Archive | Gastkommentare

-->

Gastkommentar: Rosneft vs. Exxon Mobil

Es geht um die Marktmacht der größten Öl- und Energiekonzerne der Welt und darum, wer künftig in unserer neuen, multipolaren Welt das Sagen in Sachen Preispolitik der wichtigsten Energieressource hat. Das mit Abstand größte Ölgeschäft der globalisierten Welt 2012 ist jetzt fast perfekt. Mit der Übernahme des Öl-Joint Ventures TNK-BP steigt Rosneft (Роснефть) mit Sitz in Moskau zum weltgrößten Energieunternehmen auf. Für 55 Milliarden US-Dollar (42 Mrd. Euro) wird Rosneft die drittgrößte russische Ölfirma TNK-BP schlucken. Sie gehört bislang zu gleichen Teilen BP und AAR, einem Konsortium aus vier Oligarchen. Das Geschäft habe insgesamt ein Volumen von 61 Milliarden US-Dollar (46,76 Mrd Euro), sagte der Chef des russischen Staatskonzerns Rosneft, Igor Setschin, im Rahmen eines Treffens mit Präsident Wladimir Putin. Rosneft kauft vom britischen Energiekonzern BP sowie vom russischen Oligarchen-Konsortium AAR jeweils 50 Prozent an TNK-BP. Auf 4,5 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag schätzen Analysten die Fördermenge des neuen Megakonzerns. Es handelt sich um den größten Deal der Ölbranche seit dem Zusammenschluss von Exxon und Mobil 1999. Ex-Vizeregierungschef Setschin ist ein enger Vertrauter von Präsident Putin.

BP plc London steigt zugleich zum zweitgrößten Rosneft-Aktionär – nach dem russischen Staat – auf. Zudem bekommt der britische Konzern zwei Sitze im Aufsichtsrat des Staatskonzerns. Das Geschäft muss nach britischem Recht nicht von den BP-Aktionären genehmigt werden. Mehrere Investoren drängten darauf, die Einnahmen als Dividende weiterzugeben. BP plc teilte in einer Stellungnahme mit, der Konzern würde noch “prüfen, wie das Geld eingesetzt werden soll”. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen an, seine “progressive Dividendenpolitik fortzuführen”. Es gilt als wahrscheinlich, dass BP plc einen Teil des Geldes als Reserve behalten wird.

Experten erwarten, dass das neue Russland somit aktiver in die Preisfindung und Marktmacht der globalen Ölindustrie eingreifen wird. Analysten aus der Militär- und Sicherheitsbranche warnen bereits seit Monaten vor einer neuer Formierung und der damit verbundenen Marktmachtkonzentration im besonders sensiblen sowie volatilen Energiesektor in unserer neuen, sich weiter formierenden multipolaren Weltordnung. Die politische Führung in Russland will über den Energiesektor internationalen Einfluss zurückgewinnen. Bilaterale Kooperationen – beispielsweise mit Venezuela und anderen Staaten, die bislang in der besonderen Einflusssphäre mit der ehemaligen UDSSR-Außenpolitik,  werden von Igor Setschin im Auftrage der politischen Kräfte in Moskau konsequent umgesetzt. Wirtschaftlich gesehen geht es um strategische Allianzen.

Geographisch und strategisch gesehen nähert sich das neue Russland dem Ziel, gemeinsam mit den russischen Staatskonzernen und westlichen Partnern, wie BP, die wertvollen Energiereserven im russischen Nordpolarmeer erschließen. Analysten vermuten dort rund ein Fünftel der weltweiten bislang unentdeckten Ölvorkommen. Und vor allem Norwegen fördert dort sehr erfolgreich. Die Norweger hatten erst vor wenigen Monaten einen neuen Fund in der Nähe eines bereits im April 2012 entdeckten Ölfelds erschlossen. In den beiden Förderfeldern “Havis” und “Skrugard” mindestens 400 bis 600 Millionen Barrel gelagert sein. “Havis” sei der zweite ergiebige Fund in der Barentssee innerhalb von neun Monaten, berichtete der CEO von Statoil, Helge Lund. Partner bei dem neuen Ölfeld sind nach Angaben von Statoil mit einer Beteiligung von 30 % der italienische Eni-Konzerntochter “Eni Norge” (Agip) und die norwegische Staatsfirma “Petoro”, die 20 %  halten wird.

Die Förderung soll noch vor Ende des Jahrzehnts beginnen. Lund zufolge ist es wahrscheinlich, dass die Förderung bei den Feldern “Skrugard” und “Havis” gemeinsam vorbereitet wird. Neben diesen Vorkommen entdeckte Statoil zuletzt mit der schwedischen Lundin Petroleum die Felder “Aldous Major South” und “Avaldsness” in der Nordsee. Allerdings wurde noch bis in die jüngste Vergangenheit heftig über den Verlauf der Seegrenzen in der Arktis gestritten. Russland und Norwegen haben gerade erst vor wenigen Monaten den Streit über den Verlauf ihrer Seegrenze in der Arktis beigelegt und damit den Weg für die Öl- und Gasförderung in der Barentssee frei gemacht. Die Nachbarländer unterzeichneten einen Vertrag auf der Grundlage eines Kompromiss, der die Aufteilung eines Gebiets regelt, das etwa halb so groß wie Deutschland ist. „Es hat 40 Jahre gedauert, um zu diesem Abkommen zu gelangen“, sagte kürzlich noch der vormalige russische Präsident Dmitri Medwedjew.

Société Générale Group S.A. stuft aktuell die Rosneft-Aktie (ISIN US67812M2070/ WKN A0J3N5) auf “buy” mit einem Kursziel bei 8,00 US-Dollar ein. Mit 5,40 Euro pro Anteilsschein liegt Rosneft über dem 52-Wochen-Tief von 4,595 Euro (Stichtag 12.12.) und diese Prognose verspricht eine gute Performance. Sandro Valecchi, Analyst

Print Friendly

Incoming search terms:

  • rosneft kauft esso

Posted in GastkommentareComments (3)

-->

Ist Gold in 2012 ein gutes Investment? – Ein paar harte Fakten…

Der Goldpreis pendelt seit Wochen in einer engen Trading-Range  und kann sich offensichtlich nicht so recht entscheiden in welche er diese nun verlassen will. Auch die Goldminenaktien bleiben weiterhin sehr schwach, bzw. geraten zusehends unter Druck. Die Rede von Ben Bernanke gestern hat der Preis des Edelmetalls erneut kurzzeitig unter Druck gebracht. Zwar hält sich die FED weiterhin auf Abruf bereit um gegebenenfalls in die Märkte einzugreifen, konkrete Maßnahmen seien aber momentan nicht geplant hieß es in dem Protokoll der halbjährlichen Sitzung. Das Ausbleiben eines weiteren QE3 Programms bleibt somit der größte “Belastungsfaktor” für den Goldpreis. Fachleute sind sich inzwischen aber einig dass es nur noch eine Frage der Zeit sein dürfte wann Bernanke erneut seinen großen Geldbeutel öffnet. Bis dahin sollte man sich aber als Anleger mit den harten Fakten beschäftigen und keine vorschnellen Anlageentscheidungen treffen…Ein Gastkommentar von Sandro Valecchi

Zeit für eine Zwischenbilanz:  Goldpreis 2012: Spekulation oder Asset-Wert?

Nach dem ersten Halbjahr 2012  kann eine erste Zwischenbilanz gezogen werden, was das Goldpreisfixing und die weitere Wertentwicklung angeht. Im Handelsverlauf vom 11.07.2012 konnte für die Unze ein Tageshoch von 1.583,30 USD festgestellt werden, damit deutlich über dem 52 Wochentiefpreis von 1.479,50 USD einerseits, anderseits aber auch sehr weit entfernt vom 52 Wochen-Hoch in Höhe von 1.920,25 USD.
Die Analysen in Europa und den USA reagieren uneinheitlich. Die Verbreitung von alternativen Investmentprodukten wie Gold-ETF, die starke weltweite Nachfrage nach Goldbarren und die negativen Auswirkungen der steigenden Kosten sollen mit ursächlich für die Abwärtsbewegung im Edelmetallsektor sein. Einige Analysten setzten auf saisonale Trends, die oft zu einer Rallye bei Gold und Goldaktien von Mitte des Sommers bis in den Herbst führten, aber auch dies ist eher eine auf vergangenen Werten beruhende Spekulation – mehr nicht!

Laut einer Prognose anhand von Daten der Bank of America – Merrill Lynch (BofAML) ist der Goldpreis in den letzten 11 Jahren im Spätsommer im Schnitt um 14,5% gestiegen, während der S&P/TSX Gold Index sich mit einem durchschnittlichen Plus von 24,5% sogar noch besser entwickelte. Zur Begründung wiesen die Banker darauf hin, dass der wichtigste Faktor bei diesen alljährlichen Rallyes das Wiedererstarken der Schmucknachfrage in Indien und Asien sei, die aufgrund der Hochzeits- und Feiertagssaison entsteht.

Dagegen spricht in diesem Jahr allerdings dass in Indien ein Streit der schmuckverarbeitenden Industrie mit dem Staat wegen zu hoher Abgaben auf Golderwerb herrscht. In China setzt sich inzwischen ein anderer Anlagetrend durch. Chinesische Investoren fokussieren sich momentan eher auf Investments in US-Dollar. Der Goldkauf ist bei chinesischen Anlegern nicht mehr erste Wahl – Tendenz eher abwartend. Bei dieser Einschätzung ist jedoch auch zu beachten, dass das zweite Quartal in China traditionell eher schwach ausfällt. Die Ermittlung zugunsten eines langfristigen Trends, die chinesische Investoren wieder dazu bewegen sollte, ihr Geld in Gold anzulegen, ist somit rein spekulativ.

Noch im Mai 2012 hatte World Gold Council prognostiziert, dass China im laufenden Jahr beim Verbrauch die Schwelle von 1.000 Tonnen Gold überschreiten werde. Im Vorjahr 2011 lag der Verbrauch noch bei rund 770 Tonnen. Inzwischen hat sich der Optimismus gelegt. Die magische, erhoffte Schwelle von 1.000 Tonnen ist in weite Ferne gerückt, der Verbrauch von Gold in diesem Geschäftsjahr wird auf bestenfalls 870 Tonnen für das Reich der Mitte eingeschätzt. Tatsächlich halten sich die Wachstumsraten sowohl in der chinesischen Schmuckindustrie als auch bei Investoren von Goldbarren und Münzen in Grenzen. Erwartet wird, dass die Schmuckbranche 2012 in China etwa 550 Tonnen Gold nachfragen wird, immerhin ein Plus von 7,7 %. 2011 lag das Wachstum noch bei 13 %. Noch deutlicher fällt die Verlangsamung des Wachstums bei den Barren und Münzen ins aus. Hier betrug das Plus im Vorjahr 38 %. Für 2012 wird nun mit einem Anstieg um 24 % gerechnet (320 Tonnen).

Im Zentrum der Spekulation um die weitere Goldpreisentwicklung steht die Prognose von BofAML. Gold sei noch immer ein gutes Investment und BofAML halte deshalb an der (eigenen) Preisprognose auf Sicht von 12 Monaten von 2.000 USD pro Unze fest. Bislang lag der Durchschnittsgoldpreis 2012 bei 1.650 USD, wobei die Preisschwankung von 1,540 bis 1,784 USD je Unze reichte. Die Prognose für den durchschnittlichen Goldpreis im Jahr 2012 senkte die BofAML allerdings um 2% auf 1.710 USD pro Unze, während man den durchschnittlich für 2014 erwarteten Goldpreis um 5% auf 1.650 USD je Unze herauf setzte.

Die Realitäten sehen allerdings ganz anders aus, warnen viele Analysen in Europa und sehen einen Seitwärtstrend beim Gold. Hierfür gibt es mehrere gewichtige Gründe wie Kostendruck, Konkurrenz und Wettbewerb, das Marktniveau und der Verkaufsdruck der Banken:

Risikofaktor Kostendruck
Die industrielle Förderung von Gold ist teuer und muss refinanziert werden. Viele Minenbetreibergesellschaften und Bergbaufirmen haben in der letzten Zeit unter steigenden Kosten (Cash-Kosten) zu leiden, um ihre Minen zu errichten und die Förderung wirtschaftlich zu betreiben. Auch das hat dazu geführt, dass die Aktien dieses Sektors zuletzt stark unter Druck standen. Viele Investmentgesellschaften und Banken sind im Wege der Vorfinanzierung eingestiegen, der Kostendruck und die Renditeerwartungen sind demnach hoch. Goldcorp, der zweitgrößte Goldproduzent in Kanada, hat seine Produktionsprognose für das laufende Jahr senken müssen. Operative Probleme gibt es in den Minen Red Lake (Ontario) und Penasquito (Mexiko). Der Konzern geht nun nur noch von einem Goldausstoß von 2,35 bis 2,45 Mio. Unzen in diesem Jahr aus. Bislang hatte man bei Goldcorp mit einer Produktion von rund 2.6 Mio. Unzen des gelben Metalls gerechnet. Im zweiten Quartal ging der Ausstoß bereits leicht von 597.100 Unzen Gold im gleichen Zeitraum 2011 auf nun noch 578.600 Unzen zurück.

Risikofaktor Konkurrenz und Wettbewerb
Beide Faktoren drücken den Preis für Gold, denn nur Bergbaufirmen, die über eine relativ fixe Kostenstruktur und entsprechend Liquidität verfügen, müssen nicht unter Wert verkaufen, um in diesem Geschäft zu überleben. Einige Unternehmen bieten einen direkten Hebel auf den Goldpreis an;  Investoren und Anleger könnten den operativen und Investitionsrisiken eines Minenbetreibers ausgesetzt sein. Viele Anleger bevorzugen andere Assets, es gibt derzeit wieder einen starken Trend zu Immobilien und hochwertigen Kunstobjekten, Gold ist schon längst nicht mehr erste Wahl. Andere Geschäftsfelder, beispielsweise der neue Erdgas-Boom durch Fracking (Schiefergasförderung), sind für viele institutionelle Anleger und Großinvestoren im Moment wesentlich interessanter.

Risikofaktor Marktniveau und wichtige Marktindikatoren (Marktbewegungen) 
Diese sollten unbedingt beachtet werden. Dazu gehören auch die offiziellen Bestände der großen Edelmetall-ETFs (Exchange Traded Funds). Die Bestands-Veränderungen zu den Vorwochen legen beispielsweise den Schluss nahe, dass der Kursrückgang bei Gold und Silber in den letzten Tagen nicht von einer sinkenden physischen Goldnachfrage begleitet wurde, andern Entscheidungen Trusts und Vermögensverwaltungen war. Indikatoren können die Mittelzuflüsse in die Edelmetall-ETFs innerhalb eines bestimmten Zeitraumes sein.

Auch die Beobachtung des Markumfeldes ist wichtig. Viele Analysten warnen vor anhaltendem Gegenwind für weiteres Wachstum, da das Umfeld für zyklische Assets, darunter auch Industriemetalle, weiterhin schwierig bleibe. Das führt dazu, dass die BofAML davon ausgeht, dass die Buntmetallpreise im dritten Quartal fallen werden. Die Analysten gehen beispielsweise beim Kupferpreis von einem Rückgang auf 6.500 USD pro Tonne bzw. 2,94 USD pro Pfund aus.

Vorsicht ist geboten, wenn wichtige Indikatoren wie (mutmaßliche) Nachfrage und Marktsättigung gegeneinander ausgespielt werden.  Die anhaltende Krise der Eurozone könne angeblich dazu führen, dass die Nachfrage nach Gold bei Investoren und Zentralbanken weiter ansteigen würde. Von einer Marktsättigung ist hingegen fast nie der Rede. Viele Banken haben jedoch zwischenzeitlich ihre Goldbestände aufgestockt und eine Sättigung ist objektiv eingetreten. Zwar habe die Zentralbank Kasachstans jetzt ihre Absicht bekanntgegeben, in diesem Jahr 24,5 Tonnen Gold kaufen zu wollen, um den Anteil an den Währungsreserven von 15 auf 20% anzuheben. Dies hat allerdings keine Auswirkungen auf das Goldpreisfixing, weil die Regierung in Kasachstan bereits erklärt hat, nur Gold aus eigener, heimischer Förderung aufzukaufen. Interessenten für Gold sollten daher solche Nachrichten ganz genau überprüfen.

