Die Devisenmärkte bestimmen das Marktgeschehen …

In diesem Artikel möchte ich kurz auf ein paar aktuelle Veränderungen in den Devisenmärkten eingehen… Denn, sowohl die Währungspaare EUR/CHF, EUR/USD, USD/JPY, GBP/USD, als auch die Märkte in Kanada, den USA und den Emerging Marktes sind aktuell extrem in Bewegung, was wiederum in naher Zukunft deutliche Auswirkungen auf die anderen Aktienmärkte haben dürfte…

Was war los im Schweizer Franken?

Sowohl die letzte als auch die aktuelle Woche sind voller Ereignisse, die sich auf den Forex-Markt auswirken. Der entscheidende Schritt der SNB das Cap bei 1,20 CHF/€ aufzugeben, kam so überraschend, dass es mehrere Forex-Broker, weiterführende Information gibt es bei Qtrade in die Insolvenz gerissen und einigen Investment-Banken Verluste beschert hat.

Im Angesicht der geplanten EZB-Maßnahmen, war dieser Schritt zwar nicht abzusehen, doch ist er verständlich, denn die SNB hatte mit viel Gegenwind bei den Interventionen zu kämpfen gehabt. Diese fielen nicht mehr punktuell aus, sondern mussten kontinuierlich stattfinden. Sollte die EZB diese Woche ihr QE-Programm ankündigen, hätten die Schweizer mit gehörig mehr Aufwand zu kämpfen. Und sie hatten nicht Unrecht.

Devisenmarkt Entwicklung der Handelsvolumen

Bild: Der Umsatz pro Handelstag steigt jedes Jahr an. Aktuell werden mehr als 5 Billionen US-Dollar täglich gehandelt. Bildquelle: Investorsinside

Viele Medien sehen Parallelen zum damaligen (1992) Absturz des britischen Pfund, bei dem Spekulanten wie George Soros das Band zum Reißen gebracht haben. Doch dabei sind zwei Unterschiede festzustellen. Die Bank of England hat sich damals bis zum letzten geweigert das Band aufzugeben und verlor dadurch Milliarden. Zudem verlor das Pfund im Zuge des Reißens an Wert, während der Franken aufgewertet hat. Die Kritik der Medien an der Vorgehensweise der SNB scheint hier daher vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen…

Das Band aufzugeben, war eine folgenrichtige Entscheidung, denn sollte der Euro weiterhin abwerten, würde die SNB immer mehr in Bedrängnis kommen. Aktuell notiert das Währungspaar EUR/CHF bei 1,018 Schweizer Franken pro Euro und hat sich seit dem Absturz auf 0,8481 CHF/€, wieder erholt.

Euro auf der Geraden zur Parität?

Die entscheidende Frage für den Euro wird diese Woche von der EZB beantwortet. Legt die EZB das QE-Programm am 22. Januar auf oder kündigt sie es nur für den 5. März an? Egal wie es ausgeht, die Erwartungen an das Programm sind so gut wie eingepreist. Das Währungspaar EUR/USD notiert aktuell bei 1,1266 U$-Dollar pro Euro, während es sich vom Tief bei 1,1460 U$/€ in den letzten Tagen erholt hat. Viele Experten erwarten, dass die Verkündung der EZB, egal welche der beiden, zunächst einmal einen Buy-the-Rumor-Sell-the-Fact Effekt auslösen wird. Dabei sollte sich der Euro weiter erholen, dennoch aber schließlich wieder nach unten tendieren.

Update: Die EZB hat wie erwartet ein Aufkaufprogramm aufgelegt, demnach Anleihen im Wert von 60 Mrd. € monatlich ab März gekauft werden sollen. Diese Anleihen entstammen dem Status Investment Grade, jedoch können auch Anleihen der Länder erworben werden, die sich unter dem Rettungsschirm der EU/IWF befinden. Die Verkündung hatte zum plötzlichen Verfall des Euro gegen den US-Dollar geführt. Der Wechselkurs fiel zeitweise auf unter 1,13 US-Dollar je Euro.

Der „Buy the Rumor Sell the Fact“-Effekt blieb diesmal aus. Da bereits vor der Bekanntgabe Informationen nach außen hin bekannt wurden.

