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DAX- Kursziel 7.400 erreicht – Jetzt kommt die Jahresendrally, wenn…!

Der DAX ist nun “planmäßig” in Richtung der 7.400 Punkte Marke marschiert. Ich erinnere an dieser Stelle auch noch einmal gerne an den Artikel vom…, den Sie > hier < nachlesen können. Auslöser für diese Bewegung waren die neuesten Daten aus China. Hinzu kam noch die Hoffnung auf eine baldige Lösung der amerikanischen “Fiscal Cliff” und natürlich der Beantwortung der Frage wie es denn nun dauerhaft mit Griechenland in der Eurozone weiter gehen wird. Allerdings gebe ich mich im Punkt Griechenland keinen große Illusionen mehr hin. Das Ende dieser traurigen europäischen Episode bleibt offen, eine echte Lösung scheint nicht in Sicht. Zumindest hatten die Verantwortlichen nun mal einen kleinen kreativen Schub in Sachen Anleihen-Rückkauf…!

Wie auch immer, die aktuelle Situation ist und bleibt hauptsächlich geprägt durch die politischen Probleme in den USA und nicht denen in Europa – zumindest für den Moment! Im Streit um den künftigen US Haushalt wird inzwischen jeder noch so kleine Hinweis auf eine Lösung auf die Goldwaage gelegt. So auch gestern, als sowohl Obama als auch sein Kontrahent John Boehner Zuversicht versprühten dass man bis Weihnachten eine Lösung gefunden haben will. Prompt drehten die zuvor schwächelnden Märkte steil nach oben  und sorgten somit heute für ein entsprechend freundliches Börsenumfeld, dass auch den DAX wieder an die obere Begrenzung des Trendkanals geführt hat.

Nun kommt also wohl der eigentlich spannende Teil auf uns zu. Die Frage, die es in den kommenden Tagen nun zu beantworten gilt, ist ob wir eine Jahresendrally bekommen werden. Hierzu muss der Dax die Serie von tieferen Hochs und tieferen Tiefs nun beenden. Um dieses Ziel zu erreichen ist also unbedingt ein weiterer Anstieg über die Marke des letzten Hochs bei 7.438 Punkte notwendig. Die nächste wichtige Marke liegt bereits knapp darüber bei 7.447 Punkten. Erst wenn diese beiden Hürden genommen wurden kann man wohl von einer Entspannung der Lage ausgehen. Dann besteht eine gute Möglichkeit dass der seit Anfang Juni bestehende Aufwärtstrend im DAX wieder aufgenommen wird. die nächsten Kursziele liegen dann aus charttechnischer Sicht bei 7.478, 7.528 und  7.600 Punkten. Gelingt es hingegen nicht die obere Begrenzung des aktuellen Seitwärtstrends zu überwinden droht ein erneuter Rückfall in Richtung der unteren Begrenzung bei ca. 6.930 Punkten.

Beantwortet wird diese Frage, ob wir eine Jahresendrally sehen werden oder nicht, aber in den USA. Hierzu kann ein Blick auf den Chart helfen, allerdings sei hier noch erwähnt dass sich dieses Bild in einem nachrichtengetriebenen Markt wie diesem auch jederzeit wieder gravierend ändern kann:

Ein ähnliches, wenn auch nicht ganz so dynamisches Bild sehen wir im S&P 500. Mit der heute zu erwartenden Kursbewegung wäre der kurzfristige Abwärtstrend erneut verlassen worden. Erst ein weiterer Anstieg des Index über die Marke von 1.435 Punkte eröffnet letztlich wieder neuen Spielraum nach oben. Auch hier gilt, scheitert der Index an dieser wichtigen Marke, besteht das Risiko eines erneuten Abtauchens in tiefere Regionen. Wie wichtig die aktuelle Phase für die Märkte ist verdeutlicht das langfristige Bild des S&P 500…

Deutlich ist der seit Oktober 2011 bestehende Aufwärtstrend zu erkennen, der nun mit dem Überwinden der Marke von 1.412 Punkten wieder zurückerobert werden kann. Vorbörslich deuten die Indikatoren auf eine Börseneröffnung in den USA über dieser wichtigen Marke hin. Das wäre ein starkes Signal für die Märkte auf eine mögliche Trendwende. Ein Anstieg bis auf 1.435 Punkte wäre damit sehr wahrscheinlich, bevor dann dort die eigentliche Entscheidung fällt. Heute ist also mal wieder ein ganz entscheidender Tag für die weitere Entwicklung der Indizes! Achten Sie auf die genannten Marken!

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Haderthauer erlässt Einkaufsverbot an Tankstellen: Alkohol nur noch am Steuer…

Heute möchte ich Ihnen zur Überbrückung der Wartezeit auf Ben Benanke kurz einen Schwank aus meinem Leben erzählen, den ich gestern Abend erlebt habe. Ich fuhr wie schon so oft mit meinem Fahrrad zu der Tankstelle meines Vertrauens, um noch ein paar Kleinigkeiten für das Abendessen zu besorgen, die im Kühlschrank gerade fehlten. An der Kasse fragte mich der Tankstellenangestellte dann plötzlich: “Sind Sie mit dem Auto da?”. Etwas verwundert entgegnete ich Ihm “Nö wieso??. Die darauf folgende Antwort des Tankwarts, mit anschließend ausschweifender Diskussion, hat mich dann doch einigermaßen erschüttert….”Dann darf ich Ihnen nichts verkaufen!” hieß es. Etwas perplex habe ich zunächst einmal nach der versteckten Kamera gesucht, konnte aber auf die Schnelle keine finden… Der Tankwart versicherte mir dass er das Gesagte völlig ernst meinte und zitierte umgehend aus einem Zeitungsabschnitt in der BILD-Zeitung:

Demnach hat CSU Ministerin Haderthauer den Verkauf von Getränken, Alkohol , Tabakwaren und Schokoriegeln zum 01.09.2012 an Tankstellen in Bayern massiv eingeschränkt. Nur noch Kleinstmengen dürfen ab 20:00 Uhr an Werktagen verkauft werden. Jeder Tankwart ist ausserdem seit 01.09. verpflichtet zunächst festzustellen ob es sich bei der Person an der Kasse um einen “Reisenden” handelt, oder nicht. Als Reisende gelten laut Definition Harderthauers Menschen die mit einem Auto, LKW oder Motorrad die Tankstelle erreichen. Fahrradfahrer oder gar Fußgänger haben Kaufverbot. Zusätzlich muss an der Kasse selbst in Stoßzeiten vor dem Kauf geprüft werden, wie viele Mitreisende in einem Auto, Bus oder Kleinbus sitzen und wie viele dieser Mitreisenden sich gleichzeitig an der Kasse anstellen, um einzukaufen. Denn es dürfen beispielsweise pro Mitreisendem eines Fahrzeuges nur 4 Flaschen Bier verkauft werden, bei Nichteinhaltung drohen Bußgelder. usw.usw.usw.

Nach dem Lesen dieser Zeilen musste ich zunächst erst einmal schallend lachen. Wieder suchte ich nach der versteckten Kamera, fand aber immer noch keine…. Zuhause angekommen habe ich dann wirklich noch zu später Stunde im Internet recherchiert und konnte es kaum fassen. Es stimmt tatsächlich! Ich bin ehrlich gesagt jetzt noch schockiert. Unabhängig davon dass ich der Meinung bin dass wir weißgott ganz andere Probleme in unserem Land haben als so etwas, kommen da spontan eine ganze Menge Fragen in mir hoch…

Wo liegt der Sinn einen solchen, auch meiner persönlichen Sicht, völlig sinnbefreiten Erlass zu produzieren, war mein erster Gedanke. Wie wenig kann man am “normalen” Leben teilhaben um nicht zu wissen dass gerade in ländlichen Gegenden die Tankstellen eine wesentliche Rolle bei der Nahversorgung spielen, die viele Menschen dringend benötigen? Und wie wird sich dieser Beschluss nun auf die Betreiber von Tankstellen auswirken, die bekannter Maßen einen Großteil ihre Einnahmen durch genau dieser Waren generieren? Sie werden andere Wege finden müssen diese Loch zu stopfen. Die Mindereinnahmen finden wir Verbraucher demnächst dann zwangsläufig in Preiserhöhungen der Waren und der Spritpreise wieder, da bin ich mir sicher!