Auch das Marktniveau in China als den bedeutendsten Wettbewerber im Goldmarkt lässt sich nur schwer einschätzen. Im ersten Quartal hat sich der Verbrauch dort zwar von 232 Tonnen auf 255 Tonnen Gold erhöht. Wenn man die Schätzungen der Analysten zugrunde legt, wird sich dies jedoch nicht auf das Gesamtjahr hochrechnen lassen.

Trotz der Finanzkrise ist die weltweite Nachfrage nach Gold im ersten Quartal 2012 gesunken. Die Goldverkäufe seien im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5 % auf 1.097,6 Tonnen zurückgegangen, teilte der Branchenverband World Gold Council (WGC) mit. Demnach gab es den Rückgang trotz Nachfrage in China und Indien. Generell überwog die rückläufige Nachfrage bei Zentralbanken, Schmuckherstellern und Industrie einen Anstieg bei Investitionen in Gold, das in Krisenzeiten als „Fluchtwährung“ dient. Der durchschnittliche Goldpreis zog laut WGC im ersten Quartal um 22 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum an. Weltweit wurde in den ersten drei Monaten des Jahres Gold in einem geschätzten Wert von 59,7 Milliarden Dollar (46,8 Milliarden Euro) verkauft.

Risikofaktor Verkaufsdruck der Banken und das Verhalten der Fonds
Es geht um sogenannte Leerverkäufe. Leerverkauf (Blankoverkauf, engl. short sale) ist ein Begriff aus dem Bank- und Finanzwesen, der den Verkauf von Waren oder Finanzinstrumenten (insbesondere Devisen, Wertpapiere) beschreibt, über die der Verkäufer zum Verkaufszeitpunkt NICHT verfügt. Um seine künftige Lieferverpflichtung erfüllen zu können, muss er sich bis zum Erfüllungszeitpunkt durch den Kauf der Waren oder Finanzinstrumente eindecken. Ein Trader sagte verärgert, die Federal Reserve (Fed) treibt ein böses Spiel mit ihren Leerverkäufen. Die Fed treibe damit den Goldpreis rauf oder runter, in dem sie das Knöpfchen im richtigen Moment drückt.

Eine Legaldefinition des Begriffs Leerverkauf gibt es nicht. Zivilrechtlich unterliegen Leerverkäufe dem Kaufvertragsrecht, das die Möglichkeit eines Leerverkaufs auch nach deutschem Recht zulässt. Selbst am Kassamarkt ausgeführte Leerverkäufe sind laut der Gesetzesbegründung zur Börsengesetznovelle 1989 grundsätzlich den Börsentermingeschäften zuzuordnen. Grund ist, dass einem Bankkunden bei einem Leerverkauf ein Marktpreisrisiko entsteht, das für ein Börsentermingeschäft typisch ist. Kein Börsentermingeschäft liegt vor, wenn der Leerverkäufer aus einem anderen Termingeschäft einen zukünftigen Lieferanspruch auf die leer verkaufte Wertpapiergattung hat und sich die Papiere bis dahin leiht, da dann das für ein Termingeschäft übliche Risiko nicht entsteht. Der Anleger muss sich beim Goldkauf darüber im Klaren sein, das sich das Preisfixing kurzfristig und erheblich ändern kann, ohne das der Anleger irgendetwas gegen – ihm unsichtbare – Leerverkäufe unternehmen kann.

Skeptischer sind aktuell auch die Hedge-Fonds – sie haben ihre Wetten auf einen höheren Goldpreis reduziert. Das Edelmetall hat den Großteil der diesjährigen Kursgewinne wieder abgegeben, nachdem sich abzeichnete, dass die Weltwirtschaft wohl das erneute Abrutschen in die Rezession vermeiden kann.Damit entsteht ein Verkaufs- und Vertriebsdruck bei den Banken. „Angesichts der Tatsache, dass die nordamerikanischen Edelmetallproduzenten am unteren Ende des Sechsjahreswerts des Verhältnisses von Kurs zu Netto-Asset-Wert gehandelt werden, erscheinen die Aktien des Sektors unterbewertet“, vermelden einige Banken, um das Goldgeschäft weiter anzuheizen. „Neue Käufer sollen auf den Goldmarkt kommen“, meint BofAML, mit dem Wunsch zu einer „multiplen Neubewertung des Sektors.“

Nach Meinung der Analysten in den USA sollte Gold auch beim derzeit hohen Preisniveau gekauft werden, nach Ansicht der Experten und Marktbeobachter in Europa sollten die Korrekturen beim Goldpreis genutzt werden, meint Robert Hartmann (Pro-Aurum). Das ist kein Wertungswiderspruch. Gold -Korrekturen gehören zum Bullenmarkt. In dem nun schon seit 11 Jahren andauernden Bullenmarkt hat es in jedem Jahr Korrekturen gegeben. Diese haben sich teils sogar im zweistelligen Bereich bewegt, bis auch schon 30 % in US-Dollar.

Fazit: Sollte man einen Einstieg in Gold nutzen wollen, dürfen weitere, eigene liquide Mittel nicht fehlen, um das Verlustrisiko eines übereilten Verkaufs zu vermeiden. Niemand kann mit Gewissheit sagen, wo das untere Limit beim Goldpreis liegen dürfte. Gold verleitet sehr leicht zur übertriebenen Euphorie, weshalb eine objektive Rekapitulation der Preisentwicklung des Goldes in den letzten 12 Monaten erforderlich und geboten ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass das gelbe Edelmetall weiterhin in seinem Seitwärtstrend gefangen bleibt, ist allerdings aus Sicht vieler unabhängiger Analysten in Europa sehr hoch.

Print Friendly

Incoming search terms:

  • prognose goldpreis 2020
  • prognose goldpreisentwicklung 2020
  • goldpreis prognose 2020
  • goldpreis 2020
  • goldpreis2012-2020
  • gold prognose 2020
  • goldpreisentwicklung 2020
  • goldpreis im jahr 2020
  • goldpreisentwicklung bis 2020
  • goldpreis 2025
  • prognose eft gold 2025
  • prognose über goldpreis entwicklung

Posted in Aktien Analysen, Devisen Währungen, Gastkommentare, RohstoffeComments (17)

-->

Die Luftfahrtbranche im Wandel – Boeing, Airbus, Lufthansa, Rolls-Royce, MTU, GE Aviation, EADS..

Die internationale Luftfahrtindustrie positioniert sich aktuell in Farnborough und ist mit allem auf dieser besonders interessanten Luftfahrtmesse vertreten, was Rang und Namen in der Aviation-Branche hat. Die Luftfahrtbranche ist im Umbruch, es geht um Märkte, Marktanteile und Bedürfnisse der Kunden, aber auch um neue Werkstoffe und Energieeffizienz.

Trader mit Interesse an der Luftfahrtindustrie sollten wissen, dass Analysten in der Aviationbranche bevorzugt mit der SWOT-Analyse operieren. Die SWOT-Analyse (engl. Akronym für Strengths (Stärken), Weaknesses (Schwächen), Opportunities (Chancen) und Threats (Risiken)) ist ein Instrument der Strategischen Planung und ist „Kind“ der Harvard Business School. Vereinfacht ausgedrückt ist die SWOT-Analyse eine Kombination aus Unternehmensanalyse (der  Suche nach Stärken und Schwächen) und der sogenannten Umweltanalyse (der Suche nach den strategisch relevanten Chancen und Risiken); sie dient der Positionsbestimmung und der Strategieentwicklung von Unternehmen und anderen Organisationen und gilt als eine der wichtigsten Methoden der strategischen Analyse. Praxisbewährt wird die Analysemethode SWOT beispielsweise im Zusammenhang mit der Volkswagen AG genannt.

Es ist kein Geheimnis, dass auch die Bundesregierung mit dem Instrument der SWOT-Analyse zur Bewertung und Einschätzung der Luft- und Raumfahrt operiert, etwa im Zusammenhang der Umsetzung der „High-Tech-Strategie für Deutschland.“ Die Bundesregierung implementierte für jedes Innovationsfeld eine sogenannte SWOT-Analyse zur Bewertung der Stärken und Schwächen sowie der Chancen und Risiken vor.

Die großen Hersteller und Marktführer Boeing und Airbus:

Boeing hat gut vorgelegt und punktet vor allem mit der Innovation vom Typ Boeing 787 “Dreamliner”, einem zweistrahligen Langstrecken-Jet mit einer Sitzplatzkapazität für 200 bis 300 Passagiere; für die Mehrzahl der Analysten sieht es erstmals seit vier Jahren danach aus, das Boeing dieses Jahr wieder mehr Flugzeuge ausliefern wird, als der Konkurrent auf Augenhöhe, Airbus, dies wird tun können. Der “Dreamliner”, der Wundervogel aus Kohleverbundfaser, den Boeing erst seit einem halben Jahr ausliefert, besticht mit neuster Werkstofftechnik und Energieeffizienz. Und genau das ist aktuell bei den Kunden und Airlines besonders nachgefragt. Mehr als 800-mal hat Boeing den neuen Superflieger vor der Erstauslieferung verkauft. Ein um 21 % reduzierter Spritverbrauch gegenüber dem Vorgängermodell Boeing 767 ist ein kaum zu schlagendes Verkaufsargument. Boeing setzt bei der Optimierung des Dreamliners auf eine enge Kooperation mit dem Triebwerkherstellers Rolls-Royce Plc.

Zudem setzt Boeing im Konkurrenzkampf zwischen seinem Mittelstreckenjet 737-MAX und dem Airbus A320neo auf eine größere Reichweite. Dank der sparsameren Triebwerke und aerodynamischer Verbesserungen soll die Maschine je nach Ausführung gut 6.500 Kilometer weit fliegen können und damit bis zu 1.000 Kilometer weiter als die herkömmliche 737-NG. Der  Typ 737-MAX sollte nach Einschätzung der Vertriebsleitung von Boeing die ähnlich großen Airbus-Modelle weiterhin hinter sich lassen. Programmchefin Beverly Wyse hofft, die Langversion 737-MAX-9 könne sogar den betagten Langstreckenjet 757 ersetzen.

Konkurrent Airbus sucht nach einer zwischenzeitlichen Auftragsflaute für die größere Version des Hoffnungsträgers A350 neue Märkte und Kunden, vorzugsweise im asiatischen Großraum. Im Gespräch ist Cathay Pacific aus Hongkong, vermelden Brancheninsider. Cathay Pacific soll bereits 36 Einheiten des Basismodells A350-900 geordert haben und könnte jetzt zusätzlich die größere Version A350-1000 bestellen oder alternativ die alten Orders umwandeln, berichten Branchenkreise. Airbus sowie Boeing dürften mit Blick auf die starken Turbulenzen in der Luftfahrtbranche nicht unzufrieden sein. Die Auftragsbücher beider Hersteller  sind schon jetzt so prall gefüllt, dass Airlines durchschnittlich 7 Jahre auf eine modernisierte Version der A320 oder der B737 warten müssen. Um die Flut der Bestellungen zu bewältigen, müssen Airbus und Boeing ihre Produktion darum massiv ausweiten – prognostiziert um rund 45 % in den kommenden 3 Jahren.

Airbus hat aber Material- und Qualitätsprobleme beim Großraum-Jet A380, nämlich Risse im Inneren der Tragflächen. Die Kunden und Airlines von Airbus sind verärgert. Rund 8 Wochen werden Fluglinien auf Airbus-A380-Maschinen verzichten müssen, damit die Reparaturen an den Flügeln ausgeführt werden können. Airbus relativiert das hausgemachte Problem: die Reparaturen könnten auch in mehreren Etappen durchgeführt werden, erklärt die EADS-Tochter. So könnten die Maßnahmen während der regulären Wartung der Maschinen durchgeführt werden. Die umfangreiche Prüfung, der sogenannte C-Check, erfolgt bei dem Großraumflugzeuge alle 2 Jahre. Im vergangenen Jahr waren diverse Risse im Inneren der Tragflächen entdeckt worden. Für die Reparaturarbeiten hat die European Aeronautic  Defence & Space 105 Millionen Euro in die Bilanz 2011 eingestellt und schraubte die Kostenprognose nach oben. Bis zum Jahresende 2012 könnten sich die Kosten auf etwa 260 Millionen Euro summieren.

Sorgenkind Nr. 2 bei Airbus: der Airbus A400M soll den gestiegenen Anforderungen an militärische Lufttransportleistungen gerecht werden. Als „strategischer Transporter“ soll er durch hohe Reichweite, Geschwindigkeit und Ladekapazität, einen geräumigen Laderaum und flexible Einsatzmöglichkeiten den europäischen Streitkräften die Möglichkeit geben, bei auftretenden außereuropäischen Krisen schnell zu reagieren und große Mengen von Material und Personal zu verlegen. Gegenüber den Typen, die die A400M ersetzt, werden sich Nutzlast und Reichweite etwa verdoppeln. Die Produktion ist jedoch erheblich in Rückstand geraten und die Kostenfrage droht auszuufern. Kritiker bemängeln zudem, dass trotz der gegenüber der “Transall”  und “Hercules”  erheblich gesteigerten Reichweite und Nutzlast die Bezeichnung „strategischer Transporter“ technisch nicht gerechtfertigt sei, sondern lediglich eine politisch gewollte Bezeichnung darstelle. Die A400M ist mit vier Turboprop-Triebwerken ausgestattet und zeichnet sich gegenüber den von ihr zu ersetzenden älteren Typen durch eine sehr viel höhere Nutzlast und Reichweite aus. Der Airbus A400M kann zwar aktuell nur eine Bestellliste für 174 Einheiten aufweisen, hat anderseits allerdings sehr gutes Potential als zukünftiger, globaler Exportschlager.

Ein strategischer Pluspunkt kann indes für Airbus die Neuansiedlung eines Produktionswerkes in den USA sein, um mit der Erschließung dieses wichtigen Marktes der Aviation-Industrie direkt Kunden akquirieren und sehr kurzfristig bedienen zu können. Damit folgt die Luftfahrtindustrie der Unternehmens- und Vertriebsstrategie der Automobilhersteller. Die EADS-Tochter hat jetzt bekanntgegeben, von 2015 an Flugzeuge der A320-Familie in Mobile, Bundesstaat Alabama, fertigen zu wollen. Drei Jahre später sollen jedes Jahr 40 bis 50 Maschinen an Kunden übergeben werden. Bereits im kommenden Jahr wird mit dem Bau der neuen Produktionshalle begonnen, aus der 2016 der erste fertige Jet rollen soll. Die Investitionen sind mit rund 600 Millionen USD veranschlagt. Der US-Bundesstaat Alabama lockt mit Subventionen im Umfang von 158 Millionen USD. Alabama habe einem “teuren” Paket von Anreizen zugestimmt, um Airbus zu gewinnen, sagte Gouverneur Robert Bentley auf der Luftfahrtmesse in Farnborough. Das könnte sich mittelfristig zu einer Win-win-Situation entwickeln.

 

Die Airlines:

Virgin Atlantic setzt auf die modernisierte Version der Boeing B737: 23 Bestellungen. Cathay Pacific setzt auf Airbus: 36 Einheiten A340-900. Die japanische Fluggesellschaft ANA beabsichtigt in den kommenden Tagen 2,6 Milliarden USD bei den Shareholdern zu akquirieren, als Startkapital für einen radikalen Neubeginn. Monat für Monat treffen nagelneue Maschinen vom Typ Boeing 787 “Dreamliner” in Tokio ein, seit Januar fliegt der “Dreamliner” täglich nach Frankfurt. 6 Maschinen sind bislang im Einsatz, 49 weitere Einheiten beabsichtigt ANA in den kommenden Jahren in die neue Flotte einzustellen. Die amerikanische Flugzeugleasinggesellschaft Air Lease (ALC) orderte 75 Maschinen des Typs Boeing 737 “Max.” Der Listenpreis für diese Order soll bei  7,2 Milliarden USD liegen.

