sehr nahe. Offensichtlich war diese Annahme auch gar nicht so weit am Thema vorbei.

Der Putin Vertraute Vladimir Kogan soll nun den Mehrheitsanteil und die die volle Kontrolle bei dem weltweit führenden Kali-Produzenten Uralkali übernehmen und dem Hauptaktionäre Suleiman Kerimov  sein gesamtes Aktienpaket für knapp 3,7 Milliarden US Dollar abkaufen. Damit wäre zum einen erreicht, dass die Verursacher des Kali-Massakers nun endgültig entfernt worden wären und sich die Russen wieder mit den Weißrussen an einen Verhandlungstisch setzen können. Zum anderen dürften die neuen Besitzer von Uralkali keinerlei Interesse mehr an weiter sinkenden Kalipreisen haben. Nachdem die Sache auf klassisch russische Weise geklärt wurde, dürften also bald wieder normale Zustände in der Branche angestrebt werden.  Ich rechne also bald mit einer Reaktivierung des alten Kali-Kartells und wieder steigenden Kali-Preisen und steigenden Aktienkursen.

Dementsprechend stark dürften in den kommenden Tagen auch die verschiedensten Investmenthäuser und Hedge-Fonds unter Druck kommen die hier auf der Short-Seite aktiv sind….Immer vorausgesetzt, dass es tatsächlich zu einer kurzfristigen Übernahme des Aktienpaketes und einer anschließenden Einigung der beiden Kontrahenten kommt und die Nachrichten der russischen Medien stimmen. Großanleger die auf einen Untergang des Kali-Marktes gesetzt haben müssten dann Ihre offenen Leerverkäufe schnellstmöglich wieder eindecken. Und das sieht dann so aus:

 

K+S Chart mit Fibo

 

Der US-Hedgefonds Pennant Capital LLC hat seine Leerverkaufs-Position in der letzten Woche deutlich reduziert, ebenso wie der US-Hedgefonds ZBI Equities. Der britische Hedgefonds Marshall Wace stieg ebenfalls mit fast einem Drittel der Position aus der Short-Spekulastion aus. Vollero Beach Capital Partners und VTB Capital reduzierten ihre Positionen, während andere wie der Riesen-Hedgefonds Viking Global Investors, Citadel Europe und Blue Ridge Capital Ihre Positionen zuletzt sogar weiter ausgebaut haben…

Der Kursschub vom Freitag gibt Hoffnung und könnte erst der Anfang einer entsprechend starken Bewegung gewesen sein. Wie Sie in obigem Chart sehen können, hat die K+S Aktie nun bereits den Abwärtstrend (grün) nach oben durchbrochen (!) Wie stark die Gegenwehr der Hedgefonds nun noch ist, bleibt aber dennoch abzuwarten, denn ich gehe schon davon aus dass diese nun versuchen werden noch möglichst günstig aus der Nummer wieder raus zu kommen. Sollte der Kaufdruck bei K+S  aber weiter anhalten und die Aktie demnächst die 25,- Euro Marke touchieren, dürften spätestens an diesem Punkt auch die letzten Adressen richtig nervös werden… Ich hatte ja bereits in dem Artikel am 12.August auf einen möglichen Short Squeeze hingewiesen, war zu diesem Zeitpunkt aber ehrlich gesagt noch nicht so richtig überzeugt, dass dieser auch tatsächlich so bald kommen würde.

Dass es sich bei dem Kurssturz der Branche höchstwahrscheinlich aber um eine satte Übertreibung handeln würde, dessen war ich mir damals schon sicher. Somit habe ich nach anfänglichen Verlusten den Wiedereinstig gewagt, als sich die Situation zu beruhigen schien…. Was ich Ihnen aber eigentlich mit dem heutigen Artikel sagen möchte ist, dass es im Falle einer Panik meistens nicht die richtige Vorgehensweise ist sich dem Mainstream bedingungslos anzuschließen, sondern – gerade dann – eine eigene Meinung durchaus lohnenswert sein kann. Die Lehre aus der K+S Story ist also: Neben einer gewissen Portion Mut und Geduld ist ein weitere wesentliche Erfolgsfaktor an der Börse sich eine mediale Unabhängigkeit und geistige Flexibilität zu bewahren.