Wie hoch wird der Verwaltungsaufwand zur Durchsetzung dieser Maßnahmen sein, und was kostet das den Steuerzahler jeden Monat? Wie viele Menschen die bislang zu Fuß oder per Fahrrad zur Tanke gepilgert sind werden sich jetzt für Kurzstrecken ins Auto setzen müssen und damit sinnlos die Umwelt belasten? Und abschließend, wie viel Schaden kann man mit so einem Erlass in einem Bundesland produzieren ohne irgend einen nennenswerten Vorteil dabei zu produzieren? Wir werden es bald wissen fürchte ich…! Wurde über all diese Dinge wirklich vor dem Erlass nachgedacht? Und geht es wirklich nur darum  das fast schon heilige Ladenschlussgesetz in Bayern zu schützen? Haben wir eigentlich keine anderen Sorgen? Und muss ich solche Eskapaden als Steuerzahler wirklich über mich ergehen lassen? Fragen über Fragen…

Einen sehr lesenswerten Artikel zu dem Thema mit dem dazu absolut passenden Unterton habe ich auf der Seite des NDR gefunden… ich zitiere hier mal den ersten Satz: “Wer bisher geglaubt hat, die CSU entfalte mit den Auftritten von Alexander Dobrindt bereits ihren maximalen Unterhaltungswert, der hat die Rechnung ohne Frau Haderthauer gemacht. Die hat im Sommerloch einen gesellschaftlichen Erziehungsauftrag entdeckt, der in etwa so lauten könnte: Wer es verabsäumt, in werktäglicher Planung für Speis und Trank zu sorgen, bewegt sich eindeutig außerhalb familiärer Leitmotive und bedarf der staatlich unterstützten Gewöhnung an christliche Geschäftszeiten.”

In diesem Sinne, vergessen Sie bei Ihrem nächsten Tankstellenbesuch Ihr Auto nicht, auch wenn Sie nur einen Schokoriegel für 50 Cent kaufen wollen, weil Ihnen gerade nach etwas Süßem ist. Die zwei Liter Sprit die Sie auf dem Weg dorthin und zurück verfahren sind doch nicht so schlimm. Und das bisschen Bewegung was Sie normalerweise täglich dadurch hatten um sich nach einem langen Bürotag noch etwas zu entspannen und fit zu bleiben wird sowieso überbewertet…!

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Mario Draghi – Retter oder Plünderer? Wende oder Strohfeuer? Der Tag danach…

Die Reaktionen an den Börsen sprachen gestern eine deutliche Sprache. Nach der Ankündigung Mario Draghis dass man den Euro in jedem Fall retten und erhalten will, und dem vollmundigen Spruch dass die Maßnahmen der EZB dazu reichen werden, hausierten die Börsen weltweit. Die Aktienkurse stiegen, die Indizes konnten sich daraufhin von ihren kritischen Marken lösen. Zuvor sah die allgemeine charttechnische Situation bei DAX, S&P und Co. extrem brenzlich aus. Die Indizes drohten abzukippen, ein massiver Kursrutsch lag in der Luft. Doch dann kam Super Mario… ”Innerhalb unseres Mandats ist die EZB bereit, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten”, sagte er und schob noch einen Satz nach der die Märkte in Euphorie versetzte: “Und glauben Sie mir, das wird reichen.” Dieser Satz hat die gewünschte Wirkung nicht verfehlt. Mario Draghi hat es geschafft ohne einen Euro Einsatz zu verhindern dass die Märkte zusammenbrechen – Dafür gebührt ihm – zumindest aus taktischer Sicht – wohl Respekt.

Die Meinungen von Wirtschaftsfachleuten und Politikern zu diesem Statement fallen jedoch sehr unterschiedlich aus. FDP-Finanzexperte Frank Schäffler zeigt sich im Handelsblatt erzürnt: Draghi sei “kein Retter, sondern ein Plünderer des Spargroschens der Bürger”. Auch die Neue Zürcher Zeitung äusserte sich eher skeptisch zu dem Auftritt Draghis: ”Die Probleme der Euro-Zone seien primär nicht geldpolitischer Natur, und die EZB werde daran alleine wenig ändern können.” Fazit: Draghi werde den Euro alleine nur in den Zerfall begleiten können.

Aus meiner persönlichen Sicht hätte eine solche Ankündigung in einem früheren Stadium der Krise weitaus mehr Sinn gemacht. Dann wäre vieles noch zu verhindern gewesen und weitaus weniger Geld bei unsäglichen Rettungsversuchen verbrannt worden. Heute stellt sich die Gesamtsituation nun weitaus kritischer dar als bspw. noch vor einem Jahr. Draghi ist letztlich aus heutiger Sicht nur noch der letzte verzweifelte Verteidiger eines gescheiterten Plans, vor ein paar Monaten hätte er noch der “große Retter” des Euro werden können. Heute wirken solche Aussagen eher wie eine Verzweiflungstat.

Ich halte die Rede des EZB Chefs somit eher für eine weitere Beruhigungspille für die Märkte, die genauso wenig funktionieren wird wie alle anderen politischen Ankündigungen der letzten Monate, wenn nicht Taten und eine zügige Umsetzung folgen. Der (Reform-) Druck auf die Regierungen der angeschlagenen Südländer dürfte seit gestern somit wieder deutlich gesunken sein. Das ist aus meiner Sicht eine wirklich schlechte Entwicklung! Denn gerade dieser Punkt sollte nicht mehr in der Öffentlichkeit diskutiert werden, weil er wieder und wieder Unruhe in die Kapitalmärkte bringt. Durch die letzten Ankündigungen der EZB dass nun die Politik am Zuge sei bevor man etwas unternehmen werde waren die Fronten zuvor eigentlich geklärt. Doch dann kam Super Mario… und hat nicht zuletzt die Glaubwürdigkeit der EZB einmal mehr in Frage gestellt.

Man darf also heute durchaus gespannt sein welche Haltbarkeit die jüngsten Aussagen Draghis nun haben werden. Der gestrigen Euphorie wird wahrscheinlich schon heute etwas Ernüchterung folgen. Wenn sich die ersten schlauen Köpfe Gedanken darüber machen was denn eigentlich gestern passiert ist…!?!  Zudem stehen wir mal wieder vor einem Wochenende an dem viel passieren kann. Wie auch in den letzten Wochen rechne ich – insbesondere nach einem Tag wie gestern – mit Gewinnmitnahmen an den US Börsen. Aus rein charttechnischer Betrachtung war die gestrige Kurserholung, nach den starken Verkäufen zum Beginn dieser Woche, zudem nicht mehr als eine technische Gegenbewegung. Heute steht noch eine große POMO Sell Aktion Der FED auf dem Programm, die die Kurse zusätzlich belasten dürfte. Abschließend habe ich noch ein kleinen statistischen Hinweis für Sie …In den letzten 8 Handelswochen haben die Börsen am Montag immer mit einem deutlichen Minus eröffnet…!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen heute die richtigen Entscheidungen!

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EZB, Bank of China und Bank of England senken die Zinsen…

Man könnte es schon fast als konzertierte Aktion bezeichnen was am Donnerstag von den Zentralbanken geliefert wurde. Und in “normalen” Börsenzeiten hätte ein solcher Schritt wohl ein Kursfeuerwerk von mindestens 3 Prozent Plus im Dax verursacht….Die EZB und die Bank of China senkten erneut die Zinsen, die Bank of England hat ihr Anleihekaufprogramm auf 375 Milliarden Pfund erweitert. Am Ende half das alles aber nichts, denn insbesondere der Ausblick auf weitere Maßnahmen der EZB blieb aus und enttäuschte damit die Anleger. Der Dax gab in den letzten beiden Handelstagen erst einmal deutlich nach. Bemerkenswert war in der anschließenden EZB Pressekonferenz auch das der  Zinssatz, den Geschäftsbanken die Geld über Nacht bei der EZB parken wollen nun auf 0 Prozent gesenkt wurde.

Damit versucht die EZB  nun zu erreichen dass es für die Banken immer unattraktiver wird Gelder zu horten und somit wieder mehr Kapital im wirtschaftlichen Kreislauf ankommt. Banken trauen sich untereinander nicht mehr und der Wirtschaft fehlen weiterhin dringend benötigte Kredite für Investitionen. Mario Draghi hat mit den jüngsten Maßnahmen versucht diesen Zustand nun zu ändern, was grundsätzlich wohl auch ein guter Ansatz ist. Der Markt zeigte sich dennoch nicht zufrieden weil Draghi weitere Anleihekäufe in Europa vorerst ausgeschlossen hat. Selbst IWF Chefin Lagarde hatte zuvor öffentlich vorgeschlagen dass man lieber den Zins stabil halten, dafür aber das Ankaufprogramm von Anleihen aus den angeschlagenen Periferieländern ausweiten solle. Diese indirekte Bitte wurde aber überhört – zumindest offiziell.

Ein kurzer Blick auf die Notenbank-Bilanz zeigt, dass Draghi wohl deswegen so zögerlich mit weiteren Maßnahmen umgeht da die Bilanzsumme des Euro-Systems erst vor wenigen Tagen auf den Rekordstand von 3,1 Billionen Euro gestiegen ist. Eine weitere Ausweitung dieser Bilanzsumme kann sich die EZB genau genommen schon lange nicht mehr “leisten”, weil mit jeder weiteren Milliarde auch das Misstrauen der Anleger gegenüber dem Euro wächst. Soweit die Theorie – in der Praxis gehe ich persönlich davon aus dass man nun erst einmal einen kleinen aber historischen (Zins-)Schritt gemacht hat um dann später zu rechtfertigen dass man doch Staatsanleihen europäischer Länder unlimitiert aufkauft. Schließlich hat die EZB dann zuvor alles versucht was in Ihrer Macht stand und kann als Notfallmaßnahme nur noch diesen Schritt gehen um Europa zu retten, obwohl dieser ja nicht rechtmäßig ist. Die Not heiligt eben die Mittel!