Lufthansa AG hat jetzt als weltweit erste Fluggesellschaft da neu entwickelte Langstreckenflugzeug vom Typ Boeing 747-8 in Dienst gestellt. Das Langstreckenflugzeug zeichnet sich durch geringere Lärmbelastung, weniger Treibstoffverbrauch und deutliche reduzierte CO2-Emissionen aus. Bis 2015 will die Lufthansa AG 20 dieser neuen transfluid Maschinen in ihre Flotte integrieren.

Überdies hatte das LH Konzernmanagement das Sparprogramm „Score“ aufgelegt, um den Konzern bis 31.12.2014 wieder profitabel zu machen und um das Betriebsergebnis 1,5 Milliarden Euro zu verbessern. Dem Management der LH AG geht es um Konsolidierung und um die strategische, zukunftsfähige Ausrichtung in der Luftfahrtbranche. Da Personalkosten einen Löwenanteil der jährlichen Gewinn- und Verlustrechnung ausmachen, sucht die LH AG nach der richtigen Balance zwischen Sparprogramm „Score“ und „Risk Sharing“; bei nahezu allen globalen Airlines wird als weitere Kostensenkungsmaßnahme der schrittweisen Abbau von Überhangsstellen ebenso in Betracht gezogen, wie der Einsatz neuer personalpolitischer Maßnahmen (Leiharbeiter, ähnlich der Automobilindustrie). Im Rahmen von SWOT gilt sich dies als positiver Erfolgsfaktor für die geplanten Sparmaßnahmen. Äußere Faktoren, welche die Profitabilität vorantreiben könnten, seien gestiegene Ticketpreise und der zuletzt gesunkene Ölpreis am Markt.

Für eine Branche der Luftverkehrsgesellschaften, die mittlerweile mehr als die Hälfte ihrer Erlöse für Kerosin ausgibt, sind Einsparungen eine Überlebensfrage.  Die Airlines müssen zum einen ihre Flotten modernisieren, um bei hohen Kerosinkosten weiterhin wirtschaftlich zu fliegen. Andererseits können sie sich das nur mit massiven Sparprogrammen leisten. Wichtige Industriestaaten stecken in der Rezession. Überdies belasten zusätzliche Steuern und Abgaben die Bilanzen.

 

Die Profiteure: Triebwerkshersteller sowie Luftfahrt-und Aftermarket-Support-Dienstleister :

Rolls-Royce Plc ist hervorragend aufgestellt  und bedient mit dem Upgrade “Trent 1000″ Triebwerk die zukünftige “stretched version”  des Typs 787 “Dreamliner.” Aber auch andere Triebwerkshersteller wie GE und MTU profitieren von der Nachfrage der Fluggesellschaften nach spritsparenden Jets.

GE Aviation ist auf Düsentriebwerke für den kommerziellen und militärischen Gebrauch spezialisiert. Darüber hinaus stellt das Unternehmen Bordelektronik sowie elektronische und mechanische Systeme für die Luftfahrt her. Für die deutschen Kunden bietet GE Aviation eine breite Palette von Produkten und Originalersatzteilen für zivile und militärische Einsatzzwecke, triebwerks- und flugzeugbezogene Dienstleistungen sowie Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten. 2010 begann die neue Niederlassung GE Aviation in Regensburg mit der Produktion von Turbinenschaufeln aus einem besonderen Leichtbaustoff, die in GEs neuestem, treibstoffeffizientem Flugzeugtriebwerk GEnx zum Einsatz kommen.

Luftfahrt-und Aftermarket-Support-Dienstleister konzentrierten sich  vor allem im Segment Support-Services und Luftfahrt-Ersatzteilmarkt und bedienen die Wirtschaft und die allgemeine Luftfahrtindustrie. Im Service: Betankung, Ground Handling und andere Dienstleistungen für die allgemeinen und kommerziellen Luftfahrtmärkte. BBA Aviation plc mit Sitz in London und mehr als 200 Standorten auf fünf Kontinenten ist einer der führenden globalen Luftfahrt-und Aftermarket-Support-Dienstleister. Das Unternehmen produziert und unterstützt Motoren-und Raumfahrt-Komponenten, Subsysteme und Flight-Systeme. Die Geschäftsaktivitäten sind in zwei Segmente gegliedert, dem Flight Support und Aftermarket Services.

 

Die Bewertung: Analystenmeinungen 

Boeing Votum “buy”: Mit dem Anstieg auf 60,46 hat Boeing am 09.07.2012 ein neues 3-Jahres-Hoch erreicht und damit den Kurs vom 05.07.2012 eingestellt, das spricht für die Strategie von Marktpräsenz von Boeing. Boeing liefert den Kunden das, was an den Märkten besonders nachgefragt wird. Den mit kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff Energiesparer “Dreamliner.” Insbesondere Analysten in den USA stufen die Aktie von Boeing (ISIN US0970231058/ WKN 850471) mit dem Votum “buy” ein. Das Kursziel wird bei 87 USD gesehen.

Airbus EADS (European Aeronatuic Defence and Space Company) Votum ist uneinheitlich; UBS AG und Société Générale Group S.A. sehen ein “buy” als gerechtfertigt an; EADS sieht sich rückläufiger Verteidigungsausgaben und eine Abnahme der Kundennachfragen ausgesetzt, zudem sind Produktionsschwächen noch nicht abgestellt worden, was zu einem Imageproblem führt.

Lufthansa-Aktie Votum “buy”. Bei einem aktuellen Kurs von 9,20 EUR bewerten derzeit 21 Analysten bei Bloomberg die Lufthansa-Aktie mit “KAUFEN” und 3 Analysten mit “HALTEN”. 3 Analysten setzen Lufthansa auf “VERKAUFEN”. Das 12-Monats-Kursziel auf Bloomberg liegt bei 11,33 EUR. Zwar ergibt sich aus dem Kursverlauf der LH Aktie, dass sie in den vergangenen 5 Jahren einen Großteil ihres Wertes einbüßen musste, diese Verwerfungen mussten indes nahezu alle globalen Carrier verkraften. Nach SWOT sollte die LH allerdings die Tiefphase mittlerweile erreicht und durchschritten haben, nach dem ersten Restrukturierungsschritt “Climb 2011″ setzten viele Analysten auf einen moderaten Anstieg des Kurses bei der LH Aktie.

Triebwerkshersteller Votum “buy” – allerdings mit Einschränkungen. Favorit ist Rolls-Royce Plc. Aktionäre sollten hier aber folgendes beachten: C-Aktien-Anteile von RR sind rückzahlbare Vorzugsaktien von 0,1p von Rolls-Royce Holdings plc anstelle einer Bardividende: C Shares are redeemable preference shares of 0.1p each in the capital of Rolls-Royce Holdings plc (the Company). The Company will generally issue C Shares to its ordinary shareholders twice a year in lieu of a cash dividend. Although the Company does not pay a conventional cash dividend our shareholders are still given the opportunity to receive cash or additional Ordinary Shares.

Die Commerzbank hat die Einstufung für MTU nach einem Statement von Finanzchef Reiner Winkler auf “Buy” mit einem Kursziel von 66,00 Euro belassen. Bei GE gilt es zunächst, die weitere Entwicklung abzuwarten. Analysten von Goldman Sachs und Nomura votieren für “buy”, dennoch sollte nicht übersehen werden, dass auf dem Höhepunkt der Finanzkrise Großinvestor Warren Buffett (Berkshire Hathaway) mit 3 Milliarden US-Dollar diskret GE aus einem Liquiditätsengpass hatte heraushelfen müssen. GE plant nach aktuellen Medienberichten strategische Übernahmen von mittelständischen Firmen aus Familienbesitz in Deutschland.

Tendenziell sollten Anleger immer berücksichtigen, dass die Entwicklung des Aktienkurses von Airlines von vielen Einflussfaktoren abhängig ist, die bei der Bildung einer Marktmeinung eine Rolle spielen können. Vergangene Wertentwicklungen sind in dieser Branche kein Indikator für die Zukunft. Ansteigende Treibstoffkosten, Steuerbeschlüsse für den Luftverkehr und das Ausbleiben von infrastrukturellen Maßnahmen durch politische Einflüsse können sich negativ auf den Umsatz und damit auf den Aktienkurs auswirken. Dessen ungeachtet ist die Aviation-Industrie eine hoch innovative und spannende Branche mit Zukunft.

Ein Gastkommentar von Sandro Valecchi, Analyst

Print Friendly

Incoming search terms:

  • swot analyse lufthansa
  • pestel analyse lufthansa
  • lufthansa swot analyse
  • swot lufthansa
  • lufthansa swot
  • swot analysis airbus
  • pest analysis lufthansa
  • pestel analysis lufthansa
  • swot analyse airbus
  • swot airbus
  • airbus bremen wandel im betrieb
  • pestel analysis areo

Posted in Aktien Analysen, GastkommentareComments (0)

-->

Gastkommentar: Die Solarindustrie in der Konsolidierungs-Phase

Der Gesetzentwurf zur Kürzung Einspeise-Vergütung für Solarstrom wurde heute vom Deutschen Bundesrat gestoppt und in den Vermittlungsausschuss verwiesen. Dessen ungeachtet sucht die Deutsche Solarindustrie den richtigen Weg in die Konsolidierung. Ein kurzer Überblick

BOSCH versucht aktuell seine Solarsparte unter diesen neuen Bedingungen, Kürzungen der Einspeise-Vergütungen sowie weltweite Überkapazitäten, neu auszurichten. Im Jahr 2011 sind die Erlöse nach Unternehmensangaben um knapp 10 % auf rund 800 Mio. Euro zurückgegangen. Das defizitäre Geschäftsfeld Photovoltaik sowie Firmenwertabschreibungen i. H. v. 560 Millionen in diesem Bereich haben wesentlich zum operativen Verlust von 364 Mio. Euro in der Konzernsparte Industrietechnik beigetragen. „Wenn die Preise in einem Jahr um 40 Prozent sinken, kann man das mit Kostensenkungen nicht kompensieren“, fasst Bosch-Vizechef Siegfried Dais die Problematik zusammen.

Wie sich die Umsätze der Solarstromsparte mit rund 3500 Mitarbeitern bis zum Ende dieses Jahres entwickeln werden, sei noch nicht absehbar. Von einer Bereinigung des Marktes sei derzeit noch nicht viel zu spüren, kommentiert Dais. „Auch insolvente Hersteller produzieren weiter.“ Und selbst wenn alle angeschlagenen Produzenten aufhören würden, gäbe es noch Überkapazitäten am Markt, sagte der Manager. Bisher hat Bosch nach Angaben des Geschäftsbereichs Finanzen seit dem Einstieg in die Photovoltaik im Jahr 2008 operative Verluste von 300 Millionen Euro verbucht.

Bosch sieht in seiner strategischen Ausrichtung einen mittelfristigen Erfolgseintritt. Das Bosch-Management zeigt sich davon überzeugt, dass die Bedeutung der Sonne als Energiequelle weiter wachsen wird, beispielsweise wegen der sinkenden Anlagenpreise bei gleichzeitig steigender Leistung. „Die Kosten pro Kilowattstunde werden bei Photovoltaik-Anlagen schon in wenigen Jahren niedriger sein als bei Offshore-Windkraftanlagen“, prognostizierte Dais. Zudem lasse sich durch die Kombination von Solar- und Windstrom ein Teil der Stromproduktionsschwankungen ausgleichen. Bosch positionierte sich auch zum Reizthema Subventionen. „Mittelfristig muss auch diese Sparte wirtschaftlich arbeiten“, sagte Bosch-Chef Franz Fehrenbach.

Eine permanente Quersubventionierung könne es nicht geben. Fehrenbach zeigte sich zugleich zuversichtlich, dass es im laufenden Jahr gelingen werde, durch technische Optimierung und Kostensenkungen das Ergebnis im Solargeschäft zu verbessern. In drei bis fünf Jahren, so schätzt der scheidende Bosch-Chef, könnten schwarze Zahlen erzielt werden. Welche konkreten Sparmaßnahmen in der Solarsparte geplant sind, wollte Vizechef Dais nicht sagen. Aktuell sei die Produktion von Solarzellen im Werk Arnstadt komplett ausgelastet. Der Markt bleibe aber zunächst sehr volatil!

CONERGY befindet sich derweil in einer laufenden Übernahme durch einen Konkurrenten aus China.”Es ist nicht mehr eine Frage des Ob, sondern nur noch des Wann.” Die Aktien der Conergy AG sind wegen des möglichen Einstiegs eines chinesischen Konkurrenten des Hamburger Solarunternehmens am Donnerstag um bis zu 16 % auf 0,57 Euro und damit den höchsten Stand seit Februar gestiegen. Conergy war einmal Deutschlands größtes Solarunternehmen.

centrotherm photovoltaics AG hat im ersten Quartal 2012 in einem schwierigen Marktumfeld einen Auftragseingang von 255,4 Mio. Euro (Vorjahreszeitraum: 224,3 Mio. Euro) erzielt. Die Branchen- und Finanzierungssituation bleibt weiterhin angespannt und zeigte sich erneut in der Geschäftsentwicklung. Für die ersten drei Monate dieses Jahres ergab sich im Konzern ein Umsatz von 82,5 Mio. Euro (Vorjahreszeitraum: 189,3 Mio. Euro). Das operative Ergebnis (EBIT) sank auf minus 42,9 Mio. Euro (Vorjahreszeitraum: 17,7 Mio. Euro). Der Auftragsbestand betrug zum 31. März 2012 insgesamt 508,2 Mio. Euro (31. Dezember 2011: 423,0 Mio. Euro). Der Lichtblick und Konsolidierungsanker: der Großauftrag von Sonelgaz zum Bau einer vollintegrierten Solarmodulfabrik in Algerien in Höhe von 227,1 Mio. Euro.

„In den Zahlen spiegeln sich die Marktturbulenzen wider, mit denen auch wir zu kämpfen haben“, sagte Dr. Thomas Riegler, Finanzvorstand der centrotherm photovoltaics AG. „Die Branche befindet sich in der bisher schwersten Krise, die Konsolidierung ist im vollen Gange. Daher arbeiten wir mit Hochdruck an der Umsetzung unseres Restrukturierungsprogramms ct focus, welches umfangreiche Maßnahmen zur Ergebnis- und Liquiditätssicherung vorsieht. Das erklärte Ziel, um centrotherm auf den Weg nachhaltiger Profitabilität zurückführen, ist eine schlanke und effizienten Organisationsstruktur, sowie die strategische Ausrichtung auf die technologischen Kernkompetenzen und Produkte insbesondere im Segment Solarzelle & Modul sowie im Bereich Halbleiter. Für das erste Halbjahr 2012 gehen wir von keiner Verbesserung der aktuellen Situation aus.“

Im Segment Silizium & Wafer erzielte centrotherm photovoltaics mit dem Verkauf von Technologie und Anlagen für die Silizium -Produktion Umsätze von 37,2 Mio. Euro (Vorjahreszeitraum: 29,3 Mio. Euro). Für das operative Ergebnis (EBIT) ergab sich ein Wert von minus 0,2 Mio. Euro (Vorjahreszeitraum: 2,2 Mio. Euro). Der Auftragsbestand im 2/3 Segment lag am 31. März 2012 bei 195,5 Mio. Euro (31. Dezember 2011: 176,1 Mio. Euro).Im Berichtszeitraum hat sich das Risiko verdichtet, dass es im Rahmen eines Großprojekts möglicherweise zu einem Rechtsstreit in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrages kommt.

