Der Markt hat immer Recht – DAX 8.500 und die Angst vor der launischen Diva

Einzelne Aktienkurse sind auch in der vergangenen Woche bis zum Freitag kräftig weiter gestiegen, auch wenn die Indizes zum ersten Mal seit acht Wochen etwas schwächer tendiert haben. Ausgelöst durch neue Unsicherheiten bezüglich einer abschließenden Lösung in Griechenland gingen die Märkte am Freitag zum ersten mal seit langer Zeit wieder auf Tauchstation. Nachdem zunächst alles danach aussah, dass man sich nun auf die Umsetzung des geforderten Sparpaketes geeinigt habe, kam plötzlich erneute Gegenwehr der Opposition in Griechenland auf, die einen kurzfristigen Abschluss zunächst verhindert hat. Man kann es den Griechen wirklich nicht übel nehmen, das Land steht vor einer Zerreißprobe, und es geht um nicht weniger als die Zukunft des gesamten Landes. Allen Beteiligten dürfte inzwischen klar sein das all die geplanten Maßnahmen dauerhaft nicht zielführend sein können. Das Volk in Griechenland geht auf die Straße – und das wohl zu Recht! Es dürfte in den kommenden Wochen verstärkt zu Krawallen kommen. Griechenland bleibt auch nach einer möglichen Einigung ein Unruheherd in den kommenden Wochen und Monaten. Aber ich will nicht schon wieder davon anfangen, meine Meinung zu dem Thema kenne Sie ja schon.

Seit Jahresanfang spielt der Markt also in freudiger Erwartung des Ereignisses „Griechenland-Rettung“ nun schon Hausse und steigt, ohne ein leichtes Anzeichen von Schwäche unaufhörlich in die Höhe. Bis es dann am Freitag zu dieser leichten Korrektur an den Märkten gekommen ist… Liest man nun die heutigen Schlagzeilen verschiedenster Medien, scheinen sofort wieder einige Marktteilnehmer und Journalisten in die alten Panikmuster zu verfallen, die den Markt im vergangenen Jahr in ungeahnte Tiefen stürzen ließen. Es ist schon erstaunlich wie weit der DAX inzwischen gestiegen ist, und wie wenig von dieser gravierend neuen Situation in den Köpfen der Menschen angekommen ist! Gemessen an dem vorangegangenen Anstieg war das „kleine“ Minus von 1,4 Prozent noch nicht das was ich als wirkliche Korrektur bezeichnen würde. Dennoch, muss man natürlich wachsam bleiben, und darf sich von einem steigenden Markt niemals einlullen lassen!

Die launische Diva Börse hat die unangenehme Eigenschaft immer genau dann exzentrisch zu werden wenn die wenigsten damit rechnen. Nachdem also die breite Masse nach wie vor von einem Rücksetzer an den Börsen ausgeht rechne ich eher nicht mit einem solchen Ereignis in naher Zukunft. Genauso schnell wie die schlechte Stimmung gekommen ist kann sie dann aber auch wieder verschwinden. Fakt ist zunächst einmal, dass sich die Verluste, auf der anderen Seite des Atlantiks, sehr in Grenzen gehalten haben. Dow Jones und Co. sind immer noch auf dem Weg neue Allzeithochs zu generieren, alle Indizes befinden sich in einem intakten Aufwärtstrend. In den USA haben uns die Märkte im späten US Handel am Freitag bereits wieder signalisiert, dass der Anstieg ab Montag wieder weiter gehen könnte. Hier ist also weiterhin alles offen:

Es spricht aber auch sonst vieles dagegen, das wir nun eine echte Trendwende sehen werden. Der Markt hat angefangen sich wieder auf die fundamentale Bewertung von Aktien zu besinnen. Auch an der gerade laufenden Berichtssaison sehen wir wieder eine Normalisierung des Anlegerverhaltens. Kurssprünge bei guten Zahlen und Kurseinbrüche bei schlechten, die Welt scheint also zumindest diesbezüglich wieder in Ordnung zu sein. Gold und Aktien, Anleihen, Rohstoffe und Immobilien. Die alten Korrelationen, die zuletzt außer Kraft gesetzt waren, scheinen so langsam wieder zu funktionieren. Die Anzeichen das wir uns nun wieder in einem normalen Markt befinden sind weiterhin deutlich, und sollten keinesfalls ignoriert werden. Immer noch laufen die meisten institutionellen Investoren dieser Entwicklung aber hinterher, auch wenn man in den letzten Tagen bereits eine deutliche Zunahme der Umsätze in einzelnen Aktien registrieren konnte.