Und so bleibt uns Anlegern wiedermal nichts anderes übrig als darauf zu hoffen dass dieser unbeherzte Schritt der EZB das zarte Pflänzchen der Erholung an den Aktienmärkten nicht sofort wieder vernichten wird. Der Euro hat nach der EZB Sitzung geradezu dramatisch nachgegeben und notiert inzwischen unter der Marke von 1,23 Euro. Was für deutsche/europäische Exportunternehmen somit weiterhin sehr gut ist bringt die amerikanische Notenbank nun wieder in Zugzwang. Die neuen Arbeitsmarktdaten aus den USA sind erneut deutlich schlechter ausfallen als erwartet. Somit steigt wohl nach allgemeinem Marktverständnis die Bereitschaft der amerikanischen Notenbank demnächst weitere Lockerungsmaßnahmen zu beschließen. Der Ball liegt jetzt wieder in der anderen Hälfte des Spielfeldes…

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Endlich mal Klartext

Dax und Co. tendieren heute wieder etwas freundlicher nachdem die Vorgaben aus den USA und Asien die Gemüter wieder etwas beruhigt haben. Dennoch ist dies sicherlich kein Grund in neue Euphorie zu verfallen. Bis zum EU Gipfel bleibt die Börse extrem volatil, und auch danach zeichnet sich jetzt schon ab werden die Fronten wohl weiter verhärtet bleiben. Unsere Kanzlerin hat gestern öffentlich bekannt gegeben dass es keine gemeinsame Haftung für Schulden aller Länder geben wird solange sie lebe! Damit fühlen sich offenbar einige politische Größen Europas vor den Kopf gestoßen. Der Markt reagierte bislang aber einigermaßen verhalten auf diese definitive Absage.

Zusätzlich zu dieser verschärften und etwas ungewohnten Gangart unserer ansonsten so besonnenen Kanzlerin kann man nun immer häufiger öffentlich geführte Diskussionen über einen möglichen Ausstieg Deutschlands aus der Währungsunion in den Medien verfolgen. Grundsätzlich ein toller Gedanke, auch wenn das für unsere Wirtschaft sicherlich 2 bis 5 sehr harte Jahre bedeuten würde. Die Alternative eines weiteren Rumpolitisierens mit ungewissem Ausgang könnte unser Land aber im Gegenzug über einen viel längeren Zeitraum in die Knie zwingen. So gesehen muss man sich langsam ernsthaft die Frage stellen welche Lösung nicht nur für Deutschland sondern gerade auch für die angeschlagenen Südländer die bessere wäre, die dann einen echten Neustart wagen könnten und nicht mehr unter den Druck eines zu starken Deutschlands leiden.

Diese offenbar gezielt gestreuten medialen Ereignisse verhelfen der Kanzlerin ihre Position beim nächsten Gipfel zumindest weiter zu stärken, indem  man sozusagen indirekt einen “Plan B” ins Spiel bringt und sich etwas weniger erpressbar macht. Leider gibt es hierzu natürlich noch keine offizielle Stellungnahme des Kanzleramtes. Ich würde mir aber wünschen dass dies zumindest in absehbarer Zeit nachgeholt wird. Eine “amtliche Prüfung” dieser Option gibt der ganzen Diskussion um den Erhalt der Eurozone in ihrer jetzigen Form sicherlich eine neue Qualität. Wir sind inzwischen an einem Punkt angelangt an dem ein Austritt Deutschlands im Sinne der deutschen Bevölkerung zumindest in Erwägung gezogen werden sollte. Mit dem gestern gesagten Satz von Angela Merkel wurde nach meinem Dafürhalten schon mal ein Schritt in die richtige Richtung unternommen.

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Kein QE3…Spanien, Einkaufsmanager, Jobdaten und Euro Spitzentreffen im Fokus

Ben Bernanke hat geliefert. Wieder einmal hat es der Notenbankchef offensichtlich geschafft genau den richtigen Ton zu treffen, bzw. dem Markt genau soviel zu geben wie nötig, aber eben auch nicht mehr. Die Ankündigung die Operation Twist bis zum Jahresende zu verlängern wird wurde zunächst gegen 18:30 Uhr positiv vom Markt aufgenommen. In Erwartung der anschließenden Rede des FED Chefs gegen 20:15 Uhr fingen die Kurse dann aber bereits an leicht zu bröckeln. Diese Entwicklung sollte aber nicht über bewertet werden, denn dafür dass offensichtlich so viel spekulatives Geld im Markt war das auf QE3 gehofft hatte fiel die Reaktion doch sehr verhalten aus. Gegen Ende der gestrigen Handelssitzung erholten sich die Kurse dann wieder, getrieben durch große Kaufprogramme im Markt.

Ben Bernanke hatte sich in seiner abschließenden Rede klar dazu bekannt weitere Anleihekäufe a la QE3 zu tätigen, falls dies notwendig werde. Vor allem die sich zuletzt weiter verschlechternde Lage in Europa belaste die Konjunkturaussichten in den USA weiterhin, hieß es. Dem müsse entschlossen entgegen getreten werden, sagte Bernanke. Neue geldpolitische Maßnahmen der US-Notenbank seien somit insbesondere von der Entwicklung in Europa abhängig… Das war es was der Markt hören wollte. Eine grundsätzliche Bereitschaft der FED die Geldschleusen noch einmal zu öffnen bevor es richtig eng werden könnte für die Weltkonjunktur.

Auch wenn die europäischen Märkte heute morgen nach der FED Entscheidung zu leichter Schwäche neigen besteht somit nun die durchaus berechtigte Hoffnung auf weiter steigende US Aktienkurse in den kommenden Tagen. Eine ernsthafte Sell-The-News Reaktion ist ausgeblieben, die Chance auf  das Erreichen der 1.400 Punkte Marke im S&P 500 ist somit weiterhin gegeben. Heute geht der Markt nun erst einmal wieder zum Tagesgeschäft über, und natürlich werden wir nach dem Anstieg der letzten Tage heute auch im frühen Handel wieder leichte Gewinnmitnahmen sehen. Zudem stehen einige interessante Termin auf dem Kalender.

Spanien wird sich heute erneut refinanzieren. Mit Spannung erwartet der Markt die aktuellen Konditionen die das Land bei seinen 2, 3 und 5 Jahres Auktionen erzielen wird. Ebenso wird Frankreich heute seine 3, 4, und 5-Jahres BTAN Auktionen durchführen. am Vormittag erwartet der Markt die wichtigen Einkaufsmanager Indizes aus Deutschland sowie die Europäische Leistungsbilanz. Aus den USA kommen heute wieder die neuesten Daten vom US Arbeitsmarkt um 14:30 Uhr sowie das Bloomberg Verbrauchervertrauen gegen 15:50 Uhr und die aktuellen Zahlen zum US Häusermarkt gegen 16:00 Uhr. Gegen 18:00 Uhr wird dann noch einmal EZB Präsident Mario Draghi zur aktuellen Situation in Europa Stellung nehmen. Hier hoffte der Markt immer noch auf eine neue Zinssenkung der Europäischen Zentralbank.

Der Termin des Tages bleibt aber wohl das Zusammentreffen der Finanzminister der Euroländer in Luxemburg, die insbesondere über die aktuelle Situation in Spanien und Griechenland diskutieren wollen. Von Spanien wird erwartet dass heute der offizielle Antrag auf Milliardenhilfen für die spanischen Banken aus dem Rettungsfonds EFSF gestellt wird. Aus Griechenland kommen immer noch fordernde Töne, die an dem Hauptzahlern hoffentlich weiter abprallen werden. Es verspricht also mal wieder ein sehr spannender Tag an den Börsen zu werden, mit vorerst ungewissem Ausgang. Auch wenn die Grundtendenz weiterhin positiv bleiben sollte…!

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Das Dümmste des Tages – Aktienkurse schwanken halt…!