Abschließend sei noch erwähnt, dass die Short-Quote bei der K+S Aktie bereits vor dem Absturz recht ordentlich war, sodass jetzt wohl noch ein Exit für so manchen Hedgefonds zu komfortablen Kursen möglich ist, bevor sie dann eventuell tatsächlich gerillt werden. Ich gehe nun davon aus dass diese Chance wohl auch einige Fondsmanager nutzen, bzw. zumindest ihre Positionen deutlich reduzieren werden. Mir soll´s recht sein wenn die Jungs hier mit einem blauen Auge davon kommen, und sich nun einen anderen Spielplatz suchen!

DAX 8.000 wir kommen? – Bayer, Linde, Merck, VW, Deutschen Bank und ThyssenKrupp im Fokus

Wieder einmal liegt ein etwas turbulenter Wochenstart hinter uns, der die Besonderheiten dieses Marktes erneut deutlich offenbart hat. Die Aufregung um eine mögliche Rückkehr Berlusconis an die Spitze der italienischen Regierung scheint aber nun erst einmal wieder verflogen zu sein. Natürlich sollte man diese Entwicklungen in Italien nun wieder etwas genauer im Auge behalten, um nicht irgendwann im Frühjahr des Jahres 2013 böse überrscht zu werden, aber aus meiner persönlichen Warte stellt das eher persönlich motivierte Ansinnen von Herrn Berlusconi (noch) keine ernsthafte Bedrohung für die Märkte oder den Heilungsprozess des italienischen Haushaltes dar. So hat es dann wohl auch der Markt gestern nach anfänglicher Schockstarre gesehen… In den USA konzentriert man sich weiterhin eher auf die hauseigenen Probleme. Noch immer gibt es keine Einigung, die eine Lösung bei der Vermeidung des sogenannten Fiscal Cliff erkennen lassen würden. Sicherlich ist dies auch ein wesentlich bedeutenderes Ereignis für die Märkte als eine mögliche Rückkehr Bunga Bunga´s…!

Trotz der immer knapper werdenden Zeit, um eine Lösung für den künftigen US Haushalt zu finden, präsentieren sich die Märkte weiterhin sehr stabil. Unterm Strich hat sich das große Bild damit wieder deutlich hin zu einem positiven Trend verändert. Der DAX konnte neue Jahreshöchststände ausbilden und ist eindeutig aus der seit Ende August bestehenden Seitwärtsbewegung ausgebrochen. Die nächste und letzte Hürde, die es nun noch zu überwinden gilt ist die runde Marke von 7.600 Punkten, dann wäre der Weg theoretisch frei bis zu den alten Höchstständen bei 8.157 aus dem Jahr 2007. Allerdings wird dies nur gelingen wenn auch die US Indizes weiterhin mitspielen, wie ich > hier < skizziert hatte.  Der MDax konnte gar jetzt schon ein neues Allzeithoch markieren!

Mit dem Anstieg des der deutschen Indizes auf neue Höchststände geraten viele Fondsmanager und Vermögensverwalter nun endgültig gewaltig unter Druck. Wir können heute wohl davon ausgehen dass der DAX am Ende dieses Jahres 2012 eine hervorragende Performance hingelegt haben wird. Viele institutionelle Investoren, die sich an dieser Benchmark messen lassen müssen, sind aber immer noch nicht ausreichend positioniert -was wohl insbesondere bei den großen Versicherungsgesellschaften mal wieder der Fall sein dürfte. Spätestens zum Jahresende erwarten Fachleute somit nun noch einmal eine Welle der Depotbereinigung (Window Dressing), die auch in den kommenden Wochen bei den guten Werten des Jahres für Unterstützung sorgen sollte. Die Underperformer 2012 hingegen werden wohl auch weiterhin verkauft.

Im Dax stehen die Favoriten für einen solchen Jahresendspurt somit wohl fest. Aktien wie die von Bayer, Linde, Merck und VW, aber auch die der Deutschen Bank sollten allesamt einen guten Jahresausklang erleben. Alleine schon eine weiterhin gute Performance der genannten DAX Schwergewichte würde auch ausreichen um den Index weiterhin in die Höhe zu treiben. Von Analysten neu herumgereichte Kursziele von 8.000 Punkten oder gar mehr, sind aus meiner persönlichen Sicht nun auf Sicht von einigen Wochen nicht mehr unrealistisch…!

