Droht Island die Pleite?

Ja, nicht nur kleine und große Banken, sondern ganze Länder sind bedroht von der Kreditkrise. Mit Island hat die weltweite Finanzkrise erstmals ein ganzes Land in Gefahr gebracht. Spekulanten und Hedge-Fonds könnten es nun ganz niederreißen. Die isländische Finanzaufsicht FSA hat den Verdacht, Fondsmanager hätten mit Spekulationen Islands Währung, Bankensystem und Börse angegriffen. David Oddsson, Chef der isländischen Zentralbank und ehemaliger Ministerpräsident, wettert: „Es riecht unangenehm nach skrupellosen Händlern, die einen letzten Versuch unternehmen, das isländische Finanzsystem zu Fall zu bringen.“

Dass Island in Turbulenzen geraten ist, ist die Folge seiner Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren. Einst ein unbedeutendes Eiland mit 313.000 Einwohnern, die ihr Leben mit Fischfang bestritten, hat sich die Polarinsel rasant entwickelt und mit Dienstleistungen und Finanzgeschäften Geld verdient. Die Banken sind zu großen Spielern aufgestiegen. Vor zehn Jahren noch waren die Vermögenswerte der drei größten Institute – Glitnir, Landsbanki und Kaupthing – 96 Prozent des Bruttosozialprodukts wert. Heute zehnmal so viel.

Gewachsen sind die Banken vor allem im Ausland; sie haben dafür den Kapitalmarkt angezapft und nicht auf Einlagen zurückgegriffen. Gleichzeitig haben die Unternehmen in Nachbarländern investiert – mithilfe von hohen Krediten in Fremdwährung. Deshalb sind nun Zweifel an der Stabilität des Wirtschaftssystems aufgekommen. Ein wunderbarer Nährboden für die Hedge-Fonds, fürchten die Inselbewohner.

Isländische Banker werfen den Fondsmanagern vor, Gerüchte zu streuen, die ihre Kunden verunsicherten. Etwa, dass sich die Banken auf Interneteinlagen verlassen, die allzu schnell wieder abgezogen werden können. Auch hätten die Spekulanten den Handel von Finanzinstrumenten beeinflusst, mit denen Ausfallrisiken abgesichert werden – den Credit Default Swaps (CDS). Für diese müssen nun abenteuerliche Risikozuschläge gezahlt werden, sogenannte Spreads. Sie sind von 50 vergangenen August auf über 1000 Basispunkte angeschwollen.

Bemerkenswert an dem Krieg ist, dass zwei Gegner aufeinanderprallen, die mehr gemeinsam haben, als viele Beobachter ahnen. Der Island-Experte der Ratingagentur Fitch, Paul Rawkins, bezeichnet die Inselrepublik nämlich selbst als Hedge-Fonds im Gewand eines Staates. Der Grund: die enorme Auslandsverschuldung, vor allem der Banken.

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