Japanischer Yen hält sich stabil

Auch die Bank of Japan trifft sich diese Woche. Womöglich werden die Prognosen für das Wachstum und die Inflation gesenkt. Die Prognose-Anpassungen sollten weitere Erwartungen an monetäre Maßnahmen schüren, es sei denn Governeur Kuroda widerspricht dem. Das Währungspaar USD/JPY notiert aktuell bei 117, 812 japanischen Yen pro U$-Dollar und zeigt etwas Aufwärtsdruck, das mit steigenden Aktienmärkten verbunden ist. Aus technischer Sicht befindet sich der U$-Dollar gegen den Yen immer noch unterhalb der 20-Tage Durchschnittslinie, die in etwa bei 119,00 JPY/U$ einen Widerstand bildet. Darüber sollte ein weiterer Anstieg des U$-Dollars in Richtung 122.00 JPY möglich sein.

Update: Der japanische Yen hält sich im Zuge der EZB-Entscheidung recht stabil, was darauf zurück zu führen ist, dass die US-Amerikanischen Aktienmärkte weniger gefragt sind.

Das britische Pfund pendelt sich ein

Das britische Pfund pendelt sich an der wichtigen Wochen-Unterstützung bei 1.50 U$ pro britischen Pfund ein. Darunter sollte weiter Abwärtsdruck entstehen, da Unterstützungen rar gesät sind. Im Mai finden die Wahlen statt. Der Arbeitsmarkt scheint im Zuge der bevorstehenden Wahlen anzuziehen. Es wird daher erwartet, dass die Arbeitslosenquote unter 6 % fällt. Das wäre das erste Mal seit der Krise. Durchschnittliche Einkommen sollten sich weiterhin positiv entwickeln. Die stagnierende Inflation stützt die Haushalte. Dennoch wird ein rückläufiger Einzelhandel im Dezember erwartet. Das BoE Protokoll wird ebenso diese Woche veröffentlicht. Dabei stimmt der geldpolitische Ausschuss über den nächsten Zinsschritt ab. Zwei von neun Mitgliedern waren in den letzten Monaten für einen sofortigen Zinsanstieg. Es wird keine Veränderung im Verhältnis erwartet. Aus technischer Sicht, sollte das Währungspaar GBP/USD weiterhin seitwärts pendeln verbunden mit einem Aufwärtsrisiko aufgrund der Arbeitsmarktdaten und der möglichen Korrektur des U$-Dollars. Erst über 1.53 U$ pro britischen Pfund, entsteht weiterer Aufwärtsdruck.

Kanadischer Dollar mit Abwertungsdruck

Der kanadische Dollar hat im Zuge der Ölpreiskrise Federn lassen müssen. Das ist nicht verwunderlich, wird die Währung doch als Petro-Currency gehandelt. Dass der kanadische Dollar abwertet, muss nicht immer schwerwiegende Folgen haben, denn der Abwertungsprozess ist eine Anpassung an den sinkenden Ölpreis. Exporteinbrüche können auf diese Weise abgefedert werden. Es wird daher nicht erwartet, dass die Bank of Canada bei ihrem Treffen diese Woche die Zinsen senken wird, obgleich sie sich wahrscheinlich dovish (Erwartung sinkender Zinsen) positionieren könnte. Die Verbraucherpreise für den Monat Dezember werden am Freitag veröffentlicht. Es wird erwartet, dass die Verbraucherpreisinflation fallen wird, während die Kern-Inflation etwas steigen sollte. Das könnte dem kanadischen Dollar kurzzeitig Unterstützung geben. Das Währungspaar USD/CAD notiert aktuell bei 1,1958 Kanadische Dollar pro U$-Dollar. Es erreichte das Hoch bei 1.2049 kanadische Dollar pro U$-Dollar letzte Woche und korrigiert aktuell leicht. Die nächste Unterstützung liegt im Bereich der 20-Tage Durchschnittslinie in einem Bereich zwischen 1,1800-1,1850 CAD$/U$.

USA mit wenig Daten

Die USA veröffentlichen lediglich die Zahlen der Baubeginne sowie Hausverkäufe. Die FED trifft erst nächste Woche (28 Januar) zusammen. Erwartungen an eine Verschiebung der Zinsanhebung zum Ende des Jahres, schwächen sich aktuell etwas ab. Das heisst, Inflationserwartungen entwickeln sich laut Umfragen und langfristig (5-10 Jahre) gesehen wie erwartet. Dennoch wird gleichzeitig ein Absinken der kurzfristigen Inflation in Aussicht gestellt. Da die FED den Fokus auf die Kern-Inflationsrate legt, wird es keine entscheidenden Neuerungen zunächst im nächsten FED-Meeting geben. Die FED wird die Energie-Preise stark beobachten und ihre Politik daran ausrichten. Der U$-Index notiert aktuell bei 92,60 Pkt. Ein leichtes Absinken nach dem Hoch bei 93,30 Pkt. von letzter Woche. Die nächste Unterstützung liegt im Bereich der 20-Tage Durchschnittslinie in etwa bei 91,60 Pkt.