Da der Vorstand nach bisheriger Einschätzung davon ausgeht, dass aufgrund der vertraglichen Vereinbarungen hieraus für die Gesellschaft keine größeren Belastungen resultieren werden, wurden derzeit keine weiteren Rückstellungen gebildet. Im Segment Solarzelle & Modul beliefen sich die Umsatzerlöse auf 37,2 Mio. Euro (Vorjahreszeitraum: 154,9 Mio. Euro). Das EBIT lag bei minus 32,2 Mio. Euro (Vorjahreszeitraum: 19,3 Mio. Euro). Der Auftragsbestand im Segment betrug am Ende des ersten Quartals 306,3 Mio. Euro (31. Dezember 2011: 234,6 Mio. Euro). Das Segment Dünnschichtmodul erwirtschaftete einen Umsatz von 8,1 Mio. Euro (Vorjahreszeitraum: 5,1 Mio. Euro). Das EBIT lag bei minus 10,5 Mio. Euro (Vorjahreszeitraum: minus 3,8 Mio. Euro). Das Segment verzeichnete einen Auftragsbestand von 6,4 Mio. Euro (31. Dezember 2011: 12,3 Mio. Euro).

„Für das erste Halbjahr 2012 sehen wir keine Verbesserung der aktuellen Situation“, so Finanzvorstand Riegler. „Dennoch sehen wir den anhaltenden Kostendruck in der Photovoltaik-Industrie auch als Chance. Denn unsere Kunden setzen auf hocheffiziente Technologien und Produktionsanlagen, die ihnen einen Wettbewerbsvorteil ermöglichen.
Darüber hinaus sehen wir das mittel- bis langfristige Potenzial der Photovoltaik durch den weltweit steigenden Energiebedarf und die begonnene Energiewende.“

Die centrotherm photovoltaics AG mit Sitz in Blaubeuren ist weltweit führender Technologie- und Equipment-Anbieter der Photovoltaik-Industrie. Das Unternehmen stattet namhafte Solarunternehmen und Branchen-Neueinsteiger mit schlüsselfertigen („Turnkey“) Produktionslinien und Einzelanlagen für die Herstellung von Silizium, kristallinen Solarzellen und -modulen sowie Dünnschichtmodulen aus. Damit verfügt der Konzern über eine breite und fundierte Technologiebasis sowie Schlüsselequipment auf nahezu allen Stufen der Wertschöpfungskette. Im Geschäftsjahr 2011 erzielte centrotherm photovoltaics einen Umsatz von rund 700 Mio. Euro. Das Unternehmen ist im TecDAX an der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet. Sandro Valecchi

Print Friendly

Posted in Aktien Analysen, Gastkommentare, SolarnewsComments (0)

-->

Gastkommentar Lufthansa AG auf Konsolidierungskurs

Der Beitrag „Lufthansa im Sinkflug“ ist zwar kritisch, wohl auch berechtigterweise, dennoch möchte ich gerne ins Detail gehen zu die positiven Aspekte des Lufthansa Sparprogramms „Score“ kurz herausarbeiten: Die LH AG reagiert notwendigerweise mit einem Konsolidierungspaket, um den Konzern in einer hart umkämpften Branche mit engen Margen bis 31.12.2014 wieder profitabel zu machen. Das Ziel ist die angestrebte Verbesserung des Betriebsergebnisses um 1,5 Milliarden Euro. Dem LH Management geht es um Konsolidierung und um die strategische, zukunftsfähige Ausrichtung in der Luftfahrtbranche

Nur ein Aspekt des Sparprogramm umfasst auch die Personal- und Verwaltungskosten; letztere sollen um ein Viertel sinken. Dies erklärt den avisierten Umfang des voraussichtlichen Stellenabbaus in einer Größenordnung von voraussichtlich 3.500 Stellen in der Verwaltung, die sukzessive abgebaut werden sollen. Die Personalkosten sollen sinken, indem beispielsweise Doppelfunktionen wegfallen und Tätigkeiten, die „keinen Mehrwert für den Kunden schaffen“, hieß es in einem Statement des LH-Managements. „Nur wenn wir jetzt die administrativen Funktionen neu strukturieren, können wir langfristig Arbeitsplätze erhalten und neue Arbeitsplätze schaffen“, kommentiert der LH Vorstandsvorsitzende die strategische Personalpolitik für den Konzern, der nach eigenen Angaben 115.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Der in dieser Relation zu sehende eher moderate Arbeitsplatzabbau solle möglichst sozialverträglich vonstatten gehen, teilte der LH Vorstand mit.

Kostensenkung steht vor allem auf der Agenda des Sparprogramms „Score“: „Dass wir in einem nächsten Schritt die durch Wachstum entstandene Komplexität im Konzern reduzieren müssen, ist eine logische und vorhersehbare Konsequenz“, kommentierte Vorstandsvorsitzende Christoph Franz. In den vergangenen Wochen hatte der Lufthansa-Konzern bereits die Ausgliederung von Mitarbeitern der Tochter Austrian Airlines in eine andere Gesellschaft (Tyrolean) zu deutlich schlechteren Konditionen durchgesetzt. Ab erstem Juli 2012 gilt somit für alle 2.100 Piloten und Flugbegleiter der AUA der günstigere Kollektivvertrag der Regionaltochter. Die verlustbringende Tochter British Midlands wurde verkauft. Außerdem optimiert der Konzern seine Flugrouten, die Konzerntöchter sollen stärker zusammenarbeiten. Ob es zur Gründung eines neuen Low-Cost Carriers kommt, blieb offen; das LH Management positionierte sich lediglich dahingehend, das es aktuell keine Entscheidung gebe, an den Marken etwas zu verändern.

Kostentreiber waren aus Sicht der LH AG die Verteuerung für Kerosin, die Luftverkehrssteuer in Deutschland und Österreich sowie der Emissionshandel (C02-Ausstoß). Letzterer bedingt seit 2012, das alle Flüge, die von Flughäfen innerhalb der EU starten oder auf Flughäfen in der EU landen, dem EU ETS unterliegen. Dies bedeutet zugleich, dass die C02-Emissionen dieser Flüge bis 2020 um mindestens 20% ihres Niveaus von 1990 reduziert werden müssen.

Diese Entwicklung ist dem LH Management bekannt. Die internationale Luftfahrtbranche hat sich Klimaschutzziele gegeben, die nach Angaben des Branchenverbands International Air Transport Association (IATA) über bestehende gesetzliche Vorgaben hinausgehen. Bei einem Treffen im kanadischen Montreal versprachen Vertreter von Fluglinien und Flughäfen, die Kerosin-Effizienz bis zum Jahr 2020 um jährlich 1,5 % zu erhöhen. Ab dann will die Branche auch ohne zusätzlichen C02-Ausstoß wachsen. Zur Mitte des Jahrhunderts sollen die Emissionen im Vergleich zum Bezugsjahr 2005 halbiert werden. Wie diese Klimaziele erreicht werden sollen und ob sie überhaupt umsetzbar sind, ist umstritten. Sabine Teller, Pressesprecherin des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) Berlin, hält die IATA-Ziele für ambitioniert und auch für notwendig. Sie seien „kein Lippenbekenntnis“, sondern auch eine Konsequenz des knapper werdenden Kerosins.

Die Luftfahrtbranche stehe durch die Verknappung vor der „schlichten ökonomischen Notwendigkeit, noch effizienter zu werden, um Treibstoff und Emissionen einsparen zu können“, so Teller. Von der Politik wünscht sie sich eine stärkere Unterstützung beim Klimaschutz, etwa bei der Forschung an alternativen Treibstoffen. „Dafür sollten Erlöse aus dem Emissionshandel genutzt werden“, fordert die BDF-Sprecherin. Europäische Luftlinien unterliegen dem europäischen CO2-Handel seit 2012. Teller sagt, dass mit diesen Mitteln Wettbewerbsnachteile gegenüber außereuropäischen Fluglinien, die nicht dem Emissionshandel unterliegen, vermieden werden könnten. Die Luftfahrtbranche erwartet deshalb von der Bundesregierung mit den Erlösen zum Beispiel die Entwicklung effizienterer Triebwerke zu unterstützen.

Die gestiegenen Kerosin-Kosten setzen der LH zu. Allein die Treibstoffkosten lagen dieses Jahr laut LH Management um 304 Mio. Euro höher als im Vorjahresquartal. 7,5 Milliarden Euro wurden hierzu genannt. Hier besteht ein Wettbewerbsvorteil für neue Fluggesellschaften mit Sitz auf der arabischen Halbinsel. Emirates ist einer der Hauptkonkurrenten der Lufthansa, das ist kein Geheimnis. Anderseits hat beispielsweise Emirates für alle Buchungen ab dem 01.03.2012 einen Treibstoffzuschlag eingeführt, der jetzt Flüge nach Afrika, in den Mittleren Osten oder Asien nach um etwa 70 bis 86 Euro pro Person verteuert.

Damit musste sich zugleich diese Airline vom Geschäftsmodell der sogenannten „Inkludierung der Kerosinzuschläge“ in den Flugpreis verabschieden und der Wettbewerb hat sich wieder etwas zugunsten der Lufthansa AG verlagert. Mit der Beteiligung am INSPIRE-Programm (Indian Ocean Strategic Partnership to Reduce Emissions) versucht Emirates die Treibstoffeffizienz zu verbessern. Mit zwei Testflügen von Dubai nach Brisbane und von Perth nach Dubai wurde der „perfekte Flug” getestet. Dazu gehört die Minimierung von Verspätungen am Boden, die effiziente Nutzung von Roll- und Landebahnen, die Durchführung gradliniger Steig- und Landeanflüge und eine ideale, direkte Streckenführung auf Basis existierender Wetter- und Luftraumbedingungen. Erste Erkenntnisse: eine Gesamtersparnis von über 6.250 Litern Treibstoff und mehr als 16.000 Kilogramm weniger CO2-Ausstoß.

Dem LH Management ist deshalb bewusst, mit dem Argument der Treibstoffkosten allein nicht mehr überzeugen zu können. Alternative Treibstoffe, von der Luftfahrtbranche zwar gewünscht, sind noch nicht in Serie, die Praxistests laufen noch. Der Einsatz von Biokerosin wird allerdings Bestandteil der Lufthansa Strategie zur Senkung der CO2-Emissionen. Anhand einer Vier-Säulen-Strategie arbeitet das Unternehmen daran, operative Maßnahmen am Boden und in der Luft zu optimieren, technischen Fortschritt voranzutreiben und Abläufe noch effizienter zu gestalten, um den Treibstoffverbrauch und damit die CO2-Emissionen zu verringern. Nach dem erfolgreichen Praxiseinsatz von biosynthetischem Treibstoff liegt bei Lufthansa nun der Fokus auf Eignung, Verfügbarkeit, Nachhaltigkeit und Zertifizierung der Rohstoffe.

Wichtige Wirtschaftsmächte wie China, Russland und Indien wehren sich heftig gegen die EU-Normen zur Emissionsbeschränkung. Auch Europas Airlines klagen nun darüber, sie müssten sich auf höhere Kosten oder Umsatzverluste einstellen. So habe Indien bereits angekündigt, dass Verkehrsrechte nicht verlängert werden. Russland habe zusätzliche Überfluggebühren angekündigt. Ein großer Teil der Flugrouten aus Europa heraus in Richtung Japan, China und Indien verlaufen über russischem Gebiet.

Die LH AG stellt sich mit „Score“ den neuen Entwicklungen in der Branche, dem Thema „Risk Sharing.“ Mit dem Prinzip des sogenannten „Risk Sharings“ verteilen die großen Luftfahrt OEM’s wie Boeing, Airbus und Embraer immer größere Teile ihrer finanziellen und technischen Entwicklungsrisiken für Neuprojekte in die Lieferantenkette hinein. Die Folge ist ein nie zuvor gesehener Strukturwandel im Luftfahrtmarkt. Sowohl für OEMs, deren Lieferantenkette als auch für die Ingenieurdienstleister in diesem Markt ist der erfolgreiche Wandel auf die neuen Anforderungen ein notwendiges Kriterium, das über die erfolgreiche weitere Existenz dieses geschlossenen Marktes entscheidet. Die neuen Risiken, die mit diesem Modell verbunden sind, sind schwer zu fassen und zu beherrschen und stellen alle Beteiligten vor wichtige, neue Herausforderungen.

Die Lufthansa AG hat jetzt als weltweit erste Fluggesellschaft da neu entwickelte Langstreckenflugzeug vom Typ Boeing 747-8 in Dienst gestellt. Das Langstreckenflugzeug zeichne sich durch geringere Lärmbelastung, weniger Treibstoffverbrauch und deutliche reduzierte CO2-Emissionen aus, teilte die Lufthansa weiter mit. Bis 2015 will die Lufthansa AG 20 dieser neuen Maschinen in ihre Flotte integrieren. Zusammengefasst sehr ich daher die richtige Managemententscheidung, die vielleicht hätte bereits etwas früher getroffen werden können oder müssen, in der Hauptsache allerdings die Lufthansa wieder profitabel machen wird. Eine meines Erachtens nach faire Bewertung der Lufthansa AG muss im Kontext zur volatilen, globalen Branchenentwicklung der Airlines gesehen werden.  Meine persönliche Einschätzung für die LH Aktie liegt daher bei „Buy“, mit der Tendenz zu „Strong Buy.“ Sandro Valecchi

Print Friendly

Incoming search terms:

  • airline branche entwicklung
  • ausgliederung Lufthansa

Posted in Aktien Analysen, GastkommentareComments (0)

-->

Gastkommentar: Windkraft 2012 – erfolgreich mit der richtigen Management-Strategie

„Auf die richtigen Management-Strategien kommt es an“, reflektieren Analysten der Energie-Branche die Jahrestagung der European Wind Energy Association (EWEA) 2012, die in Kopenhagen stattgefunden hatte und mit Ablauf der 16. Kalenderwoche erfolgreich endete. 450 Aussteller mit Schwerpunkt Elektro- und Erneuerbare Energien waren vor Ort präsent und belebten einen regen Informationsaustausch.

Was man kann, das weiß man in dieser Branche sehr gut: Beispiel Jütland. Dort hat Siemens Wind Power nach Übernahme des Windkraftspezialisten Bonus Energy eine hochmoderne Fertigung aufgebaut, wo Windräder verschiedenster Leistungsklassen hergestellt werden. Aber auch Sorge macht sich breit. Um nicht ein ähnliches Schicksal zu erleiden wie die angezählte europäische Solarindustrie, müsse sich die Windenergiebranche am Riemen reißen, kommentieren Experten und Manager.

„Wir müssen massiv in Innovation und Industrialisierung investieren“, bringt Felix Ferlemann, Chef von Siemens Wind Power, im Rahmen EWEA-Jahrestagung auf den Punkt. EWEA ist das stärkste Windenergienetzwerk und die anerkannte Stimme der Windindustrie. EWEA fördert aktiv die Windenergie in Europa und weltweit. Der Fokus richtet sich auf die Bereiche Lobbyismus und Politik sowie die zielorientierte und interessensgeleitete Zusammenarbeit mit den Mitgliedern. Darüber hinaus produziert und verbreitet EWEA zahlreiche Informationen – wie Pressemitteilungen, Berichte, wissenschaftliche Analysen, Stellungnahmen, Statistiken, Kommunikationsstrategien – alle dazu bestimmt, die Interessen der Windindustrie zu stärken und sicherzustellen, dass Medien, Politiker und die Öffentlichkeit sich der Leistungen und des Potentials der Windindustrie bewusst werden.

Die Mitglieder von EWEA sind Hersteller, die 98 % des Weltwindenergiemarktes repräsentieren, Zulieferer, Forschungsinstitute, nationale Wind- und erneuerbare Energieverbände, Entwickler, Elektrizitätsversorger, Finanz- und Versicherungsgesellschaften sowie Berater. Die vereinte Stärke von über 650 Mitgliedern aus mehr als 50 Ländern macht EWEA zum weltweit größten erneuerbaren Energieverband. Das EWEA hat seinen Sitz im “Renewable Energy House” in Brüssel und ist Gründungsmitglied des “European Renewable Energy Council (EREC)”, der die 6 Hauptindustrien und Forschungsverbände im Bereich erneuerbare Energien unter einem Dach vereint.

Die Management-Formel lautet: weitere Spezialisierung unter gleichzeitiger Kostenreduzierung, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und die Konkurrenz aus Asien auf Distanz zu halten. Geht das überhaupt?