Im Fokus der Anleger stehen in dieser Woche sicherlich auch die Aktien der ThyssenKrupp AG. Heute wird das Unternehmen nun endlich die Zahlen für das zurückliegende Quartal vorlegen. Ich persönlich gehe nicht unbedingt davon aus dass wir Anleger hier mit positiven Überraschungen rechnen können – um es mal vorsichtig auszudrücken! Neben den bekannten Problemen in Nord- und Südamerika kämpft der größte deutsche Stahlkocher auch noch mit einer spontanen Umstrukturierung des Vorstandes und einem Skandal bezüglich jahrelanger Preisabsprachen im Schienengeschäft. Vorstandschef Heinrich Hiesinger versucht diesem ganzen Sumpf nun entschlossen entgegen zu treten, was sicherlich auch gut ist! Die Folgen all dieser Ereignisse werden sich aber wohl noch etwas länger in den Bilanzen des Konzerns widerspiegeln. Die Zahlen werden es zeigen. Ich warte hier weiterhin ab!

Am Mittwoch beginnt die letzte FED Sitzung des Jahres,  von der sich die Anleger nun neue Erkenntnisse  über die Fortführung oder gar Aufstockung der Operation Twist erwarten. Eigentlich würde diese geldpolitische Maßnahme nun zum Jahreswechsel auslaufen. An den Finanzmärkten wird aber fest damit gerechnet, dass Zentralbankchef Ben Bernanke das Stimulierungsprogramm durch eine weitere Finanzspritze ersetzen wird. Sicherlich ist diese Entscheidung, neben dem ganzen Gerangel um die Fiscal Cliff, eine der wichtigsten, die den weiteren Weg der Märkte in den kommenden Wochen beeinflussen wird. Um den Mittwoch herum kann es also noch einmal zu leichten Turbulenzen am Aktienmarkt kommen. Grundsätzlich gehe ich aber davon aus, dass wir erneut eine freundliche Börsenwoche erleben werden.

Dennoch gibt es auch ein paar Faktoren die ich eher negativ werten würde. Hier ist Vorsicht geboten, bzw. sollte intensiv beobachtet werden wie sich die hier genannten Faktoren kurzfristig entwickeln. Noch immer sind die getätigten Börsenumsätze sehr gering. Der Volatilitäts-Index, VIX oder auch das „Angstbarometer“ genannt notiert hingegen auf dem niedrigsten Stand seit langem, was inzwischen auf eine gewisse Sorglosigkeit der Anleger schließen lässt. Das ist ehrlich gesagt etwas beunruhigend! Der Goldpreis gibt, trotz der eigentlich saisonal bedingt positiven Muster, weiterhin nach oder tendiert zumindest schwach, und der Ölpreis, der ebenfalls zu dieser Jahreszeit eher anziehen sollte, war einer der großen Verlierer der letzten Woche. Insgesamt bleibt uns also das bereits seit Monaten bestehende verzerrte Bild der Märkte weiterhin erhalten. Dementsprechend vorsichtig sollte man nach wie vor agieren.

DAX im Niemandsland – Die Woche der Entscheidung!

Ja, liebe Leser, das war wieder einmal eine echt anstrengende Woche, auch für mich! Ich habe ja erwartet, dass wir im Hinblick auf das nahende Quartalsende noch einmal etwas mehr Volatilität sehen könnten, aber der Abverkauf gegen Mitte der Woche war dann zwischenzeitlich doch etwas besorgniserregend. Und einmal mehr führten Nachrichten in Verbindung mit dem Hochfrequenzhandel der Banken zu einem sehr volatilem Markt. Allen voran standen die Aussagen von Ian Ashby, dem Leiter der Eisenerzsparte von BHP Billiton, am Rande einer Rohstoffkonferenz im australischen Pearth, im Fokus der Anleger. Viel mehr die unterschiedliche Deutung seiner Worte, bezüglich des künftig zu erwartenden Absatzes von Eisenerz in China, brachte weltweit Rohstoffwerte kräftig unter Druck. Letztlich stellte sich dann aber wohl heraus dass die Verkaufspanik unbegründet war und die Branche insgesamt sehr zuversichtlich in die Zukunft blickt. Verrückte Welt!

