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SGL Carbon – Analysten senken den Daumen

Die SGL Carbon Aktie ist weiterhin unter Druck. JP Morgan hat seine Prognose für den Titel noch einmal überarbeitet und gab kürzlich erneut ein dramatisch niedriges Kursziel für die Aktie aus. Ebenso wie viele andere Analysten namhafter Bank- und Analystenhäuser, die sich zuletzt etwas skeptischer zur kurzfristigen Zukunft des Unternehmens geäussert haben, und ihre Kursziele ebenfalls teilweise deutlich unterhalb des aktuellen Niveaus platzieren. Insgesamt geht man wohl davon aus, dass SGL wegen Preis- und Absatzdrucks in den Jahren 2014 und 2015 einen Verlust ausweisen wird.

Ich bin ja grundsätzlich eher selten der selben Meinung  wie so mancher Analyst, aber in diesem Punkt würde ich JP Morgan bedingt beipflichten. Nicht unbedingt beim ausgegebenen Kursziel von 12,50 Euro aber bei der Einschätzung das die Aktie deutlich tiefere Kurse „verdient“ hätte. Einen Abschlag wie ihn der Analyst hier sieht, würde ich aber schon alleine aufgrund der Tatsache ausschließen wollen, dass hier sehr starke Partner und Ankeraktionäre mit im Boot sitzen, die kein Interesse an so tiefen Notierungen haben.

Dennoch, die zuletzt gelieferten Zahlen sollten nachdenklich stimmen und rechtfertigen aus meiner persönlichen Sicht ebenfalls deutlich tiefere Kurse. Wichtig für die kurzfristige Entwicklung der Aktie sind somit zwei Marken die es zu beachten gilt. Bei rund 27,- Euro verläuft die 200-Tage-Linie, die zuletzt immer wieder verteidigt werden konnte. Gelingt dies aber nicht dauerhaft, wäre bei knapp 25,- Euro die letzte Verteidigungslinie zu sehen, bevor es dann doch zu einer weiterführenden Korrektur kommen könnte.

SGL Carbon Aktie Chart langfristig

Aus rein charttechnischer Betrachtung wäre dann zunächst Luft bis an die langfristige Aufwärtstrendlinie (rot) bei ca. 22,- Euro sowie dem Tief vom Juli 2013 bei 20,73 Euro. Im Optimalfall für die Bären würde dann sogar die 20,- Euro Marke erneut leicht unterschritten, bevor der Titel wieder nach oben dreht. Spätestens hier sehe ich auch einen guten Zeitpunkt für einen Long Einstieg unter langfristigen Gesichtspunkten, da der Boden dann über mehrere Jahre bestätigt würde.

Die Analyse von JP Morgan ist aus meiner Warte also etwas weit über das Ziel hinaus geschossen, wenn auch grundsätzlich nicht falsch. Trotz meiner persönlich ähnlich skeptischen Haltung möchte ich den positiven Fall natürlich nicht unerwähnt lassen. Ein erstes bullishes Zeichen wäre das Überschreiten der hier eingezeichneten blauen Linie, bei 30,88 Euro. Hier könnte ein neuer Impuls entstehen, der die Aktie über die langfristige Abwärtstrend-Linie hievt, und somit deutliches Aufwärtspotenzial  generiert. Innerhalb der nächsten 12 Monate wird genau dass irgendwann wohl auch passieren, doch zuvor würde ich mich hier eher auf der Unterseite orientieren.

K+S – Jetzt antizyklisch einsteigen?

Bereits seit Tagen zeigt sich die K+S Aktie als einer der stärksten DAX Titel und auch heute führt der Salz- und Düngemittelhersteller die Top-Liste an. Gründe für die neue Stärke der Aktie lassen sich im Moment so einige finden. Angefangen von den kürzlich kursierenden Gerüchten, dass der US Konzern, The Mosaic Company, an einer Übernahme von Kali und Salz interessiert wäre, bis hin zu den nun teilweise deutlich nach oben überarbeiteten Kurszielen der Analysten, die in Ihrer ersten Panik offensichtlich etwas über das Ziel hinaus geschossen waren.

Namhafte Analysehäuser wie bspw. JP Morgan haben ihr Kursziel nun von zuvor 12,- Euro auf 21,- Euro „überarbeitet“ Wie hoch die Qualität solcher Analysen im Allgemeinen ist, darf jeder für sich selbst entscheiden..! Letztlich bleiben aber, sowohl die Übernahme-Gerüchte als auch die Analystenmeinungen , ebenso wie auch die Prognosen über die Entwicklung der Kali-Preise oder auch Meldungen darüber welcher Hedgefonds wann welche Short-Position eröffnet oder geschlossen hat, reine Kaffesatzleserei.

Die Zahlenvorlage am 14.11.2013 soll nun Klarheit bringen. Auch hier sind die Hoffnungen allerdings wohl etwas überzogen, denn selbst das Management des Unternehmens dürfte, angesichts der kurzzeitigen Verwerfungen am Kali Markt und vor allen Dingen der weiterhin unklaren Situation in Russland, keinen klaren Blick auf die nahe Zukunft haben. Die Zahlen werden wohl schlecht bis grottenschlecht sein, was allerdings bereits hinreichend im Aktienkurs berücksichtigt wurde. Der Ausblick auf Kommendes ist somit wahrscheinlich aus den oben genannten Gründen auch eher wage. Eine klare Ansage der Konzernleitung wäre dennoch umso wichtiger und wird wohl der entscheidende Faktor für das Wohl oder Wehe der Aktie sein.