Emerging Markets vor wichtigen Entscheidungen

Zwei wichtige Punkte, die diese Woche beobachtet werden sollten:

  • China: BIP, Industrieproduktion und regulatorische Maßnahmen
  • Türkei: Wird die türkische Zentralbank überraschen?

Chinas Wirtschaft scheint sich gespalten zu entwickeln. Das BIP-Wachstum für das vierte Quartal 2014 ist nicht gefallen, sondern verblieb im Vergleich zum Vorjahresquartal bei 7,3%. Im Vergleich zum Vorquartal gab das BIP-Wachstum von 1,9 % auf 1,5 % nach. Dagegen wuchs die chinesische Industrieproduktion im Dezember um 7,9 % nach 7,2% im Vorjahr. Chinesische Bauausgaben sanken auf 15,7 % per Dezember und im Vergleich zu Vorjahr von 15,8%. Regulatorische Maßnahmen hinsichtlich Margin-Verträgen schickten die chinesischen Aktien-Märkte und den Yuan auf Talfahrt. Damit will die Regierung der Spekulation im Zuge des Shanghai-Hong-Kong Links entgegen treten. Seit dem sind vor allem die Aktienmärkte um 40 % gestiegen. Der Währungskurs USD/CNY notiert aktuell bei 6,208 Yuan pro U$-Dollar und damit knapp 0,73 % höher als vor Bekanntgabe der Maßnahme.

Die türkische Zentralbank trifft diese Woche zusammen. Der Markt ist in den Erwartungen etwas gespalten. Umfragen zufolge sieht die Mehrheit der Experten keine Veränderung im geldpolitischen Kurs der Zentralbank. Dennoch, ein Teil erwartet eine Zinssenkung um mindestens 25 BP. Die türkische Inflation fällt, während das wirtschaftliche Wachstum eher gering ist. Zusätzlich übt die Regierung Druck auf die Notenbank aus. Eine Zinssenkung kann daher wenn nicht diese Woche, spätestens im ersten Quartal erwartet werden. Das Währungspaar USD/TRY notiert aktuell bei 2,340 Türkische Lira pro U$-Dollar und damit über der 20-Tage Durchschnittslinie. Bei einer Erwartung an eine Zinssenkung, sollte sich der Kurs weiter darüber entwickeln.

Fazit

Die von der SNB getroffene Entscheidung die Preisbindung aufzuheben wird neben dem Export auch die Tourismusbranche tangieren. Im letzten Jahr kamen bereits 19 Prozent weniger Besucher aus Deutschland in die Schweiz. Experten gehen davon aus, dass die Wirtschaftsleistung auf unter einen Prozent fallen wird.

Zudem hat die EZB unter der Federführung von Draghi ein Billionen schweres Anleihenkaufprogramm nach dem Vorbild der FED beschlossen. Die AfD hält diese Entscheidung gar für „asozial“, denn die Reichen würden dadurch noch reicher. Aber auch die Linke hält die Entscheidung für einen großen Fehler. Defacto ist das Vorgehen der EZB nicht mit den EU-Verträgen vereinbar. Der Ökonom Hans-Werner-Sinn betitelt die Entscheidung als illigal und unsolide. Nicht verkehrt, denn Reformen und Sparbemühungen werden nun nicht mehr zwingend notwendig sein, denn die Refinanzierungskosten werden durch diesen Schritt stark verfälscht.

Die Anleger sind in euphorischer Stimmung, aber ob das Kursplus nachhaltig ist? Ich habe da so meine Zweifel.

One Comment;

  1. Thomas said:

    Der CHF ist ja unter massiven Abwertungsdruck geraten (unter 1, jetzt schon bei 1,06). Hatte nicht Jordan, als er den CHF über den Jordan schickte, nicht gesagt, der CHF sei bei 1,20 überbewertet? Vielleicht hat er ja recht?!

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