Felix Ferlemann, Siemens Wind Power, sieht das jedenfalls so: „Die Implementierung einer klaren Plattformstrategie für unsere Produkte, stärkere Modularisierung und Standardisierung bringen uns dem Ziel näher.“ Ferlemann selbst kommt aus der Autoindustrie und möchte diese Erfahrungen in die Branche der Erneuerbaren Energien einspeisen. Auch bei der Volkswagen AG und anderen großen Autoherstellern habe man gedacht, „die Zitrone sei ausgepresst“, mehr ließe sich nicht herausholen: „Und siehe da, es ging doch noch mehr“, resümiert Ferlemann. Durch Kostensenkung und Ausbau des Service könnte der zunehmend aggressiver auftretenden Konkurrenz aus Asien, vor allem aus China, die Stirn geboten werden.

Die Finanzierungsfragen für die Projekte hat Patrick Champlain, der als Analyst für ein auf Wind spezialisiertes Londoner Beratungsunternehmen tätig ist, im Auge: Die Branche spürt einerseits Rückenwind, weil es bis 2020 in der EU fix vereinbarte Ziele gibt, den Anteil der erneuerbaren Energien zur Eindämmung des Klimawandels zu heben. Andererseits gibt es auch verstärkt Gegenwind. Das Umfeld hat sich im Vergleich zum Vorjahr rasant schnell geändert, deshalb ist für Champlain klar: „Die Sparprogramme, die in Europa gefahren werden, gefährden den Ausbau der erneuerbaren Energien.“ Zur Subventionspolitik hat der Analyst auch noch etwas nachzutragen: die Unsicherheit der Subventionsvergabepraxis. „Das ist Gift für das Geschäft“, kommentiert Champlain. „Selbst für die Windenergie kann das gefährlich werden, obwohl sie noch am wenigsten auf Subventionen von staatlicher Seite angewiesen ist.“

Zur richtigen Managementstrategie gehört auch Controlling und bewusstes Personalkostenmanagement mit den Instrumenten, die der Markt bietet: Kurzzeit-Arbeit ist beispielsweise kein Tabu, wenn der mittelständische Betrieb Auftragsrückgänge hinnehmen oder zeitweise verkraften muss. Arbeitszeit-Konten und familienorientierte Mitarbeiterführung kann sowohl dem Betrieb, als auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei deren Planung entgegen kommen.

Die richtige Managementstrategie ist freilich nur die eine Seite der Medaille, ein klares Konzept und ein handlungsfähiges Kompetenzzentrum für die Erneuerbaren Energien, fordert die Wirtschaft von der Politik. Am 02. Mai 2012 soll dies im Rahmen der Expertenrunde im Amt der Bundeskanzlerin angesprochen werden. Wirtschaftsverbände wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) fordern insbesondere aufgrund der Verwerfungen in der Solar-Branche, in der Regierung müssten jetzt die Kompetenzen zur Energiewende an einer Stelle, einem Kompetenzzentrum, organisatorisch gebündelt werden. Ein „Energieministerium“, das diese Rolle übernehmen könnte, kann sich Bundeskanzlerin Dr. Merkel aber erst vorstellen, wenn alle Atomreaktoren abgeschaltet sind und sich die Aufsicht sowie der Betrieb von Kernkraftwerken nicht mehr auf unterschiedliche Ressorts, untergeordnete Behörden, verteilt. Auch hierbei wird die Schwachstelle der Energiewende nur zu offensichtlich erkennbar.

Derweil stellt die Branche sich neu auf: neben Siemens Wind Power ist Alstom und General Electric (GE) und Areva Wind zu benennen.

Mit Blick auf die Konkurrenz aus Asien ist der europäischen Wind-Energie Branche bewusst: „Wir müssen massiv in Innovation und Industrialisierung investieren!“ Die Verwerfungen und Turbulenzen in der Solar-Branche schrecken die EU-Unternehmen auf, das Management will unbedingt strategische Fehler vermeiden. Allen Branchenkennern ist dabei bewusst, dass auch in der Windenergie-Technik das Ringen um die weltweite Vormachtstellung bereits begonnen hat.

China hat Interesse an dem dänischen Branchenprimus Vestas: Die chinesischen Hersteller Goldwind und Sinovel, die sich auf Platz 2 und 3 der globalen Rangliste in dieser Branche bereits etabliert haben, planen aktuell die Übernahme von Vestas. Vestas ist Marktführer der Branche und Platz 1 auf dem Weltmarkt, fragt sich freilich nur, wie lange noch?

Der Ausblick für 2012 ist positiv und dürfte die Innovationen in der Wind-Energie Branche weiter beflügeln, kommen doch global rund 46.000 Megawatt (MW) an Leistung neu hinzu. Global Wind Energy Council prognostiziert für 2013 einen leichten Rückgang bei Neuprojekten um 0,4 % auf 45.800 MW. Für 2014 schaut es allen Prognosen nach bereits schon jetzt sehr gut aus, die Weichenstellungen in dieser Branche stehen auf Wachstum. Ein Gastkommetar von Sandro Valecchi

Print Friendly

Incoming search terms:

  • dr felix ferlemann siemens
  • rangliste windkrafthersteller 2012
  • siemens plattformstrategie
  • siemens ranking windpower 2012
  • siemens wind power einkaufsleiter
  • siemens wind power felix ferlemann
  • siemens wind power ferlemann
  • siemens wind power ferlemann kostensenkung
  • Unternehmen Strategie windindustrie

Posted in Gastkommentare, Marktbericht, Solarnews, WatchlistComments (0)

-->

Solarhybrid, SunConcept, Solar Millennium, Solon und Q-Cells – war die Krise vermeidbar?

Gastkommentar: Photovoltaik-Branche und Managementfehler: war die Krise vermeidbar?

Das Jahr 2012 markiert eine Wende in der Förderpolitik der vom Bundestag und Bundesrat im Jahr 2003 verabschiedeten Subventionen im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und hat zugleich zu starken Verwerfungen in der Solar-Branche geführt. Das EEG 2003 legte zunächst den Grundstein für den wirtschaftlichen Betrieb von Solaranlagen in Deutschland. Seit 2006 gibt es neue Bedingungen für die Stromeinspeisung. Hier wurde festgeschrieben, dass Energieversorger 20 Jahre lang die Stromeinspeisung pro Kilowattstunde fest vergüten müssen. Diese besonders attraktiven Subventions- und Fördergarantien und das Programm zur CO² Reduzierung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau machten diese Investition für Eigenheimbesitzer und Investoren sehr interessant.

Die Mindestvergütung für Solarstrom betrug 35,49 Cent pro Kilowattstunde, bei einer Solaranlagen-Dachinstallation für die Erzeugung von weniger als 30 KW wurden 46,75 Cent und bei einer Fassadeninstallation für die Erzeugung von weniger als 30 KW sogar 51,75 Cent vergütet. Im Jahr 2011 folgte die Ansage der Änderung in der Subventionspraxis mit besonderen Auswirkungen auf die mittelständisch ausgerichteten Solarunternehmen. Der Deutsche Bundestag hatte am 30. Juni 2011 die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und damit eine Umkehr in der bisherigen Förder- und Subventionspraxis beschlossen. Die Bundesregierung hatte erkannt, dass sie diese enormen Kostenlasten der Förderpolitik pro Photovoltaik nicht mehr länger wird tragen können, schon gar nicht in diesem Umfang. Das hatte Folgen:

Nach Solarhybrid, SunConcept, Solar Millennium, Solon und nun auch First Solar (Fabrik Frankfurt Oder), geriet auch das zweitgrößte Vorzeigeunternehmen Q-Cells deutlich unter Druck. Das Q-Cells Management hatte kürzlich sein Sanierungskonzept für gescheitert erklärt, deshalb kommen zunehmend Fragen zur Art und Weise der Unternehmensführung auf. Management und Managementqualitäten stehen auf dem Prüfstand. „Hintergrund sei ein Rechtsstreit mit Gläubigern“, wiegelte Q-Cells ab. Das Unternehmen, das einst an der Frankfurter Börse als Neuling gefeiert worden war und mehrere Preise für unternehmerisches Handeln bekommen hatte, wies 2011 einen Verlust von 846 Millionen Euro aus. Q-Cells war von einem starken Preisverfall betroffen, wie andere Unternehmen der Solar-Branche auch, der freilich auf die Billig-Konkurrenz aus China zurückgeht, aber wohl auch seine Ursache in strategischen Fehlern des Managements der vergangenen Jahre hat.

Kenner der Branche meinen, dass auch SunConcept in seiner strategischen Ausrichtung schwere Fehler gemacht hat. „Wenn man einen so großen Laden hat, dann muss man flexibler sein“, kommentieren Analysten. Das deckt sich mit den Recherchen anderer Nachrichtenblogs, nach denen Insider in erster Linie betriebswirtschaftliche Fehler der vier Chefs für die Pleite verantwortlich machen. Die Nassauische Neue Presse zitiert beispielsweise einen Beteiligten mit den Worten: „Bei Sun-Concept herrschte ein unglaubliches Durcheinander, in dem keiner den Überblick hatte. Die Geschäftsführer sind an ihrer Überheblichkeit gescheitert.“ So sollen bis Ende vergangenen Jahres alle Hinweise auf die wirtschaftliche Schieflage konsequent ignoriert worden sein. Erst auf konsequentes Drängen einer Bank erklärte sich das Unternehmensmanagement bereit, einen Unternehmensberater mit Branchenausrichtung und Affinität zum Mittelstand zu Rate zu ziehen: zu spät! berichtet die Rhein Zeitung

Schwere Managementfehler führten nach Ansicht der Experten auch den Erlanger Solarkraftwerkherstellers Solar Millennium in die Zahlungsunfähigkeit.

Allen Unternehmen ist schlichtweg nicht gelungen, sich auf die neue Situation umzustellen und sich einer veränderten Marktlage mit neuen, innovativen Strategien anzupassen. Neue Absatzmärkte wurden nicht erschlossen, jedenfalls nicht in einem Rahmen, der für diese Unternehmen relevant gewesen wäre. Der Schutz von Markenrechten, der Wettbewerbsschutz und andere, wichtig, rechtliche Rahmenbedingungen wurden außer acht gelassen. „Man hätte beispielsweise früh genug auf die Vermittlung von Zeitarbeitern umsatteln sollen“, vermerken Analysten. Die Strategie „wir können die Dumping-Preise aus China nicht unterbieten, aber mit Qualität und Innovation überzeugen“, ging nicht auf.

Die chinesischen Produzenten haben in Deutschland mittlerweile einen Marktanteil von mehr als 50 % erobert und die Aussicht auf einen hohen Absatz dürfte Anleger wie Investoren ermutigt haben, zumal die „Konkurrenz“ im eigenen Land in die Insolvenz geht. Die Zuwächse bei den chinesischen Solarproduzenten beim Absatz von Solarmodulen in Deutschland sind im ersten Quartal auf 1,9 GW gestiegen. So verwundert es Analysten nicht, dass die Aktienwerte der chinesischen Solarproduzenten wie etwa Trina Solar, Jinko und Yingli am Mittwoch, 18.04.2012, in einem starken Gesamtmarkt deutliche Kursgewinne verzeichnen können. Wettbewerber aus China haben konsequent den Deutschen Absatzmarkt „aufgerollt“, diese Aktien profitierten von der wachsenden Risikobereitschaft der Investoren, die unter anderem ausgelöst wurde von der Anhebung der Wachstumsprognosen und der konsequenten Wirtschaftsexpansionspolitik Chinas.

Ein besonders großes Managementversage der Deutschen Unternehmen lag wahrscheinlich in der Vernachlässigung, neue Joint Ventures zu gründen. China kann das, China macht das und China verschaffte sich damit Absatzmärkte im Bereich der Schwellenländer. Andere Länder, wie etwa Kanada, vermeiden diese Fehler. Der globale Wettbewerber Canadian Solar hat heute mitgeteilt, sich in sechzehn kanadische Projekte eingekauft zu haben, die in den kommenden Jahren einen Absatzwert von 800 Mio. USD erreichen  dürften. Weiterhin hat das Unternehmen die Gründung eines Joint Ventures beschlossen, welches dem Ausbau der Geschäftstätigkeiten in den wichtigen Schwellenländern dienen soll. Aber wer dachte in Deutschland schon an Kanada, wenn es um die Solar-Branche geht?

Es blieb in Deutschland leider nur das Fundament der Subvention und dieses Fundament war bereits erkennbar brüchig: Eine vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) für den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) durchgeführte Befragung von mehr als 1.000 Unternehmen in Deutschland hatte ergeben, dass diese Form der Förder- und Subventionspolitik unangemessen und ineffektiv ist. Rund 51 % der Unternehmen gaben an, dass das neue Energiekonzept durch steigende Energiepreise und eine schwankende Versorgungssicherheit ihr Investitionsverhalten negativ beeinflussen wird. Demgegenüber dürfte die Energiewende lediglich 20 % zu steigenden Investitionen führen. Klar benachteiligt ist die gesamte Dienstleistungsindustrie in Deutschland, insbesondere die Branchen, deren Geschäftsmodell und Geschäftszweck (Solarien; Wellness; Fitness; Friseure; Shopping-Center) auf Lichttechnik ausgelegt und erhöhten Stromkonsum angewiesen ist. Im Prinzip handelt es sich um (kleine) Großverbraucher, die jedoch nicht durch die Bundes-Härtefallregelungen aufgefangen werden, weil sie keine sog. produzierenden Betriebe sind, aber dennoch als energieintensives Gewerbe bilanzieren (wegen erreichen der Stromkosten von 15 % plus X der Wertschöpfung, d.h. Umsatz minus Energie- und Materialkosten).

Von einem Missverhältnis sprach auch die Forschung in Deutschland unter Auswertung der Energieeffizienz von Windkraft und Solarenergie: für Windkraft sprechen sowohl die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als auch die Effizienz der Anlagen, die deutlicher höher seien, als bei der Photovoltaik-Energie. Deshalb sei die Kürzung der Förderung der Solarenergiegewinnung durch die Bundesregierung durchaus nachvollziehbar, zumal die Photovoltaik in Deutschland nur einen Anteil von 3 % an der gesamten Stromerzeugung hat, aber über die Hälfte der jährlichen Kosten in Höhe von 14 Milliarden Euro in Form von ausgezahlter Einspeise-Vergütung verursacht. Dieses Missverhältnis wird nun korrigiert und diese Runde ging im internationalen Wettbewerb klar an China.Ein Gastkommentar von Sandro Valecchi

Print Friendly

Incoming search terms:

  • manager sun concept
  • solarhybrid solarworld q-cells solon
  • sun concept solar
  • sunconcept geschäftsführer

Posted in Aktien Analysen, Gastkommentare, SolarnewsComments (4)

-->

Der Kampf um Europas Ratingagentur

Gastkommentar: Roland Berger Projekt EU-Ratingagentur gescheitert

Seit Monaten wurde diskutiert.  Gelingt Europa der Aufbau einer großen, Markt- und wettbewerbsfähigen Ratingagentur, die es schafft, die Marktdominanz der großen 3 Ratingagenturen mit Sitz in den Vereinigten Staaten zu brechen? Der Vorschlag von Roland Berger scheint inzwischen mangels Beteiligung gescheitert zu sein. Gestern wagte hingegen Axel Springer einen Vorstoß in Sachen Ratingagentur den man durchaus sinnvoll finden kann. Letztlich geht es aber auch darum wie eine solche Institution international aufgestellt sein muss. Ein Hintergrundbericht:

Ratingagenturen bewerten die Sicherheit von Wertpapieren sowie die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, aber auch von Staaten und werden auch in Zukunft in der internationalen Finanzwelt eine wesentliche Rolle spielen. Im Rahmen der schweren Haushalts- und Verschuldungskrise des Jahres 2011, in dessen Folge sich zahlreiche Staaten, insbesondere in der Euro-Zone mit Schuldtiteln und Staatsanleihen überhoben hatten, eskalierte die Kontroverse um den Sinn und Unsinn der Bewertungen in Form von Ratings durch die 3 großen Agenturen. Die Ratingagenturen bewerteten dabei auch makroökonomische, strukturelle Schwächen, die sie zu sehen glaubten und die sich – aus ihrer subjektiven Sichtweise – negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken würden.

