Inflation oder Deflation?

Glaubt man den Volkswirten der Europäischen Zentralbank, gibt es derzeit keinen Grund für ein rasches Wiederanziehen der Preise. Chefökonom Jürgen Stark hält sogar einige Monate mit negativen Inflationsraten für möglich. Die Gefahr einer Deflation hält er aber für überzogen – im Gegensatz zu dem Wirtschaftsweisen und Würzburger Universitätsprofessor Peter Bofinger. In seinen Augen ist das Risiko einer Deflation in Deutschland fünf mal höher als das einer Inflation.

Thomas Straubhaar, Chef des Hamburger Weltwirtschaftsinstitut HWWI, sieht das ganz anders. Er verweist darauf, dass die Staaten und Zentralbanken noch nie so viele Milliarden locker gemacht haben wie in den vergangenen Monaten. Allein die USA pumpten 789 Milliarden Dollar in ihre Wirtschaft, Europa 255 Milliarden und China 587 Milliarden, sagt er. Straubhaar erwartet deshalb für die Zeit nach 2010 eine Inflation von fünf bis zehn Prozent pro Jahr. Schon dieses Jahr würden die Energiepreise wieder anziehen, glaubt er. Eine Verdoppelung des Ölpreises auf bis zu 80 Dollar pro Fass sei wahrscheinlich. Auch Dienstleistungen wie Handwerksrechnungen sowie Immobilien dürften schon bald wieder teurer werden, warnt er.

Straubhaar steht mit seiner Meinung nicht allein. Besonders in den USA steigt die Zahl derer, die vor den Nebenwirkungen der staatlichen Konjunkturhilfen für die Preisstabilität warnen. So erklärte kürzlich der Milliardär Warren Buffet, dass die Konjunkturhilfen das Potenzial zu einer gewaltigen Inflation enthalten, die selbst die kräftigen Preissteigerungen in den 1970er Jahren übersteigt.

Im März 1980 war die Teuerungsrate in den USA auf den höchsten Wert seit den 1940er Jahren geklettert. Der Verbraucherpreisindex des US-Arbeitsministeriums zeigte einen Anstieg um 14,8 Prozent. Auch Marc Faber, Fondsmanager und Herausgeber eines viel beachteten Börsenbriefs meint, die USA legten den Grundstein für steigende Preise. „Es wird massiv Geld gedruckt“, sagte er. „Die enormen Defizite, die wir jetzt haben, werden die Lage schwierig machen, wenn der Preisdruck die Federal Reserve zwingt, die Zinsen wieder anzuheben.“

Auch die Manager des weltgrößten Anleihenfonds Pimco Total Return erwarten eine wieder anziehende Teuerungsrate. Schon ab 2010 könnten die Preise für Waren und Dienstleistungen in den USA spürbar steigen, heißt es in einer Analyse der Allianz-Fondstochter. Grund sei, dass das US-Hilfspaket aus Steuersenkungen und Ausgabensteigerungen im amerikanischen Staatshaushalt zu einem Rekorddefizit von 1,75 Billionen Dollar führe.

Zum anderen dürften auch die Rohstoffpreise nach Ansicht von Pimco wieder anziehen, sobald die Weltkonjunktur in Gang komme. Bereits jetzt hätten Bergbaukonzerne begonnen, neue Förderprojekte hinauszuzögern und die Produktion zu drosseln, was das Rohstoffangebot einschränken dürfte. „Deshalb wird die Inflation deutlich steigen“, schreiben die Fondsmanager. Pimco-Chef Bill Gross der den 138 Mrd. Dollar umfassenden Total Return Fund verwaltet, hat wegen drohender Inflationsgefahren bereits die Treasury-Hausse des vergangenen Jahres verschmäht. Die Kurse amerikanischer Bonds zogen 2008 zwar so stark an wie seit 14 Jahren nicht mehr, doch Gross bezeichnete die Renditen als zu niedrig, um das Risiko einer angesichts des steigenden Haushaltsdefizits anziehenden Teuerung aufzuwiegen.

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