Bei einer Aktien-Story wie der von K+S spielt all das aber zumindest momentan eine eher untergeordnete Rolle, denn langfristig sollte der Konzern gute Gewinne in einem weiter wachsenden Markt verdienen. Kurzfristig könnten somit auch hier die Erleichterung über „...nicht so schlecht wie erwartete Daten„, überwiegen. Denn genau das ist es, was der Markt erwartet – eine Katastrophe, die aber bereits weitestgehend eingepreist sein dürfte. Hedge-Fonds haben sich entsprechend positioniert, was zusätzlichen Kurstreibstoff durch einen Short Squeeze bedeuten könnte, wenn die Position plötzlich gegen sie läuft.

Alles in Allem sehe ich hier gute Chancen für spekulativ orientierte Anleger,  auf deutliche Gewinne mit einem natürlich nicht zu verkennenden Risiko. Eher risikoaverse Anleger sollten vielleicht kurzfristig lieber an die Seitenlinie treten und sich erst positionieren, nachdem der Rauch sich wieder gelegt hat. Bei einem antizyklischen Einstieg vor der Zahlenvorlage müssen kurzzeitig starke Schwankungen und auch starke Verluste unbedingt einkalkuliert werden. Denn selbstverständlich ist auch ein deutliche Ausschlag in die andere Richtung möglich, wenn es die Konzernleitung nicht schaffen sollte den Druck auf die Aktie etwas zu reduzieren.

Was ist bei der Hochtief Aktie los… ?

Heute war wahrlich kein besonders guter Tag für Hochtief Aktionäre. Einmal mehr bereitet die australische Tochter Leighton Probleme… Jahrelang soll das Unternehmen Korruptionsgelder bezahlt haben um sich Großaufträge zu sichern, berichtete die Mediengruppe Fairfax. Nach folgendem Bericht in der australischen Zeitung “ The Sydney Morning Herald“ geht man offenbar auch davon aus, dass einige hochrangige Manager des Tochterunternehmens Leighton, sehr wohl gewusst oder geduldet haben, dass es Korruption im Unternehmen gebe. Der frühere Leighton Chef Wal King hat hingegen bereits ernsthaft dementiert von solchen Machenschaften in seinem Unternehmen gewusst zu haben.

Die Leighton Holding ist eine 56,39 – prozentige Tochter von Hochtief. Die Leighton Aktie verlor nach den Presseberichten gestern runde 15 Prozent an Wert. Die Aktie des deutschen Baukonzerns kam ebenfalls kräftig unter Druck, und verlor in der Spitze bis heute zu 11 Prozent. Zum Handelsende konnte sich die Hochtief Aktie wieder etwas erholen und schloss über der psychologisch wichtigen 60,- Euro Marke. Dennoch stand am Ende des Tages ein immer noch sattes Minus von 7,88 Prozent auf dem Kurszettel.

Hochtief Aktie Chart

Die Vorwürfe sind zwar schwerwiegend, die Reaktion des Marktes bei der Hochtief Aktie dürfte aber etwas übertrieben gewesen sein… und ich bin mir relativ sicher, dass Hochtief , bzw. der Mutterkonzern ACS hier entsprechend schnell reagieren wird. Zudem hat die Aktie durch den Kursrutsch nun mustergültig die Unterstützungszone zwischen 57,90 und  58,55 Euro „getestet“, die offenbar einen ersten ernsthaften Haltepunkt darstellt. Aus rein charttechnischer Betrachtung sollte diese Marke halten. Im negativen Falle würde wohl auch noch der Bereich um die 55,75 Euro getestet werden. An einen Test der unteren Begrenzung des Aufwärtstrend-Kanals glaube ich persönlich in den starken Umfeld also nicht. Grundsätzlich würde ich diesen Rücksetzer also als willkommene Einstiegsgelegenheit sehen! Ob ich damit Recht behalten werde, wird wohl der morgige Handelstag zeigen… Auf jeden Fall intensiv beobachten! Mehr zum Thema auch hier..!

Kursbewegendes bei Nokia, E.ON, Wacker Chemie und SAP

Nokia – Angst vor den Zahlen?

Die Aktie des finnischen Handy Herstellers machte zuletzt durch diverse Gerüchte auf sich aufmerksam. Zudem präsentiert der Konzern am laufenden Band immer neue Smartphones mit immer besseren Digitalkamera-Eigenschaften. Der große Knalleffekt bei der letzten Präsentation des Super-Smartphones Lumina 1020 blieb aber leider aus, da bereits zuvor Bilder des neuen Gerätes im Internet erscheinen waren. Seitdem dümpelt die Aktie langsam wieder Richtung Süden. Neue Impulse fehlen. Heute wird der Konzern nun die Zahlen zum abgelaufenen Quartal präsentieren. Im vorangegangenen Quartal konnte der Umsatzrückgang in der Handy-Sparte (32 Prozent) noch nicht durch vermehrte Verkäufe der Smartphones kompensiert werden. Und so bleibt abzuwarten ob sich an dieser Situation grundlegend etwas geändert hat. Für mich bleibt Nokia auch weiterhin eine Aktie die Ihren ertragswert erst noch unter Beweis stellen muss. Heute Abend wissen wir mehr…

E.ON Wechsel des Finanzvorstandes

Der Finanzvorstand von Deutschlands größtem Energiekonzern E.ON, Marcus Schenck, wechselt zurück zu seinem alten Arbeitgeber Goldman Sachs. Demnach übernimmt ab Oktober der bisherige Chef der konzerneigenen Handelssparte, Klaus Schäfer  dann das Amt. Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Wenning äußerte sein Bedauern über den Weggang Schencks: „Unter seiner Führung wurde das Desinvestitionsprogramm mit einem über alle Erwartungen hinausgehenden Erfolg abgeschlossen“, sagte der Aufsichtsratschef über den Finanzvorstand. Schencks Vertrag mit E.ON hätte turnusgemäß erst zum Ende des Jahres 2014 auslaufen sollen. Der ausserplanmäßige Wechsel eines Finanzvorstandes ist immer etwas was man als Anleger skeptisch betrachten sollte…Ich warte weiterhin ab, da es aus meine Sicht aktuell keinen Grund gibt in der E.ON Aktie investiert zu sein.

