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Gastkommentar: SAUDI ARAMCO und die neuen Rohstoff-Supermächte


Rohstoffanalysten diskutieren aktuell den Grund für das anhaltend hohe Niveau des Ölpreises, der zunehmend Transportkosten und die Produktion von Gütern in den Industriestaaten verteuert. Eine Entspannung beim Rohölpreis ist nicht in Sicht. Der Internationale Währungsfond (IWF) bezeichnet den hohen Ölpreis als “neue Bedrohung” für den derzeitigen Wirtschaftsaufschwung. Viele Analysten suchen nach stark vereinfachte Antworten und sehen ihre Begründung für den hohen Ölpreis im Spannungsfeld Nah-Ost, insbesondere beim Iran-Embargo und dessen Auswirkungen sowie in der allgemeinen Spekulationen (verbunden mit Ängsten) um Ölreserven und Lieferengpässe.  Andere Analysten beklagen fehlendes, aussagekräftiges Zahlenmaterial. Einigermaßen verlässliche Schätzungen zu Angebot und Nachfrage gibt es nur für die in der Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC, Organization of the Petroleum Exporting Countries) zusammengeschlossenen Produzenten: danach sollen die Ausfuhren der OPEC-Staaten aktuell auf einem Vierjahreshoch von 31 Mio. Barrel pro Tag liegen. Der Bedarf für Lieferungen aus Ländern wie Saudi-Arabien, Kuwait oder Nigeria wird auf etwa 30 Mio. Barrel täglich geschätzt. Diese Argumente sind jedoch wenig griffig und stets sehr vage.

Wichtig ist es, die globalen Marktbewegungen und den internationalen Wettbewerb (soweit dieser überhaupt noch besteht) insgesamt im Auge zu behalten zu bewerten, um zu verstehen, was da genau im Detail vorgeht: Tatsache ist, das der hohe Ölpreis den Energiegroßmächten geradezu in die Hände spielt: „Wenn Öl teuer ist, ist es für die Staatskonzerne einfach, profitabel zu arbeiten“, kommentierte BP-Chefvolkswirt Christof Rühl. Daher haben sie, die neuen, selbstbewussten Rohstoff-Mächte, kein Interesse, private Konzerne an der Exploration und Förderung ihrer nationalen Vorkommen zu beteiligen.

„Meine einzige Mission ist es, Ihnen zu versichern, dass es keinen Angebotsengpass gibt“, kommentiert der Öl-Minister Ali al-Naimi in Doha die Einschätzung aus Saudi-Arabien, der zugleich Präsident von SAUDI ARAMCO, der größten Erdölfördergesellschaft der Welt, ist: „Bei erhöhtem Bedarf könne Saudi Arabien den Output um im Monat April täglich 9,9 Millionen Barrel (je 159 Liter) Rohöl nachbessern und auf bis zu 12,5 Millionen Barrel erhöhen.“ARAMCO (vormals Arabian-American Oil Company) wurde 1944 gegründet und war bis Mitte der 1970er Jahre im Besitz von vier US-amerikanischen Erdölkonzernen. Zwischen 1972 und 1980 wurde ARAMCO von der Regierung in Saudi-Arabien verstaatlicht und im Jahr 1988 in das Staatsunternehmen SAUDI ARAMCO umbenannt. SAUDI ARAMCO verfügt zwar über eine WKN 3034 (ISIN: SAXXXARAMCOX), ist allerdings nicht börsennotiert.

SAUDI ARAMCO, das wertvollste Unternehmen der Welt, fördert jährlich etwa viermal so viel wie ExxonMobil und soll auf landesweit auf eine Total-Reserve von bis zu 35 Mrd. Tonnen Erdöl (geschätzt) zurückgreifen können. „Wir managen die weltweit größten, nachgewiesenen Erdölreserven von 260,1 Milliarden Barrel und der weltweit, viertgrößte Gas-Reserve im Volumen von rund 279 Billionen Kubikfuß“, bilanziert der Staatskonzern auf seiner aktuellen Homepage 2012. Anfang 2008 gab SAUDI ARAMCO bekannt, sich von 25 % der Anteile an der Rabigh Refining and PetroRabigh zu trennen, und diese als Tochterunternehmen an die Börse gehen zu lassen. Kurz darauf begann die Zeichnungsfrist für Aktien derRabigh Refining and PetroRabigh, eines Gemeinschaftsunternehmens Aramcos mit Sumitomo Chemicals (Japan).

SAUDI ARAMCO mit Sitz in Dhahran gehört mit dem Ghawar-Explorationsgebiet das größte Ölfeld der Welt. Allerdings sind die Zahlen, die von SAUDI ARAMCO und den Staaten der Arabischen Halbinsel kommen, nicht frei von Widersprüchen und uneinheitlich, angefangen von den Angaben zur Reserve und den Förderkapazitäten. Die Verfechter der Peak-Oil-Theorie, wie Herr Valecchi von P-Power ENERGY AG, gehen davon aus, dass auch das Ghawar-Ölfeld sein Fördermaximum bereits erreicht, überschritten und schon begonnen habe, jährlich etwa 8 % weniger Rohöl zu produzieren. Insoweit relativiert sich die Aussage von SAUDI ARAMCO, wenn von einer „Erhöhung der Förderkapazitäten“ gesprochen wird, zumal der weltweite Bedarf bis ins aktuelle Geschäftsjähr 2012 global immer weiter angestiegen ist (vor allem bedingt durch China und den Bedarf für Indien).