Wie ich Ihnen in der letzten Woche geschrieben haben kann man seit einigen Tagen eine Sektorrotation beobachten die das Kapital raus aus Anleihen und Gold rein in den Aktienmarkt führt. Auf der anderen Seite waren es insbesondere die zyklischen Autobauer und Zulieferer bei denen eine Schwäche nahezu vorprogrammiert erschien. Dennoch lautete mein Fazit am Ende des letzten Newsletters“…institutionelle Investoren werden die nun kurzfristig zu erwartenden Schwäche im Atomobilsektor dankbar nutzen um sich gegen Quartalsende hier endlich zu positionieren, nachdem diese lange dazu verdonnert waren den steigenden Kursen von der Seitenlineie aus zuzusehen. “ Gleiches gilt wohl auch für ausgesuchte zyklische Titel wie Stahlwerte etc. Die Chancen stehen nicht schlecht dass genau diese Aktien nun noch einmal deutlich anziehen werden.

Lange Zeit sah es allerdings nicht danach aus als sollte ich mit dieser Annahme Recht behalten. Erst am Freitag abend in der letzten Handelsstunde ist der Knoten dann endlich geplatzt. Wieder einmal war dies der Weg des maximalen Schmerzes für die Anleger! So ist sie halt unsere heißgeliebte und manchmal auch gehasste Börse 😉 Wer in dieser Woche nervös geworden ist, und sich von einem Teil seiner Positionen getrennt hat, hat somit mein vollstes Verständnis. Letztlich ist im Zweifelsfalle immer die vorsichtigere Variante zu wählen um das Kapital zu schützen. Wer das getan hat kann somit trotzdem stolz auf sich sein, weil er konsequent gewesen ist. Auch bei mir gab es einiger Veränderungen. Die spekulativen Positionen habe ich deutlich reduziert und dafür aber die ein oder andere „solide“ Aktie wieder ins Depot genommen, aber dazu später mehr…

Der Dax hat sich also mit einem Wochenminus von 2,3 Prozent zunächst deutlich von dem geplanten Ziel entfernt. Dieses hatte ich mit dem Widereintritt in den steilen Aufwärtstrend der letzten Wochen definiert. Hierzu hätte der Deutsche Leitindex aber noch die Marke von 7.230 Punkte überschreiten müssen. Vorerst hat sich der Markt also entschieden die Widerstandszone zwischen 6.965 und 7.100 Punkten doch nicht so leichtfüssig überschreiten zu wollen wie es zunächst aussah. Nun muss abgewartet werden ob es in der kommenden Woche gelingen kann die Richtung erneut zu wechseln. Die Chancen stehen nach dem starken Freitag nicht schlecht, aber natürlich muss auch die Möglichkeit eines erneuten Scheiterns an der Widerstandszone nun in Betracht gezogen werden. Grundsätzlich räume ich aber der Variante eines starken Quartalsabschlusses immer noch eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit ein. Kritisch wird es erst unterhalb der Marke von 6.840 Punkten im Dax, spätestens hier muss man dann mit einem grundsätzlichen Trendwechsel rechnen.

Der Maßstab für Erfolg an den Börsen

Der Maßstab für Erfolg oder Misserfolg an den Börsen ist immer höchst individuell. Er hat mit den eigenem Risikoprofil, ebenso wie mit den eigenen Erwartungen zu tun.

Selbstverständlich ist es zum Beispiel völlig in Ordnung, eine Art „Absolut Return“ Ansatz für sich als Erfolgs-Maßstab zu nehmen. Jedes Minus empfindet man dann als Niederlage, auf der anderen Seite ist man aber auch bereit, in guten Jahren niedrigere Renditen als der Markt hinzunehmen um eine risikoarme Strategie zu implementieren.

Entscheidend ist halt nur, dass der Maßstab den man wählt, auch zu dem tatsächlichen Handeln passt. Wenn man zum Beispiel gerne Penny-Stocks handelt, wäre der obige „Absolut Return“ Maßstab für so ein Depot sicherlich völlig verfehlt.

Letztlich gibt es aber nur einen einzigen wirklich objektiven und unbestechlichen Maßstab – und das ist Mr. Market himself. Also das, was der Markt von ganz alleine schafft, wenn man keinen Finger krümmen würde.

