Öl

Ölpreis-Schock – Industrie warnt vor Engpass

Händler an der New Yorker Rohstoffbörse

Es war die Crème de la Crème der internationalen Ölindustrie, die sich in dieser Woche in London traf. Minister aus Arabien, Konzernchefs aus Europa und Amerika, Fachleute aus der ganzen Welt: Sie alle kamen zusammen, um über die Zukunft der Ölversorgung zu debattieren. Doch was wie ein normales Jahrstreffen begann, endete mit einer dramatischen Botschaft.

Ölpreis wird bei 100 Dollar nicht halt machen

Das Horror-Szenario der exquisiten Runde: Die weltweiten Ölreserven sind weitaus knapper als gedacht. Schlimmer noch: Der Ölpreis (US-Rohöl WTI), der seit Tagen auf neue Höhen steigt und steigt, wird bei 100 Dollar nicht halt machen. Die Rekord-Rallye geht den Experten zufolge auch danach weiter. Und es war nicht irgendwer, der diese Schreckensvision für die Weltwirtschaft entwarf. Sadad I. Al Husseini, Energieberater und früher Vorstand bei Aramco, dem staatlichen Ölkonzern Saudi-Arabiens, wagte sich als erster vor und verkündete: Die Öl-Produzenten hätten ihre Reserven in der Vergangenheit um 300 Milliarden Barrel aufgebläht. Tatsächlich sei diese Menge jedoch „weder belegt noch förderbar“.

Öl-Markt wird enger

Dasselbe fürchtet Nobuo Tanaka, der neue Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur (IEA). Es sei „sehr unwahrscheinlich“, dass sich die weltweite Ölproduktion in naher Zukunft wesentlich steigern lasse. Im Gegenteil: „Ab 2009 wird der Markt noch enger.“

Für die düsteren Aussichten zählen die Experten eine ganze Reihe von Gründen auf:

Es werde immer schwieriger, neue Ölfelder zu entdecken und auszubeuten.

Hinzu komme, dass die Produzentenländer in den vergangenen Jahren chronisch zu wenig investiert hätten. Heute fehlten nun die nötigen Kapazitäten, um das vorhandene Öl aus der Erde zu holen.

Und natürlich durfte das Argument China nicht fehlen: Die steigende Nachfrage nach Energie könne kaum noch befriedigt werden.

Offizielle Prognosen werden verfehlt

Gestern meldete sich schließlich auch die private Wirtschaft zu Wort. Die weltweiten Produktionskapazitäten würden weit hinter den offiziellen Prognosen zurückbleiben, sagte der Chef des französischen Ölkonzerns Total, Christophe de Margerie. Derzeit liegt die Förderung bei 85 Millionen Barrel pro Tag. Bis 2030 gehen die IEA und die US-Regierung von 116 bis 118 Millionen Barrel aus. Diese Annahmen warf Margerie nun über den Haufen: „Wir können froh sein, wenn wir 100 Millionen Barrel schaffen.“
Preisschub kommt nicht ungelegen
Das Hauptproblem: Produzentenländer wie Venezuela oder Russland übernehmen die Förderung immer häufiger selbst. Private Unternehmen müssen sich zurückziehen, entsprechend wenig wird investiert. „Wir alle waren viel zu optimistisch“, sagte Margerie. Allerdings: Ganz uneigennützig sind diese Äußerungen nicht. Schließlich führen sie an den Ölmärkten zu einem weiteren Preisschub – und das kommt den Opec-Ländern und Unternehmen wie Total durchaus gelegen. Gerade in den vergangenen Tagen zogen die Kurse an den Rohstoff-Börsen an.

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