Auch die Analysten-Gilde versucht mit Ihren Ratings momentan eher mit dem Markt Schritt zu halten, als umgekehrt. Kurzum die Rally wird immer noch nicht von der breiten Masse getragen. Und gerade dies ist wohl auch einer der wesentlichen Gründe dafür, dass diese Rally noch viel weiter führen könnte als viele Beobachter sich dies momentan vorstellen wollen. Die meisten Anleger sehen nach wie vor eher neidisch zu wie die anderen Geld verdienen. Gefangen in alten Denkmustern warten sie immer noch auf den Absturz, der auch ihnen dann einen Einstieg zu deutlich günstigeren Kursen ermöglicht. Die Kurse indes klettern immer weiter an der Mauer der Angst empor, und zwingen andere auch irgendwann einzusteigen um den Anstieg nicht vollends zu verpassen. Börsenumsätze nehmen wieder zu bis sie letztlich die alten Rekordstände erreicht haben, usw. Aus dem psychologischen Blickwinkel betrachtet könnten wir gerade mal irgendwo im ersten Drittel dieser Bewegung stehen.

Ich kann ihnen natürlich auch nicht mit Gewissheit sagen wo genau wir uns nun in welchem Zyklus der aktuellen Bewegung befinden, aber es spricht einiges dafür dass wir das Schlimmste dieser Krise bereits hinter uns haben. Was nicht heißen soll dass diese Krise irgendwann nicht doch noch einmal geballt, oder in anderer Form, auf uns zurück kommen wird. Bis dahin können aber noch Jahre vergehen. Die Politik, allem voran unsere Kanzlerin, hat nun endlich Flagge gezeigt, und die richtigen und notwendigen Schritte eingeleitet. Auch die momentan demonstrierte Härte und Unnachgiebigkeit bei den griechischen Forderungen ist ganz in meinem persönlichen Sinne, und der wohl einzig richtige Weg dieser Thematik zu begegnen, auch wenn es letztlich wiedermal die Falschen trifft.

Die Notenbanken ihrerseits haben sich nun ganz klar und offen zu einer expansiven Geldpolitik bekannt, die für den Aktienmarkt als äußerst günstig zu bezeichnen ist. Bereits Ende dieses Monats sollen die Banken in Europa über eine weitere Billion Euro verfügen können, um diese dann nach und nach in den Geldkreislauf zu bringen. Noch nie zuvor stand dann soviel Liquidität zu Verfügung die investiert werden muss. Die Federal Reserve Bank in den USA ihrerseits macht auch kein Hehl mehr daraus das in diesem Jahr noch mit einem weiteren Quantitative Easing Programm QE3 zu rechnen ist. Die gesamte dadurch freiwerdende Liquidität muss letztlich, auf die verschiedenen Anlageklassen verteilt, ihren Weg in die Finanzmärkte finden, und wird stützend wirken. Nicht auf einmal aber stetig, und der Aktienmarkt hat nach meiner Auffassung die beste Ausgangslage um davon kräftig zu profitieren.

Es spricht also vieles dafür dass wir ein gutes Börsenjahr 2012 vor uns haben, auch wenn die Aktienkurse natürlich nun nicht wie an der Schnur gezogen bis zum Jahresende steigen werden. Wie Sie ja wissen rechen ich noch einmal mit einem deutlicheren Rücksetzer in diesem Jahr. Die Frage wird sein wann die erste richtige Korrektur zu erwarten ist, ob in der kommenden Woche, erst gegen Ende März oder im Sommer. Mittelfristig dürften die Umsätze weiter zulegen und die Aktien wohl fundamental vernünftige Niveaus erreicht haben. Es gibt noch unendlich viele Werte bei denen dies noch nicht der Fall ist. Halten Sie also weiterhin nach ausgewählten Aktien Ausschau die noch nicht so stark gelaufen, und immer noch günstig bewertet sind.

Insgesamt sind die 30 Dax-Konzerne heute im Schnitt um 20 Prozent billiger als im Mittel der vergangenen 50 Jahre. Anders ausgedrückt: Um so viel zu kosten wie im langjährigen Durchschnitt, müsste der Dax noch um weitere 25 Prozent steigen. Er stünde dann ungefähr bei 8500 Punkten. Ein Kursziel dass ich bis zum Jahresende für nicht ganz unwahrscheinlich halte, wenn sich der ein oder andere Belastungsfaktor bis dahin verflüchtigt. Meine längerfristige Sicht ist dann folgende: Erst wenn alle Mitspieler wieder an Bord sind wird unsere Diva mit hoher Wahrscheinlichkeit entscheiden mal wieder richtig zickig zu sein. Aber eben erst dann! Kurzfristig betrachtet müssen wir also die kommende Börsenwoche überstehen, diese kann durchaus noch einmal turbulent werden. Mittelfristig bin ich weiterhin sehr positiv gestimmt. In diesem Sinne wünsche ich ihnen für die kommenden Wochen erst einmal die richtigen Entscheidungen und weiterhin hohe Renditen.

viele Grüße, Ihr

Lars Röhrig

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