Stimmungsmache bei Wacker Chemie

Die Aktie des Spezialchemie Unternehmens ist seit gestern erneut etwas unter Druck, was überwiegend mit der jüngsten Berichterstattung bzw. den Analystenkommentaren zusammenhängen dürfte. Insbesondere das Bankhaus Hauck & Aufhäuser sieht den Aktienkurs bereits seit längere Zeit deutlich tiefer als dies derzeit der Fall ist, und lag damit bereits des öfteren falsch. Gestern wurde nun erneut das Kursziel von 40,- Euro ausgegeben und damit begründet das sich die Polysilicium Preise aufgrund des nach wie vor bestehenden Überangebotes so schnell nicht erholen dürften. Nunja, Wacker Chemie besteht nicht nur aus Polysilizium, und der Zeitpunkt für eine solche Analyse ist nach den jüngsten Nachrichten aus China auch irgendwie komisch gewählt. Die Strafzölle auf US Produkte könnten ein echter Game Changer für Wacker Chemie sein! Für einige Börsenblättchen reicht dieser Analystenkommentar aber offensichtlich um gleich in die selbe Kerbe zu schlagen, nachdem die Aktie allerdings zuvor noch über den Klee gelobt wurde. Was soll man sagen…?! Ich stehe immer noch auf der anderen Seite, da mir die Argumentation der Analysten wirklich nicht einleuchten will. Wacker Chemie – jetzt oder nie

SAP senkt die Ziele

Die Aktie des Software-Konzerns SAP gehörte ebenfalls lange zu den Lieblingen von Analysten, die sich in den vergangenen Monaten mit immer höheren Kurszielen gegenseitig übertroffen haben. Nun kehrt seit geraumer Weile etwas Ernüchterung ein. Nachdem Europas größter Softwareentwickler heute seine gesteckten Ziele etwas zurückgenommen hat, gerät die Aktie vorbörslich erneut unter Druck. SAP senkte das Jahresziel im Kerngeschäft mit Software und softwarebezogenen Dienstleistungen auf „nur noch“ 10 Prozent Zuwachs – geplant waren bislang 11 bis 13 Prozent. Ansich ja nicht unbedingt ein Rückgang der nennenswert ist…Anleger zeigen sich aber heute deutlich verunsichert darüber, das die Geschäfte insbesondere in Asien, dem Wachstumsmarkt schlechthin für SAP, schleppend laufen. Nach dem aktuellen Rücksetzer könnte die Aktie nun wieder einen Blick wert sein sobald sich eine Stabilisierung abzeichnet.

Die Woche der Finanzaktien: Bank of America, JP Morgan, Goldman Sachs, Citigroup, Capital One, Morgan Stanley

In der zurückliegenden Handelswoche hat der Markt den vorangegangenen starken Anstieg seit Dezember erwartungsgemäß weiter konsolidiert. Lediglich die Bankenwerte sowie auch die deutschen Autobauer konnten sich diesem Trend weitestgehend entziehen. Aber auch in den anderen Branchen fielen die Korrekturen bislang noch vergleichsweise harmlos aus, sodass keineswegs von einer Korrektur die Rede sein kann. Viel mehr ist die aktuelle Bewegung als durchaus gesunder Rücksetzer in einem ansonsten weiterhin bullishem Umfeld zu sehen. Jegliche Bemühungen der Bären wieder Kontrolle über diesen Markt zu bekommen sind bislang kläglich gescheitert.

Der S&P 500 befindet sich weiterhin in einem robusten Aufwärtstrend dessen Muster ich als typische 5-Wellen-Hausse sehen würde, die ich Ihnen hier noch einmal (blau) eingezeichnet habe. Demnach sollte und die laufenden Konsolidierung noch einmal bis in den Bereich um die 1.450 Punkte zurück führen und damit die vierte Welle dieser Bewegung vollenden. Im Anschluss sollten die Kurse wieder steigen und vielleicht sogar ein neues Hoch ausbilden. Erstes Ziel für dieses Szenario wäre dann die Marke bei 1.486 Punkten. Gelingt also der nachhaltige Sprung über das letzte Hoch bei ca 1.475 Punkten, wäre dies als sehr bullishes Signal zu werten. Dann halte ich auch das Erreichen der im letzten Newsletter genannten 1.525 Punkte im S&P 500 für sehr wahrscheinlich.

S&P Chart Analyse 130113
Natürlich soll auch das negative Szenario nicht ausser Acht gelassen werden – wie immer! Fällt die aktuelle Konsolidierung doch stärker aus als erwartet, (orange Linie) und scheitert der Index dann im Anschluss an der hier genannten 1.450 Punkte Marke, so droht ein weiterer Rücksetzer, der sogar dazu führen könnte, dass sich hier nun eine erneute Topbildung in Form einer Schulter-Kopf-Schulter Formation abzeichnet. Diesem Szenario würde ich allerdings unter den gegebenen Umständen eine Wahrscheinlichkeit von unter 30 Prozent einräumen! Denn, in der kommenden Woche werden nahezu alle namhaften US Finanzwerte Ihre Zahlen zum abgelaufenen Quartal präsentieren.

