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Wochenabschluss – Gedanken zum Markt

Hier wieder ein paar meiner losen Gedanken zum Abschluss dieser Woche. Geschrieben am Freitag gegen 15 Uhr. Die Uhrzeit muss man ja in diesem Markt immer dazu schreiben, denn schon 3 Stunden später kann diese verrückte Welt anders aussehen und ein Artikel aus der Zeit gefallen sein.

Es handelt sich nicht um grundlegende Analysen und nicht alles ist zu Ende gedankt, ich möchte Sie einfach daran Teil haben lassen, was mir zu den Märkten derzeit so durch den Kopf geht. Vielleicht hilft es Ihnen ja an der einen oder anderen Stelle.

Algos, Momentum und der Zeigefinger des nervigen Oberlehrers 😉

Diese Woche konnten wir es wieder beobachten. Wenn der Markt einmal in eine Richtung in Bewegung geraten ist, dann ist er nicht mehr so schnell zu drehen. Erneut hat sich bewahrheitet, was ich hier letzte Woche mit Hinweis auf den 04.10. thematisiert hatte: wenn der Markt dreht, muss man schnell auf den Zug springen und sich dann eine Zeit lang mittreiben lassen.

Wer diese Woche noch den negativen Bias der Vorwochen hatte, weil er nicht so schnell umschalten konnte und wer die Rallys am Montag oder Mittwoch geshorted hatte, weil er mit negativem Bias glaubte das dreht schon wieder, der wurde vom Markt einfach platt gewalzt. Und nein, das ist kein Zufall oder Pech, sondern das ist in meinen Augen schlicht ein Fehler den man selber gemacht hat und hätte vermeiden können. Ich weiss, dass ist hart und nicht das was man dann hören möchte, viel leichter ist es derartige Fehleinschätzungen auf einen erratischen Markt abzuschieben und sich damit selber zu entlasten. Aber wer hat gesagt, das Erfolg an den Märkten einfach wäre ? Er ist es nicht und war es auch noch nie. Er erfordert vor allem brutale Offenheit gegenüber den eigenen Fehlern. Und das ist verflucht schwierig, denn mit der menschlichen Psychologie, voller Ego und Beharrungswillen, ist man sich am Markt selbst der grösste Feind.

Denn Grund für dieses wiederholte und durchaus berechenbare Verhalten des Marktes sind die Algos, die neue Trends verstärken und zeitlich ausdehnen. Das ist eine wirklich wichtige Regel die unbedingt jeder verinnerlichen sollte, der in diesem volatilen Markt Geld verdienen will: Vergesst Eure Meinung zur Marktrichtung und folgt demütig und zupackend dem Momentum ! Mr. Market interessiert sich überhaupt nicht dafür, was wir glauben. Er rennt einfach in eine Richtung und zwar immer länger als wir glauben. Und dann, wenn wir fehlbare und emotionsgetriebene Menschen endlich unsere Meinung ändern und uns an die vermeintlich neue Richtung adaptieren, dann dreht Mr. Market auf dem Fuss und lässt uns verblüfft und frustriert zurück. Denn Algos zögern nicht so lange wie wir Menschen, sie sehen das Momentum und agieren emotions- und gnadenlos. Bitte denken Sie also daran: im Markt des Jahres 2011 fängt nur der frühe Vogel den Wurm !

Die nächste Woche

Nach der laufenden Rally steigt nun das Risiko, das der Markt – je näher der 08./09.12. mit dem EU Gipfel kommt – wahrscheinlich wieder in Unsicherheit verfällt. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Markt deutlich nachgibt. Denn das Momentum dieser Woche war gewaltig und viele Institutionelle die am Montag oder Mittwoch an der Seitenlinie standen, sind wohl noch in Schockstarre – wie ein Reh das plötzlich auf der Landstrasse in helle Scheinwerfer schaut. Die werden jeden Dip nun eher kaufen als verkaufen. Aber es bedeutet das bis zum EU Gipfel der Hauptteil der Bewegung nach oben wahrscheinlich verfrühstückt ist. Die nächste Woche wird also eher von einer Seitwärtsbewegung oder einem langsamen Bröseln nach unten gekennzeichnet sein. Einen Sprung über 6300 im DAX vor dem EU Gipfel kann ich mir nur schwer vorstellen.