Diese Bewertungsansätze schlugen um ins Gegenteil, führten Weg von der Bewertung von Risiken und störten sowohl Finanzmärkte als auch geplante Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen der EU-Mitgliedstaaten. Die Meinungs- und Deutungshoheit wurde zu exzessiv von den 3 großen US-Rating-Agenturen beansprucht. Kritiker werfen den Agenturen unter anderem vor, durch die Absenkung der Kreditwürdigkeit mehrerer Euro-Länder die Krise der Eurozone mit verursacht oder zumindest ganz erheblich verschärft zu haben. Als Konsequenz aus der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise hat die EU zwar die neue Marktaufsichtsbehörde ESMA geschaffen, die Rating-Agenturen künftig überwachen soll. Allerdings blieb die gewünschte Wirkung zunächst aus, die Märkte beruhigten sich erst zu Beginn des Jahres 2012 wieder.

Wird das Problem also verkannt oder nichts ernst genug genommen und wem soll in Zukunft die Meinungs-, Deutungs- und Bewertungshoheit über die Finanzmärkte und Staaten überlassen werden? Eine immer wieder eingeforderte große, europäische Rating-Agentur scheitert bisher am mangelnden politischen Willen: „Die EU-Kommission will sich nach den Worten ihres nicht am Aufbau einer europäischen Ratingagentur beteiligen“, verlautbarte es aus dem Fachbereich des EU-Kommissionspräsidenten.

„Wir haben nicht vor, irgendeine Variante einer öffentlichen-rechtlichen Ratingagentur aufzubauen“, erklärte EU-Präsident José Manuel Barroso am 06.09.2011 und positionierte sich damit außerhalb der Meinungsblogs in Europa, die den Aufbau einer großen, öffentlich-rechtlich begleiteten Ratingagentur vehement einfordern, um Stabilität und Vertrauen in die internationalen Finanzmärkte wieder herzustellen.

Im Deutschland ergriff man die Initiative und sprach man sich zuletzt zwar für den Aufbau einer EU-Ratingagentur aus, um der marktbeherrschenden Dominanz der 3 großen US-Ratingagenturen entgegenzuwirken und um mehr Konkurrenz – damit auch mehr Wettbewerb – in die Märkte zu implementieren. In Deutschland wurden hierzu 2 wesentliche Positionen vertreten.

  • Die erste Position favorisiert den Aufbau einer großen, öffentlich-rechtlich entlehnten EU-Rating-Agentur. Es handelt sich um eine Initiative von Markus Krall, Partner der Beratungsgesellschaft Roland Berger in Düsseldorf, der für Unterstützer für seine Vision einer europäischen Rating-Agentur – wie auch die Deutsche Börse – wirbt.
  • Die zweite Position spricht sich für ein Joint-Venture mit einer mittelgroßen, aber bereits renommierten US-Rating-Agentur wie Egan-Jones Ratings Company (kurz: EJR), Haverford Township (Pennsylvania), aus, die von den beiden Geschäftsführen Sean Egan und Bruce Jones geleitet wird.

Die zweite Position erschien von Anfang an die schlüssigere, kompatiblere Lösung zu sein, kommentierten Analysten. Zwar gibt es in Deutschland bereits neben Euler Hermes Rating die Agentur Feri EuroRating Services AG mit Sitz in Bad Homburg. Feri EuroRating Services AG erstellt seit über als 20 Jahren Länder-Ratings und erhielt im Mai 2011 von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) die Zulassung als EU-Ratingagentur, verfügt allerdings über keine Zulassung in den USA. Dies halte ich in unserer heutigen Zeit der global vernetzten Finanzwelt für einen Makel und damit einen erheblichen Nachteil.

Zwar unterstellt die EU-Verordnung nun erstmals Ratingagenturen einer staatlichen Aufsicht, dies ist jedoch in den USA ständiger Standard. Damit holt die EU lediglich das nach, was ohnehin bereits Pflicht in anderen Staaten ist. Auch die Pflicht zur Erfüllung bestimmter Auflagen erscheint nur die Wirkung der Schließung einer bislang bestehenden Regelungslücke zu haben. Maßnahmen zur Vermeidung von Interessenkonflikten, das Verbot gleichzeitiger Beratungs- und Dienstleistungen für dieselben Mandanten und ein Rotationsprinzip für Analysten in Ratingagenturen sowie eine fortlaufende Berichterstattung vermochten jedenfalls ungeachtet aller massiver Kritik an den 3 großen Ratingagenturen eben diese entweder in Europa in die Schranken zu verweisen oder von den Märkten zu verbannen.

Die Initiative von Markus Krall (Roland Berger) war deshalb nicht nur halbherzig und unschlüssig angedacht, weil der Betrag in Höhe von 300 Mio. Euro für das Start-Up nie zur Verfügung stand. Krall‘s (Roland Berger) Ansatz war zudem stets mit dem Makel behaftet, in den USA keine Zulassung bekommen zu können und damit nicht wirksam global tätig werden zu können. Krall ist bis heute eine Erklärung dahingehend schuldig geblieben, wie er dieses Manko zu lösen gedenkt, zumal es keine abgeschotteten Märkte in unserer Zeit gibt.

Selbstverständlich ist die Zulassung als staatlich anerkannte Ratingagentur entscheidend für ihren Erfolg. In den Vereinigten Staaten sind derzeit 10 Institute als sogenannte „national anerkannte statistische Rating-Organisationen“ (Nationally Recognized Statistical Rating Organization: kurz NRSRO) zum Stand April 2011 zugelassen. Darunter befinden sich die bekannten 3 großen NRSROs wie Fitch, Inc., Fitch Ratings Ltd., Moody’s Investors Service, Inc., Moody’s Analytics, Inc. und Standard & Poor’s.

Egan-Jones Ratings Company hätte beispielsweise im Rahmen eines Joint-Venture Projekts das Fundament für eine erste, große und schlagkräftige EU Rating-Agentur bilden können und die Hürde der Zulassung für den US-Finanzmarkt wäre damit genommen worden. Egan-Jones Ratings Company (kurz: EJR), vertreten durch die beiden Geschäftsführen Sean Egan und Bruce Jones, stammt aus Haverford Township (Pennsylvania). Die 1995 gegründete Firma ist bekannt für die Bewertung von Anleihen US-amerikanischer Unternehmen. Dieses Institut darf sich als “credit rating agency” (CRA) bezeichnen, weil es über eine amtlich bestellte Zulassung durch die U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) verfügt.

International bekannt wurde EJR mit der Herabstufung (Downgrading) der USA von der Bestnote AAA auf AA+, noch bevor S&P dies wagte. Bislang hatte es noch keine westliche Ratingagentur gewagt, die Vereinigten Staaten herabzustufen. EJR hatte bereits vor dem 02.08.2011, dem “Deal” in Washington, den nach Angaben der beiden politischen Lager „in dieser Form so keiner wollte“ und faktisch lediglich zu einer Vertagung der US-Schulden- und Haushaltsproblematik führte, die Bonität der USA auf AA+ herabgestuft, mit der Begründung, dass objektiv kein Fortschritt im Rahmen der andauernden Schuldendiskussion in Washington feststellbar ist. Egan-Jones verteidigte standhaft seine Maxime “Accurate Ratings with Predictive Value” und damit zugleich die schwierige, umstrittene Entscheidung zur Herabstufung der USA im Kreuzfeuer der Kritik. Sandro Valecchi

Print Friendly

Incoming search terms:

  • europäische ratingagenturen hermes
  • sitz der ratingagenturen nrsro

Posted in Gastkommentare, News, PolitikComments (5)

-->

Gastkommentar: Google Inc. zwischen “Don’t be evil” und “going green”

Don’t be evil” – Dieser millionenfach zitierte Slogan der Google Inc. und deren Anhänger war über fast ein ganzes Jahrzehnt eine Art Garantie für die kritische Informatikszene, dass die ehemalige Garagenfirma „nichts Böses“ tut. Gilt das heute auch noch für den Weltmarktführer Google Inc. und welche Unternehmensstrategie verfolgt das Management? Das erste Quartal 2012 konnte das Unternehmen Google Inc. mit einem vorzeigbaren Gewinn von knapp 3 Mrd. USD überaus erfolgreich abgeschlossen.

Das kalifornische Unternehmen steigerte seinen Gewinn auf 2,9 Milliarden Dollar, im Vorjahreszeitraum waren es noch 1,8 Milliarden Dollar gewesen. Der Umsatz stieg um rund ein Viertel auf 10,6 Milliarden Dollar. Kerngeschäft ist und bleibt nach allen übereinstimmenden Statistiken die Internet-Suchmaschine Google für weltweite Suchanfragen. Google Inc. ist mit Abstand der Marktführer unter den Internet-Suchmaschinen. Der Vorläufer BackRub startete 1996, seit September 1998 ist die Suchmaschine unter dem Namen Google online. Seinen Erfolg generiert Google aus der Kombination von Suchmaschine mit Kostenextensiver Werbung aus dem AdSense-Programm.

Zwar musste Google Inc. einen erneuten Rückgang der Werbeeinnahmen, bedingt durch die volatile Marktlage und die Unsicherheiten an den Märkten,  hinnehmen, was sich auf das Kerngeschäft mit einem verkraftbaren Minus von knapp 12 % auswirkte. Google arbeitet jedoch stetig an der Optimierung und bleibt damit unangefochten, mit Abstand, Marktführer. Die exakte Funktionsweise der Ergebnissortierung ist Googles Betriebsgeheimnis. Marktbeobachter und Analysten verwundert deshalb nicht, dass die Google-Aktie ungeachtet aller Überraschungen, die von den Märkten in die Börsen eingepreist werden, nachbörslich auf 653 USD nach 651 US-Dollar zum Handelsschluss an der NYSE kletterte.

Solidität schöpft Google Inc. aus seinen Business, welches längerfristig ausgerichtet ist: beispielsweise der Zukauf der Videoplattform YouTube und die Entwicklung der Android-Software für mobile Geräte. Diese Investitionen hatten sich erst nach einigen Jahren ausgezahlt. Aber Google kann noch mehr. So ermöglicht Google Inc. beispielsweise mit dem Google Person Finder die Suche nach vermissten Verwandten und Bekannten. Das Tool wurde für die Opfer des Erdbebens in Japan angeboten, wurde aber auch schon beim Erdbeben von Neuseeland und dem besonders schweren Erdbeben in Haiti angeboten und benutzt. Der Person Finder ist eine moderne Version des Karteikarten-Suchverfahrens, das im Zweiten Weltkrieg benutzt wurde, in dem direkt an Hausruinen geschrieben wurde, wo man als Flüchtling Zuflucht gesucht hatte.

Google Inc. ist stets für Überraschungen gut, so beispielsweise das Projekt Street View: Das Projekt war im Frühjahr 2008 noch streng geheim. Niemand wusste, seit wann die dunklen Pkws mit ihren Kameras auf Deutschlands Straßen unterwegs waren. Google verdient sein Geld mit Werbung. Um Werbung geht es daher in erster Linie auch bei Street View. Mit dem lebensechten Abbilden von Straßenzügen oder Plätzen verspricht der Internetkonzern lokalen Unternehmen eine gezielte Werbung. Eine Pizzeria in Berlin oder Hamburg etwa kann mit diesem Tool eine Verknüpfung zu ihrem Menü erstellen. Auch vor der Buchung eines Hotels auf Mallorca könne man sich damit einen guten Eindruck von der Lage verschaffen. Immobilienmaklern verspricht Google mit Street View eine gezieltere Ansprache von Interessenten. Künftig sollen die Stadtbilder zudem in die Navigation auf mobilen Geräten eingebunden werden. Gerade den lokalen Werbemarkt sehen Branchenkenner als enorm ausbaufähig. Jetzt überraschten die beiden Firmengründer, Larry Page und Sergey Brin, sowohl Analysten wie Anleger mit der Ausgabe zusätzlicher Aktien. Jedoch beinhalten diese Aktien kein Stimmrecht, ein Vorzug für das Management, dessen Einfluss bleibt somit unangetastet.

Aber auch das besonders sensible Thema Energieeffizienz hat bei Google Inc. die gebotene Aufmerksamkeit gefunden. Suchmaschinenriese Google konnte die Energieeffizienz seiner Rechenzentren nach eigenen Angaben weiter steigern. Bei den 12-Monatsmessungen des Power-Usage-Efficiency-Wert (PUE) für 2011 bilanziert Google Inc. mit einem besseren Durchschnittswert von 1,14 – im Vergleich zu 1,16 des Vorjahres.

Google Inc. hat sich dem Thema Energieeffizienz und nachhaltiges, umweltbewusstes Wirtschaften verschrieben. ”Google is creating a better web that’s better for the environment. We’re greening our company by using resources as efficiently as possible and supporting renewable power. That means when you use Google products, you’re being better to the environment.” Google “is going green” ist jetzt das Motto – die Unterstützung erneuerbarer Energien beziffert der Konzern auf 915.000.000 USD und wirbt zugleich für die Nutzung von Google-Mail.

„Unsere Herzen hängen an Google“, erklärten Larry Page und Sergey Brin, die neue Aktienstruktur ihres Erfolgsunternehmens. Mit dieser neuen Struktur soll sichergestellt werden, dass sie ihre Visionen auch umsetzen können, „im Interesse der Bewahrung des Gründer-basierten Ansatzes und im besten Interesse von Google Inc.“

Don’t be evil? “- Tatsache ist und bleibt: Google polarisiert. Sandro Valecchi

Print Friendly

Posted in Aktien Analysen, GastkommentareComments (0)

-->

Streit um „Seltene Erden“ bremst US-und EU-Konjunktur und wird militärisch relevant

Der Dauerstreit um die Vorkommen und vor allem um die Marktzugänge zu den für die Industrie besonders wichtigen Rohstoffe der Gruppe der “Seltenen Erden” (kurz: REEs – rare earth elements), in dem China eine Schlüsselrolle übernimmt und den Marktzugang strikt reguliert, kann die schwächelnde Weltkonjunktur in den kommenden Monaten spürbar negativ beeinflussen. Der größte Seltene-Erden-Produzent in China, Baotou Steel Rare-Earth, konnte im vergangenen Jahr nicht nur seinen Gewinn mehr als vervierfachen: in der Lobby des Staatsbetriebes rankt unübersehbar die Losung: „Der Nahe Osten hat Öl, aber China hat Seltene Erden“, Zitat vom Chinas großem Wirtschaftsreformer Deng Xiaoping.

„Seltenen Erden“ (kurz: REEs = rare earth elements) ist ein begehrter, notweniger Rohstoff für die Hightech-Industrie des 21. Jahrhunderts. Um die Bedeutung von “Seltenen Erden” zu begreifen, sollte man sich zunächst vergegenwärtigen, wo “Seltenen Erden” eine technologische Schlüsselfunktion haben und www.investorsinside.de blickt ins Detail:

Seltene Erden-Magnesium-Legierungen sind ziemlich stark und leicht, weshalb sie ideal für Flugzeug-und Raumfahrtindustrie eignen. Die Stealth-Technologie und super-leise Rotorblätter der neusten Helicopter-Generation sind ohne REEs nicht zu produzieren. REEs eignen sich außerdem zum Bau von Permanentmagneten mit super-magnetischen Eigenschaften. Dies ist besonderes interessant für die Rüstungsindustrie (Stichwort: Permanentmagnete).