Bank of America, JP Morgan, Goldman Sachs, Citigroup, Capital One und Morgan Stanley dürften auf ein sehr erfolgreiches Quartal zurückblicken und die gute Stimmung im Finanzsektor weiter auf hohem Niveau halten. In der letzten Woche hat bereits Wells Fargo mit dem besten Unternehmensergebnis seit dem Bestehen des Unternehmens einen leichten Vorgeschmack darauf gegeben welche Größenordnung an Unternehmensgewinnen uns in der US Finanzindustrie bevor stehen könnten. Die Börsen sind im letzten Quartal hervorragend gelaufen und die Gewinne bei den Banken werden dies wohl auch widerspiegeln. Von dieser Seite sollte der Markt also eigentlich kräftige Unterstützung erfahren. Ebenso wie die für die nächste Woche geplanten Liquiditätsspritzen der FED! An jedem Tag der neuen Woche pumpt die Federeal Reserve Bank in Form der sogenannten POMO Aktionen frisches Geld in dem Markt!

Lediglich saisonal betrachtet befinden wir uns auch in der nun kommenden Woche eher in einem schwächeren Umfeld. In den letzten Jahrzehnten hat die nun anlaufende Woche, in der wir neben vielen Unternehmensdaten auch noch den Verfallstag am Freitag erleben werden, in den überwiegenden Fällen schwächere Ergebnisse produziert. Allerdings sollte man weiterhin davon ausgehen dass sich damit die Konsolidierungsbewegung lediglich noch etwas weiter fortsetzen wird, bevor die Indizes dann wieder Fahrt aufnehmen. Einzelne Sektoren, wie oben beschrieben, werden aller Voraussicht nach dabei sogar deutlich gegen den allgemeinen Trend positiv tendieren. Die Commerzbank würde ich allerdings nach den jüngsten Gerüchten um eine weitere Kapitalerhöhung erst einmal ausklammern.

Die Luftfahrtbranche im Wandel – Boeing, Airbus, Lufthansa, Rolls-Royce, MTU, GE Aviation, EADS..

Die internationale Luftfahrtindustrie positioniert sich aktuell in Farnborough und ist mit allem auf dieser besonders interessanten Luftfahrtmesse vertreten, was Rang und Namen in der Aviation-Branche hat. Die Luftfahrtbranche ist im Umbruch, es geht um Märkte, Marktanteile und Bedürfnisse der Kunden, aber auch um neue Werkstoffe und Energieeffizienz.

Trader mit Interesse an der Luftfahrtindustrie sollten wissen, dass Analysten in der Aviationbranche bevorzugt mit der SWOT-Analyse operieren. Die SWOT-Analyse (engl. Akronym für Strengths (Stärken), Weaknesses (Schwächen), Opportunities (Chancen) und Threats (Risiken)) ist ein Instrument der Strategischen Planung und ist „Kind“ der Harvard Business School. Vereinfacht ausgedrückt ist die SWOT-Analyse eine Kombination aus Unternehmensanalyse (der  Suche nach Stärken und Schwächen) und der sogenannten Umweltanalyse (der Suche nach den strategisch relevanten Chancen und Risiken); sie dient der Positionsbestimmung und der Strategieentwicklung von Unternehmen und anderen Organisationen und gilt als eine der wichtigsten Methoden der strategischen Analyse. Praxisbewährt wird die Analysemethode SWOT beispielsweise im Zusammenhang mit der Volkswagen AG genannt.

Es ist kein Geheimnis, dass auch die Bundesregierung mit dem Instrument der SWOT-Analyse zur Bewertung und Einschätzung der Luft- und Raumfahrt operiert, etwa im Zusammenhang der Umsetzung der „High-Tech-Strategie für Deutschland.“ Die Bundesregierung implementierte für jedes Innovationsfeld eine sogenannte SWOT-Analyse zur Bewertung der Stärken und Schwächen sowie der Chancen und Risiken vor.

Die großen Hersteller und Marktführer Boeing und Airbus:

Boeing hat gut vorgelegt und punktet vor allem mit der Innovation vom Typ Boeing 787 „Dreamliner“, einem zweistrahligen Langstrecken-Jet mit einer Sitzplatzkapazität für 200 bis 300 Passagiere; für die Mehrzahl der Analysten sieht es erstmals seit vier Jahren danach aus, das Boeing dieses Jahr wieder mehr Flugzeuge ausliefern wird, als der Konkurrent auf Augenhöhe, Airbus, dies wird tun können. Der „Dreamliner“, der Wundervogel aus Kohleverbundfaser, den Boeing erst seit einem halben Jahr ausliefert, besticht mit neuster Werkstofftechnik und Energieeffizienz. Und genau das ist aktuell bei den Kunden und Airlines besonders nachgefragt. Mehr als 800-mal hat Boeing den neuen Superflieger vor der Erstauslieferung verkauft. Ein um 21 % reduzierter Spritverbrauch gegenüber dem Vorgängermodell Boeing 767 ist ein kaum zu schlagendes Verkaufsargument. Boeing setzt bei der Optimierung des Dreamliners auf eine enge Kooperation mit dem Triebwerkherstellers Rolls-Royce Plc.