Diese Erwartung dürfte sich nur dann als falsch heraus stellen, wenn im Vorfeld schon Einigungsdetails heraus diffundieren sollten, die der Markt sehr positiv aufnimmt. Es ist aber völlig unklar ob das passiert und ob bzw wie eine Einigung überhaupt aussehen könnte. Ich bin da eher skeptisch. Denn die Gedanken zu einer stärkeren Integration eines Kerneuropas sind ja nett und werden ja nun auch von Sarkozy vertreten. Nur leider hat Sarkozy kommendes Frühjahr Präsidentschaftswahlen, bei denen es für ihn nicht gut aussieht.

Und die sozialistische Opposition macht schon kräftig Stimmung gegen die „teutonische Dominanz“ und versucht Sarkozy als Weichei darzustellen, dass sich gegen Merkel nicht durchsetzen kann. Wie dieser Mann, dessen Ruf in Frankreich sowieso abgewirtschaftet ist, gegen Panikmache vor teutonischer Dominanz die Wahl gewinnen will, bleibt mir ein Rätsel. Sarkozy versucht die Franzosen nun auf harte Zeiten, Sparen und eine Ende der fröhlichen Sozialpolitik mit der Giesskanne einzustimmen. Das ist ja sehr ehrenwert, aber werden es ihm die französischen Wähler danken, die immer noch glauben eine 35 Stunden Woche wäre die Basis für Erfolg an den Weltmärkten ? Wohl kaum, der Wähler wählt weltweit halt am Ende immer ganz opportunistisch, was ihm kurzfristig die Tasche füllt. Und die Schalmeiengesänge, dass das ganze Sparen ja alles nicht nötig sei werden verfangen und Sarkozy wird wohl abgewählt werden. Unser Problem und das des Euros ist aber, das die sozialistische Opposition noch stärker als Sarkozy vor allem eines will: die EZB Geld drucken lassen, damit man fröhlich weiter Geld verteilen kann, das man nicht hat. Ich kann mir persönlich also eine grundlegende Reform der EU nur schlecht vorstellen, die Wahlen in Frankreich machen da alle Wünsche wohl leider zur Makulatur. Und ohne Frankreich geht nichts in der EU. Keine guten Aussichten für die nächsten Monate.

Fazit: Wer die Rally bis heute Freitag verpasst hat, muss in meinen Augen jetzt nicht mehr sofort aufspringen. Ich würde dann erst den EU Gipfel abwarten. Sollte dort aber wider Erwarten ein überzeugendes Konzept aufgelegt werden, dann wird der Markt zum Jahresende noch einmal gewaltig Fahrt aufnehmen. Wer den Zug diese Woche verpasste, hat dann vielleicht noch ein Chance. Denn in so einem Szenario sind 7000 im DAX dieses Jahr noch drin. Und sollte der Gipfel scheitern, wird der Markt wohl richtig abstürzen. Besonders fies ist, dass sich diese Entwicklung dann wahrscheinlich erst über das kommende Wochenende abzeichnet, der übernächste Montag der 12.12.11 wird also so oder so „lustig“. Bis dahin kann ich mir aber vorstellen, dass der Markt bei ca. 6300 einen Deckel hat und daher sollte man nächste Woche wohl erst einmal abwarten und Tee trinken.

Iran

Hier gibt es nicht viel Neues zu sagen, ausser erneut auf diesen Artikel zu verweisen falls ihn jemand noch nicht gesehen hat. Das Thema ist eindeutig im Eskalationsmodus, alle Signale deuten darauf hin und die diplomatischen Schritte im Vorfeld sind ganz typisch für derartige Abläufe. Besonders gefährlich ist das Thema, weil es die Börsen noch überhaupt gar nicht auf dem Radar haben, alles wird von der Euro Thematik im Moment überdeckt. Da ist also noch viel Raum für negative Überraschung an den Börsen, selbst wenn es am Ende nicht zu einer militärischen Konfrontation kommen sollte.