Denn nur wenn man besser als der passende Vergleichsindex abschliesst (also eine sogenannte Überrendite erzielt), haben die eigenen Entscheidungen ja einen Mehrwert gebracht. Wer also zum Beispiel einen Fond mit hoch kapitalisierten Aktien aus Europa anbietet, sollte fast jedes Jahr besser als der EuroStoxx 50 Index sein.

So leicht es sich aber anhört Mr. Market zu schlagen, so schwer ist es in der Realität, erst recht mit einem vollen Depot oder Fond. Nicht aus Zufall schafft es die Mehrheit der professionellen Fondmanager jedes Jahr nicht, ihren zugehörigen Vergleichsindex zu schlagen. Man könnte aus diesem Blickwinkel also mit Fug und Recht sagen, die Mehrzahl der professionellen Fondmanager scheint ihr Geld nicht wert zu sein und dürfte eigentlich gar keine Gebühren verlangen. Mr. Market ist eben ein verflucht harter Gegner.

Gerade in schwachen Jahren wie derzeit, erscheint es vielen Laien an der Seitenlinie ja als „einfach“ den Markt zu schlagen. Man müsste ja theoretisch nur aussteigen und nichts tun. Es ist aber lange nicht so leicht getan, wie gesagt. Ich denke alle aktiven Leser haben das ja hier in den letzten Wochen am eigenen Leib erfahren. Denn zunächst einmal rauscht man mit dem Markt runter, weil man an den Absturz noch nicht glaubt. Dann steigt man zwar aus, aber viel zu früh wieder ein, weil man zu viel Angst hat den Wideranstieg zu verpassen. Und am wirklichen Tiefpunkt ist die riesige Gefahr, dass man schlussendlich so demoralisiert und ausgelaugt ist, dass man genau dann nicht mehr zugreift, wenn man es unbedingt tun sollte. Wer also mit einem weltweit gestreuten Aktiendepot im Crash-Jahr 2008 nur 10% Verlust hatte, hat nach objektiven Maßstäben die weit bessere Leistung gebracht als der, der im Boom-Jahr 2009 nur 10% Gewinn hatte.

Dieser harten und unbestechlichen Wahrheit versuchen natürlich manche Fonds mit allerlei sprachlichen Girlanden aus dem Weg zu gehen, es würde ja das Geschäftsmodell in Frage stellen. Aber es ist nach meiner persönlichen Meinung so hart und einfach: wer Mr. Market in der Regel nicht schlagen kann, hat seinen Job als Fondmanager verfehlt.

Ein Leser dieses Blogs hat vor kurzem zu diesem Thema sinngemäss geschrieben: „Wenn ich in einem Jahr 10% Rendite habe bin ich zufrieden, selbst wenn der Markt 30% gebracht hat“. Aus der individuellen Sicht ist diese Haltung ebenso legitim wie menschlich verständlich. Viele denken so und das ist auch völlig in Ordnung. Jeder entscheidet für sich selber was für ihn zufriedenstellend ist und was nicht. Und natürlich fühlt sich jedes Plus subjektiv gut an und jedes Minus schlecht. Nicht ohne Grund sagt ein Sprichwort sinngemäss: „In Bullenmärkten ist es leicht sich als Held zu fühlen“.

Aber das ihre Kunden so denken, wissen eben auch die Fondmanager und das ist einer der Gründe, warum es so wenige wirklich herausragende Fonds gibt. Denn es ist für einen Fondmanager viel sicherer mit den Wölfen zu heulen und einfach nur den Index abzubilden als davon abzuweichen. Wenn der Markt gut läuft und er ist 2% schlechter, kräht da kein Hahn danach. Alle sind zufrieden. Warum dann also Risiken eingehen ? Und wenn es mal schlecht läuft, kann er die Schultern zucken und dem Kunden sagen „schauen Sie, es sind doch alle so abgestürzt“.

Wenn wir als Kunden also bessere Anlage-Produkte und Leistungen von den Banken wollen, dann werden wir die nur bekommen, wenn wir uns nicht durch netten Marketing-Text beeinflussen lassen, sondern diese Produkte immer gnadenlos am einzigen unbestechlichen Maßstab messen:

Der Performance von Mr. Market himself. (HS)

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