Zudem setzt Boeing im Konkurrenzkampf zwischen seinem Mittelstreckenjet 737-MAX und dem Airbus A320neo auf eine größere Reichweite. Dank der sparsameren Triebwerke und aerodynamischer Verbesserungen soll die Maschine je nach Ausführung gut 6.500 Kilometer weit fliegen können und damit bis zu 1.000 Kilometer weiter als die herkömmliche 737-NG. Der  Typ 737-MAX sollte nach Einschätzung der Vertriebsleitung von Boeing die ähnlich großen Airbus-Modelle weiterhin hinter sich lassen. Programmchefin Beverly Wyse hofft, die Langversion 737-MAX-9 könne sogar den betagten Langstreckenjet 757 ersetzen.

Konkurrent Airbus sucht nach einer zwischenzeitlichen Auftragsflaute für die größere Version des Hoffnungsträgers A350 neue Märkte und Kunden, vorzugsweise im asiatischen Großraum. Im Gespräch ist Cathay Pacific aus Hongkong, vermelden Brancheninsider. Cathay Pacific soll bereits 36 Einheiten des Basismodells A350-900 geordert haben und könnte jetzt zusätzlich die größere Version A350-1000 bestellen oder alternativ die alten Orders umwandeln, berichten Branchenkreise. Airbus sowie Boeing dürften mit Blick auf die starken Turbulenzen in der Luftfahrtbranche nicht unzufrieden sein. Die Auftragsbücher beider Hersteller  sind schon jetzt so prall gefüllt, dass Airlines durchschnittlich 7 Jahre auf eine modernisierte Version der A320 oder der B737 warten müssen. Um die Flut der Bestellungen zu bewältigen, müssen Airbus und Boeing ihre Produktion darum massiv ausweiten – prognostiziert um rund 45 % in den kommenden 3 Jahren.

Airbus hat aber Material- und Qualitätsprobleme beim Großraum-Jet A380, nämlich Risse im Inneren der Tragflächen. Die Kunden und Airlines von Airbus sind verärgert. Rund 8 Wochen werden Fluglinien auf Airbus-A380-Maschinen verzichten müssen, damit die Reparaturen an den Flügeln ausgeführt werden können. Airbus relativiert das hausgemachte Problem: die Reparaturen könnten auch in mehreren Etappen durchgeführt werden, erklärt die EADS-Tochter. So könnten die Maßnahmen während der regulären Wartung der Maschinen durchgeführt werden. Die umfangreiche Prüfung, der sogenannte C-Check, erfolgt bei dem Großraumflugzeuge alle 2 Jahre. Im vergangenen Jahr waren diverse Risse im Inneren der Tragflächen entdeckt worden. Für die Reparaturarbeiten hat die European Aeronautic  Defence & Space 105 Millionen Euro in die Bilanz 2011 eingestellt und schraubte die Kostenprognose nach oben. Bis zum Jahresende 2012 könnten sich die Kosten auf etwa 260 Millionen Euro summieren.

Sorgenkind Nr. 2 bei Airbus: der Airbus A400M soll den gestiegenen Anforderungen an militärische Lufttransportleistungen gerecht werden. Als „strategischer Transporter“ soll er durch hohe Reichweite, Geschwindigkeit und Ladekapazität, einen geräumigen Laderaum und flexible Einsatzmöglichkeiten den europäischen Streitkräften die Möglichkeit geben, bei auftretenden außereuropäischen Krisen schnell zu reagieren und große Mengen von Material und Personal zu verlegen. Gegenüber den Typen, die die A400M ersetzt, werden sich Nutzlast und Reichweite etwa verdoppeln. Die Produktion ist jedoch erheblich in Rückstand geraten und die Kostenfrage droht auszuufern. Kritiker bemängeln zudem, dass trotz der gegenüber der „Transall“  und „Hercules“  erheblich gesteigerten Reichweite und Nutzlast die Bezeichnung „strategischer Transporter“ technisch nicht gerechtfertigt sei, sondern lediglich eine politisch gewollte Bezeichnung darstelle. Die A400M ist mit vier Turboprop-Triebwerken ausgestattet und zeichnet sich gegenüber den von ihr zu ersetzenden älteren Typen durch eine sehr viel höhere Nutzlast und Reichweite aus. Der Airbus A400M kann zwar aktuell nur eine Bestellliste für 174 Einheiten aufweisen, hat anderseits allerdings sehr gutes Potential als zukünftiger, globaler Exportschlager.

Ein strategischer Pluspunkt kann indes für Airbus die Neuansiedlung eines Produktionswerkes in den USA sein, um mit der Erschließung dieses wichtigen Marktes der Aviation-Industrie direkt Kunden akquirieren und sehr kurzfristig bedienen zu können. Damit folgt die Luftfahrtindustrie der Unternehmens- und Vertriebsstrategie der Automobilhersteller. Die EADS-Tochter hat jetzt bekanntgegeben, von 2015 an Flugzeuge der A320-Familie in Mobile, Bundesstaat Alabama, fertigen zu wollen. Drei Jahre später sollen jedes Jahr 40 bis 50 Maschinen an Kunden übergeben werden. Bereits im kommenden Jahr wird mit dem Bau der neuen Produktionshalle begonnen, aus der 2016 der erste fertige Jet rollen soll. Die Investitionen sind mit rund 600 Millionen USD veranschlagt. Der US-Bundesstaat Alabama lockt mit Subventionen im Umfang von 158 Millionen USD. Alabama habe einem “teuren” Paket von Anreizen zugestimmt, um Airbus zu gewinnen, sagte Gouverneur Robert Bentley auf der Luftfahrtmesse in Farnborough. Das könnte sich mittelfristig zu einer Win-win-Situation entwickeln.