Gestern war es mal wieder soweit. Übermannt von der Ignoranz und offensichtlichen Verblendung einiger Politiker habe ich ernsthaft überlegt eine neue Kategorie hier im Blog aufzumachen. Der Titel sollte dann lauten “Das Dümmste des Tages” …oder so ähnlich. Spontan gekommen ist mir diese Idee beim Lesen der Aussagen einiger namhafter Politiker zum aktuellen Geschehen an den Börsen. Sinngemäß hieß es dort dass man sich nicht um die fallenden Börsenkurse sorgen würde und diese auch nicht kommentieren will, denn schließlich hätten Aktienkurse ja schon immer geschwankt. Der Grund warum Aktienkurse “schwanken” ist allerdings bei dieser Betrachtung ganz wesentlich, wie ich finde!  Wohin sie dann “schwanken” kann auch eine enorme Auswirkung auf die Realwirtschaft haben, liebe Politiker. Und letztlich…schwanken Sie gar zu tief kann es sein dass bald gar nichts mehr schwankt ! Manchmal kann ich nicht glauben was ich lese. Sollte dies allen Ernstes die Meinung der politischen Führung unseres Landes zur aktuellen Situation an den Kapitalmärkten sein? Ich unterstelle mal eher eine taktische Verharmlosung einer extrem gefährlichen Situation, die allerdings plumper nicht sein könnte.

Und wenn die Kurse nun doch nicht nur schwanken sondern auf lange Sicht abstürzen und damit auch das Kapital vieler Kleinanleger vernichten die ihr Geld, in gutem Glauben an einen schönen Lebensabend, in Aktienfonds oder dergleichen gesteckt haben? Menschen, die sich in den “normalen Zeiten” einmal eine Rente ausgerechnet haben, mit der Sie sich ihren wohlverdienten Ruhestand  versüßen wollten. Menschen die an die Anlageform der sicheren Altersvorsorge mittels einer Lebensversicherung geglaubt haben, und die nun fürchten müssen dass es Ihre Versicherungsgesellschaft bis zum Renteneintritt vielleicht gar nicht mehr geben könnte? …Und da wäre dann noch die Inflation, die den verbleibenden Rest der Rendite – sofern es eine geben wird – noch aufzehrt. All diese Menschen könnten durch weiterhin mangelnden Handlungwillen der Regierungen enttäuscht werden und würden dann später wiederum dem Staat zwangsweise auf der Tasche liegen. Sicher wäre dann wohl auch eine gewisse “Schwankungsbreite” bei den Renten und anderen Sozialleistungen…

Wut und Angst regieren inzwischen auf Europas Straßen, und nicht nur ich persönlich empfinde die Situation inzwischen als extrem bedrückend. In Griechenland fehlt wohl nur noch ein Funke bis die marodierenden Horden durch die Strassen Athens ziehen werden. In Italien ist von einer drastischen Zunahme der Selbstmordrate die Rede und in Spanien sitzt die Hälfte der arbeitswilligen Bevölkerung  auf der Strasse. Apropos Spanien, die heutigen Aussagen des spanischen Finanzminister Christobal Montoro haben eine neue Qualität. Der Politiker sagte dass ein Rettungspaket für sein Land alleine schon aufgrund der große des Landes gar nicht möglich sei und drängte darauf dass die EU nun rasch in Richtung einer Bankenunion bewegen solle. Bis gestern noch hat er die Meinung vertreten dass sein Land gar kein Rettungspaket brauche. Auch hier haben wir es also offensichtlich mit Schwankungen zu tun – den Gemütsschwankungen von Politikern, die Ihre Worte in diesen Zeiten nach meinem Dafürhalten zunächst einmal einer kritischen Prüfung unterziehen sollten bevor sie ausgesprochen werden. Weiter erklärte Christobal in einem Radiointerview heute  das die Tür für Spanien zu den Finanzmärkten momentan verschlossen sei. Natürlich blieb auch dieser Satz nicht ohne Folgen für die Aktienkurse weltweit…

Ich bin mir somit jetzt nicht mehr sicher welche Aussage den Titel “Das Dümmste des Tages” verdient hätte, und habe mich entschlossen diese Kategorie nun doch nicht zu starten, da ich sonst befürchten müsste hier künftig meine ganze Energie und Zeit für den ganzen politischen Wahnsinn zu opfern. Und manchmal ist selbst mir nicht klar welchen Sinn das machen sollte überhaupt weiter zu schreiben, wenn in einer solch kritischen Situation wie sie gerade vorliegt so wenig Weitsicht vorhanden ist, und sowieso alles nur noch schwankt! Wir Aktienanleger bleiben weiterhin Spielball der Politik mit ungewissem Ausgang, das ist traurig aber leider nicht zu leugnen. In diesem Sinne, “schwanken” Sie mit oder lassen Sie es einfach bleiben. Ich persönlich bin in diesen Tagen etwas schwankungsmüde geworden..auch wenn ich grundsätzlich daran glaube dass wir demnächst mal wieder in die Gegenrichtung schwanken könnten.

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Alle Macht dem Volke…

Eigentlich wollte ich ja hier im Blog nicht mehr politisieren, die jüngsten Ereignisse in Europa kann man aber einfach nicht ignorieren, auch wenn ich persönlicher im Moment nichts lieber tun würde als das. Die Wahlen in Griechenland haben kurzzeitig tiefe Spuren in den Indizes hinterlassen, und das auch nicht ohne Grund. Eine handlungsfähige Regierung lässt sich offenbar nicht aufstellen, was dazu führt das neue Kräfte im Lande nun ihre große Chance sehen.

Insbesondere der Linksruck in Griechenland lässt kurzzeitig die erneute Sorgen aufkommen dass das Land nicht in der Lage sein könnte eine regierungsfähige Koalition auf die Beine zu stellen. Nach den heutigen Berichten ist dem wohl auch so. Baldige Neuwahlen werden damit immer wahrscheinlicher. Letztlich befürchtete die Finanzwelt auch, dass egal wie die neue Regierung aussehen wird, und wann diese einsatzbereit ist, die dann an der Macht stehenden Politiker sich nicht an die Vereinbarungen der letzten Monate mit der Troika halten könnte. Die Sparziele des Landes sind somit wieder in Frage gestellt. Die Rückzahlung der Gelder aus dem Rettungsfonds werde ebenfalls immer unwahrscheinlicher. Für mich persönlich war diese Rückzahlung sowieso immer unwahrscheinlich!

Der Vorsitzende der erstarkten Ultra Linke Partei Syriza, Alexis Tsipras wird nun mit der Regierungsbildung beauftragt, nachdem alle anderen Versuche bisher gescheitert sind. Das heißt schon etwas! Hier ist nun offensichtlich jemand am Drücker dem sein Über-Nacht-Erfolg bereits jetzt kräftig zu Kopfe gestiegen ist. Dennoch sollte auch den Linken im Lande klar sein dass Griechenland auf viele Jahre oder Jahrzehnte wohl isoliert in der Welt dastehen würden, wenn nun an bereits geschlossenen Verträgen rückwirkend ernsthaft gerüttelt wird, bzw. diese einfach ignoriert werden sollten. Niemand bei gesundem Verstand würde wohl mit Griechen, die sich nicht an solche Vereinbarungen halten, in Zukunft noch Geschäfte machen. Das käme dann wohl auch einem Todesstoß des Landes gleich, der damit einher gehen würde  dass man Griechenland in wenigen Jahren höchstwahrscheinlich zur Dritten Welt zählt.

Ein geordneter Austritt des Landes aus der Eurozone wäre freilich ein anders Szenario, und würde am Ende wohl nur Gewinner zurücklassen. So hart sich das nun anhören mag, aber ich persönlich finde dass die Entwicklungen in Griechenland aus dieser Perspektive nun endlich in die richtige Richtung gehen könnten. Europäische Politiker sprechen sich öffentlich für einen geordneten Austritt des Landes aus unserer Währungsunion aus. Ich denke dass die Gunst der Stunde nun auch genutzt werden sollte um diesen Plan umzusetzen. Wir Europäer würden wohl, aus gegebenem Anlass, auch international den größten Respekt dafür ernten, wenn wir diesen Schritt nun endlich zu gehen bereit sind.

Die Protestwähler in Griechenland haben das erreicht was sie erreichen wollten. Das Volk hat somit in gewisser Weise wieder die Macht übernommen, und die Wiege der Demokratie kehrt zu ihren Wurzeln zurück. Ob sie sich allerdings wirklich über die Tragweite ihres Handelns bewusst sind wage ich an dieser Stelle zu bezweifeln. Vielleicht dämmert dem ein oder anderen griechischen Wähler nun doch dass ein Linksruck in dem Land nicht unbedingt gewünscht sein kann. Eine Regierung die als erste Amtshandlung alle anderen Mitglieder eines Bündnisses enteignen will würde wohl auch nicht davor zurück schrecken dies in abgewandelter Form mit den eigenen Bürgern zu tun, wenn der Karren erste einmal richtig in den Dreck gefahren wurde.