Das Makrobild zum Jahreswechsel

Ich hatte ja schon verschiedentlich erwähnt, dass ich mit einem schwierigen 2012 rechne. Und ich hatte auch schon erwähnt, dass diese meine Sicht zunehmend Konsens wird und mich das irritiert. Jetzt hat auch Goldman Sachs seine Kunden vor 2012 gewarnt und das macht mir Angst. Siehe hier. Nicht weil Goldman diese Meinung vertritt, sondern weil man bei den Makro-Aussagen von Goldman für Otto-Normalverbraucher in der Vergangenheit oft gut gefahren ist, das genaue Gegenteil zu machen. Ist ja auch kein Wunder, wenn Grossbanken für den Eigenhandel oder die wirklich wichtigen Kunden kräftig einkaufen wollen, brauchen sie einen Markt der ihnen die Titel günstig verkauft. Ob das Zufall oder System ist, vermag ich nicht mit Gewissheit zu sagen und sollte jeder für sich selber entscheiden. Vielleicht ist es ja auch wirklich Zufall, weil die Vorhersagen schlicht Konsens sind und der Konsens an der Börse fast nie Recht hat. Offiziell kann es kein System sein, weil da gibt es ja eine total unüberwindbare „Chinese Wall“ in den Unternehmen …..

Summa Summarum ist das negative Bild von 2012 nun also derartig breiter Konsens geworden, dass es fast gar nicht mehr eintreten kann. Denn das der Konsens von 90% der Marktteilnehmer tatsächlich eintritt ist nahezu unmöglich. Versuche ich das Bild etwas differenzierter zu sehen, kann ich mir also für 2012 eine zweigeteilte Welt vorstellen, in der Europa zwar weiter rumwurschtelt und nicht richtig in die Pötte kommt, in Amerika aber 2012 die Konjunktur richtig loslegt. Die aktuellen Konjunktursignale aus den US bestätigen dieses Bild durchaus. Ich werde also die Lage am Jahresanfang 2012 genau beobachten und sollte sich die amerikanische Konjunktur weiter verfestigen, werde ich US Aktien noch mehr Raum geben als bisher schon angedacht.

Ich wünsche allen ein erholsames Wochenende und kommen Sie gestärkt und mit frischem Mut in die nächste Woche. Sie werden Kraft und Mut brauchen ….. (HS)

DAX, S&P 500 und Co. – Ist das die Wende ?

Ist das heute die Wende und der Beginn einer kleinen Rally zum Jahresende, von der ich hier in diesem Post erst letzten Mittwoch geschrieben habe ? Erleben wir gerade die Wiederholung des 04.10.11, die ich in dem genannten Artikel skizziert habe ?

Kann sein, muss aber nicht. Vergessen Sie bitte nicht, dass viel wichtiger als die dynamische Bewegung des heutigen Tages die Bestätigung Morgen sein wird. Denn hier sind nun drei Dinge im Spiel. Auf der einen Seite eine extrem überverkaufte Markttechnik, die nach einem Bounce geradezu „gebettelt“ hat, worauf ich ja in den letzten Tagen hingewiesen habe. Auch die beiden „Buying on Weekness“ Tage im SPY hatte ich ja erwähnt und diese haben sich wiederum als guter Vorlauf-Indikator für solche Wendepunkte bewährt.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch jede Menge positive Hoffnungen, die in die diversen politischen Gerüchte rund um die Euro-Zone hinein interpretiert werden und die Lars hier in diesem Post ja beschrieben hat. Und zu guter Letzt die guten Daten aus den Kaufhäusern, nicht nur in den USA, sondern durchaus auch in Deutschland, die das Bild einer unmittelbaren Rezession in Frage stellen.