 

Die Airlines:

Virgin Atlantic setzt auf die modernisierte Version der Boeing B737: 23 Bestellungen. Cathay Pacific setzt auf Airbus: 36 Einheiten A340-900. Die japanische Fluggesellschaft ANA beabsichtigt in den kommenden Tagen 2,6 Milliarden USD bei den Shareholdern zu akquirieren, als Startkapital für einen radikalen Neubeginn. Monat für Monat treffen nagelneue Maschinen vom Typ Boeing 787 „Dreamliner“ in Tokio ein, seit Januar fliegt der „Dreamliner“ täglich nach Frankfurt. 6 Maschinen sind bislang im Einsatz, 49 weitere Einheiten beabsichtigt ANA in den kommenden Jahren in die neue Flotte einzustellen. Die amerikanische Flugzeugleasinggesellschaft Air Lease (ALC) orderte 75 Maschinen des Typs Boeing 737 „Max.“ Der Listenpreis für diese Order soll bei  7,2 Milliarden USD liegen.

Lufthansa AG hat jetzt als weltweit erste Fluggesellschaft da neu entwickelte Langstreckenflugzeug vom Typ Boeing 747-8 in Dienst gestellt. Das Langstreckenflugzeug zeichnet sich durch geringere Lärmbelastung, weniger Treibstoffverbrauch und deutliche reduzierte CO2-Emissionen aus. Bis 2015 will die Lufthansa AG 20 dieser neuen transfluid Maschinen in ihre Flotte integrieren.

Überdies hatte das LH Konzernmanagement das Sparprogramm „Score“ aufgelegt, um den Konzern bis 31.12.2014 wieder profitabel zu machen und um das Betriebsergebnis 1,5 Milliarden Euro zu verbessern. Dem Management der LH AG geht es um Konsolidierung und um die strategische, zukunftsfähige Ausrichtung in der Luftfahrtbranche. Da Personalkosten einen Löwenanteil der jährlichen Gewinn- und Verlustrechnung ausmachen, sucht die LH AG nach der richtigen Balance zwischen Sparprogramm „Score“ und „Risk Sharing“; bei nahezu allen globalen Airlines wird als weitere Kostensenkungsmaßnahme der schrittweisen Abbau von Überhangsstellen ebenso in Betracht gezogen, wie der Einsatz neuer personalpolitischer Maßnahmen (Leiharbeiter, ähnlich der Automobilindustrie). Im Rahmen von SWOT gilt sich dies als positiver Erfolgsfaktor für die geplanten Sparmaßnahmen. Äußere Faktoren, welche die Profitabilität vorantreiben könnten, seien gestiegene Ticketpreise und der zuletzt gesunkene Ölpreis am Markt.

Für eine Branche der Luftverkehrsgesellschaften, die mittlerweile mehr als die Hälfte ihrer Erlöse für Kerosin ausgibt, sind Einsparungen eine Überlebensfrage.  Die Airlines müssen zum einen ihre Flotten modernisieren, um bei hohen Kerosinkosten weiterhin wirtschaftlich zu fliegen. Andererseits können sie sich das nur mit massiven Sparprogrammen leisten. Wichtige Industriestaaten stecken in der Rezession. Überdies belasten zusätzliche Steuern und Abgaben die Bilanzen.

 

Die Profiteure: Triebwerkshersteller sowie Luftfahrt-und Aftermarket-Support-Dienstleister :

Rolls-Royce Plc ist hervorragend aufgestellt  und bedient mit dem Upgrade „Trent 1000“ Triebwerk die zukünftige „stretched version“  des Typs 787 „Dreamliner.“ Aber auch andere Triebwerkshersteller wie GE und MTU profitieren von der Nachfrage der Fluggesellschaften nach spritsparenden Jets.

GE Aviation ist auf Düsentriebwerke für den kommerziellen und militärischen Gebrauch spezialisiert. Darüber hinaus stellt das Unternehmen Bordelektronik sowie elektronische und mechanische Systeme für die Luftfahrt her. Für die deutschen Kunden bietet GE Aviation eine breite Palette von Produkten und Originalersatzteilen für zivile und militärische Einsatzzwecke, triebwerks- und flugzeugbezogene Dienstleistungen sowie Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten. 2010 begann die neue Niederlassung GE Aviation in Regensburg mit der Produktion von Turbinenschaufeln aus einem besonderen Leichtbaustoff, die in GEs neuestem, treibstoffeffizientem Flugzeugtriebwerk GEnx zum Einsatz kommen.

Luftfahrt-und Aftermarket-Support-Dienstleister konzentrierten sich  vor allem im Segment Support-Services und Luftfahrt-Ersatzteilmarkt und bedienen die Wirtschaft und die allgemeine Luftfahrtindustrie. Im Service: Betankung, Ground Handling und andere Dienstleistungen für die allgemeinen und kommerziellen Luftfahrtmärkte. BBA Aviation plc mit Sitz in London und mehr als 200 Standorten auf fünf Kontinenten ist einer der führenden globalen Luftfahrt-und Aftermarket-Support-Dienstleister. Das Unternehmen produziert und unterstützt Motoren-und Raumfahrt-Komponenten, Subsysteme und Flight-Systeme. Die Geschäftsaktivitäten sind in zwei Segmente gegliedert, dem Flight Support und Aftermarket Services.

 

Die Bewertung: Analystenmeinungen 

Boeing Votum „buy“: Mit dem Anstieg auf 60,46 hat Boeing am 09.07.2012 ein neues 3-Jahres-Hoch erreicht und damit den Kurs vom 05.07.2012 eingestellt, das spricht für die Strategie von Marktpräsenz von Boeing. Boeing liefert den Kunden das, was an den Märkten besonders nachgefragt wird. Den mit kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff Energiesparer „Dreamliner.“ Insbesondere Analysten in den USA stufen die Aktie von Boeing (ISIN US0970231058/ WKN 850471) mit dem Votum „buy“ ein. Das Kursziel wird bei 87 USD gesehen.

