DAX und S&P500 Tageskommentar – Wer versteht diesen Markt ?

Wer versteht diesen Markt noch ? Auch ich nur teilweise.

Da haben Italien und Griechenland endlich die gewünschten technokratischen Regierungen und Italien bekommt heute seine Anleihenemission durch. Zwar mit über 6% Zinsen, aber doch zu deutlich günstigeren Kursen als Ende letzter Woche noch aufgerufen wurden. Es gibt heute am Montag auch keine wesentlich neuen Nachrichten und trotzdem zeigt der Markt Schwäche.

Ich persönlich hatte heute Morgen im DAX durchaus mit einer „Sell the News“ Reaktion gerechnet. Der „Gap Fill“ bis 6040 war nicht überraschend und auch der Test der 6000 noch im Rahmen. Bis dahin habe ich den Markt verstanden. Die weitere Schwäche bis 5939 im Tagesverlauf hatte ich dann aber doch nicht mehr auf dem Radar und bisher auch keine Erklärung dafür. Solange es aber noch in diesem Rahmen bleibt, kann man das aber immer noch als normalen und gesunden „Sell the News“ Trade werten.

Ich bleibe daher bei meiner zwar vorsichtigen, aber überwiegend positiven Erwartung auf die letzten Wochen des Jahres. Das Markt-Sentiment ist alles andere als optimistisch, der Markt ist von grosser Skepsis durchzogen – was ein positives Zeichen ist. Am gefährlichsten ist es immer, wenn alle nur noch eine rosige Zukunft erwarten und davon kann im Moment wahrlich keine Rede sein. Die deutschen Qualitätsaktien sind fair bepreist bis günstig und der Performance-Druck zum Jahresende wird in meinen Augen sein übriges tun. Viele stehen noch an der Seitenlinie und sind unterinvestiert und ein Markt der nach oben startet, würde diese Marktteilnehmer zwingen auf den fahrenden Zug zu springen. Das würde einer Rally sicher erhebliche Dynamik nach oben geben. Nach unten gesehen halten aber im Moment vor allem die „starken Hände“ Aktien. Alle anderen wurden durch die Volten der letzten Wochen heraus gekegelt und stehen jetzt eher an der Seitenlinie. Diese „starken Hände“ haben schon eine Menge ausgehalten und sind so schnell nicht mehr in Angst und Schrecken zu versetzen. Das gibt dem Markt nach unten Stabilität.

Technisch gesehen würde erst ein Bruch der Zone um 1230 im S&P500 oder ein Bruch der 5700er Zone im DAX ein ernsthaftes Verkaufssignal geben. Ein deutlicher Anstieg über die 1270er Zone im S&P500 und über die 6100er Zone im DAX wäre dagegen ein Ausbruchssignal nach oben.
Wie immer weiss ich nicht in welche Richtung der Markt ausschlagen wird, erwarte aber so oder so eine starke Ausbruchsbewegung, weil wir uns im S&P500 technisch in einem spitz zulaufenden Dreieck bewegen, dass für starke Ausbruchsbewegungen bekannt ist. Persönlich halte ich einen Ausbruch nach oben aber für etwas wahrscheinlicher als den negativen Fall.

Insofern halte ich die heutige Schwäche eher für eine Kaufgelegenheit und habe das auch genutzt um mein Long Exposure auf nun 70% zu erhöhen. Damit bin ich so stark bullish, wie nicht mehr seit dem Frühjahr nach Fukushima. Wer diese Marktsicht teilt, sollte in meinen Augen mit Stops operieren, die sich an den genannten Zonen 1230 und 5700 orientieren. Damit kann ein möglicher Verlust auf unter 5% begrenzt werden. Und wer diese Marktsicht teilt, sollte nun versuchen sich nicht von jeder Pirouette des Marktes verschrecken zu lassen, sondern seinen Long-Positionen jetzt mal auf Sicht zum Jahresende etwas Luft zum Atmen geben.

Fazit: Die Chancen auf ein paar gute Wochen zum Jahresende sind da. Ich denke es reicht dafür schon, dass keine neuen Hiobsbotschaften von der politischen Front mehr dazu kommmen. Da die neuen Regierungen in Italien und Griechenland jetzt erst einmal das Arbeiten beginnen, bestehen auch Chancen, dass erst einmal etwas Ruhe einkehrt. Hoffen wir nur, dass uns ein Israelischer Angriff auf den Iran keinen Strich durch die Rechnung macht. Wer sich darauf vorbereiten will, sollte ein paar Ölaktien im Depot haben und zwar keine Förderer oder Dienstleister die im Nahen Osten aktiv sind, sondern entweder den Ölpreis direkt oder Unternehmen die in politisch sicheren Regionen tätig sind. Einer meiner persönlichen Favoriten und schon in meinem Depot ist dabei die norwegische Statoil. (HS)

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3 Comments

  1. Micha said:

    Hallo Lars und Hari,

    ich stelle mir die Frage, welche Rolle die Londoner City in Bezug auf unser Börsengeschehen spielt. Man sieht ja das ab Nachmittag die Wallstreet unser Börsebgeschehen bestimmt bzw. von der Wallstreet aus bei uns gehandelt wird. Ist die Londoner City der verlängerte Arm der Wallstreet?

    • Hari Seldon said:

      Micha, im Sinne einer expliziten Absprache sicher nein. Ich Sinne gleich laufender Interessen bestimmt ja. Viele der grossen Adressen des Big Money haben doch feste Adressen und Teams an der Wallstreet UND in London. Am Vormittag wird halt in London agiert und am Abend in New York. Die grundlegendes Strategie ist aber zentral vorgegeben.

      Insofern ja, wir haben es mit einem angelsächisch geprägten Börsen- und Wirtschafts-Geschehen zu tun. Das deutsche Model das durch Sicherheit und Rücklagen geprägt war und mit dem auf stille Reserven gepolte HGB seinen Ausdruck fand, ist doch schon längst untergangen. Untergegangen, weil niemand dafür kämpfen wollte und das liegt daran, dass unsere Politik die grundlegende Bedeutung eines HGB gar nicht versteht. Womit wir wieder bei den (zu) vielen Lehrern und Sozialarbeitern im Bundestag sind….

      Mit der Rechnungslegung eines HGB ist vieles komplett unmöglich, was jetzt als kreditfinanzierte Blase zu uns herüber schwappt. Banken mit HGB könnten das grosse Rad der Gegenwart gar nicht drehen. Das heutige IFRS mit seinem schwachsinnigen „mark to market“, das letztlich viele Auswüchse erst ermöglich hat und kurzfristiges „financial enginering“ geradezu fördert, wurde uns zu gleichen Teilen vom Finanzkomplex aus London und New York aus naheliegendem Eigeninteresse aufs Auge gedrückt.

      Also klare Antwort: letztlich kannst Du London und New York in einen Sack stecken – es sind immer die gleichen Gestalten im Sack, und diese bestimmen das Geschehen im DAX.

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