Sollte es also in absehbarer Zeit in Griechenland doch noch zu Neuwahlen kommen, bevor der Geldhahn durch die Geberländer endgültig zugedreht und verplombt wird, besteht noch Hoffnung dass sich das griechische Volk noch einmal besinnt. Ob diese letzte Chance allerdings vom Rest der Welt noch gewünscht wird darf zumindest bezweifelt werden. Alleine der Schaden den die Aussagen von Alexis Tsipras, und die offensichtliche Regierungskrise des Landes, an den internationalen Finanzmärkten nach nur zwei Tagen hinterlassen hat, dürfte ein vielfaches von dem sein was die gesamten Rettung des Landes jemals gekostet hätte…und das nicht zum ersten Mal! Ich persönlich bleibe den Griechen tief verbunden, habe immer nur sehr nette Vertreter des Landes kennen gelernt und finde das Land wunderschön. Spätestens nach dem damaligen Spontan-Referendum von Papandreou, und den heutigen Aussagen von Alexis Tsipras muss man sich als Europäer aber wohl die Frage stellen ob das Land wirklich zu “uns” passt, oder jemals passen wird?

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Der Kampf um Europas Ratingagentur

Gastkommentar: Roland Berger Projekt EU-Ratingagentur gescheitert

Seit Monaten wurde diskutiert.  Gelingt Europa der Aufbau einer großen, Markt- und wettbewerbsfähigen Ratingagentur, die es schafft, die Marktdominanz der großen 3 Ratingagenturen mit Sitz in den Vereinigten Staaten zu brechen? Der Vorschlag von Roland Berger scheint inzwischen mangels Beteiligung gescheitert zu sein. Gestern wagte hingegen Axel Springer einen Vorstoß in Sachen Ratingagentur den man durchaus sinnvoll finden kann. Letztlich geht es aber auch darum wie eine solche Institution international aufgestellt sein muss. Ein Hintergrundbericht:

Ratingagenturen bewerten die Sicherheit von Wertpapieren sowie die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, aber auch von Staaten und werden auch in Zukunft in der internationalen Finanzwelt eine wesentliche Rolle spielen. Im Rahmen der schweren Haushalts- und Verschuldungskrise des Jahres 2011, in dessen Folge sich zahlreiche Staaten, insbesondere in der Euro-Zone mit Schuldtiteln und Staatsanleihen überhoben hatten, eskalierte die Kontroverse um den Sinn und Unsinn der Bewertungen in Form von Ratings durch die 3 großen Agenturen. Die Ratingagenturen bewerteten dabei auch makroökonomische, strukturelle Schwächen, die sie zu sehen glaubten und die sich – aus ihrer subjektiven Sichtweise – negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken würden.

Diese Bewertungsansätze schlugen um ins Gegenteil, führten Weg von der Bewertung von Risiken und störten sowohl Finanzmärkte als auch geplante Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen der EU-Mitgliedstaaten. Die Meinungs- und Deutungshoheit wurde zu exzessiv von den 3 großen US-Rating-Agenturen beansprucht. Kritiker werfen den Agenturen unter anderem vor, durch die Absenkung der Kreditwürdigkeit mehrerer Euro-Länder die Krise der Eurozone mit verursacht oder zumindest ganz erheblich verschärft zu haben. Als Konsequenz aus der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise hat die EU zwar die neue Marktaufsichtsbehörde ESMA geschaffen, die Rating-Agenturen künftig überwachen soll. Allerdings blieb die gewünschte Wirkung zunächst aus, die Märkte beruhigten sich erst zu Beginn des Jahres 2012 wieder.

Wird das Problem also verkannt oder nichts ernst genug genommen und wem soll in Zukunft die Meinungs-, Deutungs- und Bewertungshoheit über die Finanzmärkte und Staaten überlassen werden? Eine immer wieder eingeforderte große, europäische Rating-Agentur scheitert bisher am mangelnden politischen Willen: „Die EU-Kommission will sich nach den Worten ihres nicht am Aufbau einer europäischen Ratingagentur beteiligen“, verlautbarte es aus dem Fachbereich des EU-Kommissionspräsidenten.

„Wir haben nicht vor, irgendeine Variante einer öffentlichen-rechtlichen Ratingagentur aufzubauen“, erklärte EU-Präsident José Manuel Barroso am 06.09.2011 und positionierte sich damit außerhalb der Meinungsblogs in Europa, die den Aufbau einer großen, öffentlich-rechtlich begleiteten Ratingagentur vehement einfordern, um Stabilität und Vertrauen in die internationalen Finanzmärkte wieder herzustellen.

Im Deutschland ergriff man die Initiative und sprach man sich zuletzt zwar für den Aufbau einer EU-Ratingagentur aus, um der marktbeherrschenden Dominanz der 3 großen US-Ratingagenturen entgegenzuwirken und um mehr Konkurrenz – damit auch mehr Wettbewerb – in die Märkte zu implementieren. In Deutschland wurden hierzu 2 wesentliche Positionen vertreten.

  • Die erste Position favorisiert den Aufbau einer großen, öffentlich-rechtlich entlehnten EU-Rating-Agentur. Es handelt sich um eine Initiative von Markus Krall, Partner der Beratungsgesellschaft Roland Berger in Düsseldorf, der für Unterstützer für seine Vision einer europäischen Rating-Agentur – wie auch die Deutsche Börse – wirbt.
  • Die zweite Position spricht sich für ein Joint-Venture mit einer mittelgroßen, aber bereits renommierten US-Rating-Agentur wie Egan-Jones Ratings Company (kurz: EJR), Haverford Township (Pennsylvania), aus, die von den beiden Geschäftsführen Sean Egan und Bruce Jones geleitet wird.

Die zweite Position erschien von Anfang an die schlüssigere, kompatiblere Lösung zu sein, kommentierten Analysten. Zwar gibt es in Deutschland bereits neben Euler Hermes Rating die Agentur Feri EuroRating Services AG mit Sitz in Bad Homburg. Feri EuroRating Services AG erstellt seit über als 20 Jahren Länder-Ratings und erhielt im Mai 2011 von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) die Zulassung als EU-Ratingagentur, verfügt allerdings über keine Zulassung in den USA. Dies halte ich in unserer heutigen Zeit der global vernetzten Finanzwelt für einen Makel und damit einen erheblichen Nachteil.

Zwar unterstellt die EU-Verordnung nun erstmals Ratingagenturen einer staatlichen Aufsicht, dies ist jedoch in den USA ständiger Standard. Damit holt die EU lediglich das nach, was ohnehin bereits Pflicht in anderen Staaten ist. Auch die Pflicht zur Erfüllung bestimmter Auflagen erscheint nur die Wirkung der Schließung einer bislang bestehenden Regelungslücke zu haben. Maßnahmen zur Vermeidung von Interessenkonflikten, das Verbot gleichzeitiger Beratungs- und Dienstleistungen für dieselben Mandanten und ein Rotationsprinzip für Analysten in Ratingagenturen sowie eine fortlaufende Berichterstattung vermochten jedenfalls ungeachtet aller massiver Kritik an den 3 großen Ratingagenturen eben diese entweder in Europa in die Schranken zu verweisen oder von den Märkten zu verbannen.

Die Initiative von Markus Krall (Roland Berger) war deshalb nicht nur halbherzig und unschlüssig angedacht, weil der Betrag in Höhe von 300 Mio. Euro für das Start-Up nie zur Verfügung stand. Krall‘s (Roland Berger) Ansatz war zudem stets mit dem Makel behaftet, in den USA keine Zulassung bekommen zu können und damit nicht wirksam global tätig werden zu können. Krall ist bis heute eine Erklärung dahingehend schuldig geblieben, wie er dieses Manko zu lösen gedenkt, zumal es keine abgeschotteten Märkte in unserer Zeit gibt.

Selbstverständlich ist die Zulassung als staatlich anerkannte Ratingagentur entscheidend für ihren Erfolg. In den Vereinigten Staaten sind derzeit 10 Institute als sogenannte „national anerkannte statistische Rating-Organisationen“ (Nationally Recognized Statistical Rating Organization: kurz NRSRO) zum Stand April 2011 zugelassen. Darunter befinden sich die bekannten 3 großen NRSROs wie Fitch, Inc., Fitch Ratings Ltd., Moody’s Investors Service, Inc., Moody’s Analytics, Inc. und Standard & Poor’s.

Egan-Jones Ratings Company hätte beispielsweise im Rahmen eines Joint-Venture Projekts das Fundament für eine erste, große und schlagkräftige EU Rating-Agentur bilden können und die Hürde der Zulassung für den US-Finanzmarkt wäre damit genommen worden. Egan-Jones Ratings Company (kurz: EJR), vertreten durch die beiden Geschäftsführen Sean Egan und Bruce Jones, stammt aus Haverford Township (Pennsylvania). Die 1995 gegründete Firma ist bekannt für die Bewertung von Anleihen US-amerikanischer Unternehmen. Dieses Institut darf sich als “credit rating agency” (CRA) bezeichnen, weil es über eine amtlich bestellte Zulassung durch die U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) verfügt.