Airbus EADS (European Aeronatuic Defence and Space Company) Votum ist uneinheitlich; UBS AG und Société Générale Group S.A. sehen ein „buy“ als gerechtfertigt an; EADS sieht sich rückläufiger Verteidigungsausgaben und eine Abnahme der Kundennachfragen ausgesetzt, zudem sind Produktionsschwächen noch nicht abgestellt worden, was zu einem Imageproblem führt.

Lufthansa-Aktie Votum „buy“. Bei einem aktuellen Kurs von 9,20 EUR bewerten derzeit 21 Analysten bei Bloomberg die Lufthansa-Aktie mit „KAUFEN“ und 3 Analysten mit „HALTEN“. 3 Analysten setzen Lufthansa auf „VERKAUFEN“. Das 12-Monats-Kursziel auf Bloomberg liegt bei 11,33 EUR. Zwar ergibt sich aus dem Kursverlauf der LH Aktie, dass sie in den vergangenen 5 Jahren einen Großteil ihres Wertes einbüßen musste, diese Verwerfungen mussten indes nahezu alle globalen Carrier verkraften. Nach SWOT sollte die LH allerdings die Tiefphase mittlerweile erreicht und durchschritten haben, nach dem ersten Restrukturierungsschritt „Climb 2011“ setzten viele Analysten auf einen moderaten Anstieg des Kurses bei der LH Aktie.

Triebwerkshersteller Votum „buy“ – allerdings mit Einschränkungen. Favorit ist Rolls-Royce Plc. Aktionäre sollten hier aber folgendes beachten: C-Aktien-Anteile von RR sind rückzahlbare Vorzugsaktien von 0,1p von Rolls-Royce Holdings plc anstelle einer Bardividende: C Shares are redeemable preference shares of 0.1p each in the capital of Rolls-Royce Holdings plc (the Company). The Company will generally issue C Shares to its ordinary shareholders twice a year in lieu of a cash dividend. Although the Company does not pay a conventional cash dividend our shareholders are still given the opportunity to receive cash or additional Ordinary Shares.

Die Commerzbank hat die Einstufung für MTU nach einem Statement von Finanzchef Reiner Winkler auf „Buy“ mit einem Kursziel von 66,00 Euro belassen. Bei GE gilt es zunächst, die weitere Entwicklung abzuwarten. Analysten von Goldman Sachs und Nomura votieren für „buy“, dennoch sollte nicht übersehen werden, dass auf dem Höhepunkt der Finanzkrise Großinvestor Warren Buffett (Berkshire Hathaway) mit 3 Milliarden US-Dollar diskret GE aus einem Liquiditätsengpass hatte heraushelfen müssen. GE plant nach aktuellen Medienberichten strategische Übernahmen von mittelständischen Firmen aus Familienbesitz in Deutschland.

Tendenziell sollten Anleger immer berücksichtigen, dass die Entwicklung des Aktienkurses von Airlines von vielen Einflussfaktoren abhängig ist, die bei der Bildung einer Marktmeinung eine Rolle spielen können. Vergangene Wertentwicklungen sind in dieser Branche kein Indikator für die Zukunft. Ansteigende Treibstoffkosten, Steuerbeschlüsse für den Luftverkehr und das Ausbleiben von infrastrukturellen Maßnahmen durch politische Einflüsse können sich negativ auf den Umsatz und damit auf den Aktienkurs auswirken. Dessen ungeachtet ist die Aviation-Industrie eine hoch innovative und spannende Branche mit Zukunft.

Ein Gastkommentar von Sandro Valecchi, Analyst

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VW, BMW, Daimler und Porsche mit deutlich höheren Kurszielen

Während die Politik noch an einer Strategie arbeitet um sowohl die Probleme in den USA als auch Europa zu bewältigen nimmt die US Berichtsaison ihren gewohnten Lauf. Zuletzt lieferten die ersten Unternehmen aus den USA erwartungsgemäß gute Zahlenwerke ab. Alcoa, JP Morgan und Citigroup haben die Erwartungen erfüllt oder gar deutlich geschlagen, und ich persönlich gehe davon aus, dass dies auch so weiter geht. Insbesondere von der Berichtssaison deutscher Unternehmen erwarte ich weiterhin positive Überraschungen. Allen voran natürlich von den deutschen Automobilherstellern. Auch die in der abgelaufenen Börsenwoche abgelieferten Absatzzahlen lassen daran keine großen Zweifel aufkommen. Wir befinden uns in einem ungebremsten Absatzboom für deutsche Fahrzeuge. VW setzte alleine in China im ersten Halbjahr mehr als eine Million Autos ab und will diese Zahl bis zum Jahresende verdoppeln. BMW erhöhte die ohnehin schon sehr gute Prognose für das Gesamtjahr erneut und auch Porsche blickt extrem optimistisch in die Zukunft, und untermauert dies durch deutliche Absatzsteigerungen.