  • Der  Kampfpanzer M1A2 von General Dynamics und das Aegis SPY-1 Radar von Lockheed Martin funktionieren mit Samarium-Kobalt (SmCo) Permanentmagneten. Hybrid Electric Drive Ship Programme für die DDG-51 Klasse der Lenkflugkörper Zerstörer operieren mit Neodym-Eisen-Born (NdFeB) Magneten (Permanentmagnet-Motoren).
  • Aber auch deutsche Windkraftanlagen-Hersteller sind betroffen: Um Windkraftanlagen effizient steuern zu können, werden häufig Neodym-Eisen-Born (NdFeB) Magnete verwendet, um Stillstände der Systems zu verhindern. Moderne Windenergieanlagen benötigen oft bis zu 1.000 kg Neodym, um effizient arbeiten zu können.
  • Die Entwicklung von Hybrid-Kraftfahrzeugen wird beeinträchtigt:  Der Elektromotor in einem Toyota Prius erfordert 10-15 kg Lanthan für die Nickel-Metallhydrid-(NiMH)-Batterie und 1-2 kg für Neodym-Permanentmagneten, ein Mercedes S400 Hybrid benötigt über 0,5 kg Neodym.

Im Focus steht hier die militärische Industrie. „Seltene Erden“ eignen sich als Brennstoffe in Bomben und für nukleare Anwendungen, einschließlich der militärischen Verteidigung, also der Abschirmung vor nuklearer sowie thermischer Strahlung; REEs braucht die „moderne Armee des 21. Jahrhunderts” für Laser, einschließlich Laser-Entfernungsmesser, Laser-Führungs- sowie Laser-Kommunikationssysteme, Sonar- und Ortungssysteme und für viele andere Verwendungen im Bereich der Navigationssysteme. Dennoch hat die Markt- und Zugangsbeschränkung zu den Vorkommen der „Seltenen Erden“ auch erhebliche, unmittelbare Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft und damit die Weltkonjunktur.

Die Europäische Union, die Vereinigten Staaten und Japan haben bereits reagiert und den Streit um die künstlich herbeigeführte Verknappung dieser Rohstoffe durch einseitige Handelsbeschränkungen und Restriktionen vor die Welthandelsorganisation (WTO) gebracht. Die EU habe ein Schlichtungsverfahren zu den Exportbeschränkungen Chinas bei der WTO beantragt, erklärte die EU-Kommission in einem ersten Statement. China hat diese Klage bereits scharf kritisiert und die Anschuldigungen zurückgewiesen. Jetzt droht zwischen China und seinen wichtigsten Wirtschaftspartnern ein Handelskrieg um die seltenen Rohstoffe.

In China wurde jetzt ein Industrieverband für die Förderung und Verarbeitung von REEs gegründet in dem 155 Mitglieder, davon 13 große Unternehmen wie Aluminium Corporation of China, Batou Steel Rare Earth und China Minmetals Corporation, ihre Interessen – unter der Ägide der regierendenden Staatspartei in Peking – bündeln. „Wir haben die Gründung des neuen Verbandes jetzt beschleunigt, damit er sich um den Handelsstreit bei der WTO kümmern kann“, erklärt Generalsekretär Lin Donglu. Die chinesische Regierung will sich mit dieser Option absichern und sich damit im Dauerstreit bei der Welthandelsorganisation im Hintergrund halten. China, der wichtigste Lieferant von REEs, hortet diese begehrten Bodenschätze und verwendet „Seltene Erden“ seit etwa 30 Jahren auch zur Düngung von Böden und zur Fütterung von Nutztieren. Nutzpflanzen sollen deutlich höhere Erträge erbringen, Nutztiere weisen ein schnelleres Wachstum und eine besserer Futterverwertung auf. Dadurch sind die Preise in den vergangenen Jahren um 130 % gestiegen und überdies sichert sich Peking in Afrika weitere Zugänge zu den Minen. Die großen Minenfirmen in China sind Staatseigene Betriebe.

Militärische Analysen sehen den Grund für eine Verschärfung des Streits um REEs mit China in einem Waffengeschäft der USA mit Taiwan im Umfang von 6,4 Milliarden US-Dollar. Im Online-Forum der regierenden, Chinesischen Kommunistischen Partei, wurde das Verbot des Verkaufs von Seltenen Erden (REEs) an US-Unternehmen als Sanktionsmaßnahme gefordert.

Die Verteuerung dieser Produkte könnte auch für eine Exportnation wie Deutschland zum Problem werden. Die Palette der Anwendungen, in denen sie derzeit verwendet werden, ist außerordentlich breit, von den gewöhnlichen Bauteilen und Komponenten (Kfz-Katalysatoren, Erdöl-Crack-Katalysatoren, Feuersteinen, Glas und keramische Pigmente, Poliermittel), bis hin zu hoch spezialisierten Systemen (nuklearen Miniatur-Batterien, Supraleitern, leistungsstarke Miniatur-Magnete und Laser-Systeme). Das Ende des Booms der Weltkonjunktur hatte zum Jahresende 2011 auch Deutschland erreicht. Preis-, Saison- und kalenderbereinigt schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal 2011 um 0,2 % zum Vorquartal. Der Grund dafür: der schwächelnde Außenhandel.

Welche Alternativen stehen kurzfristig zur Verfügung, um zu verhindern, dass eine Preisexplosion für alle Produkte, die „Seltene Erden“ als Baustein oder Bestandteil notwendigerweise haben, zu verhindern?

Die EU stuft im Rahmen ihrer “Rohstoffinitiative“ die Verfügbarkeit von REEs 14 Rohstoffe als besonders „kritische Metalle“ ein. Diese seien, so die Arbeitsgruppe der EU-Kommission, „besonders wichtig in ihrer Nutzung und selten in ihrer Verfügbarkeit.“ Darin enthalten ist die Gruppe der „Seltenen Erden.“ Deutschland setzt auf strategische Rohstoffpartnerschaften, um sich den Marktzugang zu den „Seltenen Erden“ perspektivisch sichern zu können. Experten haben Zweifel an der Effektivität dieses Schrittes: nur der Marktzugang wird damit gewährleistet, es besteht allerdings keine Möglichkeit der Einflussnahme auf die Preisentwicklung, die im Endeffekt Deutsche Produkte erheblich verteuern kann.

Eine andere Lösung setzt auf die Wiedereröffnung von stillgelegten Minen. In den Vereinigten Staaten setzt man auf die Wiedereröffnung der Mine Mountain Pass in Kalifornien (Molycorp Minerals) und in Australien soll eine neue „Seltene Erden-Mine“ am Mt. Weld in Australien (Lynas) in Betrieb genommen werden. Molycorp Minerals Möglichkeiten sind allerdings begrenzt. Bis in die 1980er Jahre war die Molycorp Minerals Mountain Pass Mine in Süd-Kalifornien der weltweit führende Produzent von REEs. 1998 wurde nach der behördlichen Kontrolle einer Abwasserleitung die Mine geschlossen, zudem waren auf dem Weltmarkt wegen des Preisdumpings der chinesischen Hersteller eine Fortführung des Abbaus in der Mountain Pass Mine seinerzeit unwirtschaftlich. Dies hat sich jetzt aufgrund der aktuellen Ereignisse und der globalen Verschärfung in der Auseinandersetzung um die überaus wichtige Ressource REEs wieder geändert, aber: selbst bei voller Produktionsgeschwindigkeit, fehlt dem Mountain Pass Mine bedeutende Vorkommen an den Elementen der Gruppe der sogenannten “schweren seltenen Erden”, die zunehmend gefragt sind. Sogenannte „Leichte Seltene Erden“ (wie Cer) sind reichlich vorhanden, aber die „schweren seltenen Erden“ (wie Europium) werden immer schwerer zu finden. Deshalb kann Molycorp Minerals am Mountain Pass nur in einem begrenzten Umfang fördern.

Mit der Förderung allein ist es aber noch nicht getan. Den richtigen Marktwert für die wertvollen Metalle erzielt man erst nach mehreren Verarbeitungsstufen und Raffination. Im Gegensatz zu normalen Mining-Prozessen produziert der Bergbau bei der Förderung „Seltener Erden“ radioaktiver Abfälle! Der Umgang mit diesem Abfall erfordert in den westlichen Industriestaaten stets teure Überwachung, Sicherungs- und Klimaschutzmaßnahmen, ein klarer Wettbewerbsnachteil gegenüber China. Intensiv geprüft wird deshalb aktuell der Abbau von REEs am Lemhi Pass in Nord-IdahoDiamond Creek im Northern Idaho und Bokan Berg im südlichen Alaska. Zwar gibt es weltweit nahezu überall Vorkommen „Seltener Erden“ es braucht allerdings in der Regel eine Zeitspanne von 10 bis 15 Jahren ab dem Zeitpunkt der Entdeckung, bis eine effektive Förderkapazität erreicht ist. Sandro Valecchi

Print Friendly

Incoming search terms:

  • lemhi pass seltene erden
  • neodym und strahlung
  • vw sichert sich magnesium minen
  • wacker chemie seltene erden
  • Wacker Chemie seltene erden raffinieren
  • wo haben magnete militärische bedeutung

Posted in Gastkommentare, Politik, RohstoffeComments (0)

-->

GASTKOMMENTAR Nachtflugverbot, Kostendruck, Wettbewerb – Deutsche Lufthansa AG

Die Deutsche Lufthansa AG wird derzeit schwer geprüft! Sie muss nicht nur den defizitären Europaverkehr in den Griff bekommt, um sich und dem Konzern die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Jetzt muss die LH AG ausgerechnet auch noch an ihrem Referenzstandort, dem „Heimatflughafen Rhein-Main“ ein gerichtlich verordnetes Nachtflugverbot verkraften, was insbesondere den CARGO-Frachtverkehr in einem erheblichen Umfang einschränkt. Kurz nachdem das Nachtflugverbot bestätigt wurde, fielen die Kurse von LH- sowie der FRAPORT-Aktien.

Der zuständige Senat mit weinerlich eingestimmten Berufsrichtern am Bundesverwaltungsgericht Leipzig torpedierte die auf Mobilität ausgerichtete deutsche Volkswirtschaft des Jahres 2012, die den Warenumschlag nach dem „just-in-time-Prinzip“ (JIT) dringend braucht; hierzu zählen freilich auch Luftfrachtverkehre, die auch Nachts abgewickelt werden müssen. Nach dem Leipziger Diktat dürfen zwischen 23 Uhr und 5 Uhr früh gar keine Flugzeuge starten oder landen. Ohnehin waren für diesen Zeitraum bislang gerade einmal 17 Flüge genehmigt worden. Zwar hatten Analysten und Wirtschaftsexperten mit Auflagen (Lärmschutzmaßnahmen; Beschränkung auf Flugzeuge mit „leisen Triebwerken“; Bevorzugung von Anflug-Routen mit geringerer Emission), die völlig undifferenzierte Ausurteilung in Leipzig hat allerdings den deutschen Wirtschaftsstandort aufgeschreckt. Die Zuverlässigkeit und Planungsgarantie, einst „deutsche Tugenden“ aus Sicht des Auslandes, kommt erneut auf den Prüfstand.

Das Dax-Vorzeigeunternehmen LH AG fürchtet um den Konsolidierungskurs. Lufthansa kappte bereits wegen der schwachen Passagierentwicklung im August 2011 und den unsicheren Wirtschaftsaussichten ihre Jahresprognose. Der Vorstand gehe für 2011 nur noch von einem operativen Gewinn im oberen dreistelligen Millionen-Bereich aus, verlautbarte es aus dem Konzern. Die vom Konzern erwartete Steigerung gegenüber dem Vorjahreswert von 876 Millionen Euro dürfte aus derzeitiger Sicht nicht mehr realisierbar sein. Die Aktien der Deutschen Lufthansa AG gerieten bereits 2011 in erste Turbulenzen. Dem LH-Management ist bewusst: nur Sparen wird bei weitem nicht reichen. Deshalb stellen sowohl Analysten wie Marktbeobachter die durchaus berechtigte Frage, wohin der Konzern Lufthansa AG steuert?

„Es ist die Pflicht eines Vorstands, sich neben den reinen Kosten auch alle anderen Szenarien, die möglich sind, anzuschauen”, erklärte LH-Vorstand Christoph Franz. Eine Aussage, die allerdings viel Raum für Spekulationen lässt. Konzernweit verbuchte Lufthansa AG in 2010 mit ihren gut 117.000 Mitarbeitern bei einem Umsatz von 27,3 Mrd. Euro einen operativen Gewinn von 876 Mio. Euro. Nun zu den aktuellen Fakten:

• Tochtergesellschaften: Die Lufthansa Tochtergesellschaften German Wings, British Midland, Austrian uns Swiss schrieben für das Jahr 2011 Verluste auf der Europastrecke in der Größenordnung eines dreistelligen Millionenbetrages. Pläne, die Billigflieger Germanwings mit British Midland (BMI) und der österreichischen AUA zu einen neuen, größeren Billiganbieter zu formen, um andere Low-Cost-Carrier wie Ryanair bzw. Easyjet auf Abstand zu halten, wurden zurückgestellt, die EU hat jetzt den Verkauf von der Tochter British Midland genehmigt.

• Altersversorgung der Mitarbeiter, Stichwort: Deferred Compensation. Das Oberlandesgericht Stuttgart (Beschluss v. 22.08.2011 – 2 UF 103/11) hatte aktuell in einem Musterprozess über betriebliche Altersvorsorgeansprüche bei der LH AG zu entscheiden gehabt. In dem Prozess ging es nicht nur um das vom Amtsgericht berücksichtigte Anrecht auf die LufthansaBetriebsrente mit einem Ausgleichswert von 19.680,27 Euro. Es ging zudem um mehrfache Ansprüche aus betrieblicher Altersversorgung im Versorgungsausgleich. Durch den Ausgleich des Anrechts – Deferred Compensation – entsteht kein unverhältnismäßiger Verwaltungsaufwand bei der Deutschen Lufthansa AG als Versorgungsträger.

Zudem hat diese sich selbst nicht gegen einen Ausgleich ausgesprochen, was im Rahmen der Ermessensentscheidung ebenfalls zu berücksichtigen ist4. Da die Deutsche Lufthansa AG für das Anrecht die externe Teilung beantragt hat, erschöpft sich der ihr entstehende Verwaltungsaufwand in der Auszahlung des Ausgleichswertes an die Zielversorgung und in der Erfassung und Berücksichtigung des Versorgungsausgleichs im Versorgungskonto des Antragsgegners. Da die LH AG bereits aufgrund der externen Teilung der Lufthansa-Betriebsrente zu deren Ausgleich durch Zahlung an denselben Zielversorgungsträger verpflichtet ist, entsteht ihr durch den externen Ausgleich des zweiten Anrechts ersichtlich kein nennenswerter Verwaltungsaufwand.

Darüber hinaus ist das Entstehen einer Splitterversorgung auf Seiten der Antragstellerin ausgeschlossen, weil die Ausgleichsbeträge für die betrieblichen Anrechte im Wege der externen Teilung (ohne Abzug von Kosten) insgesamt an einen Zielversorgungsträger zur Begründung eines Vertrages über eine Basisversorgung überwiesen werden. Bei einer Entgeltumwandlung zur betrieblichen Altersversorgung (arbeitnehmerfinanzierte Altersversorgung, auch Deferred Compensation genannt) verzichtet der Arbeitnehmer auf einen Teil seines Gehalts zugunsten einer Altersvorsorgezusage. § 1 Abs. 1 Nr. 3 BetrAVG fordert, dass künftig fällige Entgeltbestandteile in eine wertgleiche Zusage umgewandelt werden.

• Viele Piloten, viele Wünsche: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) kippte die bisherige tarifvertragliche Altersgrenze bei den Piloten der Lufthansa. Mit Urteil vom 13.9.2011, Az. C-447/09, hat der EuGH eine tarifvertragliche Altersgrenze als unwirksam angesehen, weil sie altersdiskriminierend sei. Für die betroffenen Piloten bedeutet dies: weiterfliegen bis 65 und für Lufthansa heißt dies weiterzahlen.