International bekannt wurde EJR mit der Herabstufung (Downgrading) der USA von der Bestnote AAA auf AA+, noch bevor S&P dies wagte. Bislang hatte es noch keine westliche Ratingagentur gewagt, die Vereinigten Staaten herabzustufen. EJR hatte bereits vor dem 02.08.2011, dem “Deal” in Washington, den nach Angaben der beiden politischen Lager „in dieser Form so keiner wollte“ und faktisch lediglich zu einer Vertagung der US-Schulden- und Haushaltsproblematik führte, die Bonität der USA auf AA+ herabgestuft, mit der Begründung, dass objektiv kein Fortschritt im Rahmen der andauernden Schuldendiskussion in Washington feststellbar ist. Egan-Jones verteidigte standhaft seine Maxime “Accurate Ratings with Predictive Value” und damit zugleich die schwierige, umstrittene Entscheidung zur Herabstufung der USA im Kreuzfeuer der Kritik. Sandro Valecchi

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Streit um „Seltene Erden“ bremst US-und EU-Konjunktur und wird militärisch relevant

Der Dauerstreit um die Vorkommen und vor allem um die Marktzugänge zu den für die Industrie besonders wichtigen Rohstoffe der Gruppe der “Seltenen Erden” (kurz: REEs – rare earth elements), in dem China eine Schlüsselrolle übernimmt und den Marktzugang strikt reguliert, kann die schwächelnde Weltkonjunktur in den kommenden Monaten spürbar negativ beeinflussen. Der größte Seltene-Erden-Produzent in China, Baotou Steel Rare-Earth, konnte im vergangenen Jahr nicht nur seinen Gewinn mehr als vervierfachen: in der Lobby des Staatsbetriebes rankt unübersehbar die Losung: „Der Nahe Osten hat Öl, aber China hat Seltene Erden“, Zitat vom Chinas großem Wirtschaftsreformer Deng Xiaoping.

„Seltenen Erden“ (kurz: REEs = rare earth elements) ist ein begehrter, notweniger Rohstoff für die Hightech-Industrie des 21. Jahrhunderts. Um die Bedeutung von “Seltenen Erden” zu begreifen, sollte man sich zunächst vergegenwärtigen, wo “Seltenen Erden” eine technologische Schlüsselfunktion haben und www.investorsinside.de blickt ins Detail:

Seltene Erden-Magnesium-Legierungen sind ziemlich stark und leicht, weshalb sie ideal für Flugzeug-und Raumfahrtindustrie eignen. Die Stealth-Technologie und super-leise Rotorblätter der neusten Helicopter-Generation sind ohne REEs nicht zu produzieren. REEs eignen sich außerdem zum Bau von Permanentmagneten mit super-magnetischen Eigenschaften. Dies ist besonderes interessant für die Rüstungsindustrie (Stichwort: Permanentmagnete).

  • Der  Kampfpanzer M1A2 von General Dynamics und das Aegis SPY-1 Radar von Lockheed Martin funktionieren mit Samarium-Kobalt (SmCo) Permanentmagneten. Hybrid Electric Drive Ship Programme für die DDG-51 Klasse der Lenkflugkörper Zerstörer operieren mit Neodym-Eisen-Born (NdFeB) Magneten (Permanentmagnet-Motoren).
  • Aber auch deutsche Windkraftanlagen-Hersteller sind betroffen: Um Windkraftanlagen effizient steuern zu können, werden häufig Neodym-Eisen-Born (NdFeB) Magnete verwendet, um Stillstände der Systems zu verhindern. Moderne Windenergieanlagen benötigen oft bis zu 1.000 kg Neodym, um effizient arbeiten zu können.
  • Die Entwicklung von Hybrid-Kraftfahrzeugen wird beeinträchtigt:  Der Elektromotor in einem Toyota Prius erfordert 10-15 kg Lanthan für die Nickel-Metallhydrid-(NiMH)-Batterie und 1-2 kg für Neodym-Permanentmagneten, ein Mercedes S400 Hybrid benötigt über 0,5 kg Neodym.

Im Focus steht hier die militärische Industrie. „Seltene Erden“ eignen sich als Brennstoffe in Bomben und für nukleare Anwendungen, einschließlich der militärischen Verteidigung, also der Abschirmung vor nuklearer sowie thermischer Strahlung; REEs braucht die „moderne Armee des 21. Jahrhunderts” für Laser, einschließlich Laser-Entfernungsmesser, Laser-Führungs- sowie Laser-Kommunikationssysteme, Sonar- und Ortungssysteme und für viele andere Verwendungen im Bereich der Navigationssysteme. Dennoch hat die Markt- und Zugangsbeschränkung zu den Vorkommen der „Seltenen Erden“ auch erhebliche, unmittelbare Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft und damit die Weltkonjunktur.

Die Europäische Union, die Vereinigten Staaten und Japan haben bereits reagiert und den Streit um die künstlich herbeigeführte Verknappung dieser Rohstoffe durch einseitige Handelsbeschränkungen und Restriktionen vor die Welthandelsorganisation (WTO) gebracht. Die EU habe ein Schlichtungsverfahren zu den Exportbeschränkungen Chinas bei der WTO beantragt, erklärte die EU-Kommission in einem ersten Statement. China hat diese Klage bereits scharf kritisiert und die Anschuldigungen zurückgewiesen. Jetzt droht zwischen China und seinen wichtigsten Wirtschaftspartnern ein Handelskrieg um die seltenen Rohstoffe.

In China wurde jetzt ein Industrieverband für die Förderung und Verarbeitung von REEs gegründet in dem 155 Mitglieder, davon 13 große Unternehmen wie Aluminium Corporation of China, Batou Steel Rare Earth und China Minmetals Corporation, ihre Interessen – unter der Ägide der regierendenden Staatspartei in Peking – bündeln. „Wir haben die Gründung des neuen Verbandes jetzt beschleunigt, damit er sich um den Handelsstreit bei der WTO kümmern kann“, erklärt Generalsekretär Lin Donglu. Die chinesische Regierung will sich mit dieser Option absichern und sich damit im Dauerstreit bei der Welthandelsorganisation im Hintergrund halten. China, der wichtigste Lieferant von REEs, hortet diese begehrten Bodenschätze und verwendet „Seltene Erden“ seit etwa 30 Jahren auch zur Düngung von Böden und zur Fütterung von Nutztieren. Nutzpflanzen sollen deutlich höhere Erträge erbringen, Nutztiere weisen ein schnelleres Wachstum und eine besserer Futterverwertung auf. Dadurch sind die Preise in den vergangenen Jahren um 130 % gestiegen und überdies sichert sich Peking in Afrika weitere Zugänge zu den Minen. Die großen Minenfirmen in China sind Staatseigene Betriebe.

Militärische Analysen sehen den Grund für eine Verschärfung des Streits um REEs mit China in einem Waffengeschäft der USA mit Taiwan im Umfang von 6,4 Milliarden US-Dollar. Im Online-Forum der regierenden, Chinesischen Kommunistischen Partei, wurde das Verbot des Verkaufs von Seltenen Erden (REEs) an US-Unternehmen als Sanktionsmaßnahme gefordert.

Die Verteuerung dieser Produkte könnte auch für eine Exportnation wie Deutschland zum Problem werden. Die Palette der Anwendungen, in denen sie derzeit verwendet werden, ist außerordentlich breit, von den gewöhnlichen Bauteilen und Komponenten (Kfz-Katalysatoren, Erdöl-Crack-Katalysatoren, Feuersteinen, Glas und keramische Pigmente, Poliermittel), bis hin zu hoch spezialisierten Systemen (nuklearen Miniatur-Batterien, Supraleitern, leistungsstarke Miniatur-Magnete und Laser-Systeme). Das Ende des Booms der Weltkonjunktur hatte zum Jahresende 2011 auch Deutschland erreicht. Preis-, Saison- und kalenderbereinigt schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal 2011 um 0,2 % zum Vorquartal. Der Grund dafür: der schwächelnde Außenhandel.

Welche Alternativen stehen kurzfristig zur Verfügung, um zu verhindern, dass eine Preisexplosion für alle Produkte, die „Seltene Erden“ als Baustein oder Bestandteil notwendigerweise haben, zu verhindern?

Die EU stuft im Rahmen ihrer “Rohstoffinitiative“ die Verfügbarkeit von REEs 14 Rohstoffe als besonders „kritische Metalle“ ein. Diese seien, so die Arbeitsgruppe der EU-Kommission, „besonders wichtig in ihrer Nutzung und selten in ihrer Verfügbarkeit.“ Darin enthalten ist die Gruppe der „Seltenen Erden.“ Deutschland setzt auf strategische Rohstoffpartnerschaften, um sich den Marktzugang zu den „Seltenen Erden“ perspektivisch sichern zu können. Experten haben Zweifel an der Effektivität dieses Schrittes: nur der Marktzugang wird damit gewährleistet, es besteht allerdings keine Möglichkeit der Einflussnahme auf die Preisentwicklung, die im Endeffekt Deutsche Produkte erheblich verteuern kann.