Immer stärkere Konkurrenz durch Staatsfirmen greift in den Wettbewerb ein und verdrängt oder reglementiert die privatwirtschaftliche Öl-Industrie, wird damit zum Preistreiber. „Die West-Konzerne stecken bereits in einer Identitätskrise“, konstatiert Fatih Birol, Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IEA). „Die meisten ihrer Reserven gehen zurück. Und auch wenn es noch riesige Quellen gibt, so befinden sich diese vor allem in Ländern, zu denen die Unternehmen keinen Zugang haben.“ Die Formel „Verstaatlichung“ dirigiert die Märkte, insbesondere der Iran, Venezuela, Russland, China und das mit Abstand ölreichste Land der Welt, Saudi-Arabien.

Die Staatsgesellschaft SAUDI ARAMCO wetteifert mit einem geschätzten Wert von 800 Milliarden Dollar mit dem Rivalen PetroChina, den größten chinesische Ölkonzern, um den Rang als teuersten Unternehmenswert der Welt. PetroChina (WKN: A0M4YQ  ISIN: CNE1000003W8) ist eine Tochtergesellschaft der staatlichen China National Petroleum Corp. (CNPC) und reiht sich damit in die Riege der globalen Staatskonzerne ein, mit dem Unterschied, dass PetroChina an der Börse gehandelt wird. Das Reich der Mitte will seine strategischen Ölreserven aufstocken und engagiert sich vor allem in Afrika, insbesondere Angola und im Sudan. PetroChina hat mehr als 5 Milliarden US-Dollar im Ausland investiert, die Hälfte davon im Sudan. Nahe der sudanesischen Hauptstadt Khartum wurde eine 1.600 Km lange Pipeline zum Roten Meer sowie eine Raffinerie mit einer Kapazität von 2,5 Millionen Tonnen gebaut. Peking ist der wichtigste ausländische Investor im Sudan. Das afrikanische Land liefert schätzungsweise 8 % der chinesischen Ölimporte und wurde durch FESTPREISKLAUSELN im wahrsten Sinne des Wortes „genebelt“: China hat seine Geschäftspartner in Afrika von Anfang an einen Vertrag unterschreiben lassen, in dem der Ölpreis nicht nach dem aktuellem Marktwert fixiert wird, sondern als Festpreis mit ca. 1/3 des aktuellen Rohöl-Handelspreises – spottbillig – verbindlich vereinbart wurde. Die Investitionen, die China bei seinen afrikanischen Partner tätigt, muss Afrika hingegen zu den üblichen Marktpreisen auf 100%igem Niveau bezahlen, selbstverständlich mit Öllieferungen nach China. Für morgen, 27.03.2012, werden die Quartalszahlen von PetroChina mit guten Resultaten erwartet.

Der russische Staats- und Energiekonzern Gasprom hat sich beim Explorationsgebiet Sachalin I und II geht auf Konfrontationskurs mit Shell und ExxonMobil. Vor der russischen Pazifikinsel Sachalin liegen eine der größten, bisher nicht erschlossenen Öl- und Gasvorkommen der Welt. Beim Förderprojekt Sachalin II, das mittlerweile vom russischen Gasprom beherrscht wird, hatte lange Zeit Shell die unternehmerische Führung – mit katastrophalem Resultat: Die Arbeiten liegen Monate hinter Plan, die Kosten mehrere Milliarden Dollar höher als veranschlagt. Die Bohrinsel «Kolskaja» der russischen Ölfirma Arktikmorneftegazrazvedka, die zum Staatskonzern Gazprom gehört, ist im Dezember 2011 vor Sachalin gesunken und hat dabei offenbar Dutzende von Arbeitern in den Tod gerissen. Beim Sachalin I – Projekt von ExxonMobil hingegen stimmen derweil die Rahmenbedingungen.

Auch in Kasachstan (Regierung Nasarbajew) dirigiert der Staatskonzern. Es geht um das Erdölfeld Kaschagan, einen der wichtigsten Funde der vergangenen Jahre weltweit. Fünf der sechs ausländischen Konzerne, die dort in Kooperation fördern wollen, sind zu weit reichenden Zugeständnissen gegenüber den Kasachen bereit – und wer nicht dem Staatskonzern zustimmt, der kann gehen. Das Kaschagan-Ölfeld soll 9-16 Milliarden Barrel förderfähiges Öl enthalten (zum Vergleich: 16 Mrd. Barrel repräsentieren nur etwa 2 Jahre des US-amerikanischen Erdölverbrauchs auf dem gegenwärtigen Niveau).

Saudi-Arabien ist bestrebt, künftig die Ölexporte in die USA vermehrt auszubauen und zuletzt stillgelegte Ölfelder mit neuster Technik und neusten Methoden wieder zu reaktivieren, berichtete die „Financial Times“ unter Bezugnahme auf Regierungsquellen.

Fazit: Die Divergenz im Zahlenmaterial spielt für den hohen Ölpreis tatsächlich keine wesentliche Rolle. Ob eine gemeinsame, verlässliche Datengrundlage fehlt, ist sekundär. Die Preisfindung ist allein Sache der neuen Rohstoff-Supermächte. Sandro Valecchi

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