• Viele Kosten, wenige Konzepte: Infolge der Flugticketsteuer stieg der operative Verlust bei LH Tochter Germanwings im ersten Halbjahr 2011 um fast 18 % auf 46 Millionen Euro, obwohl der Umsatz um 10 % auf 293 Millionen Euro zulegte. Kleiner Trost: Germanwings produziert zu niedrigeren Stückkosten als Lufthansa. Stark belastet haben das Geschäft des LH Konzerns auch die Atomkatastrophe in Japan und die Unruhen in Nordafrika. Der operative Gewinn liege noch bei 3 Millionen Euro, wie der Dax-Konzern mitteilte. Im Vorjahreszeitraum war hingegen noch ein Verlust von 171 Millionen Euro angefallen, was seine Ursachen unter anderem in der Vulkan-Aschewolke hatte, die damals die den Flugverkehr tagelang lähmte, zudem streikten auch noch die Piloten. Der Konzernumsatz zog in der ersten Jahreshälfte 2011 um 11 % auf 14,1 Mrd. Euro an und insgesamt stieg die Zahl der Fluggäste um 10 % auf 50,2 Millionen. Japan, Libyen, Aschewolke, Kerosin-Kosten treffen allerdings zwar nicht nur die Lufthansa AG, aber auch der Dax-Konzern LH AG muss diese Kostenlast managen.

Der Wettbewerbsdruck besteht vor allem im Verhältnis zu den international agierenden Low-Cost-Carriern. Kostendruck entsteht infolge weiterer Belastungen, etwa aufgrund Regierungsauflagen, Steuern und Gebühren sowie der unterschiedlichen Verkehrsrechte zwischen den einzelnen Staaten. Wenn weitere unvorhergesehene Ereignisse hinzukommen, wie beispielsweise Flugverbote wegen einer Vulkan-Aschewolke im Mai 2001, erhöht sich der Kostendruck. Hinzu kommt noch, dass ab 2012 alle Flüge, die von Flughäfen innerhalb der EU starten oder auf Flughäfen in der EU landen, dem EU ETS unterliegen. Dies bedeutet, dass die CO2-Emissionen dieser Flüge bis 2020 um mindestens 20% ihres Niveaus von 1990 reduziert werden müssen.

Auf der Kurzstrecke drückt der massive Wettbewerb mit Billig-Airlines wie Ryanair oder Easyjet die Margen. Die haben sich auf die Kurzstrecke konzentriert, fliegen von Punkt zu Punkt. Die Flugzeuge sind ständig in der Luft und verdienen Geld. Ein solches Modell ist für die Lufthansa-Kernmarke nicht möglich, da hier die Kurzstrecke als Zubringer für die Langstrecke genutzt wird, die Flugzeuge deshalb länger am Boden sind. Kosteneinsparungen allein reichen nicht. Zwar wurden alle 50-sitzigen Flugzeuge ausgemustert und gegen größere Maschinen ausgetauscht, die pro Passagier geringere Kosten verursachen. So konnten die Stückkosten im Europaverkehr beispielsweise im Jahr 2010 um 14 % gesenkt werden. Analysten und Bilanzbuchhalter wissen hingegen, dass mindestens das doppelte Einsparvolumen generiert werden muss, um wieder im Europaverkehr profitabel zu sein.

Auch besondere Faktoren, wie etwa das Nachtflug- und Ladeverbot auf Verkehrsflughäfen wie Frankfurt Rhein-Main, können den Kostendruck auf die LH zunehmend weiter erhöhen. Laut LH AG dürfte die CARGO-Tochter das Nachtflugverbot im Jahr mindestens 40 Mio. Euro kosten. Das sei mehr, als er erwartet habe, kommentierte die LH AG. „Wir können unser Zentrum in Frankfurt und die Umladungen dort nicht verlegen“, sagte der Lufthansa-Cargo-Vorstandsvorsitzende Ulrich Garnadt derzeit noch. Die richtige Managementstrategie wird für den Lufthansa Konzern jetzt darüber entscheiden, wie zukunftsfähig die LH AG aufgestellt wird, um die kommenden Turbulenzen in der heutigen, schwierigen Marktlage weltweit zu meistern.

Hierzu gehört auch, dass die LH AG unter Umständen dem Land Hessen und FRAPORT die „rote Karte“ im CARGO-Geschäft zeigen muss und damit auf einen anderen Standort ausweicht, wo es heißt: „Herzlich Willkommen LH CARGO!“ Sandro Valecchi

Print Friendly

Incoming search terms:

  • bodenbildung sandro valecchi
  • neue urteile nach 2009 betriebsrente rwe im versorgungsausgleich

Posted in Aktien Analysen, GastkommentareComments (4)

-->

Gastkommentar: SAUDI ARAMCO und die neuen Rohstoff-Supermächte

Rohstoffanalysten diskutieren aktuell den Grund für das anhaltend hohe Niveau des Ölpreises, der zunehmend Transportkosten und die Produktion von Gütern in den Industriestaaten verteuert. Eine Entspannung beim Rohölpreis ist nicht in Sicht. Der Internationale Währungsfond (IWF) bezeichnet den hohen Ölpreis als “neue Bedrohung” für den derzeitigen Wirtschaftsaufschwung. Viele Analysten suchen nach stark vereinfachte Antworten und sehen ihre Begründung für den hohen Ölpreis im Spannungsfeld Nah-Ost, insbesondere beim Iran-Embargo und dessen Auswirkungen sowie in der allgemeinen Spekulationen (verbunden mit Ängsten) um Ölreserven und Lieferengpässe.  Andere Analysten beklagen fehlendes, aussagekräftiges Zahlenmaterial. Einigermaßen verlässliche Schätzungen zu Angebot und Nachfrage gibt es nur für die in der Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC, Organization of the Petroleum Exporting Countries) zusammengeschlossenen Produzenten: danach sollen die Ausfuhren der OPEC-Staaten aktuell auf einem Vierjahreshoch von 31 Mio. Barrel pro Tag liegen. Der Bedarf für Lieferungen aus Ländern wie Saudi-Arabien, Kuwait oder Nigeria wird auf etwa 30 Mio. Barrel täglich geschätzt. Diese Argumente sind jedoch wenig griffig und stets sehr vage.

Wichtig ist es, die globalen Marktbewegungen und den internationalen Wettbewerb (soweit dieser überhaupt noch besteht) insgesamt im Auge zu behalten zu bewerten, um zu verstehen, was da genau im Detail vorgeht: Tatsache ist, das der hohe Ölpreis den Energiegroßmächten geradezu in die Hände spielt: „Wenn Öl teuer ist, ist es für die Staatskonzerne einfach, profitabel zu arbeiten“, kommentierte BP-Chefvolkswirt Christof Rühl. Daher haben sie, die neuen, selbstbewussten Rohstoff-Mächte, kein Interesse, private Konzerne an der Exploration und Förderung ihrer nationalen Vorkommen zu beteiligen.

„Meine einzige Mission ist es, Ihnen zu versichern, dass es keinen Angebotsengpass gibt“, kommentiert der Öl-Minister Ali al-Naimi in Doha die Einschätzung aus Saudi-Arabien, der zugleich Präsident von SAUDI ARAMCO, der größten Erdölfördergesellschaft der Welt, ist: „Bei erhöhtem Bedarf könne Saudi Arabien den Output um im Monat April täglich 9,9 Millionen Barrel (je 159 Liter) Rohöl nachbessern und auf bis zu 12,5 Millionen Barrel erhöhen.“ARAMCO (vormals Arabian-American Oil Company) wurde 1944 gegründet und war bis Mitte der 1970er Jahre im Besitz von vier US-amerikanischen Erdölkonzernen. Zwischen 1972 und 1980 wurde ARAMCO von der Regierung in Saudi-Arabien verstaatlicht und im Jahr 1988 in das Staatsunternehmen SAUDI ARAMCO umbenannt. SAUDI ARAMCO verfügt zwar über eine WKN 3034 (ISIN: SAXXXARAMCOX), ist allerdings nicht börsennotiert.

SAUDI ARAMCO, das wertvollste Unternehmen der Welt, fördert jährlich etwa viermal so viel wie ExxonMobil und soll auf landesweit auf eine Total-Reserve von bis zu 35 Mrd. Tonnen Erdöl (geschätzt) zurückgreifen können. „Wir managen die weltweit größten, nachgewiesenen Erdölreserven von 260,1 Milliarden Barrel und der weltweit, viertgrößte Gas-Reserve im Volumen von rund 279 Billionen Kubikfuß“, bilanziert der Staatskonzern auf seiner aktuellen Homepage 2012. Anfang 2008 gab SAUDI ARAMCO bekannt, sich von 25 % der Anteile an der Rabigh Refining and PetroRabigh zu trennen, und diese als Tochterunternehmen an die Börse gehen zu lassen. Kurz darauf begann die Zeichnungsfrist für Aktien derRabigh Refining and PetroRabigh, eines Gemeinschaftsunternehmens Aramcos mit Sumitomo Chemicals (Japan).

SAUDI ARAMCO mit Sitz in Dhahran gehört mit dem Ghawar-Explorationsgebiet das größte Ölfeld der Welt. Allerdings sind die Zahlen, die von SAUDI ARAMCO und den Staaten der Arabischen Halbinsel kommen, nicht frei von Widersprüchen und uneinheitlich, angefangen von den Angaben zur Reserve und den Förderkapazitäten. Die Verfechter der Peak-Oil-Theorie, wie Herr Valecchi von P-Power ENERGY AG, gehen davon aus, dass auch das Ghawar-Ölfeld sein Fördermaximum bereits erreicht, überschritten und schon begonnen habe, jährlich etwa 8 % weniger Rohöl zu produzieren. Insoweit relativiert sich die Aussage von SAUDI ARAMCO, wenn von einer „Erhöhung der Förderkapazitäten“ gesprochen wird, zumal der weltweite Bedarf bis ins aktuelle Geschäftsjähr 2012 global immer weiter angestiegen ist (vor allem bedingt durch China und den Bedarf für Indien).

Immer stärkere Konkurrenz durch Staatsfirmen greift in den Wettbewerb ein und verdrängt oder reglementiert die privatwirtschaftliche Öl-Industrie, wird damit zum Preistreiber. „Die West-Konzerne stecken bereits in einer Identitätskrise“, konstatiert Fatih Birol, Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IEA). „Die meisten ihrer Reserven gehen zurück. Und auch wenn es noch riesige Quellen gibt, so befinden sich diese vor allem in Ländern, zu denen die Unternehmen keinen Zugang haben.“ Die Formel „Verstaatlichung“ dirigiert die Märkte, insbesondere der Iran, Venezuela, Russland, China und das mit Abstand ölreichste Land der Welt, Saudi-Arabien.

Die Staatsgesellschaft SAUDI ARAMCO wetteifert mit einem geschätzten Wert von 800 Milliarden Dollar mit dem Rivalen PetroChina, den größten chinesische Ölkonzern, um den Rang als teuersten Unternehmenswert der Welt. PetroChina (WKN: A0M4YQ  ISIN: CNE1000003W8) ist eine Tochtergesellschaft der staatlichen China National Petroleum Corp. (CNPC) und reiht sich damit in die Riege der globalen Staatskonzerne ein, mit dem Unterschied, dass PetroChina an der Börse gehandelt wird. Das Reich der Mitte will seine strategischen Ölreserven aufstocken und engagiert sich vor allem in Afrika, insbesondere Angola und im Sudan. PetroChina hat mehr als 5 Milliarden US-Dollar im Ausland investiert, die Hälfte davon im Sudan. Nahe der sudanesischen Hauptstadt Khartum wurde eine 1.600 Km lange Pipeline zum Roten Meer sowie eine Raffinerie mit einer Kapazität von 2,5 Millionen Tonnen gebaut. Peking ist der wichtigste ausländische Investor im Sudan. Das afrikanische Land liefert schätzungsweise 8 % der chinesischen Ölimporte und wurde durch FESTPREISKLAUSELN im wahrsten Sinne des Wortes „genebelt“: China hat seine Geschäftspartner in Afrika von Anfang an einen Vertrag unterschreiben lassen, in dem der Ölpreis nicht nach dem aktuellem Marktwert fixiert wird, sondern als Festpreis mit ca. 1/3 des aktuellen Rohöl-Handelspreises – spottbillig – verbindlich vereinbart wurde. Die Investitionen, die China bei seinen afrikanischen Partner tätigt, muss Afrika hingegen zu den üblichen Marktpreisen auf 100%igem Niveau bezahlen, selbstverständlich mit Öllieferungen nach China. Für morgen, 27.03.2012, werden die Quartalszahlen von PetroChina mit guten Resultaten erwartet.

Der russische Staats- und Energiekonzern Gasprom hat sich beim Explorationsgebiet Sachalin I und II geht auf Konfrontationskurs mit Shell und ExxonMobil. Vor der russischen Pazifikinsel Sachalin liegen eine der größten, bisher nicht erschlossenen Öl- und Gasvorkommen der Welt. Beim Förderprojekt Sachalin II, das mittlerweile vom russischen Gasprom beherrscht wird, hatte lange Zeit Shell die unternehmerische Führung – mit katastrophalem Resultat: Die Arbeiten liegen Monate hinter Plan, die Kosten mehrere Milliarden Dollar höher als veranschlagt. Die Bohrinsel «Kolskaja» der russischen Ölfirma Arktikmorneftegazrazvedka, die zum Staatskonzern Gazprom gehört, ist im Dezember 2011 vor Sachalin gesunken und hat dabei offenbar Dutzende von Arbeitern in den Tod gerissen. Beim Sachalin I – Projekt von ExxonMobil hingegen stimmen derweil die Rahmenbedingungen.

Auch in Kasachstan (Regierung Nasarbajew) dirigiert der Staatskonzern. Es geht um das Erdölfeld Kaschagan, einen der wichtigsten Funde der vergangenen Jahre weltweit. Fünf der sechs ausländischen Konzerne, die dort in Kooperation fördern wollen, sind zu weit reichenden Zugeständnissen gegenüber den Kasachen bereit – und wer nicht dem Staatskonzern zustimmt, der kann gehen. Das Kaschagan-Ölfeld soll 9-16 Milliarden Barrel förderfähiges Öl enthalten (zum Vergleich: 16 Mrd. Barrel repräsentieren nur etwa 2 Jahre des US-amerikanischen Erdölverbrauchs auf dem gegenwärtigen Niveau).

Saudi-Arabien ist bestrebt, künftig die Ölexporte in die USA vermehrt auszubauen und zuletzt stillgelegte Ölfelder mit neuster Technik und neusten Methoden wieder zu reaktivieren, berichtete die „Financial Times“ unter Bezugnahme auf Regierungsquellen.

Fazit: Die Divergenz im Zahlenmaterial spielt für den hohen Ölpreis tatsächlich keine wesentliche Rolle. Ob eine gemeinsame, verlässliche Datengrundlage fehlt, ist sekundär. Die Preisfindung ist allein Sache der neuen Rohstoff-Supermächte. Sandro Valecchi

Print Friendly

Incoming search terms:

  • ghawar ölfeld
  • größte ölfelder welt
  • größtes erdölfeld der welt
  • restmenge ölfeld ghawar
  • saudi aramco wert
  • unternehmenswert saudi aramco
  • wertvollste aramco

Posted in Gastkommentare, Marktbericht, RohstoffeComments (0)

  • Aktuell
  • Top 10
  • Kommentare
  • Feed
  • Newsletter
  • Melden Sie sich jetzt für den Investors Inside Newsletter an.

    Ihr Name
    Ihre Email

Newsletter Anmeldung

Live Ticker

  • Daimler braucht einen neuen Fixstern, der ja auch gestern mal wieder “verbal” geliefert wurde…ob das nachhaltig ist bleibt aber noch abzuwarten http://on.wsj.com/146pld6
  • Wissensvorsprung schützt vor Fehlern nicht…Profis vs. Privatanleger – Wer hat am Ende Recht? http://bit.ly/16jGEeW
  • Ein paar interessante Gedanken zum aktuellen Marktgeschehen von Barry Ritholtz http://bit.ly/10Zk8yZ
  • Vermeiden Sie Investitionen in “Fahnenstangen” http://bit.ly/11GMmWU Da fallen mir aktuell auch ein paar Beispiele ein…
  • McKinsey´s Studie zum zweiten Wirtschaftswunder in Deutschland http://bit.ly/12aoy8B
Finanzblog Award 3. Platz
Smava Award 2008 2. Platz












Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de
frisch gebloggt
Web Informer Button