Eine andere Lösung setzt auf die Wiedereröffnung von stillgelegten Minen. In den Vereinigten Staaten setzt man auf die Wiedereröffnung der Mine Mountain Pass in Kalifornien (Molycorp Minerals) und in Australien soll eine neue „Seltene Erden-Mine“ am Mt. Weld in Australien (Lynas) in Betrieb genommen werden. Molycorp Minerals Möglichkeiten sind allerdings begrenzt. Bis in die 1980er Jahre war die Molycorp Minerals Mountain Pass Mine in Süd-Kalifornien der weltweit führende Produzent von REEs. 1998 wurde nach der behördlichen Kontrolle einer Abwasserleitung die Mine geschlossen, zudem waren auf dem Weltmarkt wegen des Preisdumpings der chinesischen Hersteller eine Fortführung des Abbaus in der Mountain Pass Mine seinerzeit unwirtschaftlich. Dies hat sich jetzt aufgrund der aktuellen Ereignisse und der globalen Verschärfung in der Auseinandersetzung um die überaus wichtige Ressource REEs wieder geändert, aber: selbst bei voller Produktionsgeschwindigkeit, fehlt dem Mountain Pass Mine bedeutende Vorkommen an den Elementen der Gruppe der sogenannten “schweren seltenen Erden”, die zunehmend gefragt sind. Sogenannte „Leichte Seltene Erden“ (wie Cer) sind reichlich vorhanden, aber die „schweren seltenen Erden“ (wie Europium) werden immer schwerer zu finden. Deshalb kann Molycorp Minerals am Mountain Pass nur in einem begrenzten Umfang fördern.

Mit der Förderung allein ist es aber noch nicht getan. Den richtigen Marktwert für die wertvollen Metalle erzielt man erst nach mehreren Verarbeitungsstufen und Raffination. Im Gegensatz zu normalen Mining-Prozessen produziert der Bergbau bei der Förderung „Seltener Erden“ radioaktiver Abfälle! Der Umgang mit diesem Abfall erfordert in den westlichen Industriestaaten stets teure Überwachung, Sicherungs- und Klimaschutzmaßnahmen, ein klarer Wettbewerbsnachteil gegenüber China. Intensiv geprüft wird deshalb aktuell der Abbau von REEs am Lemhi Pass in Nord-IdahoDiamond Creek im Northern Idaho und Bokan Berg im südlichen Alaska. Zwar gibt es weltweit nahezu überall Vorkommen „Seltener Erden“ es braucht allerdings in der Regel eine Zeitspanne von 10 bis 15 Jahren ab dem Zeitpunkt der Entdeckung, bis eine effektive Förderkapazität erreicht ist. Sandro Valecchi

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Gastkommentar: Die Zukunft des Euro hängt von Italien ab: “Il futuro dell’euro dipende Italia”

Nach Einschätzung der Deutschen wird die Zukunft des Euro, insbesondere seine Bestandsgarantie, in Italien entschieden, so Chefvolkswirt Thomas Mayer: „Sollte es Italien nicht gelingen, bis Mai 2013 die Trendwende zu schaffen, werde die Euro-Zone auseinanderbrechen.“

Die italienische Wirtschaft schaffte zunächst problemlos im Jahr 2002 den Weg in die EU-Gemeinschaftswährung Euro und verfolgte zunächst eine strikte Finanzpolitik, stagnierte dann jedoch in den Jahren 2002 bis 2005. Die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts betrug 2005 0,0 %.Im Handel mit den EU-Partnern verzeichnete das Land im Jahr 2005 ein Defizit von 7,6 Milliarden Euro. Weder den wechselnden Regierungen von Berlusconi oder Prodi gelangen Reformen, die als solche zu bezeichnen wären. Es waren allenfalls kurze Effekte, mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und langfristig die Finanzlage zu stabilisieren. Das führte zu fatalen Konsequenzen.

In Juli 2011 geriet Italien spürbar ins Kreuzfeuer der Kritik der internationalen Finanzmärkte, ausgelöst durch mehrere Herabstufungen durch die marktbeherrschenden Ratingagenturen. Standard & Poor’s (S&P) nahm Italien in die öffentliche Kritik, nachdem die italienische Regierung vor wenigen Tagen ein milliardenschweres Sparpaket mit Einsparzielen in Höhe von etwa 47 Mrd. Euro aufgelegt, das in der vergangenen Woche vom Kabinett verabschiedet wurde. Italien reagierte damit zwar just-in-time und versuchte der Schuldenkrise mit der Zielstellung eines ausgeglichenen Haushaltes zum Jahr 2014 zu entrinnen, aber vergeblich. Das Problem: S&P gab sein kritisches Statement übereilt ab, ohne die Faktenlage zu kennen. Die Regierung Italiens hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine Details Ihrer Initiative zum Konsolidierungsplan veröffentlicht gehabt. Reine Spekulation und reine Stimmungsmache bestimmten fortan die ohnehin angespannte Finanzlage in Italien und verschreckte Anleger und Investoren. Die italienische Börsenaufsicht hatte die Ratingagentur Standard & Poor’s zum Gespräch gebeten und im Rahmen einer Befragung um Auskunft ersucht, wie es um die Faktenlage der von S&P zuvor dargebotene Analyse des italienischen Sparpaketes bestellt ist. S&P ist einen unlösbaren Erklärungsnotstand geraten und will nun hektisch Unterlagen nachreichen, um sich zu rechtfertigen und zu erklären. Die Bewertung von Ländern und anderer Kapitalmarktteilnehmer sei “absolut wichtig” für Investoren, so der vage Erklärungsversuch von S&P. Im nicht mehr trennbaren Bereich von Information und Spekulation kollidierte Italien, bedingt durch die Regierung Berlusconi, mit seinen Pflichten, die EU-Gremien zeitnah zu informieren. Schlechtes Regieren und schlechtes Management sorgte im Finale des Jahres 2011 für eine katastrophale Ausgangslage in Italien und die schlimmste Finanzlage für das Gründungsmitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft.

Das Finale 2011: Der italienischen Staatspräsident Napolitano kam unter dem enormen Druck der internationalen Staatengemeinschaft  zur Entscheidung der längst überfälligen Auflösung der völlig kaputten Regierungspolitik Berlusconi, als dieser – Tabula rasa – mit der konsequenten, schnellen Entfernung von Berlusconi aus dem Amt des Regierungschefs neue Fakten schaffte und mit Prof. Mario Monti eine politische Weichenstellung für die Umsetzung von Konsolidierungsmaßnahmen ermöglichte.

Hier einige Fakten zu Italien: der zweitgrößte Goldbestand sowie Devisenreserve in Europa, eine gewaltige Reserve an Edelmetall, befindet sich in italienischen Tresoren. Der ersten Platz der Goldreserven in Europa belegt Deutschland mit 3.401,5 Tonnen (Stand: 31.12.2010).

Sollte Italien ein Teil der Goldreserven auflösen, um damit die Entschuldung des Staatshaushaltes zu ermöglichen? Die Italiener haben Bundeskanzler a.D. Dr. Helmut  Schmidt als harten Krisenmanager in Erinnerung, als dieser im Jahr 1974 in seiner Funktion als Bundeskanzler nach Italien reiste und für die Italiener einen Milliardenkredit bereitstellte, gegen Sicherheit – es ging um eine Garantie in Zentralbankgold. Heute raten Analysten der italienischen Regierung dringend einen Teilverkauf der Goldreserven, mit dem Ziel die enorme Kreditbelastung von 2 Billionen Euro zu senken, damit Italien in Zukunft wieder Kredite zu wesentlichen besseren Konditionen an den Märkten bekommen kann. Mit den zuletzt 7,9% Zinsen, die Italien für Staatsanleihen aufbringen muss, wären dies auf Dauer und im schlimmsten Fall – in der Spitze – eine Gesamtzinsbelastung von weiteren etwa 158 Milliarden Euro, gerechnet auf über 2 Billionen Euro Schulden. Eine solche, exorbitant hohe Zinsbelastung kann kein Staat auf Dauer verkraften, deshalb rechnet sich wahrscheinlich eine schnelle Entschuldung.

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel hat die Reform- und Sparbemühungen der neuen Regierung in Italien gewürdigt. Unter dem neuen Ministerpräsidenten Mario Monti habe Italien “außerordentlich wichtige und bemerkenswerte Maßnahmen” eingeleitet, was “die Haushaltskonsolidierung und die Strukturreformen” betreffen, sagte die Bundeskanzlerin im Januar 2012. Bereits im letzten Jahr hat das Parlament ein Sparpaket im Umfang von 80 Mrd. Euro verabschiedet, das das Renteneintrittsalter deutlich hinaufsetzt und einkommensschwache Schichten durch die Erhöhung von Mehrwert- und Energiesteuern schröpft. Nun ist sie dabei, den Arbeitsmarkt zu deregulieren. Aktuell verabschiedete der Senat ein Deregulierungsgesetz, das die Konzessionen für Taxibetriebe, Apotheken und andere Dienstleistungen freigibt und bestimmte Privilegien der katholischen Kirche beschneidet. Regierungschef Monti verknüpfte die Entscheidung im Senat mit einer Vertrauensabstimmung, um zu vermeiden, dass über 1.700 Zusatzanträge einzeln abgestimmt werden muss.