Die VW Aktie ist nun deutlich nach oben ausgebrochen, Porsche sollte in Kürze folgen! Ebenso entwickeln sich die Aktien der beiden anderen Autoaktien BMW und Daimler. Wir bleiben dabei, die Automobilhersteller sind erste Wahl um mit Aktien gut durch die allgemeine Krise zu kommen. Unterstützung erhielt unsere Theorie in der abgelaufenen Woche von niemand geringerem als den Analysten von Goldman Sachs, die die Kursziele für die deutschen Automobilhersteller deutlich nach oben gesetzt haben. So sieht man bei dem amerikanischen Branchenprimus nun das Kursziel für die VW Vorzugsaktie bei stolzen 245,- Euro und auch Porsche wird mit einem Zielkurs von 105,- Euro je Aktie offenbar als Kapitalverdoppler gesehen.! Insbesondere verwiesen die Analysten auf die immer noch sehr günstige Bewertung der Fahrzeughersteller aufgrund einer zu erwartende höhere Profitabilität. Wie auch wir rechnet man bei GS mit einer starken Quartalssaison und verwies erneut darauf das der Markt das Steigerungspotenzial bei VW, Porsche und Co. unterschätze.

Close Brothers Seydler stellen die Beobachtung der Porsche Aktie ein…

Analysten sind schon ein eigenes Völkchen…Die Analysten von Close Brothers Seydler beenden die Beobachtung für Aktien von Porsche hieß es heute in einer Meldung auf 4investors.de. Künftig gibt es zu diesem Titel keinen Research mehr. Die letzte Analyse stammte vom 21. Oktober 2010 Damals gab es für den Wert eine eindeutige Verkaufsempfehlung. Das Kursziel wurde von Close Brothers damals mit  26,12 Euro angegeben. Ja, an dieser Stelle darf nun rückblickend auch mal herzhaft gelacht werden!! 🙂 Was danach passiert ist wissen wir ja alle, das die Porsche Aktie wohl so schnell nicht mehr auf 26,- Euro fallen wird auch.

Fast schon trotzig stellt Close Brothers nun das Coverage ein, nur weil man völlig daneben lag? Fairness halber sei erwähnt, dass die Porsche Aktie zum damaligen Zeitpunkt noch bei ca 35,- Euro notierte. Andere Analysten überschlagen sich gerade mit Ihren Kurszielen für die Porsche Aktie und setzen diese immer weiter nach oben. Der Durchschnitt liegt momentan bei etwa 80,- Euro. Den Spitzenwert erreichte kürzlich Goldman Sachs mit einem Kursziel von 112,-Euro  je Porsche Aktie, immerhin das viereinhalb fache der Close Brothers Schätzung. Auch die Einschätzung von Goldman Sachs wirkt etwas befremdlich, hatte man doch zuvor noch mit Kursen von 56,- Euro, also genau der Hälfte, kalkuliert.

Analystenmeinungen sind also nur bedingt dazu geeignet sich zu orientieren. Nicht selten kann man diese sogar als Kontraindikator verwenden. Genauso hilfreich ist die Aussage: „Die Wahrheit wird wohl in diesem Jahr irgendwo zwischen Close Borthers und Goldman Sachs liegen.“ Machen Sie sich Ihre eigenen Gedanken und verlassen Sie sich an der Börse nicht auf andere. Zur Vervollständigung aber gerne noch mein Kommentar zu der Porsche Aktie…kürzlich schrieb ich: „Position…bei Porsche zu 63,55 Euro. Allerdings werde ich im Gegensatz zur VW Aktie bei Porsche wohl kurzfristige Trading Gewinne mitnehmen bzw. Gewinne eng absichern, da ich hier immer noch von einem bald möglichen Gap Close bei 60,50 Euro ausgehe, oder zumindest für sehr wahrscheinlich halte. Vorher sollte die Aktie aber im Optimalfall noch einmal an die 70,- Euro Marke heranlaufen.“

Kurse machen die Prognosen und nicht umgekehrt

Das war sehr erfrischend, was “Das Kapital” der FTD auf seiner Webseite dokumentierte. Im Angesicht der aktuellen Hypes um die Aufwertung des Euros erinnerte das Blatt an die Aussagen von Finanzmarktprofis, die die europäische Währung noch vor wenigen Monaten abgeschrieben haben. So orakelte etwa Goldman Sachs noch vor nicht allzu langer Zeit „Bis Jahresende wird der Euro aufgrund der sich verschlimmernden Schuldenkrise auf 1,15 Dollar fallen. BNP Paribas sah den Euro in Q3 2011 bei 0,97 Dollar, und auch Nouriel Roubini machte sich um Euroland mehr Sorgen als um die USA und schloss die Parität nicht aus.

Einmal mehr bestätigt diese Dokumentation, dass Volkswirte und Analysten häufig im Gleichschritt tippen und nur den aktuellen Trend vorhersagen. Besser mit der gesamten Zunft falsch schätzen, als sich mit einer abseitigen Prognose ins Rampenlicht zu stellen. Wer am Ende irrt, kann dann immer noch auf die Mehrheit verweisen, die eben auch falsch gelegen hat. Das gibt Sicherheit und rettet im Zweifel sogar den eigenen Job. Der Artikel der FTD jedenfalls reiht sich in die ganz wenigen Beiträge ein, die sich in der Wirtschaftspresse kritisch mit den Vorhersagen befassen, so wie etwa vor einigen das Handelsblatt mit “Geschäftsmodell Schwarzsehen: Die düsteren Propheten der Ökonomie”.

Darin entmystifizierten Matthias Eberle und Dirk Heilmann einige Wirtschaftsgurus und prominente “Experten”, die ihren Promibonus vor allem dadurch erreicht haben, dass sie mehr oder wenig genau bestimmte Ereignisse vorhergesagt haben. Schade eigentlich, dass man solche Artikel mit der Lupe suchen muss und im Normalfall die Vorhersagen von Roubini, Faber und Co wie ein Evangelium behandelt werden….aus dem Blick Log von gestern

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