Die überverkaufte Markttechnik wird aber spätestens Übermorgen verschwunden sein. Damit fällt die Unterstützung durch die Markttechnik dann weg. Und dann wird sich zeigen, ob hinter den Gerüchten um die EU Zone mehr als nur eine verzweifelte Hoffnung ist. Erst dann, Morgen, spätestens Übermorgen, wird diese Rally den wahren Test erfahren.

In dieser Lage und an diesem entscheidenden Wegpunkt, möchte ich daher noch einmal ein paar wichtige Gedanken in Erinnerung rufen. Vieles davon haben wir in den letzten Tagen schon verschiedentlich gesagt, hier aber noch einmal gebündelt:

1. Wenn man von diesen dynamischen Gegenbewegungen profitieren will, muss man sehr früh und massiv aufspringen. Wer heute Morgen bei DAX 5580 den Mut hatte, wurde Intraday immer noch mit 3% belohnt. Und kann seine Stops in die Komfortzone ziehen und das weitere Geschehen ohne grosses Risiko beobachten.

2. Typischerweise wird sich Morgen am Vormittag eine erneute Chance eröffnen, wenn es kleine Gewinnmitnahmen auf die Rally von Heute geben könnte. Mglw passiert das auch schon heute. Auch diese Chance kann man in meinen Augen mitnehmen, aber nur mit sehr, sehr engen Stops, denn der Test dieser Rally wird definitiv kommen und zwar spätesten Übermorgen.

3. Im Moment haben wir alle Signale eines V-Bottoms wie am 04.10.11. Der Markt hatte in den letzten Monaten einige solcher V-Rebounds, insofern ist das gar nicht mal unüblich. Das liegt auch an den immer mehr dominierenden Algos, die Bewegungen verstärken und verlängern. Was nach dem 04.10.11 passierte – eine wochenlange Rally – wissen wir ja. Auch heute neige ich in Anbetracht der Dynamik und des Momentums des Rebounds eher dazu, der Rally mehr als nur einen Tag zu geben. Ich vermute da „geht“ noch was und halte es für wahrscheinlicher, dass das der Beginn einer umfangreicheren Bewegung ist, als das der Markt Morgen schon wieder wegbröselt. Trotzdem ist auch das „Bröseln“ sehr gut möglich.

4. Sollte die Rally den Test Morgen oder Übermorgen bestehen und weiter hochschieben, wird der Performance-Druck der Institutionellen zum Jahresende extrem stark werden und immer wieder Geld in den Markt fliessen und damit die Rally befeuern. Um den Test zu bestehen, sollte der DAX die 5700er Zone Morgen im Wesentlichen halten können. Fallen wir deutlich und dauerhaft wieder unter 5650, würde ich den Test als verfehlt betrachten. Besteht der Markt aber den Test, dann ist die Jahresendrally da und ich vermute dann werden viele erstaunt über die Brutalität der Aufwärtsbewegung bis Weihnachten sein, denn wenn Geld so kurzfristig in „Torschlusspanik“ in den Markt schiebt, dann gibt es massive Übertreibung nach oben. Dann sind die 6400 vom Oktober und etwas mehr wieder schnell in Reichweite.

5. Sollte die Rally kommen, sollte man diese definitiv mitnehmen, sich aber für 2012 davon nicht blenden lassen ! Gerade wenn es eine Art „Torschlusspanik“ gibt, werde ich diese Stärke nutzen um zum Jahreswechsel neutral positioniert zu sein. Und dann warte ich erst einmal ab, wie sich die Grosswetterlage weiter entwickelt.

6. Bei aller Markttechnik, wir dürfen nie vergessen: Dominiert wird das alles aktuell durch die Politik und eine falsche Nachricht und alles fällt in sich zusammen ! Jeder der diese Rally spielt, sollte sich dieses Risikos bewusst sein.

Ich wünsche allen ein gutes Händchen. Wenn es noch eine Jahresendrally geben sollte, dann ist das hier *die* Chance. Nun ist also äusserste Aufmerksamkeit gefragt ! Zögerlichkeit wird hier nach meiner Ansicht nicht zum Erfolg führen ! Eher beherztes Zupacken, verbunden mit konsequenter Absicherung nahe am Einstiegspreis. (HS)

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