Und die Regierung Monti dereguliert Arbeitsmarkt: Monti erklärte im Fernsehen, Jugendliche sollten sich besser „an die Vorstellung gewöhnen, keinen Arbeitsplatz für ihr ganzes Leben mit festem Arbeitgeber an der gleichen Arbeitsstelle“ zu bekommen. Um ihnen Arbeit zu verschaffen, müsse man „jene, die zurzeit vom Gesetz sehr, sehr stark beschützt werden, etwas weniger schützen”. Es geht um den Kündigungsschutz (§ 18, der aus den 60iger Jahren stammt).  § 18 blockiert Entlassungen in Unternehmen mit mehr als 15 Beschäftigten aufgrund strenger Voraussetzungen eines Arbeitnehmerschutzes.

Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft in Europa, gekennzeichnet von einem starken Mittelstand, der zwar etwas kleiner ist, als in Deutschland, aber solide und spezialisiert. Produkte werden für die internationalen Märkte in Italien und in Kooperation mit EU-Staaten zur bis Marktreife entwickelt und in viele Staaten mit solventen Käuferschichten exportiert. Im internationalen Exportgeschäft ist Italien gut aufgestellt und konkurrenzfähig. Beispiel Luxusgüter: Der Weltmarkt für Luxusgüter wird dieses Jahr um 8 % auf 185 Milliarden Euro wachsen, kalkuliert die Unternehmensberatung Bain. Europa werde um 7 % zulegen, China sogar um 25 %. „Chinesische Frauen wollen richtig Shoppen und am liebsten kostspielige Handtaschen aus dem Hause Prada, Gucci, etc. Umgekehrt produzieren Markenpiraten in China billige Imitate, die nach Europa exportiert werden und die Firmen in Italien schädigen.

Il mondo è in attesa di una svolta in Italia. (Die Welt/Staatengemeinschaft erwartet einen Durchbruch in Italien.) Il governo del professor Monti ha promesso ai cittadini! (= Die Regierung Prof. Monti hat es der Bevölkerung zugesagt/zugesichert/versprochen!) Sandro Valecchi

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Warum die EZB standfest bleiben muss – Kommentar zum Währungskrieg

Da der Druck der Märkte auf die EZB unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen weiter schwelt, hier meine persönliche Meinung zum Thema. Für mich befinden wir uns in einem unerklärten Währungskrieg, in dem nun Standfestigkeit und kein Wackeln – und schon gar keine Panik – gefragt ist.

Denn ich bin überzeugt, dass die Eurozone unbedingt dem Druck der Märkte zum Kauf von Staatsanleihen via EZB wiederstehen muss. Dieser Druck ist nämlich in meinen Augen nicht selbstlos. Hinter dem Druck stehen für mich massive Interessen des Big Money und der USA -siehe mein Artikel zum Rom des 21. Jahrhunderts

Denn würde die EZB nachgeben und wild Anleihen kaufen, gäbe es eine kurze aber heftige Erleichterungsrally, die SmartMoney nutzen würde um seinen Positionen abzuladen. Dann würden die Märkte sich kurz danach Gedanken machen, ob ein Deutschland das defacto für die ganzen Schulden Europas bürgt, dann nicht selber ins Wanken kommt. Als Folge kommen dann die ganzen Warn-Schüsse und Herabstufungen für D und am Ende geht Deutschland in die Knie und die Eurozone ist dann wirklich erledigt. Die vermeintliche Rettung ist nämlich in Wirklichkeit der Sargnagel, genau deswegen drückt die angelsäschische Welt auch so auf das Thema. An einem starken Euro hat in den Finanzzentren in NewYork und London niemand wirklich ein Interesse. Ein Euro als Weltwährung Nr. 1 stellt vielmehr deren Existenz in Frage.

Im Moment wird der Kampf doch primär noch in der Peripherie der Eurozone ausgetragen. Die Eurobonds sind also die perfekte Methode um auch den Kern sturmreif zu schiessen. Der Kern muss aber stehen, sonst geht alles unter.

Ich sehe strategisch aus Sicht der Eurozone keine Alternative als den Schmerz noch über Monate auszuhalten und einfach weiter zu machen auf dem langsamen Weg des Schuldenabbaus und der Stabilierung. Es gibt einfach keinen QuickFix, das ist Illusion. Solange sich Deutschland nicht infizieren lässt, hat die Eurozone aber die Chance das durchzustehen. Und wenn die Politiker klug sind, zeigen sie mehr als deutlich mit dem Finger auf eine der Quellen dieser Angriffswellen: London.

Wenn über Monate der Angriffe und Abwertungswellen die EZB immer noch nicht eingeknickt ist und die Eurozone den eingeschlagenen Weg konsequent weiter geht, werden die Wellen plötzlich aufhören. Weil der Markt dann nach anderen Themen Ausschau halten wird. Und plötzlich wird das Thema aus den Schlagzeilen verschwinden, obwohl sich substantiell gar nicht so viel geändert hat. So etwas hatten wir schon oft. Die berechtigten Probleme und Kritik an der Eurozone ist im Moment eindeutig overhyped, den US und GB geht es weit dreckiger.

Man schaue sich mal die Fundamentaldaten von GB an. Staatsschuld irgendwo bei 80% des BIP und Neuverschuldung so um die 10% des BIP ! Und mangels Industrie keine Chance da rauszuwachsen. Dass das Land ein AAA hat ist ein sehr schlechter Witz, das Land ist in meinen Augen industriell kaputt und hängt nur noch am Tropf der Finanzindustrie. Da hat Spanien und Italien aber eine wesentliche gesundere Wirtschaftsstruktur als GB ! Was braucht man noch um zu erkennen, das hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht ? Die Eurozone ist objektiv stabiler als sie wirkt, die Gegner setzen halt den Hebel an der Schwachstelle der mangelnden Koordination an. “Haltet den Dieb” lautet das beliebte Spiel !

Im übrigen, die Angst nächstes Frühjahr kaufe keiner die Anleihen der PIGS ist in meinen Augen reine Panikmache aus taktischem Interesse, auf die man nicht herein fallen darf. Asien und insbesondere China wird kaufen und muss kaufen. Irgendwo müssen die Devisen dieser Länder doch hin. Und in den Dollar sollen sie nicht mehr. Genau darum geht es doch hier globalstrategisch gesehen.

Mann muss das Thema also in meinen Augen aus der Warte eines Währungskrieges sehen. Und im Krieg sind Panik und Angst keine guten Ratgeber, sie sind vielmehr die Waffe der Gegner. Die Mittel die Asien und die EMAs in den Euro investieren, fehlen den US zur Finanzierung ihrer weltweiten Präsenz. Hier ist ein weltweiter Kampf um diese Mittel entbrannt, denn die ganze westliche Welt ist überschuldet. Und in dem ich meinen Konkurrenten (Euro) krankenhausreif schiesse und das Vertrauen in die Währung zerstöre, sicher ich mir (USD) den Zugriff auf diese Gelder. Und London schwimmt mal wieder im Beiboot mit, wie so oft. Dieses Interesse eint in meinen Augen die angelsächische Finanzwelt mit der US Administration. Denn das Finanzzentrum der Welt ist zwangsläufig da, wo die stärkste Währung und Wirtschaftsmacht existiert.

Das wir in der Eurozone überhaupt so angreifbar sind, dazu haben wir in Europa durch Uneinigkeit, Misswirtschaft und Fehlkonstruktionen fröhlich beigetragen. Wir müssen diese Krise deshalb nun als Chance begreifen vieles nachzuholen und so stärker zu werden. Wenn wir aber den vergifteten Ratschlägen aus der angelsächischen Finanzwelt nachgeben, werden wir in meinen Augen untergehen und in Zukunft nur noch ein Wurmfortsatz dieser Finanzzentren sein. Halten wir aber durch, haben wir die Chance es denen heim zu zahlen, die sich nun am Elend weiden und von eigener Schwäche ablenken. Denn wenn wir tapfer durchhalten und einfach weiter voranschreiten, wird GB der erste Baustein sein, der in der angelsächischen Welt umkippt. Und dann dreht sich der Wind und die Massnahmen die uns nun schmerzen, werden Europa und dem Euro Stärke und Rückhalt geben. Dann ist der USD als Weltreservewährung sehr schnell Geschichte mit allen globalen Konsequenzen. Nichts fürchtet die US Administration mehr, als das genau das geschieht !

Wir leben definitiv in historischen Zeiten. Nach dem Fall der Mauer hat der gute Herr Fukuyama mal was vom “Ende der Geschichte” gefaselt. Dieses “Ende” dauerte genau bis 2000, die Geschichte ist aber nun wieder in Bewegung und wir stecken mittendrin, ob wir wollen oder nicht !

(HS)

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